1.3.2 Syros (Einleitung)

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Guten Morgen, kalimera! Der erste Blick über Ermoupolis (aus Zimmer 27, Omiros)
sorgte immer schon für gute Laune …

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> ERMOUPOLIS: DAS INDUSTRIEMUSEUM
> WIE MÜNCHEN AM MEER
> ERMOUPOLIS, APOLLONOS 28
> MARKOS VAMVAKARIS
> A SUMMER’S CRUISE, 1887
Aktuell, für einen guten Hunger:
> KYKLADEN 2017: LOKAL-NACHRICHTEN
> TAVERNA T’ALONI, PAPOURI
> TAVERNA T’ALONI, EXTRA …
Das gehört teilweise schon zur Lokal-Geschichte:
> MEZEDES UND SYROS
> JORGO BAILAS TAVERNA
> LA SCALA BAR, ERMOUPOLIS
Der Insel-Norden, meist zu Fuß:
> ANO MERIA, DAS KAPERNLAND
> ENDLICH MAL KASTRI
> NORD-SYROS UND DER HONIG
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Klein, aber fein, wenigstens von außen, das Haus der Nomarchia in Ermoupolis, eingerichtet als Präfekturbezirk 1833, wegreformiert 2010.
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Im Haus selbst sieht es nicht überall so vornehm aus. Ja, ich war mal drin. War das 2009? Als gerade vorher das neu gebaute Finanzamt in der südlichen Hafengegend eröffnet war. Ich stand gewöhnlich vor dem alten Finanzamt (nicht weit von der Nomarchia) und wartete auf Steuerinspektor-Musiker-Tavernenwirt Jorgo Bailas, der gewöhnlich gegen 14 Uhr mit einem Stapel Papierkram vor der Tür auftauchte, um den mit seinem Moped zur Post zu befördern.
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Also 2009: Das alte Finanzamt ist zu. Na sowas! Also frage ich mal drüben in der Nomarchia. Im Flur begegnet mir eine Praktikantin, sehr freundlich, sehr jung (ihren Praktikanten-Status vermute ich mal, und offensichtlich ist sie die einzige hier mit Englischkenntnissen). Wo denn das neue Finanzamt sei? Und ich wollte „Mr. Bailas“ treffen, der sei „a friend of mine“.
Moment! Sie zuckt zusammen, den Weg zum Finanzamt würde sie mir später erklären, und „Mr. Bailas“ hätte im Moment noch einen Außentermin. Im (vorgewarnten) Büro nebenan gibt es für mich einen Besucherstuhl und ein Glas Wasser. Um mich herum Türme von abgegriffenen Akten, verschlissene Büromöbel, hinter denen ein halbes Dutzend Beamte plötzlich so tut, als würden sie arbeiten. Schließlich sitzt da ein Freund von ihrem Chef …
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Ihrem Chef … mir dämmert etwas … Hilfe, ja, der Präfekt ist doch auch ein „Bailas“! Ich sitze da bestimmt zehn Minuten, ringsum Verlegenheit, Schweigen … nein, danke, ich bin Nichtraucher … dann taucht die Praktikantin wieder auf. Ich winke sie zu mir … signome, ich will zu Jorgo Bailas, J-o-r-g-o, nicht zu Dimitri Bailas!
Dimitri Bailas ist seit 2002 der Präfekt der Kykladen, also der höchste gewählte Verwaltungsbeamte, und mein Freund Jorgo ist sein Bruder, ein kleines Licht im lokalen Finanzamt …

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Reihum großes Aufatmen. Wie kann ich die Büro-Gemeinschaft nur so aufmischen! Schon steht einer der Sachbearbeiter auf, winkt mit dem Autoschlüssel.
Er bringt mich sofort zum Finanzamt, er ruft sogar noch an, um uns anzumelden. Jorgo hat allerdings auch gerade einen Außentermin, hört er …

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So komme ich im Dienstwagen, einem verbeulten japanischen Mikro-Van, vollgestopft mit amtlichen Broschüren und Plakatrollen, einmal quer durch die Stadt. Das neue Finanzamt ist superedel, Glas und Stahl, hellgrauer Marmor … nur wurde es inzwischen schon wieder zugemacht, das Personal entsorgt. Wofür brauchen die Kykladen ein Finanzamt?
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Die Nomarchia Kykladon (Präfekturbezirk Kykladen, rechtlich eher ein Landkreis als ein Regierungsbezirk) wurde nach der Verwaltungsreform von 2010 auch aufgelöst.
Und am Ende des Jahres 2009 wurden die beiden leitenden Mitarbeiter der Bauordnungs- und Stadtplanungsabteilung vom Staatsanwalt wegen Korruption aus den Ämtern entfernt, ihr Chef Dimitri Bailas kriegte eine Anklage wegen Vernachlässigung der Aufsichtspflicht, und seine Parteifreunde in der PASOK ließen ihn fallen …

