Die Skopelitis – Mai 2009

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Rückwärts einparken in Iraklia, wo ein Frachter den Zugang zum Anleger versperrt. Fordert auch vom routinierten Personal etwas Konzentration (Hier Kapetan Jannis Nr. 2 … Jannis Phostiensis, schreibt Frank M. an Nissomanie-Katharina, und die schreibt es mir.)
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Die Express Skopelitis ist nicht die einzige Fähre, die Amorgos anläuft. Das war vor 12 Jahren nicht anders. Aber die großen Schiffe aus Piräus sind hier ja nur “zu Besuch”. Und sie kommen und gehen mitten in der Nacht. Die Skopelitis ist jedoch ein Teil der Insel selbst. Wenn man in Naxos an Bord geht, ist das schon der Übergang über eine Art Grenze … die Grenze der Kleinen Kykladen.
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Die Express Skopelitis steuert Katapola an. Sie kommt heute geradewegs aus Koufounissi. Und sie kommt auf der heutigen “Kurzstrecke” schon um 19 Uhr 30 in den Hafen, nicht erst um 22 Uhr, wie üblich. (Solche Tage sind gut für einen Tagesausflug auf die Nachbarinsel, wenn man früh aufsteht.) Tagsüber ist im Sommer von der Skopelitis auf Amorgos nicht viel zu sehen. Abgesehen vom Sonntag. Sonntags ist Ruhetag.
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Eine lange Strecke entlang der betonweiß gesprenkelten Küste von Naxos. Unterwegs jagen uns die Delphine. Ein paar Minuten verfolgt uns eine Fünferbande, und immer wieder ist einer oder zwei davon in der Luft. Aber es ist nicht leicht, die Viecher mit der Kamera zu erwischen …
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Nikos Prekas ist “das Skopelitisbüro” in Katapola. Ein bißchen greisenhaft ist sein Schritt geworden, ein bißchen mager sieht er inzwischen aus. Das Gesicht in der Regel so verschlossen wie aufmerksam … dazu die ewige Baskenmütze, die 80er-Jahre-Krankenkassen-Brille und der schneeweiße Schnauzbart.
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“I see Prekas is still alive?” bemerke ich bei meiner Vermieterin, die mich vom Hafen abholt. (Ja, ich habe das Quartier gewechselt, immer noch Xilokeratidi, aber nicht mehr bei Kalliope Prekas unterm Brautkranz …) “Alive? Alive and kicking!” Rania Thiraiou lacht. Sie ist froh, daß ich mit der Skopelitis aus Naxos gekommen bin. Die Direktfähren aus Piräus kommen zur Zeit nachts um drei Uhr! Eine ganz unangenehme Zeit, Gäste abzuholen …
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Nikos Prekas
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Prekas freut sich über meine alten Fotos von der (früheren) Skopeltis und aus seinem Cafe. Obwohl er wahrscheinlich Hunderte davon hat inzwischen. Ich kriege auch einen Gratis-Ouzo und Pistazien (… muß ich das dem Finanzamt melden als geldwerter Gewinn?). Und ein Lächeln zum Portraitfoto in seinem Büro gibt es auch! Besonders nachts macht einen das Prekas-Kafeneion ganz nostalgisch. Wie lange bleibt uns das noch erhalten? Das Konservieren des “Büro-Cafes” – samt der mit Requisiten vollgestopften Wände und Regale – wäre ein ganz dringender Fall für den Denkmalschutz!
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Ich hätte gerne ein Foto von Prekas und einem der Skopelitis-Kapitäne, die alle Jannis heißen … die Stammgäste diskutieren drüber. Sicher, krieg ich, ich soll warten. Kapetan Jannis käme gleich. Kapetan Jannis kommt aber nicht. Er säße beim Whisky im Kamari, zwei Häuser weiter, und er werde sich da heute nicht mehr wegbewegen, melden die Spione. Fragen Sie mich nicht, welcher Jannis an dem Tag das Schiff hatte …
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Jannis Skopelitis, Kapitän und Eigner der Skopelitis (Bild WDR)
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Der erste Kapetanos. Dimitri Skopelitis führte die Amorgosfähren von 1958 bis 1981. Sein erstes Boot hatte nur die Dimension eines hochseetauglichen Fischerboots (kaiki). Dimitri (Mitsos) ist auch noch “alive and kicking”, er macht Musik.
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Ein Lied über Kapetan Jannis Skopelitis (von Manolis Barberakis) ist bei YouTube gespeichert. Leider ohne passende Illustrierung. Man könnte es mit einem netten Video versehen und noch einmal einstellen:
Γεια σου Σκοπελίτη Γιάννη
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Ich hoffe, Sie haben den Film gesehen, der im Winter 2007/2008 durch die deutschen Dritten Fernsehprogramme wanderte: SEEBÄREN DER ÄGÄIS (WDR 2007), von Christian Weisenborn, Susanne Bausinger und Christian Gramstadt. Eine 45minütige, schön analysierte Sozialstudie über das Leben auf den Kleinen Kykladen. Ich hab ihn noch. Ich führe ihn gerne den Lehrern vor, die ich kenne. Die Szenen auf Iraklia, wo der einzige Schüler von fünf Lehrern unterrichtet wird, sorgt entweder für neidische Seufzer oder für pädagogisches Entsetzen.
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Und falls Sie unbedingt mit dem Auto auf’s Boot wollen, schauen Sie sich erstmal diesen Film an. Die Skopelitis Express bei Nordwind im Hafen von Iraklia:
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Video bei YouTube eingestellt von misirlisv.
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35 comments

