Nur “wenig Sehenswertes”? Aptera.

Aptera Zisterne
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Aptera, in der römischen Zisterne
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„Gerade die starke mittelalterliche Besiedlung hat die früheren Bauten (von Aptera) zerstört. Heute bietet das weite verlassene Plateau nur noch wenig Sehenswertes.“
Richard Speich: „Kreta“, 1984, Kohlhammer/Stuttgart
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Aptera Izzedin Festung
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Gut, aus den steineren Resten der griechisch-römischen Zeit wurden oft mittelalterliche Eigenheime oder osmanische Festungen (Izzedin links im Hintergrund).
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Dem Urteil des Kunst-Reiseführers wird wohl immer noch Glauben geschenkt. In Aptera blieb es ruhig. Die Verbindungspfade sind schmal und grün überwuchert. Die Ausgrabungsstätte von Aptera sei geschlossen („Stand 2014“) schreibt Eberhard Fohrer in seinem Kreta-Handbuch (Ausgabe von 2015). Wir sind trotzdem hingefahren, und das Ausgrabungsgebiet war nur teilweise unzugänglich. Schließlich wird dort auch jetzt gegraben.
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Aptera ArtemisKatharina findet einen Pressebericht (ekathimerini) über gerade in Aptera gefundene Objekte: Statuen der Artemis (Bronze) und des Apollo (Marmor), aus dem 1. Jahrhundert n.Chr., beide etwa einen halben Meter hoch.
In der Zeit war Aptera römisch besiedelt, die Statuen waren wahrscheinlich nicht vor Ort gefertigt, sondern offensichtlich von einem damaligen Altertumsliebhaber zu Deko-Zwecken importiert.
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Die Bedeutung von Aptera fällt heute im Publikumsinteresse ab gegen die anderen (minoischen) Sehenswürdigkeiten der Insel. Dabei wurde die Stadt noch zur Zeit der minoischen Herrschaft gegründet (vor 3700 Jahren). Schrifttafeln in Knossos (14. Jh. v. Chr.) erwähnen die Stadt. Aptera lag auf einem strategisch wichtigen Platz, war eine bedeutende Handelsstadt mit zwei Meereshäfen (einer bei Kalives und einer in der Nähe von Marathi auf der Akrotiri-Halbinsel). In der Nähe wurde zahlreiche Kalköfen gefunden und das älteste nachgewiesene Bergwerk Europas (Verekinthos, heute Malaxa).
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So lebten in der weiträumig angelegten und rundum von einer 4 Kilometer langen Stadtmauer umgebenen Stadt bis zu 20.000 Menschen. Schon im 7. Jh. v.Chr. wurde die Stadt durch ein Erdbeben vollständig zerstört. Doch der Ort existierte immer weiter, später sogar als christliche Bischofsresidenz, bis 824 n.Chr. die Sarazenen auftauchten und die Stadt zerstörten. Vieles von dem, was übrigblieb, wurde noch Mitte des 19. Jahrhunderts von den Türken recycelt. Damit wurden wesentliche Teile der Festungen von Izzedin und Kalami konstruiert.
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Aptera Izzedin Kalives
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Das Panorama ist beeindruckend. Oben der Blick nach Osten, mit der Burg Izzedin und dem Küstenstreifen von Kalives. Unten der Blick nach Süden, auf die Weißen Berge, die Lefka Ori, im Dunst, den die Wintersonne erzeugt:
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Aptera Lefka Ori
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Und wenn man an der Stelle auf den Boden schaut … ja, man kann im Januar schon die frühblühenden Anemonen zertreten:
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Aptera Anemonen
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Erste Ausgrabungen begannen 1862, wurden ab 1942 und 1958 fortgesetzt. Substantielle Gebäudeteile und einige Tempelfundamente wurden gefunden. Doch der Großteil der in den Gebäuden gefundenen Objekte befindet sich im Museum in Istanbul.
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MG-Stellung ApteraJa, Aptera hatte ein ganzes Sortiment von Besatzern zu ertragen im Lauf der Jahrhunderte. Die letzten Besatzer kamen aus Germania, 1941, mit dem Fallschirm. Auch an ihre „Bauwerke“ wird erinnert. Aptera wurde nämlich zur Flugabwehrstellung im 2. Weltkrieg. Schließlich war der Hafen und Flughafen von Souda nicht weit.
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Aptera KlosterAber wir kamen ja nicht wegen der Weltkriegs-Erinnerungen. Und außer uns war an dem Nachmittag überhaupt niemand gekommen. Außer zwei oder drei Angestellten, die in dem (1964 aufgegebenen) Kloster Agios Ioannis Theologos arbeiten, das heute die Altertums-Verwaltung beherbergt.
Eine Joggerin kreist durch das Gebiet. Und dieser Marder, der um die Mülltonnen herumturnt. Bevor ich ihn ermahnen kann, ja die Zähne von unseren Bremsschläuchen zu lassen, hat er sich schon über die Mauer in den danebenliegenden Olivengarten abgesetzt. Der Besucher-Parkplatz von Aptera ist winzig, da muß der Marder sofort aktiv werden, wenn ein Auto auftaucht. Kabelzerkauen hilft gegen Zahnstein …🙂 …
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Aptera Olivengarten
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Ja, so idyllisch sieht das Umfeld der Ausgrabungsstätte im Januar aus! Bis wieder irgendwo das Archäologenwerkzeug den Boden aufbricht …
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Ich finde Orte mit solchen „möglichen Fundstellen“ spannend. Spannend, wegen der Dinge, die man NICHT sieht. NOCH nicht sieht. Was mag wohl alles hier verborgen sein, von Humus bedeckt, von Wurzeln durchdrungen!
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Aptera Hinweis VillaViele Wege führen vom Parkplatz einfach hinaus auf die frühlingsgrünen Flächen des Plateaus. Manche sind allerdings auch mit Maschendrahtzäunen verschlossen – der Weg zum alten griechischen Theater zum Beispiel.
Ein Weg – der erstaunlicherweise offen und unbewacht ist – führt zu den Resten einer römischen Villa, die einen Säulengang (Peristyl) um ihren Innenhof hatte. Das konnte sich damals nicht jeder leisten.
Doch war das Gebäude bei der Ausgrabung wohl so weit „ausgeschlachtet“, daß man sein Alter nur vage bestimmen konnte. Irgendwann zwischen dem 1. Jh. vor und dem 4. Jh. nach Chr. wurde es errichtet.
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Aptera Villa mit Peristyl
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Und genau hier ist gerade wieder archäologisch gearbeitet worden. (So eine Ausgrabungsstätte der B- oder C-Klasse ist wohl auch ein ideales Objekt für Projektarbeiten der lokalen Universitäten …🙂 …)
Man macht sich Hoffnungen im Umfeld der Villa: Eine etwa vier Quadratmeter große Fläche – an der Schmalseite des ehemaligen Innenhofs – wurde gerade frisch ausgehoben. Und das soll mit Sicherheit nicht das Ende sein, sonst hätte man den Aushub ja auch einfach neben der Grube lagern können:
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Aptera Ausgrabung
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In Kalives, dem ehemaligen Hafenort von Aptera, waren wir abends auch noch. Nicht, um antike Hafenreste zu suchen. Nein, nur zu einem privaten Besuch. Der Wachhund (mit dem einschüchternden Namen „Flocki“) hat lange gebraucht, bis er sich an mich gewöhnt hatte … er hat mich wohl für einen verspäteten deutschen Besatzer gehalten.
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