Rauchen bei Christos

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Das ist eine Geschichte aus der rauchergesetzlosen Zeit …

Ich würde ja gerne eine schöne lange Seite über tolle griechische Lokale in Deutschland schreiben, aber außer dem “Olympia” fällt mir da nichts wirklich Positives und Authentisches ein, und das war in Amsterdam. Gut, das “Kytaro” in Düsseldorf hat einen griechischen Wirt, das ist aber kein herkömmlicher … äh … “Grieche” …
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Bei uns in Essen gab es das “Sorbas” von Christos V. Nicht wirklich gut war es, aber auch nicht schlecht. Besser als die Konkurrenz. Konnte man hingehen. Christos hatte einen fähigen Koch, aber das Publikum forderte ja nichts von der Küche. Und die Küche machte (ohne vorherige Verabredung) nichts Ehrgeiziges und Authentisches, was man dann mangels Nachfrage wegschmeißen mußte. Weil mal wieder nur die Grillteller-Fixierten kamen …
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Aber das Wichtigste im Laden war ohnehin er selbst … Christos.
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Christos hatte es an der Galle, und der Arzt hatte ihm (außer Sex und Glücksspiel) alles Gute im Leben verboten: Fettes Essen, Alkohol, Zigaretten. Die Sache mit dem Fett und dem Alkohol hat er akzeptiert, das Nichtrauchen nicht. Aber er hatte ein schlechtes Gewissen, wenn er Zigaretten kaufte …
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So um 22 Uhr, wenn das Essen weitgehend serviert war … oder schon wieder abgeräumt … kam Christos’ Stunde: “Ja, wo rauchen sie denn gerade?” Wenn wir da waren, kam er immer zu uns. Ich bin Nichtraucher, aber die Dame mir gegenüber fürchtete sich immer sehr vor diesen Moment … ob sie ihm mal ‘ne Marlboro geben könnte, eine nur?
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Sicher, gerne, Christos … Stoßgebet: Hoffentlich geht jetzt das Telefon, hoffentlich kommen jetzt noch 12 hungrige Leute aus der Oper …! Nein. Fast immer nein. Christos sucht das Feuerzeug, und hat im selben Moment schon ein Gespräch angefangen. Weitere 30 Sekunden dauert es noch, und Christos sitzt am Tisch: “Mach mal Platz!” Und dann monologisierte er …
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Christos konnte zwei Sachen sehr gut (ist schlecht für die Galle, wenn man das unterdrückt): Provozieren und politisieren.
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Christos “mochte keine Ausländer in Deutschland”.
“Aber Christos, hör mal … wo wurdest du denn geboren?”
“Red nicht so Zeug! Guck dir doch die ganzen Albaner hier an. Von denen arbeitet doch keiner was …”
“Christos, hier gibt’s keine Albaner …”
“Red nicht. Wofür zahl ich hier Steuern? Daß ihr das an die Albaner verteilt? Und wenn ihr Deutschen die EU nach Osten verbreitert, meinst du, ihr kauft den Balkan? Der Balkan kauft euch!”
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Christos “hatte was gegen Frauenrechte”.
Und er freute sich kindlich, wenn frau sich über ihn ärgerte. Das brachte mit sich, daß jedes Mal ein “Hoffentlich-kellnert-sein-Neffe-heute!” geseufzt wurde, bevor wir die Tür aufmachten. Sein Neffe war ein kaum erreichbares Vorbild an Zurückhaltung, er kam nur zum Tisch, wenn er drum GEBETEN wurde, und dann mußte er nochmal extra GEBETEN werden, sich hinzusetzen. Er erzählte gerne, aber Hinsetzen ging gegen die Berufsehre. Er war höflich, charmant, intelligent, ein perfekter und effizienter Kellner, und sah aus wie Antonio Banderas in “Desperado” (mit Zopf). Irgendwann mußte er leider nach Griechenland, zum Militär …
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Irgendwann ging auch Christos. Keine Ahnung, was er heute treibt. Aber ein netter Grieche war er doch, und er hat auch längst nicht alles so gemeint, sage ich jetzt mal. (Aber ich finde, Absurdität kann kreativ sein, und … ich bin ja auch keine Frau …)
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