Monimanie 2016

Aghia Triada
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Kreta, Akrotiri-Halbinsel, Moni Aghia Triada, die Klosterkirche (17. Jahrhundert)
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Es ist schon erstaunlich: In 10 Tagen auf Kreta habe ich fünf Klöster besucht (mehr oder weniger besucht). Fünf Kloster und ich …!
Ohnehin ist bemerkenswert, wie oft man sich die Symbolbauten der Macht anschaut, wenn sie nur genug Patina angesetzt haben: Burgen und Befestigungen, Schlösser, für die ein verrückter bayerischer König seine Staatseinnahmen rausgeschmissen hat, Kirchen und Tempel.
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Ich käme nicht im geringsten auf den Gedanken, mir aktuelle Machtsymbole anzusehen, wie das Bundeskanzleramt, den NATO-Flugplatz von Bitburg, das Frankfurter Bankenviertel oder das flotte Eigenheim des Bischofs von Limburg.
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Wenn man in gut 100 Jahre alte Reiseberichte schaut, staunt man über die Banalität mancher Ziele der damaligen „Bildungsreisenden“: Wasserwerke, Gefängnisse, Quarantäneanstalten, Armenhäuser waren dabei (wenn man das glauben darf).
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Vielleicht hat mich meine Reisebegleiterin manchmal einfach mitgezogen …🙂 …:
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Aghia Triada Tor
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Aghia Triada, das Haupttor
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… oder hat es mich nur gereizt, mich über die Hausordnung hinwegzusetzen? Siehe Punkt 8 der 8 Gebote, Fotos im Inneren:
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Aghia Triada Verbotstafel
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Der Segen des Dreifaltigkeitsklosters für den Rest meines Daseins bleibt mir nun wohl versagt.
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Moni Gouverneto
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Akrotiri-Halbinsel, Moni Gouverneto (16. Jahrhundert)
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Ja, hier ist noch viel mehr verboten:
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Gouverneto Verbotstafel
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Das Verhalten der Mönche sei „gegenüber Besuchern nicht immer freundlich“ (Eberhard Fohrer, Müllers Reisebuch Kreta). Aber ich bin ja Nichtraucher, und gebadet und gelärmt und gepicknickt haben wir auch nicht.
(Wir wollten ja später in Stavros was essen. Stavros, nur ein paar Kilometer entfernt. Dort wurden die Szenen mit der zusammenbrechenden Seilbahn aus ‚Alexis Zorbas‘ gedreht, und da hat der ungelenke Anthony Quinn am Strand den für ihn erfundenen Sirtaki getanzt. In Stavros waren Mitte Januar sogar ein paar eisenharte Winterschwimmer aktiv, aber zu essen gab es erst was in „Irenes Taverne“ in Chorafakia.)
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Wenn man von Gouverneto nach Norden läuft, hat man am Weg zwei Höhlen vor sich, zuerst die sogenannte „Bärenhöhle“ und am Kloster Katholikó (nur noch eine Ruine) die Höhle des Eremiten Johannes. Der sei hier während des 10. Jahrhunderts von einem Bauern (!) erschossen worden und dort „an seinen Schußwunden“ gestorben (Müllers Reisebuch Kreta). Sagen Sie mal, Herr Fohrer, mit welchen Schußwaffen waren denn die Bauern im 10. Jahrhundert bewaffnet …?
War Bauern damals überhaupt das Waffentragen erlaubt? Ach so, klar, hier ist ja Kreta …!
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Eremitenhöhle
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Höhle des Eremiten, geht 150 Meter in den Berg hinein.
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Kloster Katholiko
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Teil der Klosterruine Katholikó (aufgegeben im 16. Jahrhundert)
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Katholiko Kerzen
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Was hier zum Glück nicht verboten ist, ist das Kerzenanzünden!
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In einem weiteren Kloster reichte die freiwillige Kerzenspende nicht. In Arkadi gibt es einen Pflichteintrittspreis. Der ist für „die Wiederaufstellung des Klosters“ gedacht:
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……….Kloster Arkadi Ticket
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Hm. Das Kloster hat doch niemand umgeschmissen, es steht doch noch ziemlich gerade. Aber wir fragen nicht nach, der Kassierer ist auch schwer beschäftigt mit Telefonieren:
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Kloster Arkadi
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Moni Arkadi, die Kirche im Innenhof
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Außer uns zahlte gerade niemand für die Wiederaufstellung. Es war ein stürmischer und kalter Samstag. Nein, es war doch jemand da, die müden Klosterkatzen, in ihrer komfortablen Villa:
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Arkadi Katzen
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Und im Kloster Chrissoskalitissa im äußersten Südwesten war sogar richtig was los! Ein greiser Mönch, einige eifrige Bauarbeiter, ein schlichtes Gemüt, das die Datteln vom Boden fegte, die Hippiefamilie von Elafonissi, der übermütige Klosterhund und wir. So viel Leben!
Da war man schon ganz verwirrt:
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Kreta Chrissokalitissa
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Äh sorry, falsch rum! So rum:
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Kloster Chrissokalitissa
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Moni Chrissoskalitissa, bei Elafonissi … wenn Sie „ohne Sünde sind“ (Fohrer), sehen Sie auf der Treppe zum Kloster eine goldene Stufe!
Hab ich natürlich nicht gesehen, aber Katharina schon …
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Und das möge sich jeder merken, der erwägt, in ein Kloster einzutreten:
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Kopf
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So mancher Kopf ist in diesen Einrichtungen ja unter Umständen wirklich gefährdet.
Die Mahnung stammt aus den Räumen von Moni Chrissoskalitissa.
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PS. Die Schwester meines Vaters war Nonne, in Köln-Kalk, in einem Waisenhaus. Ab und zu mußte … äh … durfte ich sie als Kind dort sogar besuchen. Das traumatische Unbehagen in der Nähe solcher Einrichtungen bleibt oft lange erhalten …
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4 comments

  1. Sollte dann nicht korrekt “Pfeilwunden” statt “Schußwunden” in Müllers Kretaführer stehen?🙂
    http://www.gunfun.de/Pfeilverletzungen.pdf
    Zitat: “Den Griechen der Antike galten sie (=Pfeil und Bogen) als Waffe des Feiglings, der den unmittelbaren Nahkampf fürchtete. Auch bei den Germanen war der Bogen nur Jagdwaffe; im Krieg galt er laut Tacitus als knabenhaft und tückisch.”
    Welcher Bauer würde so einen armen Eremiten angreifen …?

  2. Bis heute habe ich noch nie bewußt etwas von Pfeilwunden gehört. Du verblüffst mich immer wieder.
    Ich habe aber analog beim Gebrauch von Pistolen oder Gewehren auch noch nie etwas von Kugelwunden gehört. Für mich ist der Begriff “Pfeilwunden” ist eher medizinisch/akademisch.

    Dschingis Khan und seine Reiterheere galten nicht als feige, obwohl sie mit Reiterbogen bewaffnet waren.

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