Mirsini, Tereza und Kap Paparghiros

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Mirsini, Tinos
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Wenn Sie auf der Hochebene östlich von Steni unterwegs sind, haben sie nah an der Tsiknias-Bergkette nur noch zwei Bergdörfer vor sich, Potamia und Mirsini. Wenn sie die Hinweis-Schilder „Mirsini: A Entrance“ und „Mirsini: B Entrance“ am Weg zur Livadha-Bucht vor sich haben, vergessen Sie nicht: Das ist hier keine Autobahn 🙂 und die Ausfahrten A und B sind schmale Sackgassen, die am Rand des verschachtelten Kykladendorfes Mirsini enden. Mirsini hat etwa 100 Einwohner.
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Ich nehme, heute zu Fuß unterwegs, die Ausfahrt A. Nach einiger Zeit führt nur noch ein Fußweg zur Dorfkirche. Wir sind bei Tereza zum Essen verabredet. Anruf nach Triandharos:
„Ich bin schon da!“ „Wo?“ „In Mirsini, an der Kirche.“ „Da bist du viel zu hoch im Dorf. Da führt ein Treppenweg zum unteren Dorfrand. Bis gleich.“
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Es ist früher Nachmittag. Es ist totenstill im Dorf. Nein, nicht ganz totenstill. Das Gespräch, das der Bauarbeiter am unteren Ende des Dorfes mit Tereza führt, während er seine Flasche Pausen-Bier leert, schallt durch den ganzen Ort. Ein paar Minuten später stehe ich auch dort. Tereza deckt den ‚Tisch für drei‘. Der Bauarbeiter setzt das leere Glas ab und geht.
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IMG_0033_400Es gibt an der Straße, die am Dorf vorbeiführt, keinerlei Hinweis auf Terezas Laden-Tavernen-Kombination. Und sehenswert sei im Dorf nur die alte Kirche.
Aber ich hatte vorhin schon eine andere Kirche am Straßenrand gesehen (von außen).
Mit einer windzerzausten Hahnenkamm-Giebelfront bewacht sie den winzigen Friedhof des Dorfes.
In griechischen Dörfern stirbt man sehr früh oder wird sehr alt:
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Noch ist viel Platz im Kolumbarium, wo die Reste der nach einigen Jahren leergeräumten Gräber bleiben:
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Kolumbarium ist lateinisch und heißt „Taubenschlag“, und das ausgerechnet auf der Insel der Tauben (columba = die Taube).
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Wir essen bei Tereza, und ich esse mal wieder „zu wenig“, weil ich viel zu erzählen habe, und Günter weigert sich, meinen üblichen Anteil an der Rechnung anzunehmen: „Du hast doch fast nichts gegessen!“
Tereza verpackt die Essensreste für die Hauskatzen in Triandharos. OK, bin ich wieder schuld, daß zwei Aluschalen und eine Plastiktüte in die Umwelt kommen … 🙂 …
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Später Nachmittag, wir wollen noch was unternehmen. (Mirsini ist ein optimaler Ausgangs- oder Endpunkt für längere Wanderungen. Aber heute mal nicht.)
Wir gehen zum Ende der Ausfahrt B. Siehe da, hier gibt es doch was Sehenswertes:
Ein großes Taubenhaus, ein „Kolumbarium“ mit zahlreichen lebenden Bewohnern, und das fast mitten im Dorf! Die zahlreichen Taubenhäuser der Insel stehen – aus gutem Grund – fast immer an isolierten Stellen.
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Günter will den Weg zum alten Leuchtturm am Kap Paparghiros entlangfahren, und zwar auf der Meeresseite der Tsikniaskette. Kein Einwand, hier wollte ich schon vor zwanzig Jahren unterwegs sein, und es hat nie geklappt.
Vorbei geht es am grünen Tal mit dem Dörfchen Potamia im Zentrum …
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… vorbei am Kloster Faneromeni. „Will jemand da runter?“ „Nö.“
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Am Kloster hört die Asphaltierung auf. Damit hinein in die kargste wüstenähnlichste menschenleere Gegend, die Tinos zu bieten hat. Noch sieben weitere Kilometer Schotterweg auf halber Höhe zwischen den Gipfeln und dem Wasser, und nur ein einziges Haus weit unter uns. Der Leuchtturm. „Will jemand da runter?“ „Nö.“
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Ein Fußweg führt vom Leuchtturm ins Livadha-Tal. Was von weitem zunächst so aussieht wie ein Serpentinen-Weg zum Wasser, ist eine geschichtete Marmor-Lagerung. Bei den steilen Felsen, den tückischen Fallwinden und Strömungen würde da auch keiner mit dem Boot anlegen wollen.
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Die Straße ist verhältnismäßig breit und gut erhalten. Hier liegt ja auch die Müllkippe der Insel, und für die Müllwagen wurde immer ein wenig am Erhalt der Strecke gearbeitet. Nun ist die offene Müllablagerung ja EU-mäßig verboten – mal sehen, was aus der Straße in der Zukunft wird.
Aber man muß heute schon äußerst konzentriert fahren. Günter wundert sich über sich selbst: „Jedesmal, wenn ich auf dieser Straße bin, sage ich mir – das ist jetzt wirklich das allerletzte Mal!“
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Ganz im Osten dreht die Straße nach links und führt auf der anderen Bergseite zurück nach Mirsini. Als wir oberhalb des Stausees am unteren Ende des Livadha-Tals wieder auf Asphalt treffen, hatten wir von der Rüttelei auf dem groben Schotter auch genug.
Hier entlangwandern und die Wasserflasche vergessen …? Ich habe schon von Visionen vom Wasserfall in Triandharos:
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Wir passieren unterwegs einige brandneue Pumpstationen, die das Wasser aus dem Stausee über die Höhe ins Inselinnere führen.
Günter lacht: „Führen …? Führen sollen muß das heißen!“ Seit zwölf Jahren ist das Projekt in Arbeit! Erst werden die Fördergelder für das Staubecken gesperrt, dann wieder freigegeben, dann dauert es ewig, bis die Pumpstationen genehmigt werden, und nun fehlt das Geld für die Rohre, die die Stationen verbinden.
Abends sitze ich auf meiner Terrasse am Hafen und schaue mir das nächtliche Ausladen von Zement an. Man hat es eilig. Bestimmt kein Regierungsauftrag … neue Ferienhäuser mit Swimmingpool sind wahrscheinlicher.
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NACHTRAG 1:
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Letztes Jahr. Terezas Tochter tischt auf. Ihr griechenlandtypisches Schicksal:
Universitätsabschluß und Kellnerjob.

