07 Albaner im Vikos-Tal

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Booky (links) und Freund aus Vitsa

Meine Skorpionstich-Schmerzen (Seite Zagoria 06) ließen sich leicht vergessen … wir waren am Koukouli-Abzweig auf der Landstraße Kipi-Tsepelovo direkt hinunter zum Vikos-Fluß abgestiegen, auf die legendäre Wanderstrecke 03. Auch heute nicht ohne Hund. Effi nennt ihn Booky. Er gehört Nachbarn aus Koukouli. Plötzlich war er da. Er hatte Effi fröhlich begrüßt. Alle Hunde lieben Ainley Hounsell …! Wir wollten soweit in die Vikosschlucht hinein, wie es eben ging. Und auf dem gleichen Weg zurück.
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Es ist echt gemütlich, an diesem Frühsommermorgen am Fluß entlang zu laufen. Ebene Strecke. Wir plaudern, auf englisch. Die Energie “unseres” Hundes würde gut dazu ausreichen, eine Gruppe ehrgeiziger Jogger zu begleiten. Booky ist uns immer 50 oder 100 Meter voraus.

Wir waren nicht allzu früh losgezogen, denn die Strecke durch die Vikosschlucht war ein ganz bekannter Schleichweg für die Migranten aus Albanien. Die waren in der Schlucht in der Regel nachts unterwegs. Und sie hatten nicht unbedingt einen guten Ruf in der Zagoria …
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Das hier ist diese gewisse enge Stelle im Vikostal, wo die Albaner …
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Irgendwann biegt Booky im rechten Winkel vom Weg ab und rauscht ab ins Buschwerk. Dann öffnen sich dort die Zweige, und zwei etwas abgerissen aussehende Typen treten heraus, vom Hund aus sicherer Entfernung angebellt. Albaner?
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Ignorieren, mahnt Effi, grüßen und ignorieren.
Die beiden Unrasierten kommen auf uns zu, schweigen, sehen uns nicht in die Augen.
Lächeln. Kalimera!
Kalimera, kommt es von ihnen zurück. Ohne Lächeln.
Im selben Moment zucken wir drei heftig zusammen. Jeder der beiden trägt eine Maschinenpistole unter dem Ellenbogen …
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Schlepper, murmelt Effi, professionelle Schlepper … jeder Albaner weiß, was ‘Kalimera’ heißt … shit shit shit … die sind immer vorneweg, und die restliche Gruppe Albaner ist noch vor uns auf dem Weg … und das am hellen Tag!
Ein Blick zurück über die Schulter.
Die beiden sind umgekehrt, und folgen uns. Wir gehen schneller, sie gehen schneller. Wir gehen langsamer, sie gehen langsamer … kein gutes Gefühl, überhaupt nicht …
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Da, die Brücke, die Misosbrücke … dahinter geht ein Fußweg rauf nach Vitsa … wir können hier nicht weiter geradeaus, da ist sich Effi ganz sicher. Rauf auf den Brückenbogen, weiter hoch, in der ersten Serpentine anhalten. Kommen sie uns nach? Joan überlegt schon, was sie in den USA alles gelernt hat, um in Vergewaltigungsszenen zu reagieren … hast du dein Taschenmesser dabei?
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Die MP-Träger kommen nicht. Sie bleiben an der Brücke stehen und schauen uns hinterher, während wir die Stufen hochhasten.
In Vitsa direkt zum Telefon im erstbesten Kafeneion. Effi ruft die Polizeistation in Kipi an. Ja, sind so unzivilisierte Typen mit Maschinenpistolen, die werden ja immer dreister …
Ob sie die beiden genauer beschreiben kann, und wo genau haben wir sie gefunden?
Effi erklärt.
Wir hören das Gelächter am anderen Ende der Telefonleitung quer durchs Lokal.
Sie legt auf.
Was war los, Effi?
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Sie grinst, etwas schamgerötet: Griechische Grenzpolizisten in zivil. Die sind fast jede Nacht da. Das ist die ideale Stelle, um die Albaner festzunehmen. Und sie haben uns nicht angesprochen, weil wir uns auf englisch unterhielten … doofe Touristen. Sie hätten aber was gesagt, wenn wir geradeaus weitergegangen wären …
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Ja, wir hätten die beiden ja auch ansprechen können: Einfach mal nach dem Weg irgendwohin fragen oder sowas …? Effi spricht fließend Griechisch. Aber so eine bescheuerte Maschinenpistole paralysiert …
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Wir sind nicht wieder hinunter ins Vikostal gestiegen. Sondern rauf nach Monodendri, zum Kloster Paraskevi. Eine gute Gelegenheit, dem Schicksal in Dankbarkeit eine Kerze zu opfern:
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Nachtrag: Eine englische Mitarbeiterin der Athens News ist gewöhnlich mit ihrem Pferd in Griechenland auf Reisen. Alleine. Im Sommer 2007 war sie ganz oben in Nordgriechenland unterwegs. Sie hatte alleine draußen übernachtet, und beim Sonnenaufgang beim Frühstück stand ein halbes Dutzend Albaner vor hier. Sie waren über die Grenze gekommen und seit einer Woche unterwegs, zu Fuß, nachts, immer weit weg von der Zivilisation. Sie waren wohl im Kreis gelaufen und halb verhungert. Die Reiterin hat mit ihnen ihr Frühstück geteilt und vor allem ihre Zigaretten – und hatte dabei nicht das Gefühl, in Gefahr zu sein. Ihre Gäste am Lagerfeuer waren “gentlemanlike”.
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One comment

  1. Ist ja nochmal gut gegangen die “Begegnung der dritten Art”🙂

    Gott sei Dank hat es etwas nachgelassen, die ganze Schlepperei mit den Albanern (nicht daß es sie nicht mehr gibt!)

    Auch für sie (das ist nicht abwertend gemeint) ist es immer schwieriger regelmäßige Arbeit in Griechenland zu finden, bei eine “offiziellen” Arbeitslosenquote von über 10% und einem Ausländeranteil von über 20%…

    Einzig arme Flüchtlinge aus den Kriegsgebieten wie Irak, Afghanistan usw. kommen noch in Strömen nach Griechenland, da es relativ einfach ist auf eine Insel “geschleppt” zu werden.

    Übrigens schöner Blog mit tollen Themen
    Grüße
    Vangelis

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