10 Platania, 07.09.1999

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Platania Hotel

Wir hatten Anfang September 1999 bereits ein paar Tage am Olymp verbracht … und hatten zuletzt eine elfstündige Wanderung, deren letzte Strecke (von Prionia durch die Epineas-Schlucht nach Lithochoro, im Dauerregen) echt an die Substanz ging. Am nächsten Morgen standen wir auf der nagelneuen Autobahnstrecke und winkten den Bus nach Volos heraus … raus auf den Notparkstreifen … ja, das war damals die übliche KTEL Fernbushaltestelle von Lithochoro.
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Unser erstes Ziel im Pilion war Zagora/Horefto, an der Ägäisküste. Unser zweites Ziel war Platania im Süden, weil wir von dort aus mit der Fähre über Skiathos nach Skyros konnten. Eine günstige Ausnahmesituation, denn noch galt der griechische Sommerfahrplan, der die Tragflügelboote auch obskure Orte ansteuern ließ!
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Von Horefto bis Platania, das sind lächerliche 45 Kilometer Luftlinie … mit Bus und Taxi dauert es jedoch 10 Stunden (obligatorischer Umweg über Volos natürlich, zum Umsteigen). Der Bus nach Trikeri hatte uns in Argalasti rausgesetzt, dem größten Dorf im Süden. Es war mühsam, dort ein Taxi zur Weiterfahrt zu besorgen. Der Fahrer lag im Nachmittagsschlaf, aber wir konnten am Telefon (die Nummer hatte ich aus dem “Minimarkt”) seine Tochter alarmieren, die ihn weckte …
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Bucht von Platania
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Eine wunderschöne Taxifahrt durch die Hügel. Hätten wir nicht im Auto gesessen, hätten wir vielleicht noch etwas von den Ausläufern des Erdbebens mitgekriegt, das am 07. September Athen erschütterte (180 km Luftlinie).
Im Restaurant des Hotel Platania saßen der Wirt, sein Sohn und einige Nachbarn vor dem Fernseher. Es gab noch kein TV-Bild, aber aktuelle Meldungen in voller Lautstärke. Ja, es sei richtig heftig gewesen, fast 6 Punkte auf der Richter-Skala, und viele Tote gab es auch …
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Von dem Echo der traurigen Sensation abgesehen, war Platania still und leer in der Hitze des späten Nachmittags. Da saßen wir nun mitten in der kurzen Hafenzeile, oben in der zweiten Etage …
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… des dichtberankten (und etwas altmodischen) Hotels, auf unserem Balkon (und schon irgendwie ahnend, daß das nicht das letzte Mal sein könnte). Unter uns die Kaikis im kleinen Hafenbecken. Spät am nächsten Vormittag kam die Lieferung der Tageszeitungen:
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Wir waren zunächst die einzigen Gäste im Hotel. Am Wochenende kamen noch zwei Hochseeangler, die im Hafen ihr Boot liegen hatten. Zum Entspannen konnten wir es uns kaum besser wünschen. Wir hatten ja noch ein paar Tage Zeit, bis der Delfini nach Skiathos hier stoppte. Und einen netten Stadtstrand am westlichen Ortsende gab es auch … den wir nie benutzt haben, da es nur 25 Minuten dauert, um auf einem alten steinigen Fußweg direkt über den Berghang zur Mikro-Bucht zu kommen. (Ja, mit dem Auto kommt man da auch hin, dann sind das allerdings 18 Kilometer und 35 Minuten Fahrzeit …)
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Mikro
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Noch fuhr bei Bedarf auch ein Taxiboot nach Mikro (aber der Bedarf war minimal), und von den beiden Strandtavernen hatte eine schon geschlossen. Ja, die Saison ist hier, wo vornehmlich Griechen ihren Urlaub verbringen, nur sehr kurz. Von den Wochenenden mal abgesehen, ist Hochbetrieb nur etwa vom 15. Juli bis 25. August. Da herrscht hier das Chaos … und dann ist es ganz unmöglich, noch eins der wenigen Zimmer mit Hafenblick zu kriegen. Am Strand wird es kaum anders sein … und sich mit geschlossenen Augen ins Wasser fallen lassen, ist dann viel zu gefährlich …
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Im September trifft man hier beim Aufprall höchstens auf sowas:
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Fortsetzung mit Seite Pilion 11  Platania, Nachtleben
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Nachtrag:
Ein paar Wochen später fand ich diesen Artikel aus der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung, den ich bereits fünf Monate vor der Katastrophe von Athen ausgeschnitten hatte:
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4 comments

  1. Hallo

    Wir sind alte Griechenland Fans und finden Deine Infos sehr ansprechend. Wir sind an vielen Plätzen in Griechenland gewesen…
    Dieses Land wird uns immer faszinieren…
    Wir wollen Mitte bis Ende Mai 2009 in den Pelion, auch nach Platanias. Eine Frage, gibt es dort eine Bank, wo man Geld ziehen kann ???
    Ich geh mal davon aus, dass hier viel Tourismus ist, haber habe gelesen, dass man das mit dem Geld vorher erledigen sollte. Wäre toll hier mal eine Info zu bekommen…

    Danke Heike

  2. Hallo Heike, ich gehe davon aus, daß Platanias auch 2009 keine Bank und keinen Geldautomaten hat. Platanias ist nur ein Dörfchen!
    In Kala Nera (Golfküste) könnte die letzte Chance vor Platanias sein (da habe ich vor 2 Jahren Erfolg gehabt). Zagora hat einen Geldautomaten, der in Milies ist schon vor mindestens 2 Jahren wieder entfernt worden.

    Das sicherste ist, in Volos Geld zu besorgen. Die Iasonos Straße (Hafennähe) hat mehrere Banken. Auf dem Weg in den Pilion müßt ihr sowieso da durch!
    Kalo taxidi, Theo

  3. vielen vielen Dank Theo – ich habs mir fast gedacht….
    hast Du auch noch ne nette Empfehlung für eine romantische Pension, wie ist Platanias überhaupt – ich hoffe auf sehr viel Natur und noch authentische Griechenland Atmosphäre…wenn Du Lust hast zum Schreiben bitte noch ein paar Tips über diese Ecke….

  4. Platania… haben wir durch Zufall entdeckt und haben 2010 einen wunderbaren -wenn auch einfachen- Urlaub verbracht.
    Wir haben bei Niko & seinem Sohn direkt am Strand gewohnt. Er hatte eine deutsche Haushälterin.
    Niko war ein prima Gastgeber (die Zimmer schlicht & einfach, Bad allerdings über den Flur, was uns nichts ausmachte). Er besorgte fangfrischen Fisch direkt von der Besatzung der Fischerboote, säuberte uns diesen & bereitete ihn köstlich zu.
    Tagsüber waren wir oft am Strand von Mikro, Fußweg über den hügeligen Trampelpfad durch Olivenbäume in Strandnähe. Die kleine Taverne wurde von einem überaus netten & rührigen Herrn betrieben. Es war sehr gemütlich dort. Ende August hatten wir den Strand für uns allein, es war ein sehr erholsamer Urlaub.
    Abend holte uns Nikos Sohn meist mit dem Boot nach Platania rüber.
    Wir unternahmen einen Tagesausflug nach Skiathos, zusätzlich noch einen Ausflug nach Argalasti auf den Markt. Dort findet noch das urische griechische Leben statt. In Skiathos war es frchtbar touristisch, obwohl Skiathos eine tolle Kulisse bietet.
    Platania hat, dafür, dass es nur ein kleines beschauliches Dorf ist, viele Tavernen, die auch rege besucht sind.

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