Die Markthallen / Thessaloniki

Rückblick: So sah es noch vor hundert Jahren – kurz vor dem ersten Weltkrieg – in den Basarstraßen von Saloniki aus. Es muß den Nordeuropäern schon damals exotisch vorgekommen sein – sonst hätte man nicht solche Ansichtskarten produziert:
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Saloniki Basar 1
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Saloniki Basar Markt 2
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Ein bißchen Exotik ist geblieben:

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Gewöhnlich bin ich nur wegen der Unterhaltung auf dem Markt, und nicht zum Gemüseeinkaufen. Die Markthallen in Thessaloniki (zwischen Aristotelos und Venizelou) seien im Sommer unerträglich voll und heiß, hatte ich gehört. Aber an einem kühlen Frühlingsmontagmorgen ist das offensichtlich nicht so. Also zog es mich auch mal hinein, mitten durch das Angebot mit garantiert fabrikechten, jedoch steuerbanderolefreien Marlboros am Eingang. Die Verkäufer (meist Frauen) aus allen Balkanstaaten beantworten keine Fragen …
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Und ja, ich habe mich gut unterhalten. Hier gibt es jedenfalls so viel Fisch und Brot, daß man keine biblischen Wunder geschehen lassen muß, wie damals … um die berühmten 5000 Jesus-Jünger des Neuen Testaments zu ernähren.
Muß was mit der Tradition und dem Apostel Paulus zu tun haben, der früher auch hier herumlief. Der Pappas (oben links) kauft heute auch nur ein Kilo für den Eigenbedarf.

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Links Miezekatzen, in ihrem schlimmsten Alptraum (hallo Ilka!), und nebenan frischer Kaffä für alle, die ihr Fell noch tragen …

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Auf dem griechischen Markt kauft man Oliven nicht im 100-Gramm-Beutel, klar. Wieviel Freigepäck habe ich denn noch?

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… und ein bißchen Brot zu den Oliven, zum günstigen Tarif (Foto von 2008).

Und jede Menge Kraut und Gemüse haben sie auch. Das habe ich aber nicht mehr fotografiert. Und flotte kreischbunte Socken aus China und sehr echte kreischbunte Teppiche, und geschmuggelte Zigaretten überall.
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Und eins nicht vergessen, ja, es gibt auch viele Kafeneions und Tavernen, aber am Montagmorgen sind die fast alle noch zu.
Hm, war es darum so ruhig auf dem Markt bei meinem ersten Besuch …?

Seitdem bin ich des öfteren zurückgekommen, aber Streß war eigentlich nie. Übrigens liegt die Überzahl der Markt-Tavernen östlich von der Aristoletou-Fußgängerzone (der Markt selbst westlich). Man kann das gastronomische Viertel in den Hinterhofgassen gut übersehen. Die Atmosphäre ist sehr nett und locker, abends gibt es oft Live-Musik, das Verhalten der “Reinschmeißer” ist tolerierbar, aber kulinarische Großerlebnisse dürfen Sie hier nicht erwarten.
Zur Mittagspausenzeit teilen sich Marktkonsumenten mit dicken Plastiktüten und Büroangestellte mit Notebooks und Smartphones die Tische, und abends ist das Publikum auffällig jung. Es gibt hier wesentlich mehr Rosen-Verkäufer als Touristen. Hm, es gibt außerhalb der Sommersaison so wenig Touristen, daß manche Taverne Ihnen nicht mal eine englische Speisekarte anbieten kann!
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28.04.2016  NACHTRAG: Ich habe gestern zufällig durchs Fernsehen (WDR-Reportage “Schönes armes Griechenland”) einen Blick in die Markthallen werfen können. Ein großer Teil der Stände war geschlossen, die Situation wirkte deprimierend.
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5 comments

  1. Du gehst nur zur Unterhaltung auf den Markt???
    Und wo kaufst Du dann Dein Obst und Gemüse? Den täglichen Vitaminebedarf? Bei Aldi etwa?
    Und in Griechenland zu irgendwelchen in der Wildernis versteckten Imkereien wandern und den Honig rühmen, der Qualität wegen….
    Also los, Theo, ab auf den Markt, solange es ihn noch gibt.
    – Wir haben übrigens einen neuen Bio-Markt in Amsterdam, jeden Mittwoch auf dem Haarlemmerplein.
    Brigittte

  2. Hallo Brigitte, ich habe seit meiner Kindheit immer kilometerweit weg von Gemüsemärkten entfernt gewohnt (und ich hab ja auch keine Markthändler in der Familie, so wie manche andere … hust, ähem …).
    So hat das Einkaufen auf dem Wochenmarkt für mich gar keine Tradition. Und Menschenmengen auf Märkten oder Volksfesten machen mich klaustrophobisch und nervös. Früher bin ich zwar immer noch zu antiquarischen Buchmärkten gezogen, aber das ist jetzt auch vorbei, seit es ebay gibt.
    Aber ich kaufe auch nicht bei Aldi oder Lidl. (Lidl ist übrigens im Moment in Griechenland, wo Lebensmittel sehr teuer geworden sind, der absolute Hit!)
    Theo
    Und … griechischen Honig kann ich zwar rühmen, den kann ich mir aber ohnehin nicht leisten …

  3. Meine Kater sind das also, Theo! Bin mal gleich in den Garten und habe nachgeschaut. Sind noch alle da. Außerdem haben sie keine Hasenfüße , auch wenn sie manchmal welche sind ;-))) !
    Ilka

  4. Hallo Theo, auf der Suche nach einer lukullischen Erinnerung sind wir auf Deine Seite gestoßen. Großartig! Und sie hat weitere Erinnerungen zu Tage gefördert🙂 Zu der kleinen, in einer Seitengasse versteckten Taverne mit spätabendlicher Livemusik war uns noch der nahe Markt bewusst (dort waren wir 2006). So haben wir uns durchgehangelt und sind auf die Gasse KARIPI gekommen mit dem tollen OUZOU MELATHRON. (Mehr dazu hier: http://www.tripadvisor.de/Restaurant_Review-g189473-d794563-Reviews-Ouzou_Melathron-Thessaloniki_Thessaloniki_Region_Central_Macedonia.html) Und auf Deiner Seite sind wir wieder auf SAVVOPOULOS gestoßen. Und die Erinnerung an ein traumhaftes Konzert im römischen Amphitheater auf PAROS (2008). Auch wenn wir kein Griechisch können, haben uns die lebhaften Anekdoten des Volkssängers und die Reaktionen des Publikums mitgerissen. Hier war offensichtlich jemand zu Gast, der eine starke Verbindung zum griechischen Volk hatte. Und jeder konnte die Texte mitsingen. Es war unglaublich beeindruckend und wunderbar.

    Florian & Hanna

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