Skopelos, a bisserl fad?

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Glossa
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Eigentlich ist das Dorf Glossa nicht mehr als der westliche Endpunkt der einzigen “richtigen” Straße von Skopelos. Und wenn man auf dieser Straße einen Linienbus von Skopelos Stadt quer durchs Land schickt, dann muß der ja auch irgendwo wenden …
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… halt, so ganz stimmt das nicht: Der Bus wendet erst in 3 Kilometer Entfernung von Glossa, in Loutraki, am kleinen Fährhafen, und da endet auch die Straße.
Aber über Loutraki muß man nicht unbedingt viele Worte verlieren. “Eine Ortschaft, die man nicht unbedingt gleich auf den ersten Blick sympathisch findet”, sagten Klaus Bötig und Marion Steinhoff im DuMont-Reiseführer “Nördliche Sporaden und Pilion”.
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Glossa ist seit dem Sommer 2008 sicher auf einigen Ferienziel-Listen der Fans des Mamma Mia Films eingetragen (da die Drehorte Agios Ioannis und Milia-Strand ganz in der Nähe von Glossa liegen – siehe auch Seite: Skopelos und Mamma Mia). Und ein bißchen hat das wohl auch schon abgefärbt auf die Taverne von Agnanti mitten im Ort. Schöne Aussicht, wenn man einen guten Tisch erwischt, und eine Speisekarte, auf der die Gerichte mit vielen großen Worten beschrieben sind, damit man auch bereitwillig nordeuropäische Preise pro Portiönchen bezahlt. Aber an Londoner Verhältnissen gemessen, ist es hier immer noch billig … offenen Wein gibt es übrigens nur glasweise (!) in der Taverna Agnanti, aber, an Londoner Verhältnissen gemessen, ist der Wein auch noch billig …
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Taverne Agnanti, Glossa
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Das Essen ist in Ordnung. Der Wein auch. Aber ich hoffe, daß die griechische Gastronomie nicht insgesamt so “europäisiert” wird wie im Agnanti, wenigstens nicht auf dem Lande. Aber das grünumwucherte Dorf Glossa liegt auch in Sichtweite der touristisch gut erschlossenen Insel Skiathos, und es fängt tatsächlich einiges vom touristischen Überdruck von dort auf. Glossa hat mit seinen winkligen Gassen charaktermäßig sogar was von einem Küstenort in Cornwall oder Devon. Glossas Nachbarörtchen Klima – nach dem schweren Erdbeben von 1965 von den einheimischen Griechen verlassen – soll bereits eine größere Kolonie Dauerbewohner aus dem regenfeuchten Nordwesten Europas angezogen haben. Und im Agnanti hört man Ende September tatsächlich sehr britischen small talk vom Nebentisch, und es dreht sich um die Probleme lokaler Grundbesitzer …
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Hier läßt die Natur sogar zu, daß man am Haus einen “englischen” Garten pflegt! Nur muß man auf Skopelos auf die feinen Sandstrände des benachbarten Skiathos verzichten. Hier sind graue Kiesel die Regel.
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Hier reift eine Zutat für eins der lokaltypischen Rezepte: Schweinebraten in Plaumensauce
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Das Erstaunlichste ist … da ist die Insel schon so grün, auch noch im Herbst, aber die Viehhalter müssen trotzdem per Schiff noch Heu vom Festland einführen! Aber als Biene kann man es hier sehr gut aushalten. Neben den vielen olivendurchwachsenen Obstgärten finden sich auch noch dichte Pinienwälder zum Abernten. (Übrigens: Auch auf Skopelos hat der Wald vor ein paar Jahren gebrannt, das Feuer ging bis zu den Häusern von Agnontas, dem südlichsten Ort der Insel.)
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Skopelos, die Altstadt am Hafen
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Aber am Westende der Insel ist wirklich nicht viel los (wenn man nicht Maja heißt und ein gelb-schwarzes Trikot trägt). Gut, Skopelos-Stadt im Osten ist auch nicht Saint Tropez oder Mykonos …🙂 … aber es hat doch etwas mehr “Leben” als Glossa anzubieten. Klaus Bötig empfiehlt in Skopelos-Stadt das Dimotiko Kafenion am Hafen, wegen der “unverfälschten griechischen Atmosphäre”. Das Kaffeehaus gehört der Stadt, und hier wird auch fotografische Kunst ausgestellt. Es ist ein großes, zentral gelegenes Kafeneion, aber es hat nur selten touristische Gäste. Übrigens, erwarten Sie nicht unbedingt dort, wo Sie vornehmlich die Griechen sitzen sehen, das bessere Essen!
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Und falls Sie es mit dem Rheuma haben und beim Einatmen die Abluft von Staubsaugern attraktiv finden … kommen Sie im Spätherbst! Auf Skopelos haben die Verkäufer für Heizpilze für Außenterrassen schon viele gute Geschäfte gemacht!
Und es ist zum Übernachten sogar schon ein kleineres Hotel-und-Apartment-Ghetto außerhalb der Stadt entstanden, wenn Ihnen sowas gefällt …
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Ein ganzer Schwarm von Klöstern und Kapellen existiert im Umkreis der Stadt Skopelos. Bis auf Prodromos sind die meisten Klöster jedoch unbewohnt und nicht zugänglich.
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Agia Varvara, vom Denkmalschutz vom weißen Außenanstrich befreit (leider) …
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Wenn Sie Agia Varvara mal nicht im aktuellen Knäckebrot-Look, sondern mit dem weißen Außenanstrich des letzten Jahrhunderts sehen wollen: Finden Sie auf der Seite Skopelos, ein Fastentag. Beinhaus und Friedhof sind übrigens heute auch nicht mehr zugänglich. Das ganze Gelände zwischen Prodromos und Agia Varvara ist mit Maschendraht abgesperrt. Und die Straße hinauf zum Palouki-Berg ist jetzt fast bis zum Kloster Agia Varvara mietwagenfreundlich asphaltiert. Nicht so schön für Fußgänger.
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Hm. Sollten Sie jetzt den Eindruck haben, daß ich andere Gegenden Griechenlands schon enthusiastischer beschrieben habe als Skopelos … ja, das ist schon möglich …🙂 … aber wir sind nicht im Streit voneinander geschieden, die Insel und ich. Skopelos ist lieb, aber halt nur “a bisserl fad” …
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14 comments

