15 Vizitsa, auf 750 qm

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In Griechenland dürfen Sie außerhalb der Orte bauen, wenn Sie dafür ein Grundstück von wenigstens 4000 Quadratmetern (4 stremmata) besitzen. Durch die Mindestgrundstückgröße soll eine Siedlungsverdichtung auf freiem Land vermieden werden. Theoretisch. Es gibt auch Ausnahmeregelungen, an Verbindungstraßen zwischen zwei Orten reichen auch 750 Quadratmeter Mindestfläche. (Darum breiten sich griechische Orte so oft nur entlang der Ausfallstraßen aus.)

Fünf Jahre nach meinem letzten Besuch (2002) fiel mir im Mai 2007 deutlich auf, wie die beiden Orte Vizitsa und Milies aufeinander zu wachsen … die Baustellen kriechen von unten herauf, und von oben herunter … irgendwann werden die Dörfer nahtlos verbunden sein.
Da baut auch jemand mitten im Wald ein Ferienhaus (dreigeschossig, weiße Außenflächen), gut sichtbar in bester Hanglage. Wahrscheinlich weil dort die Ruine eines Schafstalls war, in dem der Opa im Sommer auch übernachtete (ja ja, Fortbau an einem “traditionellen Wohnhaus”).
Es sieht von weitem aus wie eine Virusinfektion in Beton, eine landschaftspflegerische Pest.
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Und da zersägt einer eine große Fläche gerade außerhalb der Ortsgrenze von Vizitsa in handtuchbreite Streifen (bzw. doppelgaragenbreite Streifen). Wohl weit unter 4000 qm Größe, das Grundstück, aber an der Straße … und da steht schon mal das erste Haus im typischen Universal-Suburbia-Stil, mit Swimmingpool natürlich, den Golfblick gibt’s (unverbaubar) dazu.
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Suburbia mit Pool, im Hintergrund Milies
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Unterhalb des Swimmingpools am Grundstücksende ist nämlich eine Steilwand … früher wurde auf dem Platz Bauschutt abgekippt, die Reste hat man jetzt wahrscheinlich in die Tiefe geschoben …
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Und die Firma mit dem schönen griechischen Namen “Real Estate Planning and Development” aus Thessaloniki hat ihr erstes Haus fertig, und weitere im Bau. Ferienhäuser (“rural residences”) mit 200 bis 450 qm Wohnfläche. REPD baut im Ort selbst, da muß man sich mehr an das Traditionelle und Konservative halten …

Ich habe auch (wieder) einen Krümel zum Steinhaufen der Entwicklung beigetragen. Ich habe nämlich nicht “im Bestehenden” … zum Beispiel im Karayiannopoulos Archontiko … gewohnt, sondern im Hotel Stoikos. (Wie 2002 auch. Die Familie V. vermietet ja nicht mehr.) Das Stoikos ist ein neuerer Bau, ein paar Jahre alt, liegt etwas versteckt unterhalb der Durchgangsstraße im Ort.
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Das Hotel bemüht sich auch im Innern um die Konservierung der Tradition (viel Holz), und hat vertretbare Preise. (Die traditionellen Häuser sind teurer, und im Mai finden Sie dort möglicherweise niemanden, der Ihnen die Tür aufschließt.) Im Stoikos war ich sechs Tage lang fast der einzige Gast. Nur am Wochenende und zu Feiertagen kommen außerhalb der Saison Reisegruppen, griechische Wanderer etwa. Griechische Wandergruppen sind gewöhnlich liebe Nachbarn im Haus. Sie singen und saufen nicht …
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Vizitsa, Stoikos Hotel, 20. Jahrhundert
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Vizitsa, Karayiannopoulos Archontiko, 18. Jahrhundert
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Irgendwann fern in der Zukunft gibt es im Ort Vizitsa nur noch “Zweitwohnsitz-Einwohner”. Die kommen jährlich für 5 Tage (Hotelgäste) oder für 5 Wochen (Hausbesitzer). Alte Orte im “noblen Urzustand” zu bewahren, bringt ja auch preislich was “antiquarisches” in den Alltag. Und wie sich nicht jedermann ein Biedermeier-Sofa leisten kann, so kann sich auch der letzte Pilionbauer bald kein Haus mehr in Vizitsa leisten, oder in Makrinitsa … c’est la vie …
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Als Wrack hätte das Dorf schließlich gar nicht überlebt. Dann schon lieber als museales Vizitsa-“Disneyland”! Mit der schönen Fassade eines arbeitenden Piliondorfes. Aber noch fehlt der Entwicklung die richtige Dynamik.
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In Milies wird auch gebaut. Sogar mehr als in Vizitsa. Unten in der Tal-Einkerbung ist es auch billiger. Aber Milies hat noch ein richtiges Eigenleben, und nach dem Einbruch der Dunkelheit sind noch Leute auf der Straße unterwegs. Solche, die im Dorf ihr Geld verdienen.
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Geritten wird im Pilion übrigens auch wieder. Nein nein, nicht auf dem Esel. Am Wochenende, auf edlem Rosse! Macht statusmäßig mehr her als das Boot auf dem Golf, man wird ja ständig gesehen …🙂 … aber es macht zum Glück wesentlich weniger Lärm als ein Trike.
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ZURÜCK ZU PELION (EINLEITUNG)
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