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Ich liebe ja „Gäste-Bewertungen“. Besonders wenn tripadvisor sie mir „maschinell“ übersetzt. Kosmas G. schreibt dort am 30.07.2017 (auf Englisch) über Terezas Taverne:
„Absolut Griechisch. Schönes Dorf Ort mit real griechisches Essen. Alle Teller sind schön. Ich genießen Sie noch mehr wenig Ziege und Gemista. Schön Nissos Bier. Teresa ist so schön Person. Preis/Leistungsverhältnis für moneybrestaursnt.“
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Oh je. Solidere Informationen findet Sie hier:
http://www.greekgastronomyguide.gr/en/item/tereza-tinos/
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Tereza führt ein Kafeoinopantopoleion, das ist ein Kramladen mit Küche, Kaffee- und Weinausschank. Von den Umsätzen mit Waschpulver, Kartoffelchips und Konserven könnte Tereza wohl nicht überleben, und auch nicht die Ausbildung ihrer Tochter finanzieren.
Aber der Tavernenumsatz bringt es wohl – auch wenn die Behörden ihr den Bau eines neuen Toilettengebäudes aufzwingen, was so einiges von ihrem Jahresumsatz auffrißt.
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Jeder hier oben in den Bergen muß eigentlich zum Einkaufen von Lebensmitteln hinunter zum Hafen (ab Mirsini 12 Kilometer). Tereza ist gewissermaßen der örtliche „Tankstellen-Shop“, der Berliner „Späti“, bei dem man nur das Nötigste aus Verlegenheit kauft. Aber was wäre Mirsini ohne sie!
IMG_0052_A400Am Hafen gibt es jetzt im Mai bereits die ersten erstklassigen Kirschen, im Supermarkt, 2,97 Euro das Kilo. Da kann ein Dorfladen nicht mithalten.
Aber viele der kleinen Bergdörfer auf Tinos haben noch so eine Laden-Café-Kombination. Manche sind schwer zu finden und haben ein eher bescheidenes Angebot.
Mirsini hat nur zwei Bus-Verbindungen pro Tag – ab Mirsini 7:00 Uhr, ab Chora/Hafen 14:15. (Mehr Busverkehr hat das Nachbardorf  Steni, eine knappe halbe Stunde Fußweg von dort.)
Man hat hier oben besser einen Garten. Und eine Ziege und ein paar Hühner.
Aber Terezas Küche und ihre freundliche Art sind inselbekannt. Sie braucht keine Werbung, eigentlich. Aber wenn Sie mal da sind, unbedingt den Salat mit den schwarzäugigen Bohnen (Mavromatika) bestellen!
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NACHTRAG 2:
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Als Orientierungshilfe – der Blick von Google Maps auf die Gegend.
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3 comments

  1. ….find ich nicht. ich lebe 10 monate im jahr auf dieser noch sehr ursprünglichen insel. sie hat es mir angetan. aus den worten spricht mich direkt das karge leben dort oben an, man hört das so richtig…peter
    ´´´´

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