22b Unterwegs auf der Pilion-Schmalspurbahn! Teil 2.

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Ankunft im Bahnhof Ano Lechonia, fast an der Golfküste.
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Geradezu im Expresstempo (fast 15 km/h …) haben wir den Abstieg zur Endstation Ano Lechonia hinter uns gebracht. Die wenigen Passagiere verkrümeln sich Richtung Parkplatz oder Bahnhofstaverne. Es bleiben 15 Minuten, um den Zug wieder umzurüsten.
Der eine oder andere mag sich auch nach einer Spenden-Dose umsehen, aus deren Ertrag eine Ziege oder ein Schaf angeschafft werden könnten, um die Gleisanlage im Bahnhof wieder freizufressen …
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Schon ist die Lok abgekuppelt. „Mein“ Waggon 1 wird jetzt am Ende des Zuges hängen, und die Aussicht auf die Strecke wird von der offenen Plattform aus spektakulär sein (unter Eisenbahn-Romantikern jedenfalls …)!
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Lokomotive drehen? Hier nicht. Die Maschine fährt auf dem Parallelgleis einfach zurück zum anderen Ende des Zuges und wird da wieder angekuppelt, mit der „Nase“ am ersten Waggon.
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IMG_0222_A450 Ano Lechonia war ja ursprünglich auch kein Endbahnhof. Der Ort liegt etwa auf halber Strecke zwischen der Hafenstadt Volos und dem Bergdorf Miliés. Nach der Stillegung der (im Jahre 1903 fertiggestellten) Strecke und ihrem Wiederaufbau war es nur zu kompliziert, das Gleis von Ano Lechonia nach Volos wieder aus dem Tiefschlaf zu erwecken.
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Dabei ist die gesamte Strecke bis zur Stadtgrenze von Volos noch vorhanden! Sie verläuft meist direkt neben der Küstenstraße, oft nur ein paar Meter vom Wasser entfernt. So bietet sie genug Raum zum Parken von Autos oder für ein paar Tavernentische mit Meerblick.
Das ließe sich im Prinzip noch ändern. Nur der Bahnhof von Volos – im Westen des Stadtzentrums – ließe sich kaum noch erreichen.
In Volos selbst – wo die Bahn früher mitten im Autoverkehr auf der Hauptstraße verkehrte, wie anderswo die Straßenbahn – ist das Gleisbett heute überall entfernt oder mit Asphalt überdeckt. Das Schienen-Material ist wahrscheinlich längst auf dem Schrottplatz gelandet.
Aber … wer weiß! Nicht alles landet in Volos so schnell auf dem Schrottplatz. Am dortigen Bahnhof findet sich eine ganze Sammlung von rostenden Lokomotiven und Waggons, die auf bessere Zeiten warten:
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Ano Lechonia, heute ‚Ende Gelände‘ für die Schmalspurbahn.
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Egal. Ende der Wunschträume. Nehmen wir unseren Platz am Ende des Zuges ein:
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Ich auf der einen Seite der Bank, der Schaffner mit seinem Mittagspausen-Sandwich auf der anderen Seite:
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Es sind nur ein halbes Dutzend Leute zugestiegen, zwei davon in unseren Wagen. Der Schaffner hatte das Paar schon nach zwei Minuten angemufft, als sie sich zu weit seitlich hinauslehnten, also kommen die beiden uns nun am Ende des Waggons lieber nicht mehr nahe.
🙂
Als architektonische Besonderheit erwähnt man die gebogenen Steinbrücken am hinteren Ende von fünf zu überwindenden Taleinschnitten:
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Ab und zu sind ‚trainspotter‘ unterwegs, die einen guten Blick auf den Zug suchen. Diese beiden haben sogar eine Drohne dabei (ganz rechts geparkt), die sie wohl bei unserer unplanmäßigen Sonderfahrt nicht mehr rechtzeitig in die Luft gekriegt haben:
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Schon passieren wir in Küstennähe die etwas überdimensionierte Kirche Evangelismos Theotokou …
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… da ist es nicht mehr weit zum Haltepunkt Ano Ghatzea, wo normalerweise eine 15-minütige Pause eingelegt wird:
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Aber wir brettern einfach durch. Wenn Sie sich über die Schräglage des Fotos wundern, das blieb bei dem Betrieb auf dem holprigen Gleisbett nicht aus – man kann die Kamera kaum gerade halten. (Empfehlung für zukünftige Fotografen: immer ISO 1600, immer 1/1000 sec, sonst ist alles verwackelt!)