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Nein, Jorgo habe keinen Außentermin, erfahre ich im neuen Finanzamt von seinem Kollegen. Jorgo habe sich heute freigenommen, keine Ahnung, wo er sei …
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Ano Syros
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Sorry, daß dieser Ausflug in den Kosmos der griechischen Bürokratie hier ein solches Gewicht gekriegt hat. Wenn ich erstmal ans Erzählen komme …
Kommen wir also kurzgefaßt noch zu den Fakten über die Insel:
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Syros ist eine Kykladen-Insel, fast mitten im Archipel gelegen, 84 km² groß und bis zu 442 m hoch. Im 8. Jahrhundert v. Chr. wurde die Insel von den Phöniziern Syros genannt, was in etwa „felsig“ bedeutet. Hauptort ist seit 1833 die Hafenstadt Ermoupolis. Syros hat um die 20.000 Einwohner. Wichtigster Wirtschaftsfaktor war lange Zeit die Neorion-Werft, die auf die Wartung und Reparatur von großen Schiffen spezialisiert ist – die Werft ist allerdings seit längerer Zeit in der Krise.
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Der Tourismus spielt eine eher geringe Rolle. (So mancher vorbeireisende Kykladen-Tourist wird sich beim Zwischenstopp der Fähren in Ermoupolis schon vor den Docks der Werft gegraust haben …) Vor allem aber ist Ermoupolis als Verwaltungshauptstadt der Kykladen mit den entsprechenden Einrichtungen zu nennen (siehe oben …).
Im Westen, Süden und Osten der Insel gibt es ein paar Strände (Kini, Galissas, Finikas, Posidonia).
Der karge Norden der Insel – für mich interessanter als der zweithausüberwachsene Süden – ist weitgehend unerschlossen und fast menschenleer:
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Der Fährbetrieb ist – verglichen mit der Zeit vor 10 Jahren – eher unterentwickelt. Es existiert auch ein kleiner Flughafen (Flüge nur von Athen, Flugzeit 30 Minuten).
Doch bis zur Eröffnung des Kanals von Korinth handelte es sich beim Hafen von Syros um den größten und wichtigsten Handelshafen Griechenlands.
Die Bewohner von Syros waren in der Vergangenheit – ungewöhnlich für Griechenland – fast ausschließlich Katholiken. Durch Zuwanderung reduzierte sich dieser Anteil bis heute auf ungefähr 40%, so daß die heutige Bevölkerung zu fast gleichen Teilen Orthodoxe wie Katholiken sind.
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Die Stadt Ermoupolis entstand um 1821, als Folge des griechischen Aufstands gegen die Türkenherrschaft und der daraus resultierenden Flucht vieler Griechen von Chios und anderen Inseln. Neben dem neuen Hafenort Ermoupolis gibt es das alte Ano Syros. Ano Syros ist der vorwiegend von Katholiken bewohnte und kleinere ältere Ort. Ermoupolis ist überwiegend orthodox, es besitzt eines der ältesten archäologischen Museen Griechenlands und das Apollon Theater  von 1862. Das klassizistische Rathaus (erbaut 1876-1881 von Ernst Ziller) liegt am marmorgepflasterten Miaulis-Platz im Zentrum der Stadt.
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Noch drei Jahreszahlen:
1855 wurde auf Syros das erste Dampfschiff Griechenlands gebaut.
1862 entstand hier das erste griechische Opernhaus.
1874 wurde hier die erste griechische Gewerkschaft gegründet.
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Sie haben nie von Syros gehört? Nun, das geht vielen Griechenlandreisenden so. Aber es gibt auch viele Griechen, denen die Insel völlig unbekannt ist.
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Ein Blick in den großen Foto/Textband “Griechenland” von Hans Lajta (erschienen 1980 bei Kümmerly+Frey in Bern, ein renommierter Verlag, der auf geographisches Material spezialisiert ist) … da gibt es ein Kapitel “Kykladen“, in dem auch kleinste Inseln wie Kimolos oder Folegandros oder Anafi mit wenigstens einem längeren Absatz erwähnt sind, und wo auch allerkleinste Inselchen noch mit Namen aufgelistet sind … nur Syros fehlt komplett. Ja, die Insel mit der Hauptstadt des Bezirkes und 15.000 Einwohnern … ich habe den Text dreimal durchgeblättert, bevor ich es geglaubt habe.
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IMG_1197_OmirosTuer_350Und wie ich auf Syros gekommen bin? Aus Versehen, Anfang der 90er, bei meiner zweiten Kykladenreise. Wir wollten (reichlich spät) in Piräus Karten für eine Kabine auf der Nachtfähre nach Astypalaia kaufen. Doch alle Kabinen waren ausgebucht. Eine große deutsche Reisegruppe auf dem Weg nach Rhodos. Also nahmen wir nur Deckplätze bis zum erstbesten Hafen, um dort zu übernachten und neu zu planen. Der erste Hafen war Ermoupolis, und wir kriegten dort im Reisebüro am Fähranleger den Tip, doch mal im Hotel Omiros anzurufen. Das sei ein umgewidmetes altes, ortstypisches Bürgerhaus aus dem 19. Jahrhundert …
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Im Omiros hat uns Karla, die schwäbische Geschäftsführerin, das beste Zimmer gegeben, und uns mit unzähligen Empfehlungen versehen, an ihre besten Freunde (wie Jorgos Bailas) und an offizielle Funktionsträger.
Zwanzig Jahre habe ich mich im Omiros wie zu Hause gefühlt. Aber zuerst hat Marita Dimopoulou, die Inhaberin, das Haus verlassen, dann hat es Christos, ihr Mann, konzeptionell etwas umgemodelt, und die Atmosphäre war, äh, eine andere … naja, in letzter Zeit sind die Internet-Bewertungen wieder etwas besser geworden.
Und … wegen seiner Lage am Berg ist das Haus nichts für Leute, die eine Treppen-Phobie haben … die Reisejournalistin Diana Farr Lewis schrieb 2007 über das Haus:
We stayed in the attractive, understated Hotel Omiros, whose only drawback might be the 40 stairs to your bedroom.”
Aber Sie haben schon bis zur Haustür unzählige Treppen hinter sich auf dem Weg hinauf vom Hafen!
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Ja, alles ändert sich. So rustikal, wie auf diesem Foto von Nick Econopouly aus den 1960er Jahren, sieht es am Hafen von Ermoupoli auch nicht mehr aus:
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Quelle/copyright Matt Barrett:
http://www.greecetravel.com/photos/sixties/index.htm
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6 comments