  1. Nachtrag – aus einer mail von Christina (naxiotissa/danakos), ich finde, das zeigt was vom guten Geist der Inseln:
    Ich war die letzten 3 Wochen unterwegs – Naxos, Donoussa, Amorgos, Naxos. Auf Amorgos hab ich am 1.Tag festgestellt, dass ich meine Geldkarten in Deutschland vergessen habe. Mein Freund auf Naxos agierte schnell, übergab dem Kapitano einen Umschlag”für Christina” und diesen konnte ich mir abends in Katapoula persönlich abholen. Er hatte den Geldumschlag geknickt in seiner Hosentasche transportiert. Wenn das nicht griechisch ist, oder? Kapitanos Namen kenne ich nicht, aber es hat alles wunderbar geklappt. Habe den Mann bei dir auf der Seite wiedererkannt, schön.

  2. Jetzt heißt die “Skopelitis” ja wieder “Scopelitis” wie die erste Version – ich bin mir sicher, die “neue” hat sich auch mal mit “K” geschrieben. Verstehe wer will…

  3. Hallo Katharina, ich hab mir meine Dias von 1998 nochmal angeschaut … die Aufschrift auf dem Schiff war damals schon EXPRESS SCOPELITIS (in lateinischer Schrift), wie heute.
    Das überrascht mich jetzt zwar auch etwas, aber … anderes Beispiel … Google findet 2 Millionen Versionen von AKROPOLIS, und 4 Millionen von ACROPOLIS. Die Transkription von KAPA ist wohl Geschmackssache …

    Und denk noch mal an Jorgo …🙂 …
    Theo

  4. Auf alle Fälle gibt es im Griechischen kein “C” das sich wie “K” spricht – in der griechischen Variante deshalb mit “K” (siehe Rettungsring). Und auf den Tickets auch. Na, egal.

    Die Wassilisse der Welt haben es übrigens auch nicht leicht mit der Transkription.

  5. Wassilisslos? Hab gerade nochmal in alten Notizbüchern aus den 1990ern geblättert, Katharina. Finde da diese Szene:

    11.15 Schinoussa. Ziegen kommen an Bord. Werden heftig fotografiert. Griechin unten verdeckt perfekte Sicht. Bayerin neben mir flucht: “Geh weg da blöade Frau du zefixhallelujah!”

    Ich hoffe, die Transkription aus der Freistaatsprache stimmt! 🙂 Theo

  6. Kapitän der “Scopelitis” – bzw. heute der “Express Scopelitis” – ist seit 1990 Giannis Fostiéris, ein ehemaliger Fischer aus Koufonisi (mit Kapetan Giannis ist aber weiterhin Giannis Skopelitis gemeint).

