Monemvasia 4 Bobos

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Das Ende zuerst: Bobos verlassene Taverne
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Einige der älteren theopedia-Seiten sind “programmtechnisch etwas verunglückt”. Details erspare ich Ihnen. Nachträglich nur mal ein Komma löschen, kann das mühsame Ändern von 30 HTM-Befehlen mit sich bringen. Wenn man dann einen Text vor sich hat, der in zwei Jahren sowieso nur 160 Mal aufgerufen wurde, ist man kurz davor, ihn lieber ganz zu löschen. Ich war bei Monemvasia 4 Bobos kurz davor.
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Dann hab ich noch ein letztes Mal herumgesucht: Erinnert sich denn sonst keiner im Netz an Bobo, den schweigsamen Tavernenwirt aus Monemvasia …? Und siehe da, es erinnert sich tatsächlich jemand:
Walter Schoendorf, der die PDF-Reihe travelbook – Reisen als die Welt noch rund war herausgibt. Im PDF Peloponnes & Kythera 1993 findet sich ein Kapitel über Monemvasia, das sich um den von dort stammenden Dichter Jannis Ritsos … und um Bobos Taverne dreht.
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Die travelbook-PDFs sind erweiterte Texte aus dem GLOBO-Reisemagazin der frühen 90er Jahre. (Von Schoendorf stammt auch noch ein zweites PDF über Mykonos und Tinos.). Sie gehen in Breite und Tiefe über das hinaus, was das Magazin damals seinen Lesern anbieten wollte, beschreiben nebenbei Hintergründe und Entstehungsgeschichte der Reportagen. Die Reportagen mögen 15 Jahre alt sein, aber … wie Walter Schoendorf sagt: “Gute Geschichten bleiben immer gute Geschichten.” Stimmt.
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Bobos Taverne war keine Gourmetadresse, hatte aber eine ganz wunderbare Lage oberhalb der Dächer der Unterstadt. (Wie Schoendorf schreibt, ist Bobo aus seiner usprünglichen Lage im Zentrum von Monemvasia nach da oben verdrängt worden, weil er versäumt hatte, sein Kafeneion ins Grundbuch eintragen zulassen.)
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Bobos Terrasse
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Am Beginn des Aufstiegs zur Oberstadts lag seine rustikale Taverne/Terrasse, und man konnte bei einem Kaffee oder einem Glas Retsina oder Ouzo über das silberne Meer schauen und träumen. Das Essen wurde am Grill hinter der Theke zubereitet. Die Teller wurden auf das Fensterbrett an der Stirnseite des Hauses hinausgeschoben. Bobo (oder einer seiner Stammgäste, die oft auch gleich als Hilfskellner fungierten) kam dann über die Gasse hinterher, holte die Teller und servierte am Tisch. Das konnte etwas länger dauern, da der Wirt – der ja nicht mehr der jüngste war – unterwegs oft mit anderen Aufgaben aufgehalten wurde. Aber schließlich essen die Griechen ja traditionell nie zu heiß …
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Man konnte auch nur auf ein Glas Wein kommen, Meerblick inklusive …
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Während der Juntazeit und auch noch in den 80er Jahren war das abgelegene Monemvasia ein stilles linkes “Rückzugsgebiet”. In den 90er Jahren wurde Monemvasia vom Tourismus entdeckt. Schoendorf beschreibt die Hauptstraße 1993 schon als “neugriechische Drosselgasse”. Im Frühjahr 1991 erschien mir das Dorf noch völlig verschlafen.
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Freitagabend, mit Popi (Kalliope, damals Geschäftsführerin des Kellia Guesthouse, mit Palästinenserschal) in Matoulas Taverne (hier mußte man freitags immer schon froh sein, überhaupt einen Tisch zu kriegen).
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Bei Bobo saßen wir gerne, wenn wir nicht im Kanoni (1991 die Top-Adresse) oder bei Matoula waren. Jeder in Monemvasia kannte Bobo, kannte Geschichten aus seinem Leben. Aber niemand hätte etwas Umfassendes über ihn gewußt. Und Bobo schwieg. (Ich hätte ihn eh nicht verstanden.) Über Leute, die nichts kommentieren oder dementieren, bilden sich oft Legenden. Ich habe auch solche Legenden (oder Wahrheiten) über Bobo gehört. Ich will jetzt aber nur etwas von dem weitergeben, was bei Walter Schoendorf steht:
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“Bobo schweigt weiterhin. Angeblich, so erzählt Adrian*, schweigt er seit seinem “zweiten Leben”: Während der Besatzungszeit im Zweiten Weltkrieg wurde ein deutscher Landser in der Gegend von Monemvasia von Partisanen getötet. Die Standortkommendatur hatte Anweisung, deshalb Geiseln aus der Zivilbevölkerung zu erschießen. Der junge Bobo – damals hörte er noch auf der Namen Georgios – war unter den willkürlich Ausgewählten. Einer couragierten Dolmetscherin gelang es, den befehlshabenden Offizier umzustimmen. So kam Bobo zu seinem zweiten Leben und schwieg.”
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* Günter Adrian, geb. 1925 in Bielefeld, Schriftsteller (Kinderbücher) und Filmemacher, wohnte in Starnberg und seit 1962 in Monemvasia.
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1997 war Bobos Taverne geschlossen. Wo war er? Wieder wußte es niemand. In meinen Notizen fand ich noch diese Sätze:
“B’s Frau gestorben, “has lost his mind”. Blumen im Hof. Innen sieht aus, als sei gestern noch jemand dagewesen”.
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Während ich den Text jetzt komplett neu geschrieben habe, habe ich dabei ein altes Album von 1972 gehört, von Viki Mosxoliou und Antonis Kaloyannis … wunderbar altmodische Musik … schrecklich … da wird man ja völlig nostalgisch …🙂 … ja, auch gute Musik bleibt immer gute Musik.
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4 comments

  1. Hallo Theo,
    ja, so ist es. Mit den alten kauzigen, knarzigen Tavernenwirten, die eigentlich gar keine Gastronomen waren, verschwindet ein gutes Stück von dem, was für uns Griechenland ausgemacht hat.

    Sei es auf Iraklia, Donousa oder Amorgós, was bleibt ist die nachfolgende Young Generation, zu der ich nicht wirklich einen “Draht” habe. Hoffentlich ist es nur eine Frage meines fortgeschrittenen Alters…

    Gruß
    Richi

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