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Und wundern Sie sich nicht über die nah an der Strecke geparkten Autos. Das Gleisbett dient eben auch als Feldweg. Ob man mit dem Auto auch durch die Tunnel fährt?
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Es gibt viele halboffizielle Zufahrten zur Bahnstrecke oder Überquerungen, so wie hier:
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Wir kreuzen nur ein einziges Mal eine ‚richtige‘ Straße. Die Straße, die von Kato Ghatzea hinaufführt nach Aghios Georgios Nilias. Aber hier ist so wenig Verkehr, da braucht man weder eine Warnanlage noch eine Schranke:
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Das erinnerte mich an meine Fahrt mit der „Trenino Verde“ Kleinbahn auf Sardinien (von Arbatax nach Mandas)! Da waren mehrere Landsträßchen zu überqueren, und überall gab es Schrankenwärter(innen), die von Hand die Schranken bewegten – obwohl es da auch praktisch keinen Autoverkehr gab. Und auch nur alle paar Stunden mal einen Zug …
Die Schrankenwärter(innen) machten das nebenberuflich, manche Frau stand noch mit der Küchenschürze und der Kurbel in der Hand neben ihrem Moped an der Schranke.

> Trentino Verde – Wikipedia
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An der Pilionbahn hat man für diese Landsträßchen ab und zu sogar mal eine Brücke gebaut:
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Für die Wanderer auf der Strecke hat man ein paar Hindernisse eingerichtet. Die Strecke läuft oft auf einer Art Damm, und in den Pilionbergen muß im Laufe des Jahres viel Regenwasser abfließen. Also gibt es tiefe Einschnitte im Bahndamm, damit sich das Wasser nicht staut. Gewöhnlich 60 oder 70 cm breit. Umgehen kann man die Einschnitte nicht. Da blieb nur, auf dem Gleis hinüber zu balancieren oder zu springen:
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Kurz vor Miliés noch ein längerer in die Felsen gesprengter Graben. Der Graben ist zu einer sanften Kurve geformt, damit die Bahn nicht plötzlich im rechten Winkel über die Stahlbrücke abbiegen muß, die den tiefen Canyon vor dem Dorf überwindet. Die Stahlbrücke ist ein kleines technisches Denkmal, mit der nach innen geneigten Kurve, die ganz oben die Schienen bilden.
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Hier finden wir noch einmal zwei trainspotter. Für die fahrplanmäßige 15-Uhr-Fahrt sollten sie mit der Kamera allerdings auf der anderen Seite der Brücke stehen:
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Noch ein letzter Blick nach vorne auf die Lok, die gerade mit schrillen Warntönen unsere Ankunft in Miliés ankündigt:
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IMG_0286_A450 Und schon ist der Bahnhof in Sicht. 15 Uhr. Und nein, diesmal muß die Lokomotive nicht auf die Drehscheibe. Ich bin ziemlich froh, daß ich mich schon am Morgen auf den Weg hierher gemacht habe.
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Das Taxi parkt mal wieder lässig auf dem Nebengleis. Kostas, der Fahrer, sieht mich beim Aussteigen, lächelt höflich, obwohl ihm das kleine 25-Euro-Geschäft nun entgangen ist. 5 Euro kriegt er dafür, daß er mich nun zur Platia hochfährt (1500 Meter).
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Wir verabreden uns für meine Fahrt nach Afissos am Montag, aber da kann er nicht, und schickt seinen Kollegen Giannis. Auf dem Weg ruft Kostas noch einmal an, und empfiehlt eine Pension im Ort. Eine wirklich gute Empfehlung … und offenbar ist er auch verwandt mit der Inhaberin der Pension …
🙂
Erst zu Hause fällt mir ein, ich habe doch eine Aktie der Thessalischen Eisenbahnen (die die von 1894 bis 1903 gebaute Strecke nach Miliés und deren Betrieb finanziert haben)!
Die Aktie (von 1886) ist schon etwas angefressen und hat auf dem Buchmarkt in Piräus mal 2000 Drachmen gekostet.
Hätte ich da – quasi als Miteigentümer – nicht mindestens (mindestens …!) auf der Fahrt heute einen Rabatt kriegen müssen? Das nächste Mal frage ich danach …
🙂
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Zur Geschichte des Zuges und seiner Restaurierung:
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