    Sein Vater Dimitrios (Kapetan Mitsos) hat bereits 1956 den Postverkehr und die Versorgung von Amorgos und den kleinen Kykladen aufgenommen, zunächst mit verschiedenen Kaíkia (das erste, noch ziemlich kleine, war die Panormitis), und ab 1976 mit der legendären Marianna.
    Angeblich sind seine Kapitäne früher bis nach Piräus gefahren, bei Windstärken, die heute den gesamten Fährverkehr lahm legen würden.

    Was den Namen angeht: Registriert ist die “Express Scopelitis” ebenso wie ihre Vorgängerin mit der korrekten Transkription “Skopelitis”, und so findet sich diese Schreibweise auch auf den Tickets und anderen offiziellen Dokumenten.
    Allerdings wird dem “Offiziellen” in Griechenland ja etwas weniger Bedeutung beigemessen als bei uns (und das ist gut so!).
    Auf den Bug beider Schiffe hat Giannis jedenfalls in großen Lettern “SCOPELITIS” pinseln lassen …

    Gruß

    Scylopnichtis

    PS: Mit der Sonntagsruhe ist es seit Anfang Juni auch vorbei

  7. Wenn wir der griechischen Fähren-Bibel (GTP) glauben wollen, dann tut sie das jeden Sonntag (09:00 ab Katapola), bis zum 30.08.09.
    Bei dem Glück, das du mit den Bussen auf Amorgos hast, Katharina, nehmen sie dich gegebenenfalls sicher umsonst mit! 🙂 Theo
    YouTube hat übrigens 2 Live-Videos mit Kapetan Mitsos (Geige) und Eleni Legaki (der Tochter von Stella Konitopoulou, wenn ich mich recht erinnere). Sie singt zwar die ganze Zeit, ist aber nur in den letzten 3 Sekunden auf der Bühne! Rätselhaft! Es wird jedenfalls ordentlich was weggetanzt!

  8. Hallo Theo und Leser,
    nachdem ich sonst immer alleine nach Amorgos etc gefahren bin, will nun meine Freundin mir auch mal die Ehre erweisen und tatsächlich mitkommen. Nun können wir beide ausgerechnet Anfang August😦 …, also das heißt konkret: wir brauchen eine Unterkunft , von der aus man in 20 Sekunden im Meer ist. Katapola fällt da wohl flach,…vielleicht Ägiali oder Donousa. Wenn jemand eine Idee hätte, wäre ich sehr dankbar. Gerade Du, lieber Theo, kennst Dich doch mit geschmackvollen klassisch griechischen Behausungen aus. Kann auch eine ganz andere Gegend sein von mir aus. Es sollten dabei zwei Faktoren berücksichtigt werden: mein hoher Anspruch an wirklich “griechische” Orte und die Faulheit meiner Freundin (:-))
    Lieben Gruß.

  9. Hallo Steffen … standest du nicht schon mal vor diesem Problem? Also AUGUST (!) und in 20 SEKUNDEN ZUM MEER … da kann ich dir wirklich keine Empfehlung geben. Gar keine. Nirgendwo in Griechenland. (Egiali am Hafen hat ja keine so besonders “griechische” Behausungsqualität, und ist in der Zeit garantiert rammelvoll.)
    Ich hoffe, du kriegst die Reisezeit trotzdem gut rum! Theo

  10. Hallo Theo,
    nee, vor so nem Problem stand ich noch nicht…
    Du hast natürlich recht.
    Ich werde von meinem Erfolg berichten.
    Lieben Gruß, Steffen.

  11. Hallo Steffen, wenn du diesen Platz irgendwo gefunden hast, schreib das nicht hier rein! Laß mich das privat hören! Ich sag es auch nicht weiter!
    (Ganz ohne Ironie gesagt!) Theo

  12. Zum Thema Skopelitis:
    In Katapola wird dieses Jahr ein markaberes 53 jähriges Firmenjubiläum “gefeiert”. Lt. Aussagen meines Vermieters Panos bekommt die Familie Skopelitis kommendes Jahr nur Fördermittel / Subventionen, wenn die “Express Scopelitis” aus dem Verkehr gezogen und ein moderneres, großeres Schiff gekauft wird.

  13. Hallo Frank! Wundern tut es mich nicht, wenn die Zusammenarbeit Regierung-Bürokratie-Großkonkurrenz-Banken wieder mal ihr Ziel erreicht. Um die Betriebssicherheit der Skopelitis geht es sicher nicht, dafür kann man auch anders sorgen.

