Mariés und Lakkos Marion

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Thassos, das Bergdorf Mariés
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“… mein Sohn, mein Sohn, ich seh es genau:
es scheinen die alten Oliven so grau.”
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:-)  Während einem der persiflierte ‘Erlkönig’ durch den Kopf geht angesichts der zahllosen methusalix-alten Olivenbäume, die die Straße hinauf nach Mariés von der Küste aus begleiten, beginnt die Straße steiler zu werden und sich enger um die grünen Hügel zu winden. Im dichten Laub blinkt endlich das Dorf auf … so weit von der Küste entfernt, daß den Ägäis-Piraten früher die Lust verging, hier noch nach Beute zu suchen …
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Mariés ist ein solides altes Bauerndorf. Nicht mehr, nicht weniger. Wer heute noch hier oben wohnt, lebt von dem, was die Gärten und der Wald hergeben. Und sein ‘Muli’ parkt der moderne Waldbauer am Dorfrand:
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Natürlich bleibt finanziell auch ein bißchen davon hängen, was unten an der Küste passiert, im Sommer, in Limenaria, in Potos, in Skala Marion. Heute, an einem Samstagnachmittag im Mai, ist niemand von den frühen Sommergästen hier oben. Aber das “touristische Führungssystem” des Dorfes, das ist immer da:
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Ja, die Kirche des Erzengels Michalis ist die Hauptattraktion von Mariés. Aber ich hole mir nie irgendwo den Schlüssel, um mir wertvolle Ikonen anzusehen oder gewaltige Kronleuchter oder geschnitzte Altarwände zu bewundern. Wenn ich in Griechenland meine übliche Kerze-zum-Wiederkommen anzünde, dann aus Prinzip in einer einfachen Landkapelle, deren Tür offen ist, weil es in ihr nichts zu klauen gibt.
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Und für einen Kaffee sind wir auch nicht im Dorf geblieben, denn das Wetter auf Thassos war in den letzten Tagen unbeständig … aber heute ist es mal schön. Da ist man unruhig und will nicht auf der platia rumhocken. Also weiter … rauf in Richtung des Sees und der Katarakte! Es ist ein Spaziergang, über einen gut befahrbaren Sandweg. Die abzweigenden Seitenwege sollte man besser meiden. Sie führen bloß zu leeren Ziegenställen oder zu entvölkerten Bienen-Kleinstaaten:
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Der See … eine lokale Attraktion … ist auch gleich mit ein paar rustikalen Freizeitmöbeln ausgestattet. Groß ist er nicht, der romantische Waldsee, aber groß genug für eine grünhaarige Najade oder zwei wäre er schon. Statt der Seejungfrauen tauchen allerdings nur diverse kleinere quakende Amphibien auf. Das sollte vom Touristenverband zukünftig noch verbessert werden …
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“Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn
Und wiegen und tanzen und singen dich ein” (J.W.v.G.)

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Die ‘Katarakte’ (großes Wort …) könne man erreichen, wenn man dem Lakkos Marion folgt, dem Bach, der den See versorgt, aber es sei teilweise eine schwierige Klettertour. Man könne jedoch teilweise “im hier oft trockenen Bach” laufen ( … ha, wenn der Bach ausgetrocknet ist, sind auch die Wasserfälle weg, oder?)
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Wir sind zuerst oben der Sandstraße gefolgt, die Blicke ins Tal des Baches erlaubt, und ja, was da unter uns fällt, ist nicht der Niagara, nicht mal das, was in einem nordeuropäischen Mittelgebirge mit einem Hinweisschild ‘Wasserfall’ bedacht würde …
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Versucht haben wir es später unten trotzdem, sind einmal die Felsbrockenbarrikade hinter dem See hinaufgeklettert und wenigstens bis zum ersten ‘Katarakt” gelaufen. Es ist nur ein kurzer Weg:
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Die feuchten Steine sind spiegelglatt, und auf allen vieren die Wand daneben hoch … ach nee, das ist es nicht wert, lieber zurück zum See, da hatten wir uns schon mit der Frau verabredet, die dort an einem improvisierten Stand “landestypische Produkte aus eigener Herstellung” anbietet, wie es in der Tourismus-Werbung immer so schön heißt … aber erstmal wird probiert!
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Auf dem Löffel gibt’s gerade Rosenkonfitüre … oder Hagebuttenmarmelade, wie der Banause (ich …) einschiebt … ja, davon kam auch noch ein Glas in Wolfgang und Marlieses Tüte!
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Hier war es wirklich alles zu haben, was das Tal von Mariés an Früchten hergibt und klassisch zu konservieren ist: Walnuß, Kürbiskern, Quitte, Feige, Orange, Pfirsich – in Sirup eingekocht, Feigen- und andere Marmeladen, Olivenöl, Honig, verschiedene Aromen, um hochprozentige Getränke zu würzen (das sind die kleinen Ex-Ouzofläschchen, die aussehen wie Teile vom Chemiebaukasten) …
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Und ja, was das Einkaufen angeht … am Ende hatte Wolfgang auf dem Flughafen in Kavala 40 Euro für sein Übergepäck zu zahlen, habe ich gehört … vielleicht hat das auch daran gelegen, daß die recycelten Gläser vom Bauern-Stand noch durch edle Gefäße aus dem Nobel-Laden in Limenas ersetzt wurden?
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