Serifos 3 Das Erzgebirge


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Koutalas. Im meernahen Erzgebirge von Seriphos fiel mir immer wieder Anthony Quinn und Zorbas ein …

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Als Ludwig Ross die Insel Seriphos bereist (1837), findet er keine Bergwerke in Betrieb. (Er benutzt übrigens den Weg, dem heute die Asphaltstraße Chora – Koutalas / Mega Livadi folgt.) Beim Turm von Aspros Pirgos findet er Kupferstollen, denen er 200 Schritte in den Berg hinein folgt. Er schreibt die Stollen der Antike zu. Allerdings ist hier bis ins 15. Jahrhundert noch von Strafgefangenen unter den Venezianern gegraben worden (Eberhard Fohrer: Kykladen, Müller-Verlag, 2006). Die Venezianer stehen auch im Ruf, den Baumbestand der Insel kahlgeschlagen zu haben, um Schmelzöfen zu betreiben.

Ludwig Ross identifiziert auch umfangreiche Schlackenberge. Die Einwohner von Seriphos berichten ihm, mit Hilfe der stetigen Nordwinde seien dort Mühlen und Öfen betrieben worden: “Die Alten hätten dieß gethan, um den auf dem Schlackenberge fast unablässig wehenden Nordwind zum Treiben von Mühlen zu benutzen, in denen sie das Erz zermalmten, ehe es in die Öfen kam.”

Übrigens: Der stetige Nordwind droht, der Insel einen (lokal unerwünschten) Windradbestand (mitten im Naturschutzgebiet) einzubringen: Seriphos soll 87 Windräder kriegen, jedes 105 Meter hoch. 261 MW Strom sollen erzeugt werden. Seriphos selbst braucht maximal 6 MW. Der Rest soll über Unterwasserkabel nach Athen/Attika gehen.


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Erst in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wird auf Serifos der Eisenerzbestand wieder ausgebeutet: “Sehr bedeutend (für den Erzbergbau) ist Seriphos, wo schon im Altertum Eisen gewonnen wurde. Die “Société metallurgique” hatte1869 hier mit dem Abbau begonnen. Die Konzessionen, die sie erwarb, umfaßten die reichsten Felder der Insel (2 Mill. Tonnen) bei den Häfen Kutala und Megalolivadi. Bei den vergeblichen Versuchen die Erze mit Braunkohlen zu verschmelzen, büßte das Unternehmen große Kapitalien ein. Im Jahre 1880 ging der Betrieb auf die “Gesellschaft Seriphos-Spiliasesa” über, und unter der Leitung des äußerst tüchtigen und umsichtigen deutschen Ingenieurs und Mitbesitzers A. Grohmann (gestorben 1905) entwickelte sich die Industrie in der vollkommendsten Weise. Bis 1900 waren 1,5 Mill. Tonnen Erze gewonnen. Im Jahre 1909 beschäftigte das Unternehmen an 650 Arbeiter und förderte zusammen mit der Grube von Spiliasesa 184.000 t. Die kleinen Betriebe auf Seriphos haben nicht aufkommen können. Die “Minengesellschaft von Seriphos” hat ihre Arbeiten seit 1907 eingestellt. Am Vorgebirge Chalara ist ein Lager von über 200.000 t nachgewiesen, das Eigentum der Gemeinde ist und noch nicht abgebaut wird.”
Adolf Struck “Zur Landeskunde von Griechenland”, 1912

Iron is abundant on Seriphos, 112.110 tons of ore having been exported in 1894, of which 36.280 tons went to Great Britain.
Murray’s Handbook Greece, 1900


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Man kann es sich kaum vorstellen. Hier, am Ende der Welt, haben hunderte von Erzbergleuten gelebt …

Bis in die 1950er Jahre wird auf der Insel Erz abgebaut. 1916 kam es in Mega Livadi zum berühmten Streik, bei dem von Marinesoldaten vier Arbeiter erschossen wurden. Als Streikerfolg wurde zum ersten Mal in Griechenland der Acht-Stunden-Tag eingeführt. Na bitte: Proletarier aller Inseln, vereinigt euch …


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Übrigens: 1918 wurde die griechische Kommunistische Partei (KKE) gegründet. An den Ruinen der Bergwerke in Koutalas fand ich noch diesen Slogan: “Nein zum Ausverkauf! Der Bergbau gehört dem Volk von Serifos.” (Die Internationale Arbeiterklasse dankt für die Übersetzung, Genossin Ilka!) Hm, die Schrift sah nicht so aus, als wäre sie schon 50 Jahre alt, aber die KKE bewahrt eben ihre Haltung über den Tag hinaus …🙂 …

Im Ernst: Es kann natürlich sein, daß die Ferienhausbauer (die im Raum Koutalas recht aktiv sind) seit ein paar Jahren scharf sind auf die Grundstücke der Bergwerksgesellschaften … während die KKE die Erinnerung an die industrielle Vergangenheit der Insel nicht einfach zubauen lassen will …


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Koutalas, die Taverne Eparcho

Wenn Sie einigermaßen gut zu Fuß sind: Der Weg von Livadi nach Koutalas über die Südküstenstraße ist nett und hat schöne Aussichten (11 km schattenlose Schotterpiste). In Koutalas wartet die äußerst urige Taverne Eparcho … ja, da sieht Griechenland noch absolut so aus wie in den 1970er Jahren! (Die Inhaber auch …) Da können Sie selbstgemachten Käse und Wein und frische Fische aus der Bucht kriegen. Wenn Sie der hochgradige Wein (verdünnen!) davon abhalten sollte, zu Fuß zurückzulaufen: Die Koutalas-Bucht hat gleich drei schöne menschenleere Strände (an der Ghanema Bucht gibt es noch eine weitere Taverne, die hat einen sehr guten Ruf, ist aber nicht rund ums Jahr geöffnet). Bestellen Sie sich ein Taxi für die Rückfahrt.


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Der Blick dieser Gorgone an der Wand der Taverne Eparcho könnte Sie soweit versteinern, daß Sie ein Taxi für den Rückweg brauchen. Aber die Geschichte von Perseus und der Gorgone Medusa und dem König von Serifos überlassen wir den Sagenbüchern …
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4 comments

  1. … jetzt bin ich beruhigt, nach Stunden voller Sorge ….🙂 … Es klang ja so, als hätte ich (unbeabsichtigt) bei der Katharina (nissomanie.de) was geklaut. Aber ist nicht so. Katharina sagt, sie hätte eine große Gorgonen-Foto-Sammlung im Schrank, die sie irgendwann mal veröffentlichen will. Da kann ich ohnehin nicht konkurrieren, vermutlich ist das da oben mein einziges Gorgonen-Foto!
    Theo

  2. Theo,
    vielleicht könntest du mir dann dein Gorgonen-Foto leihen wenn es so weit ist? Natürlich mit Urheberangabe und Link, versteht sich.. 🙂

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