Nordzypern ohne Griechen 3

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Die wolkenumwehte Burg von St. Hilarion diente angeblich als Vorlage für Walt Disneys Zeichentrickfilm “Schneewittchen und die sieben Zwerge” (1937). Mag sein, mag nicht sein …
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… jedenfalls ist es schon ein ganz märchenhafter Spaziergang in Richtung zur Burg. Vielleicht sind die bärtigen Ziegen ja auch verzauberte Zwerge? (Der Abzweig des Weges liegt an der Straße Nikosia-Kyrenia, etwa auf der Paßhöhe der Berge.) Von der Burg aus gibt es ein tolles Küstenpanorama zu bewundern. An klaren Tagen sieht man die Taurus-Bergkette auf dem türkischen Festland.
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Das türkisch geprägte Lefkosa (die nördliche Hälfte der geteilten Stadt) war 1986 noch ein armer und recht verschlafener Platz.
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Gemessen an den architektonischen “Meisterleistungen” der DDR beim Mauerbau gaben sich die Zyprer mit etwas schlichteren Lösungen zufrieden. Um Nikosia zu trennen, reichte es, einen Zaun quer durch die Stadt zu ziehen und die Fenster zu vermauern. Damit man nicht über die Grüne Linie blicken konnte, wurden gewisse Stellen noch mit Sichtblenden aus Wellblech verschlossen …
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… am Tag, als wir Nikosia (Lefkosa) besichtigten, war es im Norden außergewöhnlich still. In der großen Selimiye Moschee (bis 1571 Sophienkathedrale) wurde an diesem Tag die Beerdigung eines prominenten türkisch-zyprischen Exilpolitikers gefeiert, der seine letzten Jahre in London verbracht hatte. Um die Moschee herum hatte sich bereits eine große Trauergesellschaft versammelt, und immer noch kamen weitere Blumen und Trauergäste an.
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(Foto copyright unbekannt) Nach der Invasion gab es im türkischen Norden scheinbar keine Bereitschaft, nach der großen Zahl “verschwundener” Griechen suchen zu lassen.
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EINE KURZE GESCHICHTE DER INSEL ZYPERN
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Ich fasse mich ganz unwissenschaftlich kurz, Historiker mit Detailwissen bitte ab hier besser nicht mehr weiterlesen:
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Schon in der Antike war die strategisch günstig gelegene Insel für jeden Machthaber ein wichtiges Eroberungsziel. Am Ende war sie für ein paar hundert Jahre Teil des Byzantinischen (Oströmischen) Reiches, und zwar bis zum Jahre 1184 … da kriegten die Kreuzritter auf dem Weg nach Jerusalem Lust auf Zypern, und die Dynastie der Lusignan regierte die Insel bis zum Jahr 1489. Dann ging sie vorübergehend an Venedig, und 1571 eroberten sie die Osmanen. (Na, war das nicht schnell für 2000 Jahre?)
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1878 verpachtete das Osmanische Reich die Insel an die Briten. 1914 annektierten diese die Insel (weil die Osmanen im 1. Weltkrieg auf der falschen Seite standen), und 1925 wurde Zypern offiziell britische Kronkolonie.
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Die Insel hatte seit langer Zeit eine griechische Bevölkerungsmehrheit (bis zu zwei Drittel der Bevölkerung). Seit der Gründung des griechischen Nationalstaates (1830) gab es Bestrebungen der griechischen Zyprer, diesem beizutreten (Enosis). Da dieser Wunsch bei den Osmanen wie bei den britischen Kolonialherren kein Entgegenkommen fand, entwickelten sich mit der Zeit immer größere Spannungen.
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In den 1950er Jahren wurde von Kräften aus dem griechischen Volksteil bereits offen um die Enosis gekämpft. Die türkische Minderheit wurde … man kann es nicht anders nennen … terrorisiert. Diese hatte jedoch inzwischen auch zu den Waffen gegriffen und verlangte nach einer Teilung (Taksim) der Insel. 1958 kam es zum offenen Bürgerkrieg.
