Melina Mercouri Zentrum

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Das Melina Mercouri Kulturzentrum, die ehemalige Poulopoulos Hut-Fabrik (seit 1985 unter Denkmalschutz)
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Wollen Sie in Athen immer nur antike Trümmer sehen? Nein. Wollen Sie nicht. Also mal raus aus dem Zentrum nach Westen, bis Ano Petralona … das ist nur ein Katzensprung. Von Omonia bis Thissio sind das 2 Metrostationen. Von der Plaka aus können Sie zum Melina Mercouri Center laufen. (Übrigens, dies ist eine ‘Spaziergangs-Seite’, kein Museums-Führer.)
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Hier haben wir unseren alten Freund Perikles, in Kopie, für unser philologisches Trümmer-Gewissen. Der Alt-Athener ist hier der Türsteher. Aber direkt hinter seinem Rücken spielt sich schon ab, was in Melinas Kulturzentrum so abläuft …
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Das Kulturzentrum hat zwei permanente Ausstellungen:
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In der unteren Etage das Haridimos Puppen-Theater Museum, das die große Sammlung der Familie Haridimos zeigt, einer bekannten Puppenspielerfamilie. Über 1000 Objekte, Figuren, Hintergründe, historische Fotos. Wenn man vorher nicht viel über das griechische Puppenspiel weiß, wird man hier auch nicht viel verstehen. Aber egal, es ist schön bunt! Eine kleine Bühne ist eingerichtet, auf der regelmäßig Aufführungen für Schulen stattfinden.
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In der oberen Etage gibt es “Eine Reise durch Athen“: Ein Straßenbild mit rekonstruierten Häusern und eingerichteten Läden und Werkstätten aus der Zeit vor 100 Jahren. Alles nur Spaß, aber fotografieren darf man hier nicht … obwohl, wer will einer handybewaffneten Schulklasse hier im Haus verbieten, ihre Geräte vors Gesicht zu halten …?
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Teil der “Reise durch Athen”
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Es gibt noch eine weitere Ausstellungsfläche für wechselnde Ausstellungen. Vor kurzem gab es z.B. eine Gruppenausstellung mit Bildern von Athen aus dem 20. Jahrhundert. Ein Sammelsurium, gemalt von lokalen Größen. ekathimerini.com fand viele unerwartet schöne Sachen drin, im Grunde genommen schon zu viele für die kleinen Räume. Aber daß es eben viel zu voll war, sei doch nicht tragisch: “After all, this is Athens!”
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Die Südseite des Kulturzentrums an der Iraklidon
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Wenn Sie anfangs von der Metro (Thissio) aus der Bahnstrecke gefolgt sind (die Thessalonikis entlang) (wenn Flohmarkt ist, auf der Nordseite, am alten Gaswerk, dem Gazi, entlang), sollten Sie nun die Iraklidon hinauflaufen. Am Ost-Ende der Iraklidon (Fußgänger-Zone!) hat sich in den letzten Jahren ein ganzes Café-Viertel etabliert, hier trifft die Straße ja auch den Thissio-Park mit Akropolis-Blick. Hier treffen sich auch diverse Poser unter Heizstrahlern und Luftbefeuchtern (je nach Jahreszeit …). Aber soweit wollen wir jetzt noch gar nicht.
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Wir bleiben am West-Ende. Hier gibt es auch eine Reihe von Cafés und Buchläden, aber hier trifft sich eher die Nachbarschaft, der Kiez. Und hier gibt es eine wunderbare Eckkneipe, mit einer richtigen Theke (wie bei uns im Ruhrgebiet), mit netten Leuten (die alle eine Generation jünger sind als ich), mit auffällig guter independent-Musik, mit einer Imbiß- und einer Cocktail-Karte, und hier ist es nicht (ächz!) “cool”, hier ist es (hah!) entspannt!
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Hier habe ich letztes Jahr schon gesessen, hab mir gedacht “wie zu Hause” und hab mich aufs nächste Mal gefreut: Das Αψέντι
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Αψέντι, übersetzt: Absinth
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Portraitfoto meines Rakomelo-Ensembles im
Αψέντι
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Es ist nun Winter 2010, es ist also keine Frappé-Zeit. Ich habe mich im heißen Frühsommer (auf Amorgos) gefragt, wie die dortige lokale Winter-Spezialität Rakomelo in der kalten Jahreszeit schmeckt. Auch das Αψέντι bietet Rakomelo (8 Euro). Und auf nüchternen Magen spürt man es sofort. Eine ordentliche Portion Raki, heiß, mit Honig, Zimt, Zitrone! Zu viel davon, und man fällt vielleicht auf die Nase. Und sieht aus wie Melina Mercouris vernarbtes Denkmal!
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Denn Melinas Denkmal ist unser nächstes Ziel. Das pompöse Akropolis-Museum lassen wir heute im abseits liegen. Wo die stille wintergrüne Dionysiou Areopagitou auf der Amalias endet, finden wir das Denkmal. Zwar zentral gelegen, aber doch gut zu übersehen:
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Melina in Marmor, ein schiefgelaufener nose-job oder nur bösartiger Vandalismus?
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Posieren vor Melina. Ich hab noch alte Fotos aus London, vom Friedhof in Highgate, da posieren Leute mit hochgereckter Faust vor der Kamera am Denkmal von Karl Marx! Und was das ÜBERSEHEN angeht … als ich zum ersten Mal nach dem Melina-Denkmal gesucht hatte, da hab ich es auch übersehen, und das war so:
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Ich kam vom Friedhofshügel herunter, weil ich Melinas Grab sehen wollte (der Friedhof war jedoch schon geschlossen). Ich trottete gedankenverloren in der Nachmittagshitze zurück Richtung Plaka. Hinter dem Royal Olympic Hotel hätte ich das Denkmal sehen müssen. Den Rest aus meinem Notizbuch im Wortlaut:
“30.05. Am Abzweig Syngrou steht sie dann als REINKARNATION. Melina. Als 50er Typ. Rötliches blond, schulterfreies Sommerkleid in maigrün mit großen weißen Punkten, knieüberschreitend, minzgrüne spitze Lackpumps, weiße Handtasche + weiße Sommerstrickjacke über dem Arm.”
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Ich ging einigermaßen fassungslos an dieser Erscheinung aus der Vergangenheit vorbei, bis auf die andere Straßenseite … das immer in Reichweite der Melina-Marmorfigur! Erst am Ende des Zebrastreifens wurde ich wach. Bevor ich nun in aller Eile über sechs Fahrspuren zurückgehen kann, um die bildschöne Frau im Retro-Look zu fragen, ob ich sie vielleicht-vielleicht-vielleicht fotografieren kann, hält ein Auto neben mir, im Halteverbot, aus Italien, dick und silbergrau. Drin sitzt ein dicker Italiener im silbergrauen Business-Anzug: “My frrriend, listen, kän ju hälp mie …?”
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Er ist “salesmän” und versucht, mir einen originalverpackten Kaschmir-Hausmantel zu verkaufen, “verry schiep”. Er ist auf dem Weg nach Hause, sein letztes Vorführmodell. Ich muß lachen, Kaschmir! Wo hatte ich das gerade noch gelesen, über diese auf der Straße billigst gekaufte Lederjacke, die schon im ersten Regen ihre Farbe verloren hat? Der Italiener zieht enttäuscht ab. Aber meine Melina-Reinkarnation aus der “Sonntags Nie” Zeit ist nun spurlos verschwunden. Und mir fällt erst eine Viertelstunde später wieder ein, daß ich ursprünglich doch ein Marmor-Denkmal gesucht hatte …
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Übrigens ist mir damals auf dem Friedhof von Highgate auch was Merkwürdiges passiert. Es hatte mit einer Katze zu tun, und dem Grab, in dem Karl Marx zuerst gelegen hat … aber das, liebe Kinder, erzähle ich euch ein anderes Mal …
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Melina Cultural Centre
66 Iraklidon, Metro: Thissio, Tel. 210 3452150 und 210 3414466
geöffnet täglich 09:00-13:00 Uhr und Di bis Sa 17:00-21:00
Eintritt frei

