Diakofto Kalavryta Bahn 2

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Bahnhof Zachlorou. Kurzer technischer Halt für die Zahnradbahn – ein bißchen Schmieröl auf die Achsen.
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17.05.2009, 9 Uhr. Ein ganz wunderbarer Taxifahrer für einen frühen Sonntagmorgen – er strahlt gute Laune aus, sagt aber kein Wort. Zuletzt bin ich vor neun Jahren die Straße von Diakofto nach Kalavryta hinaufgefahren. Sie sah damals anders aus. 2004 und 2007 haben hier die Waldbrände alles niedergemacht. Alles was hier jetzt so schön maigrün ist, erhebt sich jetzt nur ein paar Handbreit über dem Boden. Beklemmend.
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Kurz vor dem Kloster Mega Spilion sieht es aus wie früher. Alte Bäume. Richtiger Wald. Ein Stück hinter dem Kloster geht der Fußweg rechts ab. Der Weg hinunter zum Bahnhof des Dörfchens Zachlorou ist steil und unangenehm. Zwei Kilometer loses Geröll. Und ich habe keine Zeit zu verlieren. In 45 Minuten wird dort unten der erste Zug aus Richtung Kalavryta eintreffen! Schließlich habe ich gestern ausgetüftelt, wie und wo ich vier der heutigen 6 Züge auf der Strecke sehen kann!
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Ich bin froh über den Wanderstock. Gibt Halt im Geröll. Trotzdem bleibt Zeit für schönen, aber unfreiwilligen Umweg und für einen langen Blick ins Tal:
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Es klappt genau. Zwei Minuten warte ich. Dann kommt zum ersten Mal das Dieselgeräusch. Und siehe da, der Zug um 11 Uhr abwärts ist keineswegs voll. Ausverkauft mag der Zug sein, aber bei den geringen Fahrtkosten (4 Euro, dafür kriegt man in Athen eine Tasse Kaffee) kaufen sich wohl viele Leute die Tickets auf Vorrat und lassen sie dann verfallen. Ärgerlich.
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Ich steige jedoch nicht ein. Sondern laufe dem langsam abfahrenden Zug hinterher. Halt, was ist das? Ich denke, ich bin auf einem offiziellen Europäischen Wanderweg (E4) …?
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Die Strecke ist gesperrt für Fußgänger. Wegen “landslides”. Erdrutschgefahr. Da hilft nur eins. Bürgerlicher Ungehorsam. Das Schild wird ignoriert. Wo der Zug durchkommt, komme ich auch durch. Basta.
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Schon nach ein paar Minuten wird eines klar: Wenn Sie die Strecke GEMÜTLICH laufen wollen, dann warten Sie noch zwei oder drei Jahre ab. Dann wird sich der frische lose Schotter etwas festgetreten haben. Darauf läuft sich unangenehm. Gewöhnlich gibt es keinen Extraweg, und wegen der Zahnradführung in der Gleismitte ist es oft auch schwierig, die Schwellen zu benutzen (nur 75 cm Spur!). Und nehmen Sie eine Taschenlampe mit. Gleich der erste Tunnel ist schwierig. Er ist gebogen, und daher absolut stockfinster! Sie können im Tunnel allerdings einmal nach rechts abbiegen (alte Strecke), und über die alte Brücke balancieren (20 Meter unter ihnen rauscht der Fluß durch einen Engpaß). Hinten links sehen Sie aber schon die Brücke am neuen Tunnelausgang:
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Das ist der neue Tunnelausgang am Ende des finsteren Bogens. Sieht doch schon besser aus:
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Wie schon gesagt, ich hatte am Ende der Strecke eine unendliche Sammlung von Brücken- und Tunnelfotos. Die will ich um Himmels Willen hier nicht alle aneinanderreihen. Für die erste Begegnung mit einem aufwärts fahrenden Zug (es war übrigens den ganzen Tag der SELBE Zug, der hinauf und hinab fuhr – wofür haben die eigentliche VIER neue Triebwagen gekauft?) habe ich tatsächlich wie ein klassischer trainspotter eine Viertelstunde auf einem schönen Ansitz gelauert:
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Reizend sind die Überhang-Strecken, die einfach seitlich in die Schluchtwand hineingegraben wurden. Die Steinschlaggefahr muß man verdrängen:
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Und hier der Beweis, daß die Strecke durch Griechenland führt. Ein putziges Kapellen-Häuschen beschützt die große Vouraikos-Brücke.
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Übrigens: Außer mir war ein gutes Dutzend anderer Wanderer an diesem Sonntag unterwegs. Und das Bemerkenswerte ist … es waren alles GRIECHEN! (Im Gegensatz zum klassisch-verbissenen deutschen Wanderer, der kaum ein Hallo rauskriegt, sprechen sie einen alle mehr oder weniger munter an …)
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Und immer begleitet einen der muntere Fluß. Hier mal in malerischen Wasserfällen direkt neben der Strecke:
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Hier noch ein Bild aus dem letzten größeren Tunnel, eine gute Stunde vor dem Ziel (ist eigentlich ein Erdrutschüberbau). Ich war damit beschäftigt, im dunklen Innern meinen Blitz zu testen, als plötzlich hinter mir das bekannte Dieselgeräusch ertönte. Spontan klemmt man sich da nicht an die Wand (Platz wäre genug gewesen), sondern rennt zum Ausgang. Nur hinfallen darf man dabei auf den Gleisen nicht, der Bremsweg der Bahn ist im Eventualfall viel zu lang.
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Ich bin nicht hingefallen, und im letzten Moment hinausgekommen. Aber der Zug war sofort hinter mir, und ein Foto, wie er gerade den Tunnel verläßt, dafür war es leider schon zu spät. Wäre ein schönes Bild gewesen. Ich hab es noch vor Augen. Sekundenbruchteile später war der Zug schon durch, absolut ohne jedes Warnsignal. Aber der Lokführer kannte mich inzwischen ja wohl schon …🙂 :
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Ich kriegte gerade noch das Heck aufs Bild. Auf der letzten Stunde weitet sich das Tal erheblich, und da führt der Weg eine Zeitlang wieder durch ein Brandschadengebiet. Aber insgesamt hat das Naturschutzgebiet Vouraikos-Tal in den letzten Jahren noch Glück gehabt.
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Auch das untere Ende der Schluchtstrecke ziert ein interessantes Warnschild. Ich habe sechs Stunden für die sehr schöne Strecke gebraucht. Sie können es viel schneller schaffen, klar, aber … wieso?
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4 comments