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Nachdem der zyprische Präsident, Erzbischof Makarios, um des Friedens Willen offiziell von der Enosis-Idee zurückgetreten war (und sein Vertrauter, General Grivas, im Untergrund verschwunden war), wurde mit dem “Zürcher und Londoner Abkommen” der Regierungen von Großbritannien, Griechenland und der Türkei die Insel 1960 unabhängig. Das Abkommen sah vor, daß es von keiner Seite zu Angliederungs- oder Teilungsbestrebungen kommen dürfte. In solchen Fällen konnte jeder der unterzeichneten Staaten militärisch eingreifen, um den vertraglich vereinbarten Status zu erhalten.
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Die griechisch-zyprischen Extremisten hatten jedoch dieses Abkommen wegen der Gleichberechtigung der türkischen Zyprer grundsätzlich nicht akzeptiert. Die türkischen Zyprer wurden weiterhin in Enklaven getrieben und verfolgt.
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Im Dezember 1963 kam es wieder zu heftigen türkisch-griechischen Kämpfen, mit häßlichen Übergriffen der griechischen Zyprer auf türkische Frauen und Kinder. 100.000 türkische Zyprer flohen in dieser Zeit von der Insel, zu einem großen Teil nach Großbritannien.
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Die griechische Junta förderte ab 1967 diese türkischfeindlichen Aktionen. Nach der gewaltsamen Räumung des von Studenten besetzten Polytechnikums in Athen im November 1973 hatte die Junta international jedoch kaum noch Unterstützung, und sogar die Sympathie der USA war weitgehend verspielt. Von einem Erfolg in Zypern versprach sich die Diktatur in Athen einen Statusgewinn.
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Am 15. Juli 1974 führten griechisch-zyprische Nationalisten, unterstützt von der griechischen Nationalgarde, einen Militärputsch gegen den Präsidenten Makarios durch, um den Anschluß an Griechenland durchzusetzen. General Nikos Sampson wurde für neun Tage zyprischer Präsident.

Die Türkei intervenierte mit der Landung von Truppen am 20. Juli 1974 auf Zypern, wie es der Londoner Garantievertrag in solchen Fällen vorsah. Dabei nutzte sie die Situation aus, um ein einheitliches türkisches Siedlungsgebiet im Norden der Insel zu schaffen. Dabei wurden in kürzester Zeit fast alle dort lebenden griechischen Zyprer in den Süden vertrieben.
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Obwohl im Dezember 1974 die demokratische Ordnung der Republik Zypern wiederhergestellt wurde und Makarios sein Amt als Staatspräsident zurückerhielt, weigerte sich die Türkei, ihre Truppen aus dem Nordteil der Insel abzuziehen.
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1983 wurde der türkisch besetzte Nordteil zur Türkischen Republik Nordzypern. Allerdings ist die Türkei weltweit der einzige Staat, der diesen Staat offiziell anerkannt hat.
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Inzwischen ist Zypern der EU beigetreten, und im Jahre 2004 scheiterte eine Volksabstimmung zur Wiedervereinigung (als “Vereinigte Republik Zypern”) an der Ablehnung der Griechen im Süden. (Die Türken sagten zu 65% ja zur Wiedervereinigung, die Griechen zu 76% nein.)
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Erst im April 2008 öffnete sich wieder ein Übergang zwischen den beiden Inselhälften in der Ledrastraße in Nikosia, und zur Zeit wird von den Regierungen von Dimitris Christofias und Mehmed Ali Talat wieder offiziell über eine Vereinigung verhandelt. Was mit einer Entschädigung der 180.000 vertriebenen griechischen Zyprer passieren soll, und was mit den etwa 100.000 Festlandstürken passieren soll, die sich inzwischen im zyprischen Norden angesiedelt haben, ist noch völlig offen.
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(Foto copyright unbekannt) Auch 30 Jahre nach der türkischen Invasion: Bombenschäden am ehemaligen Salamina-Hotel im gesperrten Famagusta
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