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WEITER ZU  MELINA MERCOURI, DIE GRIECHIN
WEITER ZU  MELINA MERCOURI – 6 VIDEOS
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Also damit aus der Bierdeckel-Diskussion unten keinerlei Mißverständnisse auftreten, liebe griechische Finanzaufsicht …🙂 … das
Αψέντι selbst rechnet mit den Gästen (wenigstens mit mir) korrekt ab:

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5 comments

  1. …Bierdeckel hätte der gute Herr Merz mal besser in Greece eingeführt damals, quasi als “Wirtschaftshilfe”, vielleicht wäre dann die gr. Wirtschaft auf nen grünen Zweig gekommen, da jeder seine Steuern hätte ordentlich zahlen können, weil leicht verständlich😉

    Aber so weit geht die Nächstenliebe in der EU ja wohl nicht…

  2. Freitag, 01.10.10 19:30
    Nachdem ich vor ein paar Tagen gehört hatte, das Melina Mercouri Zentrum sei im Mai “ausgeräumt” gewesen, mußte ich doch selbst nachsehen. Falschinformation … ich ziehe mich ins Absinth zurück.
    Zum Ouzo gibt’s hier Kaninchen-Mezedes: Möhren, Gurken, Tomaten, Oliven. Statt der sonst üblichen doofen Chips. Und das Eis gibt’s extra (!). Es ist noch leer. Ein sehr warmer Spätsommerabend. Heute ist das gefühlte Ambiente hier eher mediterran als “Ruhrgebiet”, wie im Winter. Alles sitzt draußen, nicht nur die Raucher …
    Ein 68er-Paar, sie im hellen langen Engelskleid, er weißhaarig, Jeans extraweit mit Hosenträgern. Eine Frau im Designer-Look mit Laptoptasche und Zeichenmappe. Zwei Freundinnen auf der Couch halten sich fest umarmt, damit sie nicht wegfliegen …
    Es kellnert der Sohn des Wirts. Sein Vater weiß nichts von deutschen Kneipen, sagt er, aber der Vater war in der Navy, der kennt Hämbörg!
    Ich zahle, ich bin gleich am Monastiraki verabredet.
    Der Sohn grinst: “Monastiraki. That’s another world!”
    Ich grinse auch: “Yes. Your street is different. So close to the Acropolis. Yet so far away.”

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