Mani – Vathia

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Vathia, Blick auf die Wohntürme, vom Dorffriedhof aus …

Vathia ist eins der inneren Dörfer (mesa choria) der Mani, der mittleren südlichen “Fingers” der Peloponnes. Die Mani war immer ein Rückzugsgebiet, dessen Bewohner sich seit je her gegen Kreuzfahrer wie Osmanische Steuerbeamte (und auch gegen die Armee des ersten griechischen Königs) hartnäckig zur Wehr setzen konnten.

Siehe auch: Mani – der rebellische Süden

Wer die Mani-Bewohner auf seiner Seite hatte, hatte immer einen kämpferischen Freund … einen Freund, der aber auch immer eiskalt zusah, daß er auf seinen Kosten kam. Denn die Mani ist ein armes, karges, verschlossenes, unfruchtbares Land. Nur das Meer brachte da immer einen Gewinn … den man sich oft genug auch einfach “holen” mußte, ohne lange zu fragen …

Auch über das Dorf Vathia berichteten die Geschichtsschreiber, es ernähre sich mühsam von Getreidebau, Viehzucht … und von Piraterie. Das aus Turmhäusern gebaute Dorf liegt in 200 Meter Höhe, ein Adlerhorst mit Meerblick geradezu, und nur 1,5 Kilometer vom Ufer entfernt …

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Vathia, der Adlerhorst am Messenischen Golf

Das Dorf entstand im 18. Jahrhundert und blühte auf im Befreiungskampf des 19. Jahrhunderts. 1907 wurden 440 Gemeindebewohner gezählt. Mitte der 1980er Jahre war der Ort dann zum Geisterdorf geworden, nur noch 11 ältere Personen wohnten in den Halbruinen und ernährten sich von Olivenanbau, Staatsrenten und kleinen Unterstützungen von außerhalb. Erst seit den 1960er Jahren gibt es überhaupt eine Straße zum Ort, seit 1980 gibt es eine Stromversorgung.

Vathia besteht aus etwa 140 meist mehrstöckigen Gebäuden, die 70 verschiedenen Familien gehören. Das Dorf ist so strukturiert, daß … wegen der früher üblichen Familienkriege … immer ein ganzes Dorfviertel von einem einzigen Familien-Clan beherrscht wurde! Türme, Kirche und Verbindungswege wurden also separat und privat eingerichtet. Es gab keinen gemeinsamen Dorfplatz und keinerlei öffentliche Gebäude.

Hier wurde ab 1975 eines der größten Restaurierungs-Projekte der GNTO (Greek National Tourist Organisation) durchgeführt. Es wurde etwa die Hälfte des fast leerstehenden Dorfs aus den Ruinen wiederhergestellt … und wo es am besten ging, wurden Zimmer, Apartments, ein Restaurant, Laden und Cafe, und die Rezeption eingebaut. 30 der Häuser wurden insgesamt als Gästehäuser mit etwa 150 Betten geplant. In der ersten Phase (bis 1988) entstanden 9 Gästehäuser, die zugehörigen zentralen Hoteleinrichtungen und ein Volkskunde-Museum. Alles, was baulich zu erhalten war, wurde erhalten, was neu errichtet werden mußte, wurde im alten Stil und Format und mit traditionellen Materialien gebaut.

Wie üblich, wurden die (privaten) Häuser für 11 Jahre der GNTO überschrieben. Diese Zeit wurde in der Regel für die Errichtung der Infrastruktur, die Restaurierung und den Aufbau der Folgenutzung im Tourismus gebraucht. Nach Ablauf dieser 11 Jahre wurden die Immobilien den ursprünglichen Eigentümern zurückgegeben, mit der Auflage einer entsprechenden Nutzung.

Ein paar Beispiele im Kapitel: Vathia-Gästehäuser

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Was Literatur zum Thema angeht, die Reihe “Griechische Traditionelle Architektur” (griechisch/englisch/deutsch) des Melissa-Verlages dokumentiert auch ausführlich die Mani in einem ganz umfangreichen Band. Die GNTO gab zum Projektabschluß den Band “Preservation and Development of Traditional Settlements in Greece” heraus – diesem Band habe ich im Kapitel Vathia-Gästehäuser einige Abbildungen entnommen.

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Über einen der ausführenden Architekten in der Restaurierung der Siedlung habe ich Lebenslauf und Publikationen gefunden:
Yanis Saitas

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