  1. Hallo Theo!

    Ist schon komisch, mir war Syros früher auch nie ein Begriff, bis uns der Bürgermeister von Thira sagte, dass unsere Heiratsurkunde noch nach Syros geschickt wird, weil sie dort noch eine Apostille bekommt. Sieht aber eigentlich nach Deinen Fotos zu urteilen sehr nett dort aus….
    Ich komme langsam auf die Kykladen!
    Gruß
    Ulli

  2. hallo theopedia,
    wenn ich deine abhandlungen über syros lese könnte ich sofort wieder hinfahren. wahrscheinlich sehen wir syros im juli 10 wieder.
    im omiros waren wir im juli 05, allein die zimmer sind sehr interessant.
    ansonsten sind wir -fast- jedes jahr in kini zu finden.
    werde mir deine HP -auch die berichte über ikaria- demnächst genüsslich vornehmen.

    gruss pedros

  3. Iassas, Theo

    und vielen Dank für die wirklich lesenswerten Berichte und Vorstellungen über und von Syros!

    Wir finden Syros nicht nur wunderschön, sondern lieben es auch besonders wegen des “ganz normalen Alltagslebens” und weil eben nicht der Tourismus so im Mittelpunkt steht, es aber dennoch eine gute Infrastruktur und viel unaufgeregte Aufmerksamkeit für Reisende gibt.

    Die Werft und alles was dazu gehört, ist sehr beeindruckend, bei Nacht beinahe romantisch anzusehen und bei Tag sehr interessant, was für “Riesenpötte” wirklich “aus aller Welt” dort reingehievt und behandelt werden. Der kleine Hafenteil dahinter ist auch sehr besuchenswert, nichts Spektakuläres, aber viel Leben … . Insgesamt finden wir Ermoupolis faszinierend und sehr charaktervoll und auch einfach eine sehr schöne Stadt. Und erst die “Gegenwelt” Ano Syros, wir klettern bei jedem Aufenthalt immer wieder mit Begeisterung Treppen und Gassen hoch und geniessen diese unglaubliche Mischung aus Stille und Zeitlosigkeit im lebhaften Alltag, die Ausblicke sind außerdem wirklich atemberaubend.
    Noch so vieles, was uns seit vielen Jahren immer wieder nach Syros zieht und zu preisen wäre, wir wundern uns auch immer noch und wieder, wie wenig bekannt Syros ist – sind jedoch gleichzeitig auch ein bißchen froh darüber… .

    Südliche Grüße und kalo taxidi
    Jutta

  4. reise nach ath 25 .9 gebucht
    abendschiff nach Ermoupolis. 25.9 gebucht
    was wir immer noch suchen ist ein gute unterkunft in kini mit küche
    vom 25 sept bis 8 okt
    habe x anfragen abgeschickt aber bis her hat nur einer zurück gemeilt er sei schon zu…..
    wer weiss rat
    danke für alle tips
    henry

  5. Bin seit 3 Jahren nicht mehr im Hotel gewesen. Christos habe ich vor 2 Jahren zufällig auf der Fähre getroffen (er war auf dem Weg zu einer Familienfeier). Bewertungen bei bookin.com sind besser als bei Tripadvisor. Das Positive dreht sich um Marizina, die “den Laden schmeißt”, das Negative ums Frühstück. Darauf habe ich im Omiros schon vor 20 Jahren verzichtet …
    Die website http://www.hotel-omiros.gr ist leider heute noch auf dem Stand von 2014.

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