Zentralkreta. Lentas 1986 und 2018

img893_270-15_600
.
Unsere Unterkunft in Lentas im Herbst 1986, direkt an der Bushaltestelle …
.
IMG_9689_600
.
… und ihr neuer Zustand im Januar 1986.
.
Ursprünglich wollte ich in diesem Kapitel über Lentas und Matala schreiben. Die beiden Orte haben durchaus was Gemeinsames, ob sie das nun wollen oder nicht.
.
1986 war es schon völlig uncool, in Matala auch nur gesehen zu werden. Und für alle, die eine „alternative“ Zuflucht suchten, hatte es sich herumgesprochen: Da bleibt nur Lentas, gut versteckt hinter der Asteroussia-Bergkette. Nacktbaden und Nichtstun. Überteuertes Essen, kein frisches Brot mehr ab halb zehn. Ein Bus am Tag.
Wir kamen aus Rethymno und warteten in Agii Deka auf den Anschluß. Der Bus kam aus Iraklio und war brechend voll.
.
271-14-lentasbus_600
.
Der Gang zwischen den Sitzen ist schon belegt mit Rucksäcken. Wir packen unsere obendrauf. Freundin Christa klettert auf den Stapel. Ich stehe in der Treppe neben dem Fahrer, bis zum Ziel.
Die Aussicht auf der kurvigen Bergstraße war ziemlich abenteuerlich – man konnte aus meiner Position sogar nach unten durchschauen, zwischen dem ausgeleierten Bodenbrett und der Türkante war ein breiter Spalt entstanden. Sorgte wenigstens für gute Zugluft …
.
IMG_9690_600
.
In Lentas war fast jedes Bett ausgebucht, aber dank des Tips einer Freundin, die früher schon hier war, hatte ich direkt das erste Haus am Bushalteplatz angesteuert, im Laufschritt.
Hier vermietete eine Familie aus dem Bergdorf Krotos ihr Zweithaus. Wir kriegten das letzte Zimmer. Es war teuer. Sehr wenig Sanitäranlage für ziemlich viele Gäste …
.
Mein alter Text über Lentas 1986
https://theo48.wordpress.com/1-3-griechische-inseln-k-l/kreta-1986-teil-1/kreta-86-4-lentas/
hatte immer ziemlich viele Leser. Nostalgische Leser …? Ob sich jemand an unsere Vermieter erinnert? Deren Namen sind mir längst entfallen.
.
img892_271-18_600
.
img895_270-08_A600
.
Frühstück im Hof. Mit Huhn. Im Zimmer ist eh nicht genug Platz.
.
Und was die Griechen im Dorf nicht alles an alten Dingen aufbewahren … 🙂 …:
.
img894_270-20_600
.
img896_270-21_600
.
Eine Sammlung von Säulenbruchstücken liegt heute noch an der kleinen platia, die die Bushaltestelle zwanzig Meter weiter dorfauswärts verdrängt hat.
.
Und heute? Lentas, ein Winteraufenthaltsort für Neo-Hippies? Offensichtlich nein.
In der einzigen Taverne, die auf hat, sitzt – unter lauter Griechen zwischen 18 und 80 – ein einziger Deutscher vor seinem Tablet, er schweigt und denkt.
.
IMG_9680_A600
.
Ich setze mich ja in griechischen Lokalen immer so hin, daß ich nicht auf den Fernseher starren muß. So entgeht mir der Bericht über den gerade begonnenen Einmarsch von Erdogans Panzern ins kurdische Syrien. Katharina, die so sitzt, daß sie die Fernsehnachrichten sehen muß, verzieht gerade so indigniert das Gesicht, daß ich sie lieber aus dem Foto geschnitten habe …
.
Zu meinem eigenen Erstaunen habe ich 1986 kein einziges Foto von der kleinen Siedlung Lentas gemacht, deren weiße Häuschen am Hang zum Strand herunter lose verstreut waren. 2018 ging es mir genauso. Aber da ist auch nicht viel zu sehen. Der Ort Lentas ist jetzt kompakt bebaut, aber immer noch winzig. Lentas ist keine Schönheit (wie Bochum, Herr Grönemeyer …) und existiert fast nur noch für die nordeuropäischen Sommer-Touristen:
.
IMG_9683_A600
.
IMG_9687_A600
.
IMG_9686_A600
.
Die „Gourmets“ aus Frankreich werden sich eins grinsen bei dieser Speisekarte.
„Ca Boeufburger pour moi, s’il vous plaît!“ Gewöhnlicher geht’s nimmer …
.
1986 gab es nur eine einzige autofähige Straße ins Dorf. Heute gibt es drei (wenn Fahrer oder Fahrerin keine Angst vor einem Stück Schotterpiste an der Küste hat – die meine Karte, Road Edition 1:50.000 von Mai 2016, als Asphaltstrecke ausweist).
.
Bis Platia Peramata, im Westen von Lentas, ist die Straße asphaltiert. Bis hierhin haben sich die Gewächshäuser aus der Messara-Ebene nämlich inzwischen ausgebreitet. Sieht aus wie in Andalusien:
.
IMG_9678_600
.
Unsere Lentas-Erwartungen wurden 1986 ziemlich enttäuscht. Wir tauschten unser Zimmer mit dem kaputten Glasfenster (das jeden Morgen vollgedieselt wurde, wenn der Busfahrer den Motor warmlaufen ließ) bald mit einem unvollendeten Apartment in Agia Galini (Balkon- und Treppengeländer und ein Großteil der Kücheneinrichtung fehlte noch).
Aber Agia Galini, das das bedrückend enge Tal hinter dem kleinen Hafen mit Betonbauten langsam gefüllt hatte, verursachte bei mir auch keine nostalgischen Sehnsüchte.
.
Trotzdem sind wir 2018 hergekommen, aus purer Neugier. Und das häufig schlechtgelaunte Ich sieht so aus, als gefiele es ihm im Café mit dem schönen griechischen Namen „C’est la vie“ doch ganz gut … 🙂 …:
.
K-klein_IMG-0626_600
Foto: Katharina R.
.
Agia Galini, Herbst 1986:
.
img897_271-29_600_Galini
.
Agia Galini, Januar 2018:
.
IMG_9637_600
.
So viel hat sich gar nicht geändert an dem Hafenpanorama.
.
>  WEITER MIT:  PSILORITIS-MASSIV – SÄRGE UND BERGE (1)
>  WEITER MIT:  PSILORITIS_MASSIV – SÄRGE UND BERGE (2)
>  WEITER MIT:  RETHYMNO. ZU HAUSE IN DER FAVELA?
>  WEITER MIT:  ZAROS. UND DIE KRETA-DIÄT.
>  WEITER MIT:  MATALA. DAS SPEKTRUM DER LEBENSIDEEN
<  ZURÜCK ZU:  KRETA – DIE INSELMITTE IM JANUAR 2018

<  ZURÜCK ZUR STARTSEITE

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s