11 Platania, Nachtleben

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Pilion, Spätnachmittag, Blick aus dem Hotel Platania. Gleich wird es im Hafen unruhig …

Platania hat zwar keine Diskos, aber Platania hat ein Nachtleben. Platania hat zwar Sommer-Touristen, aber das Geld verdient man hier auch anders.
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Beim Sonnenuntergang wird wird es auf den Fischerbooten munter. Die nordafrikanische Besatzung macht sich klar zur Ausfahrt … in der Regel ist nur der Kapitän und Steuermann eines Kaiki ein Grieche. Und so plötzlich wie regelmäßig tauchen jetzt die Kühl-Lkws auf und verdrängen die paar Touristen von der Straße, die sich vor dem Abendessen noch die Beine vertreten.
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Wir sind dann gleich weg …
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Die Ausfahrt gegen 19 Uhr 30 ist immer ein kleines Spektakel. Wer ist zuerst unterwegs? Meist liegen zwei Boote am Kai parallel nebeneinander. Nein nein, nicht der, der außen liegt, ist zuerst dran … der, der zuerst fertig ist! Dann wird mit Hilfe des Beibootes so lange und raffiniert rangiert, bis das “Ausparken” möglich ist, zur Not auch rückwärts, und dann geht es ab. Vollgas. Sie fahren sehr weit raus. Die breiten, flachen Boote haben unglaublich starke Diesel-Motoren und entwickeln ein Höllentempo.
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Und Nummer zwei, gleich hinterher …
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Fünfzehn Minuten später. Der Hafen ist leer, oben auf dem Kai stehen die Kühlwagen der Fischhändler aus Volos. Der Seewind weht in die offenen Blechkästen. Sie warten. Morgens zwischen halb drei und halb fünf wird direkt vom Boot in die Lkws umgeladen.
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Wenn man abends ihre Lichter draußen sehen kann und wenn sie sehr früh wieder zurückkommen, ärgert sich der Sohn unseres Hotelwirts: “Sie sind wieder da drüben, direkt vor der Küste, wo es flach ist und wo sie gar nicht fischen dürfen. Die machen noch alles kaputt …”
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Und was für eine Nachtschicht auf den Lkws! Um 16 Uhr ab Volos über die Serpentinen bis zum Südende der Halbinsel, ein Bier zum Fernsehen im Café, dann zum Schlafen auf’s Bett hinter dem Fahrersitz … und warten. Dann das erste Motorengeräusch, ein Funkspruch, das Telefon …
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Die Ankunft der Schiffe in der Nacht habe ich nie verpaßt … Hafenhotel, Halbschlaf … die Motoren, die Bugwellen, das Gewusel beim Ausladen, Gesprächsfetzen … wer-nimmt-was … dann rangieren die Lkws, Türen fallen zu, im ersten Gang rollen sie unter deinem Balkon her … wieder drei Stunden Rückweg bis zum Fischmarkt in Volos.
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Was das ist? Die schattige Terrasse des Nachtcafés von Platania, tagsüber. Abends sitzen da die Lkw-Fahrer und schweigen vor dem Fernseher …
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Irgendwohin in die Unsichtbarkeit verschwinden nun im Sonnenaufgang die dunkelhäutigen Matrosen. Wenn sie nicht sowieso tagsüber auf dem Boot schlafen. Nein, sie haben hier alle keine Familie, und hier fragt selten jemand nach Papieren … auch nicht die auffällig geschönte Afrikanerin, die am frühen Abend vor mir im Dorfladen Vorräte einkauft: Eine Flasche Whisky, eine Stange Marlboro, drei Liter Cola, drei Liter Wasser. Sie muß auch gar nicht sagen, was sie will. Der Verkäufer weiß es schon …
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Fortsetzung mit Seite Pilion 12a  Das Ende der Wege …

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3 comments

  1. Hallo Theo!

    Siehst Du, ich war in Platania nur mal am Tag, der Ort hat mir gut gefallen. Von dem Nachtleben habe ich nichts mitbekommen. Da fragt man sich nur, warum die Fischerboote nicht gleich im Hafen von Volos ausladen?!
    Dauert der Meerweg auch so lange?
    Viele Grüße
    Ulli

  2. Hallo Ulli, ich schätze, da wäre man vom Standort Platania aus auch 6 Stunden unterwegs bis Volos und zurück (mit Boot + Mannschaft). Das ist unökonomisch, und statt morgens um 3 in Platania zu Hause im Bett zu sein, käme man frühestens um 9 Uhr zurück. Und ab Mittag werden die Boote ja schon für den nächsten Nachteinsatz fertiggemacht! Und die Boote von Platania sind – soweit ich weiß – nie im Golf selbst zum Fischen unterwegs. Theo

  3. Hallo Theo!

    Stimmt, die Fischerboote fahren ja nicht so schnell. Leuchtet mir alles ein, wieder etwas dazugelernt. Ulli

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