20 Damoúhari, panta rei

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Apostolis Damouhari
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Apostolos Venopoulos, „a wise character, in hippy dress“ (Ron Walkey)
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Nein, Mutter Kaiti und Sohn Apostolos führen nicht das einzige Lokal (Pandoxeion) in Damoúhari, an der Ostküste des Pilion. Es gibt noch drei oder vier andere, die nur in der Hauptsaison öffnen. Egal, Apostóli kennt hier jeder. Sie finden ihn leicht. Fragen Sie, oder schauen Sie einfach, wo der Wirt barfuß seinen Laden führt. Das ist er, “the light of Damoúhari”, Apostóli:
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Apostolis barfuss
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Auf der Bank steht er nur, um mir einen Gefallen zu tun. Damit ich mich bei Fotografieren nicht bücken muß. Netter Mensch. Aber klar, auch ein Hippie muß mal Tage mit schlechtem Wetter durchstehen. Apostolis hochmodische Fußbekleidung steht bereit, im Innenraum, auf der Theke …
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Apostolis Schuhe
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Mir wäre es zu gefährlich, so wie Apostolis barfuß in die Küche zu laufen, um dem Gast zu zeigen, was da soeben in Töpfen und Pfannen produziert wurde. Ein Guß kochendes Wasser und … die Ambulanz braucht ewig hierher … aber damit will ich mich jetzt nicht aufhalten.
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Damouhari Wegweiser
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Den Fußweg von Tsangarada hinunter zum Hafen von Damoúhari (und zurück) bin ich zuletzt vor gut 20 Jahren gelaufen, im Frühling. (Eine Strecke 4 Kilometer, 500 Meter Höhenunterschied.) Und ich kann mich daran nur vage erinnern … Wald- und Buschland, Ziegenweiden, kleine Häuser, vor denen freundlich grüßende Bauern saßen, so etwas. Jetzt, Ende September 2013, laufe ich die Strecke an zwei Tagen dreimal. Am zweiten Tag fahre ich allerdings mit dem Taxi zurück (20 Euro, ein großer Umweg über Mouresi). Ich hatte mich in der Taverne zu lange aufgehalten, und wäre unterwegs von der Dunkelheit erwischt worden. Still ist es geworden auf dem Weg, keine Herden, und in Aghia Kyriaki sitzt selbst an der Platia neben der Kirche niemand mehr. Rostige Platanenblätter wehen über den leeren, sonnenbestrahlten Platz. Es sieht aus, als seien die meisten Häuser nur noch Feriendomizile.
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Der Fußweg ist ausreichend markiert, bringt erst im letzten Drittel schöne Aussichten:
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Blick Aguis Ioannis
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Blick nach Norden, vorne der Papa Nero Strand,  dahinter Aghios Ioanis (Ja, der Ort, der mir an der Pilion-Ostküste am wenigstens zusagt …). Verborgen ist im Vordergrund die tiefe Schlucht des Halorema-Flusses, und auch das Dorf Damoúhari selbst, in der Nähe der Mündung.
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Die Ziegen und Lämmer dieser Saison sind seit Ostern auf Grillspießen und in Backöfen gelandet, jetzt gedeihen am Fuß der riesigen Bäume um Tsangarada nur noch die winzigen Alpenveilchen …
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Alpenveilchen
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Herbstkrokus
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… und die ersten Herbstkrokusse. Und am Ende des Weges, da, wo der holprige Fußweg steil hinabgeht zur Küste, zeigt sich jetzt die doppelte Bucht von Damoúhari:
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Damouhari Pilion
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Ich habe es mit einem alten Foto verglichen, das ich an dieser Stelle vor 20 Jahren gemacht hatte: Hat sich (von weitem) kaum verändert, das Hafendörfchen! Ein paar verstreute Häuser, die sich um das enge, felsige Hafenbecken krümeln. Auf den letzten Metern des steilen, in uralten Zeiten gesetzten Steinweges verdränge ich den Gedanken „da mußt du später wieder hinauf“ …
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Fußweg Damouhari
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… es sei denn, die echt einsturzgefährdete Brücke über den jetzt trockenen Halorema-Fluß würde in der Zwischenzeit in sich zusammenfallen:
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Brücke Haloremafluß
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Durch das Flußtal kommt man in keiner Weise nach oben. Schon nach hundert Metern die erste senkrechte Felswand, über deren Oberkante im Winter das Wasser herabstürzt:
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Halorema Tal Pilion
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Und der Versuch, an der Küste von Damoúhari eine “Strandpromenade” aus Betonplatten auf dem steinigen Grund zu errichten, nein, das hat dem Nordsturm und seinen gefräßigen Wellen auch nicht richtig gefallen:
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Damouhari Strand
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Der Anleger am Hafen, und das, was vielleicht mal ein Hafenbüro war, sind auch nicht mehr im bestmöglichen Zustand:
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Damouhari Hafen Pilion
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Egal. Solange “To Karagatsi“, die Taverne von Kaiti und Apostolis am Ende der kleinen Bucht, noch aufhat …
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Damouhari Kaiti Apostolis
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… habe ich erst mal alles, was ich heute hier erreichen wollte! Kalimera und viele Grüße aus Tinos, Apostóli! He danke, und wie geht es den beiden …? Apostolos freut sich.
