09 Pandora Makrinitsa

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Makrinitsa:
Blick vom Kirchplatz auf das Archontiko Pandora (gebaut als Wohnhaus des Bürgermeisters im Jahr 1859)

Die Wiederbesinnung auf den Wert der alten Herrenhäuser im Pilion wurde seit dem 1970er Jahren (Seite 01) durch das Restaurierungsprogramm des Ellinikos Organismos Tourismos (EOT/GNTO) gefördert. Das hat dem Bestand der alten Häuser in den Dörfern sehr genutzt, und auch Neubauten lehnen sich nun an den traditionellen Stil an. Aber es gab auch schon früh Privatinitiativen. Und wie es immer ist, wenn jemand was Neues versucht, dann lernt er/sie als allererstes seine/ihre persönliche Frustrationstoleranz kennen …
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Wir waren 1992 unterwegs, um die damals fertigen Bauten der EOT zu sehen. Das Programm war praktisch beendet, bis auf Pläne für das Dorf Pinakates. Wer uns den Tip mit diesem Haus in Makrinitsa gegeben hatte, weiß ich nicht mehr: Da hätte ein griechisch-englisches Ehepaar dieses alte Haus renoviert, nun ja, eigentlich sei es ein Ensemble aus drei Häusern auf einem Grundstück, und es würde nun vermietet …
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Die Eigentümerin des Archontiko (Maria Diamond) ließ sich persönlich nur zögernd auf Medieninteresse ein … aber ihren Lebensumständen zufolge konnte sie auch nicht mehr ohne solche Außenwirkung leben. Es gehörte jedoch einiges an Überredung dazu, sie selbst vor die Kamera zu bekommen. Sie war zwar darauf eingestellt, in ihrem Haus viele Gäste zu empfangen, aber ursprünglich sollten es eher private Gäste sein … aber wenn Sie für ein amerikanisches Ärzte-Magazin schreiben wollen, na dann …
(Nebenbei: Der Artikel ist nie erschienen.)
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Inzwischen war jedoch Marias Mann gestorben, und sie hatte das große Haus innerlich aufgegeben und war in das kleine Nebenhaus Nr. 2 gezogen. (Das kleine Haus ist übrigens ein kompletter Neubau! Haus 3 ist ein alter Nutzbau, eine Art längliche Scheune am unteren Ende des Grundstücks, der zu Partyraum und Bar umgewidmet worden war. Hier unten kann man gut feiern, ohne die Leute in den anderen beiden Häusern zu stören.)
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Das große Haus sollte nun zahlende Gäste beherbergen. Und Maria hatte jedenfalls nicht daran gedacht, jeden im Haus zu empfangen. Der gehobene Zimmerpreis diente ohnehin schon dazu, den Kreis einzuengen … und in ein paar Tagen käme auch der englische Botschafter (“a friend of us”), und am schönsten wäre es immer, wenn jemand das ganze Haus mieten würde, vielleicht für eine Familienfeier oder Hochzeit oder ein Firmenseminar … Maria mag VIPs, ja ja, und besonders, wenn sie sich, wie der griechische Ministerpräsident Konstantinos Mitsotakis (ND), auch ins Gästebuch eintragen …
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Maria führte uns das Haus vor. Sie hatte die Entstehungsgeschichte des Hauses in einer dicken Foto-Dokumentation festgehalten. Der nerven- und kapitalaufzehrende Umbau hatte fünf Jahre gedauert! Das Tagebuch sollten wir uns aber ohne sie ansehen … jedesmal, wenn sie es aufschlagen würde, kämen ihr die Tränen.
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Ja, das Haus hat den Namen von der so schönen wie neugierigen Pandora, die all die Plagen in die Welt gebracht hatte, die der hinterhältige Zeus in einem Behälter versteckt hatte …
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Es war ein Problem, in der Gegend die richtigen Handwerker zu finden, um das heruntergekommene Haus herzurichten. Alles, was im Haus noch erhaltenswert war, sollte auch erhalten bleiben. Wie schwierig es in den 1980er Jahren alleine war, die Arbeiter davon abzuhalten, das demontierte alte Holz zu verbrennen! Und wie oft dann das sorgfältig sortierte Altmaterial noch umgeräumt werden mußte, bevor es wieder aufgearbeitet und verbaut werden konnte!
“Sie haben uns hinter unserem Rücken ausgelacht. Aber sie haben viel gelernt dabei. Und heute profitieren sie auf anderen Baustellen davon, was wir ihnen beigebracht haben!”
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Und sie war mit ihrem Mann ja so oft beruflich unterwegs. Ohne Aufsicht passierte garantiert immer was! Und kaum, daß das Haus fertig war, fing jemand nebenan an, einen keilförmigen Beton-Neubau hinzusetzen! Auf die Grundstücksgrenze! Was die Anwälte der Region gut beschäftigte. 1992 stand der Rohbau nebenan noch so da, wie er ein paar Jahre vorher fotografiert worden war.
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Foto von 1990: Über dem rechten Ende des roten Balkens = der Rohbau des Nachbarn, am linken Ende = das niedrige Pandora-Partyhaus, ganz oben im Bild die zentrale Kirche an der Platia von Makrinitsa
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Wen Baustellenprobleme interessieren … ich kopiere einfach mal ein paar Sätze aus den Notizen vom Gespräch mit Maria Diamond:
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M. läßt Gipsabgüsse von Stuckrosetten nehmen (große müssen geviertelt werden), die nicht zu erhalten sind, da Decken rausmüssen etc., oberes Geschoß wird in trad. Bauweise mit Bambus-, Ziegenhaaren- und Lehmgeflecht wiederhergestellt (Fachwerk) … unteres Geschoß Probleme wegen Feuchtigkeit … die Terrasse vor dem Haus rutscht ab, der Nachbar hat ihr illegal eine Einfahrt vor’s Tor gesetzt … mit Profis, die sie über’s Ohr hauen, hat sie jetzt genug Erfahrung – als sie Weihnachten 1990 aufgemacht hat, hatte sie Agenten eingeschaltet, der je nach Saison (NS 35%, HS 15%) aller Einkünfte, also auch der von ihm nicht vermittelten Gäste, verlangt hatte und darüberhinaus noch eine miserable Zahlungsmoral hatte … jetzt macht sie eben auf und zu, wann sie will und nimmt nur Gäste, die ihr auch gefallen … ihr caretaker (Verwalterin/Putzfrau) konnte nicht verstehen, wie jemand auf soviel Geld verzichten wollte, jetzt steht sie voll dahinter: “Mrs. Diamond, these people are not right for us!”
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Sie können sich heute im Archontiko Pandora einmieten, wenn bei Ihnen ein gepflegter Aufenthalt – mit antikem Mobiliar, großem Garten und Aussicht auf die Stadt Volos 700 Meter unter Ihnen – auch etwas kostspieliger sein darf. Erwarten Sie Preise von 130-180 Euro per DZ/Tag, bzw. 160-270 Euro per Suite/Tag. (Stand März 2008)
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oder
http://www.pelion.org/pandora/index.asp

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Fortsetzung auf Seite Pilion 10  Platania 07.09.1999
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