    Da gibt es zwar absolut nicht genug Verkehr für große Schiffe auf der Strecke Naxos-Amorgos (… baut doch Ferienhäuser, baut Straßen, baut einen Golfplatz!), und für ein großes Boot hat der Familienbetrieb wohl weder das Geld (… nehmt doch Kredite!) noch das Personal (… macht doch Kooperationen!). In 3 Jahren ist die Firma Scopelitis dann pleite.

    Anschließend fährt dann so ein 1500-Personen-Kasten auf der Naxos-Amorgos-Strecke (… gefüllt mit heißer Luft), aber dann von Athen und der EU (… Förderung benachteiligter Wirtschaftsgebiete) bereitwilligst gefördert, aber der Ticket-Preis wird sich trotzdem verdoppeln.

    Können wir drauf wetten. Theo

  14. Das ist ja eine Super-Website, Frank! Hab mir gerade die Skopelitis-, Paros-, Amorgos- und Syros-Seiten angeschaut! Wunderbares Bild-, Video- und Tonmaterial und schöne und intelligente Texte. Werde den Link dahin noch an einer auffälligeren Stelle unterbringen!
    Theo

  15. Ja, mich haben die Seiten auch begeistert, ebenso meinen Vermieter Panos in Xilokeratidi, der beim Anblick verschiedener Personen schmunzelte oder seine Kommentare abgab. Die Kids im Gymnasion von Amorgos / Chora nannte er alle beim Namen.
    Frank

  16. Ich fand auch (unter anderem) die Seiten mit dem Schäfer auf Paros oder aus der Werft von Hermoupolis interessant. Und wirklich gut geschnitten, und ein stimmiger “soundtrack” dahinter. Theo

  17. Theo, das ist eine sehr schöner Bericht. Seit 10 Jahren habe ich regelmäßig Körperkontakt mit der Skopelitis. Möge es so bleiben. Ich habe die Skopi zum ersten Mal in 2000 morgens um 5°° in Katapola betreten. Das war der intensivste Eindruck, ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Ein Schiff, auf dem man den Kapitän sieht, die Bestatzung noch namentlich identifizieren kann, wo gibt es das noch?

  18. Da ich am 31. nach Griechenland fahre und bei GTP keine Scopelitis-Verbindung gefunden habe, hab ich sie bei http://www.marinetraffic.com
    gesucht. Auf der gewohnten Route gab es auch dort zunächst keine Spur von ihr ….
    Aber doch: sie liegt vor Salamina in einer Werft….hoffentlich nicht zum Verschrotten!
    Lieben Gruß, Steffen

  19. Hallo,
    die Skopelitis (die alte) war meine zweite Fähre überhaupt und das über die volle Strecke Amorgos-Donoussa-Koufonissi-Schinoussa-Iraklia-Naxos. Dabei konnte man oben vom Deck aus fast ins Meer fassen und dabei habe ich selbst drei Hunde kotzen sehen. Später wurde ich selbst bei An- und Ablegemanövern ab und zu miteinbezogen.
    Das sind unvergessliche Erlebnisse.
    Auf Iraklia habe ich dann ’93 das Skopelitis-lied kennengelernt
    Als die Express kam fühlte ich mich dann wie auf einem Luxusliner.

    Liebe Grüße – Gerd

    P.S.: Ach ja eigentlich habe ich den Eintrag ja deswegen gemacht, um zu sagen wie gut mir der Artikel über die Skopelitis und Theopedia insgesammt gefällt.

  20. Hallo Gerd, was die Hunde angeht … die einzigen Vierbeiner, die ich auf der alten Skopelitis gesehen habe, waren Ziegen. Die haben nicht gekotzt. Die sind wohl zu geizig zum kotzen …🙂 …

    Hallo Frank, na, das sieht ja auf dem Foto immerhin nicht nach einer Abwrack-Station aus! Ob das ‘ne neue Ladeklappe (oder wie das heißt) hinten dran ist, die noch lackiert wird? So was hält ja nicht ewig …

    Theo

  21. belle histoire de l’express scopelitis.
    je souhaite inchaallah faire un tour avec mes enfants dans les iles grecque a bord de ce bâteau .

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