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Damouhari Hafenblick
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Es ist Freitagmittag, 13 Uhr 30. Gerade ist die Küchenmannschaft mit dem Vorkochen fürs Wochenende fertig geworden. Freitagmittag ist die beste Zeit, um hier zu essen, alles ist top-frisch, und die Auswahl ist groß! Huhn, Lamm, Fisch, Spinatauflauf, Gemüse, Lachanodolmades … hier wird noch frisch gekocht, auf dem Küchenherd, nicht nur Grill, Friteuse und Mikrowelle angeworfen!
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Hier ein Tavernengast, der bei Salat und geschmorten Baby-Oktopodi sitzt. Der arme Kopffüßler-Nachwuchs! Der Kinderschänder, sollte lieber Diät halten …! Schade, daß das Zeug so lecker ist …:
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Damouhari Tavernengast
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Jetzt packen auch die letzten sechs Gäste am Grobkieselstrand ihre Sachen zusammen und tauchen zum Essen auf. Griechen sind es, bis auf eine stille ältere Dame, die gerne „ungesehen“ sitzen will, und ein junges griechisch-englisches Paar aus den USA, die mit ihrer kleinen Motoryacht da sind, die „Rita-Francesco“ heißt. Für einen Ort wie Damoúhari besitzen sie ein bißchen viel viel städtische Unruhe, sind bewaffnet mit Mobiltelephonen, Tablets, tief ausgeschnittenem Strandkleid und einem Sortiment von neonbunten Sportsachen, aber sie sind hier Stammgäste.
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Kaiti (Apostólis Mutter, die auf wunderbare Weise immer sofort abtaucht, wenn eine Kamera auftaucht) hatte ab dem Gründungsjahr 1960 den Laden geführt. Sie dirigiert immer noch im Hintergrund. Stichwort Hintergrund … äh, ja, man kann bei schlechtem Wetter auch hinten in der chaotisch-gemütlichen Pandoxeion-Stube sitzen, vor dem Kamin …
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Apostolis Kamin
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… unter den alten Fotos der Familie:
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Familienfotos
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Apostolis betont, sein Großvater sei noch Kapitän gewesen! Aha. Hat es den auch nach Patagonien getrieben? Wer weiß. Jedenfalls Neid erweckend …
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Patagonien
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Ich muß leider einräumen, daß das Essen am Freitag wesentlich besser schmeckte als am Sonntag. Sonntag war einiges zu tun, und das Personal am Ende leicht erschöpft. Und das Essen war eben schon lange auf dem Rechaud … und Freitag gab es ein Dessert nach Art des Hauses, eine Schokocreme-Praline zum Pilion-Apfel:
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Apostolis Dessert
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Ja, Apostolis, der mehrfache Vater (der auch nicht so wirklich auf antiautoritäre Erziehung steht), liebt offensichtlich Flaggen und Uhren, lauter Dinge, die für Präzision und Patriotismus stehen, und für einen alteingesessenen, weisen Hippie nicht so attraktiv sein sollten …🙂 …
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Und noch was … ja, hier im Ort wurden mal Szenen eines gewissen Films gedreht, 2007. Ein bekannter Film. Aber darüber will ich hier lieber nicht reden. Das letzte, was Damoúhari braucht, sind Busladungen von Drehort-Touristen (die Musical-Film-Fans sind in Skopelos auch besser aufgehoben … ja, da, wo jene Kirche auf jener Felseninsel steht):
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Damouhari Mamma Mia
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Ja, ta panta rei, da steht es an der Wand, fast drohend: Alles fließt, nichts bleibt … mal sehen, wie lange Damoúhari noch so bleibt, wie es ist.
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