Olympia / Ausgrabung

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Seit dem 4. Jahrhundert v.Chr. entstand die Vielzahl der monumentalen Bauten von Olympia – die wichtigsten davon die Heiligtümer von Zeus und Hera. Bis zum Jahre 426 n.Chr., als sie von christlichen oströmischen Kaiser Theodosius II. verboten wurden, wurden die Olympischen Spiele dort durchgeführt.

Der Kernbereich (die Altis) war der Heilige Hain von Olympia, zwischen den Flüssen Alpheios und Kladeos und dem Kronoshügel. Im Kern dieses Bereiches entstanden im Laufe der Zeit sämtliche Tempel und Altäre. Pausanias zählt im 2. Jahrhundert n.Chr. noch 69 davon. Um das Heiligtum herum wurden die Wettkampfstätten eingerichtet, sowie die damit verbundenen “Infrastruktureinrichtungen”, wie Trainingsplätze, Thermen und Gästehäuser. Auch das Stadion selbst liegt außerhalb der Altis. Nach der Aufgabe des Heiligtums wurde der Ort von Erdbeben zerstört und von Ablagerungen der Flüsse begraben. Teilweise mußten bei den Ausgrabungen bis zu 7 Meter Erde abgetragen werden. Das ausgegrabene Gelände ist umfangreich, die Funde sind im nahegelegenen Museum ausgestellt. Ich beschränke mich hier nur auf das Wichtigste:

DER HERA-TEMPEL

Der Hera-Tempel ist einer der frühesten dorischen Tempel in Griechenland. Er wurde um 600 v.Chr. errichtet. Seine Säulen bestanden ursprünglich aus Holz und wurden von Zeit zu Zeit einzeln durch verschiedenartige Steinsäulen erneuert. Im 4. Jahrhundert n.Chr. wurde der Tempel von einem Erdbeben zerstört und nicht mehr wiederhergestellt.

Der Tempel wurde genutzt, um zahlreiche Götterbilder und andere Weihegeschenke aufzubewahren. Einer der wenigen Gegenstände, die heute noch erhalten sind, ist die Statue des Hermes des Praxiteles. (Sie wurde 1877 gefunden.) Im Heratempel wurden die Siegerkränze während der Wettkämpfe ausgelegt. Seit 1928 wird hier das Olympische Feuer entzündet.

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DER ZEUS-TEMPEL

Der monumentale Tempel wurde zwischen 570 und 450 v.Chr. errichtet. Die Giebelfelder des Tempels waren mit Marmorskulpturen ausgestattet. An der Ostseite wurde eine lokale Sage, die Wettfahrt zwischen Oenomaos und Pelops dargestellt (von Paeonios), an der Westseite der Kampf der Lapithen gegen die Kentauren (von Alkamenes aus Athen). Im Inneren des Tempels stand die 12 Meter hohe Zeusstatue des Phidias aus Gold und Elfenbein, die in der Antike zu den Weltwundern gezählt wurde. Die Statue ist inzwischen verschwunden.

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Rekonstruktion der Ostseite

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Der aufgefundene Ost-Giebel im Museum von Olympia. Den Kopf der Apollon-Figur in der Mitte kennt jeder Griechenlandreisende vom letzten, bis 2002 gültigen 1000-Drachmen-Schein …

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Auch ein weiteres Werk, das im Museum zu sehen ist (die Nike des Paionios, um 420 v.Chr. entstanden, ist in die Alltagskultur eingegangen …

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Die Größe des Zeus-Tempels kann man an diesem im Fundament verbliebenen Säulenrest noch erahnen:

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Das Erdbeben, das den Zeus-Tempel im 4. Jahrhundert n.Chr. zerstörte, war gewaltig. Diese Säulenscheiben liegen noch so, wie sie gefallen sind:

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Die Werkstatt des Bildhauers Phidias lag nicht weit vom Zeus-Tempel. Sie wurde in byzantinischer Zeit als Kirche genutzt, und ist heute noch in ihren Grundmauern erkennbar:

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DAS STADION

Das Stadion wurde nach den Ausgrabungen 1961 wieder in der Gestalt hergerichtet, die es im 4. Jh. v. Chr. erhalten hatte. Insgesamt war die Anlage des Stadions 213 Meter lang und 32 Meter breit. Der Platz war von einfachen Graswällen umgeben, auf denen bis zu 45.000 Zuschauer Platz fanden. Aus Stein war nur eine kleine Tribüne errichtet, die den Kampfrichtern und der obersten Priesterin des Heratempels vorbehalten war, die als einzige Frau den Spielen beiwohnen durfte. Als Zugang für die Athleten diente ein überwölbter Gang, der von der Altis unter dem westlichen Besucherwall hindurchführt.

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Vorne rechts der Durchgang, hinten Mitte die Kampfrichtertribüne
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DIE AUSGRABUNGEN
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Bereits im 18. Jahrhundert wurde der Gedanke zur Ausgrabung des vom Alpheios verschütteten Bereichs von Olympia angeregt. Gelehrte wie Richard Chandler und Johann Joachim Winckelmann besuchten als erste den (malariaverseuchten) Ort. Der Franzose Fauvel schuf 1787 eine erste topographische Skizze und Beschreibung der Umgebung.
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Es folgten mehrere bedeutende englische Archäologen und Reisende zu Beginn des 19. Jahrhunderts: Leake, Dodwell, Gell, Cockerell, Lord Spencer Stanhope und sein Architekt Allason, die auf Grundlage systematischer Messungen einen topographischen Lageplan erstellten. Eine Gruppe französischer Gelehrter legte 1829 unter der archäologischen Federführung des Bildhauers Dubois und des Architekten Abel Blouet in knapp zwei Monaten große Teile des Zeustempels frei.
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Olympia Ausgrabung
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ine systematische Freilegung weiter Bereiche der antiken Stätte erfolgte aber erst durch die deutsche Ausgrabung 1875 bis 1881 unter dem Direktorium in Berlin, mit den Archäologen Ernst Curtius, Friedrich Adler, Gustav Hirschfeld, Adolf Boetticher und anderen. Auch Wilhelm Dörpfeld gehörte zu den Ausgrabungsleitern.
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Die ausführliche Beschreibung Olympias durch Pausanias (2. Jh. n. Chr.) ermöglichte dabei die Identifizierung fast aller ausgegrabenen baulichen Reste. Die Funde wurden in einem neu errichteten Museum am Rand der Ausgrabungsstätte untergebracht. Bis 1897 wurde eine umfassende wissenschaftliche Publikation der Ausgrabung vorgelegt.
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Die Grabungen wurden durch das Deutsche Archäologische Institut nach den Olympischen Spielen in Berlin von 1936 wieder aufgenommen und dauern mit Unterbrechungen bis heute an. Vor einigen Jahren war das Gelände durch umfangreiche Waldbrände extrem gefährdet.
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