Profitis Ilias, unter Aufsicht

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Das heutige Ziel, ein winziges Etwas, ganz weit über meinem Hoteldach in Apollonia: Das ehemalige Kloster auf dem Profitis Ilias. Und das Objekt im Vordergrund? Nein, kein Raumschiff, nur eine ganz übliche Dachverzierung aus der lokalen Töpferproduktion …
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“Mit dem Profitis Elias habe ich noch ein offenes Rendezvous”, hatte Nissomanie-Katharina geschrieben, als sie für mich in ein paar Sätzen ihre Erinnerungen an Sifnos zusammenfaßte. Dann fielen mir die Notizen von anderen Insel-Fußgängern in die Hände, die sich vom Hafen Kamares aus die steilen Hänge hochgequält hatten … ohne den höchsten Punkt der Gipfelkette überhaupt zu erreichen: das Monasteri Profitis Ilias o Apsilos bzw. tou Psilou, in 682 Meter Höhe über der Hafenmole.
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682 Meter, klingt nach nichts. Und nach oben gibt es auch nur einen einzigen Weg, der beginnt in Katavati, da ist man ja schon auf der Hochebene von Sifnos. Etwa 250 Meter über dem Meeresspiegel. Und das Wetter an diesem 20. Mai ist ideal, es ist sonnig, aber frisch und windig, da kann auch ein Langschläfer wie ich erstmal gemütlich zum Bäcker, Spanakopita holen, und bei Lakis einen winzigen Kaffee trinken, bevor er sich von Apollonia aus auf den Weg zum eigenen “Rendezvous” macht. Es ist 11 Uhr 30, die beiden Inselbusse haben jetzt wohl ihre Strandziele erreicht …
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Wo die Umgehungsstraße das Dörfchen Katavati umgeht, beginnt der Fußweg an dem untenstehenden großspurigen Schild. Der Fußweg zieht sich zunächst einen Kilometer lang ziemlich eben in ein sich langsam verengendes Tal hinein, das jetzt – Ende Mai – eine solche Symphonie von Frühlingsgrün und Frühlingsbunt ausstrahlt, daß ich drüber besser gar nichts sage. Es könnte grauenhaft in Kitsch ausarten. Ich bin jedenfalls oft einfach stehen gelieben und hab gedacht, wenn du impressionistischer Maler wärst, kämst du hier und heute nicht weit. An jeder Biegung könnte man stehen bleiben und die Staffelei aufstellen …
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Der Sommer kam spät dieses Jahr, eigentlich ist es noch gar nicht da. Und Anfang März hat es noch geschneit auf dem Profitis Ilias. Acht Stunden soll oben am Kloster der Neuschnee liegen geblieben sein!
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Man ist hier jedenfalls in einem NATURA 2000 Landschaftsschutzgebiet (das Gebiet GR4220008 ist es), und wenn man von Katavati zum Küstenort Vathi wandern will, kommt man einmal quer hindurch. Aber ich spare mir hier die Einzelheiten darüber (siehe dazu die Seite ‘Zu Fuß: Katavati Vathi’).
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Die Wegzeichen sind sparsam gesetzt, kleine Schilder am Boden müssen reichen. An so etwas wie Vandalismus oder Souvenir-Diebstahl scheint hier keiner zu denken …
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Hier, am jetzt trockenen Fluß, trennen sich die Wege, links geht es nach Vathi, rechts geht es zum Gipfel des Profitis Ilias. Vom Flußbett aus sind es noch 450 Meter Höhenunterschied. Der Weg geht in Serpentinen nach oben und ist ungewöhnlich gut gefügt, aber eben … steinig. Mal haben Sie hundert Meter glatte Steinplatten vor sich, mal hundert Meter scharfkantiges Karstgeröll, tun Sie sich das nicht mit Sandalen an. (Naja, Mitte Juli hat das Kloster Panagiri, die meisten Griechen kommen mitten im Sommer bestimmt nicht in Wanderschuhen rauf …)
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Rückblick ins immergrüne Tal. Unmengen von Wacholder wachsen hier. Links die kleine Wallfahrtskirche Aghios Efstathios. Oben der einzige Fahrweg des ganzen Naturschutzgebiets.