  1. Hallo Theo,
    sehr schön!
    Wir sind Anfang Mai 2008 da runter gelaufen. Damals war da, wo es jetzt überbaut ist, wirklich ein großer Erdrutsch, über den man aber leicht drüberklettern konnte (hab auch ein Foto davon).
    LG
    Lothar

  2. hallo,
    da kommen erinnerungen an unsere befahrung 2005 hoch:

    MTB-PELO2005-T4-00270

    so wie du das schilderst und wie es auf den bildern ausschaut wär heute eine befahrung wegen der neuen schotterung nimma so lustig.

    lg
    kritimani

  3. es waren alles GRIECHEN! (Im Gegensatz zum klassisch-verbissenen deutschen Wanderer, der kaum ein Hallo rauskriegt, sprechen sie einen alle mehr oder weniger munter an …) = konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen.

    Diese herrliche Wanderung muß ich auch mal in Angriff nehmen.

    Die schöne Doku ” “Eisenbahn-Romantik – Mit der Zahnradbahn durch den Peloponnes” aus dem Jahr 1999 lief gestern im SWR. Man kann sie auch weiterhin auf der HP vom SWR anschauen: http://www.swr.de/eisenbahn-romantik/archiv/diakofto-kalavrita-giechenland/-/id=2250046/did=3629364/nid=2250046/69ttxp/index.html

    17.10.2016: Das Video ist immer noch aus dem SWR-Archiv abrufbar! Ein bißchen Geduld, bis es startet, ist nötig. Aber es lohnt sich! Theo

    Ein weiterer informativer Bericht findet sich auf der HP von argolis.de: Die Zahnradbahn nach Kalavrita – der berühmte “Odontotos” fährt wieder!
    http://www.argolis.de/Zahnradbahn_Kalavrita.html

    vg, kv

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