  1. Hallo Theo!
    Naja, vielleicht war ja auch das Wetter schuld, dass Du nicht so enthusiastisch warst…. Die Fotos sehen immerhin ganz nett aus sowie Natur gibt es anscheinend auch noch reichlich dort und deshalb würde ich es doch erwägen, auch mal einen Abstecher nach Skopelos zu machen, allerdings erst, wenn die Mama-Mia-Euphorie vorbei ist.
    LG
    Ulli

  2. Hallo Ulli, ich war ja im September nicht zum ersten Mal auf der Insel. Ich kenne Skopelos auch bei gutem Wetter. Wenn ich die Insel beim ersten Mal blöd gefunden hätte, wäre ich nicht noch einmal wiedergekommen, richtig. Aber wenn ich mir in Griechenland mal ein Haus kaufen würde, dann doch woanders …
    Theo

  3. Theo, wenn du dir in Griechenland mal ein Haus kaufen solltest und deine Ruhe haben willst, schreib es besser nicht hier rein. Ansonsten wirst du wohl ab und zu einen Elleniko für deine Tagebuch-Stammkundschaft servieren müssen. Zumindest für mich.

  4. Ich komm’ dann auch regelmässig!
    Vor allem, wenn du das Haus auf Amorgos kaufen würdest🙂 Plane auf alle Fälle ein großes Gästehaus ein…

  5. Hallo Theo!

    Ich war zwar noch nie auf Skopelos, nur auf Skiathos. Aber ich glaube ich würde auch eine andere Insel bevorzugen, wenn ich mir ein Haus kaufen würde. Die Kykladen stehen da ziemlich weit oben, aber auch auf den Dodekanes könnte ich es mir gut vorstellen😉
    Ohne Internet kannst Du wohl auch nicht mehr leben oder Theo?
    Letztens hatte mein Neffe (klingt immer doof, er ist nur ein Jahr jünger als ist) eine Frage. Ich meinte, geh doch mal ins Internet und lies das nach. Dann meinte er, ich wäre wohl ohne Internet nicht mehr lebensfähig. Vielleicht hat er ja recht….;-) Somit kann ich verstehen, dass Du selbst auf einer traumhaften Kykladeninsel einen Internetanschluss brauchen würdest…
    Viele Grüße
    Ulli

  6. Hallo Ulli … ja, irgendwie neige ich genetisch schon zu einem ausgeprägten Suchtverhalten …🙂 … und nach 14 Jahren mit Internetanschluß, da will man dann nicht mehr freiwillig drauf verzichten, schon gar nicht auf einer Kykladeninsel an verregneten und stürmischen Wintertagen … Theo

  7. Hallo Theo

    Die nördlichen Sporaden gehören – neben den Kykladen – zu meinen Lieblingsinseln. Fade? Finde ich gar nicht! Mir gefällt die grünste Insel der Ägäis, da kommt auch Samos nicht ran. Oder eben die Ruhe … Klar, wer Party will, ist auf Skiathos oder Mykonos besser aufgehoben. Dank fehlenendem Flughafen und Kreuzfahrtschiffen bleiben Skopelos und Alonissos glücklicherweise von einem touristischen Massenansturm verschont und bleiben ein Geheimtip für Kenner und Individualisten.

    Was ich bedaure ist, dass es auf Skopelos seit meinem letzten Besuch gebrannt hat, aber das scheint eine relativ kleine Fläche zu sein.

    Stefan

  8. Hallo Stefan, ich hab’s extra österreichisch gesagt, wo “a bisserl fad” nicht hochdeutsch “fade” bedeutet …🙂 … gerade zurück aus Hellas, Theo

  9. Aber über Loutraki muß man nicht unbedingt viele Worte verlieren. “Eine Ortschaft, die man nicht unbedingt gleich auf den ersten Blick sympathisch findet”, sagen Klaus Bötig und Marion Steinhoff im DuMont-Reiseführer “Nördliche Sporaden und Pilion”.

    Vom Schiff aus sah Loutraki richtig nett aus. Habe dann die kurze Wanderung von Klima nach Loutraki gemacht, und fand den Hafenort richtig trostlos. Auch Glossa hat mich überhaupt nicht vom Hocker gerissen.

    Gruß, kv

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