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Je näher man dem Gipfel kommt, desto schlechter wird der schmale Weg. Das Heideland wird zu Geröll und Fels, der Bodenbewuchs spärlich. Und seit man die Mauern des Klosters vor den Augen hat, glaubt man auch, nach der nächsten Serpentine sei man doch wohl endlich da. Nein, ist man immer noch nicht. 450 Höhenmeter können doch sehr viel sein. Mir sind inzwischen fünf Wanderer entgegen gekommen, einmal drei Holländer, einmal (wieder) dieses ältere britische Ehepaar, bei dem er immer wirkt wie ein Reserve-Offizier. Er ist zur Seite getreten, hat Haltung angenommen und mich, die “Bergfahrt”, ordentlich vorbeigelassen. Wie auf dem Alpenpaß. Sein Blick wirkt leicht vorwurfsvoll. Sie lächelt … politely, but indifferent. Auch early risers, die beiden …
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Ich hab nicht einmal auf die Uhr geschaut. Wie lange hat es gedauert, bis ich oben war? Das Kloster ist unbewohnt, es wurde schon 1873 aufgegeben. Aber das (verriegelte) Tor steht Besuchern offen, und für den Rest des Tages gehört es jetzt mir alleine …
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… Moment, es gehört mir gar nicht alleine. Ich werde beobachtet! Und zwar von einer recht unchristlich, ja luziferisch aussehenden Gestalt, die sich von ihrem Beobachterplatz auf der Wehrmauer höchstens eine halbe Minute lang vertreiben läßt. Ja ja, kaum sind die frommen Mönche aus dem Haus, tanzt der bocksfüßige Waldgott Pan auf dem Tisch …
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Die Aussicht über die Dörfer der Hochebene. Vorne rechts die Kapelle Profitis Elisseos, ganz hinten links am Meer das Dorf Kastro.
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Blick nach Süden über das Naturschutzgebiet. Nach den Unterlagen von Natura 2000 haben wir zu 67% Heide und Macchia und zu 8% landwirtschaftliches Nutzland vor uns. Und bis auf eine Ausnahme ist es ohne jeden Fahrweg für Autos.
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Die Kirche im Kloster hat außen was Lebkuchenhaushaftes. Ist das ein Scherz mit der weißen Teil-Glasierung? Hat der Bischof beim Maler die letzte Rechnung nicht bezahlt? Jedenfalls, schön ist sie so nicht, die Kiche, aber alt ist sie:
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Und wenn man in die Katakomben des Kellers eindringt, findet man nicht nur alte Geheimräume und Gänge, sondern auch dieses verborgene Refektorium:
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Hier unten hätte man dem Gott Dionysos oder seinem Mitstreiter Pan gut ein paar Opfer bringen können. Irgendwann verschließe ich das Tor des Klosters hinter mir, immer noch beobachtet von zwei starren gelben Knopfaugen. Der schwarze Ziegenbock hat inzwischen jede Scheu vor mir verloren. Er wartet wohl immer noch drauf, daß er seinen Anteil von meinem Pausenimbiß kriegt, wie das sonst wohl so üblich ist. Nee, katzika, vergiß es …
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“Alter Geißhals … äh … Geizhals!”
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Also 450 Höhenmeter abwärts, Stufe für Stufe. Das Geräusch der Insekten ist teilweise so laut und so regelmäßig um mich herum, klingt wie ein Elektromotor … tiefschwarze Bienen gibt es hier … unten im Echo-Tal treibt der Bauer seine blökenden Schafe zusammen. Das klang vor fünfhundert und tausend Jahren nicht anders …
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Im Hotel in Apollonia komme ich um 17 Uhr 30 an.  Wo ich denn war, auf dem Ilias? Bravo, bravo! Ob ich da auch Kaffee getrunken habe? Kaffee, wieso? Im großen Refektorium stehen doch Kaffee, Wasser und andere Getränke für Besucher, klärt mich Niki, die Tochter des Wirtes auf, ich hätte mich einfach bedienen können …
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Na sowas. Egal. Ich hatte Wasser genug dabei. Und den Durst auf was besseres habe ich so bis abends konserviert. Abends sitze ich noch bis um eins mit Cornelia aus D. bei Ouzo und Metaxa bei Drakakis an der Dorfgasse! Die Nacht ist eiskalt, es ist aber brechendvoll auf der Terrasse, lokales Jungvolk wärmt sich mit Rakomelo, und wir reden vom Weihnachtsmarkt …
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Dann fällt mir heiß ein, daß ich dringend nach Hause muß, ich habe nämlich den Hotelschlüssel nicht mit, und um zwölf macht das Anthoussa offiziell zu. Doch Niki ist noch da, stellt gerade im Hotel-Café die Stühle hoch. Was sie macht, wenn ein Gast zu spät kommt? “Unten die Hoftür nicht abschließen, oben seinen Schlüssel einfach in seine Zimmertür stecken.” “Und …?” “Nichts und.” Ich schaue sie entgeistert an … so geht das? Wär ich als Stadtkind nicht drauf gekommen. Glückliches Inselleben …
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