Poros 2 – Kalavria

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Das Zoodochos Pighi Kloster
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POROS 1 – SFERIA
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Poros besteht eigentlich aus zwei Teilen, der kleinen südlichen Insel Sferia (da lebt auch der größte Teil der 4000 Einwohner) und der viel größeren, pinienüberwachsenen, einsamen Nord-Insel Kalavria. Lediglich an deren südlichen Buchten in Neorio und Askeli hat sich der Tourismus etabliert. Hm, eigentlich schon ein bißchen zu viel Tourismus für das bißchen Sand- und Kieselfläche …
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Und Poros hat keine nennenswerten Sehenswürdigkeiten. (Nein, den Uhrturm auf dem Hügel von Sferia rechnen wir nicht dazu …) Hier sind alle touristisch relevanten Objekte auf einem einzigen Hinweisschild versammelt:
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Ja, das Kloster und der Tempel von Poros. Über das Poseidon-Heiligtum sagt Hans-Peter Siebenhaar im Michael-Müller-Band ‘Peloponnes’: “Die Überbleibsel des im 7. Jh. v. Chr. errichteten Tempels im unwegsamen, einsamen Inselinnern sind spärlich. Die wenigen Mauerreste und Säulenstümpfe lassen die religiöse Bedeutung des Heiligtums höchstens erahnen.” Tja …
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Trotzdem hat Poros eine Tradition als touristisches Reiseziel. Ein Hotel neben der Marine-Kaserne verweist auf sein Gründungsjahr im 19. Jahrhundert! (Das Hauptgebäude der Kaserne soll übrigens vom Architekten des königlichen Palastes in Athen, Friedrich von Gärtner, entworfen sein.) Und im Baujahr dieser stattlichen Villa in Mikro Neorio war es mit dem Sandstrand nicht so wichtig wie heute. Damals kam man ohnehin ungern im Hochsommer, und wenn, dann blieb man tagsüber der Sonne fern!
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Villa Galini, 1894
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Jedenfalls ist das Zoodochos Pighi Kloster das erste Zwischenziel für den ersten Rundgang (10 km). (Ich starte immer an der Brücke über den Kanal, der Sferia und Kalavria trennt. Der Kanal befindet sich auf der Karte an der engsten Stelle zwischen Sferia und Kalavria, ist jedoch nicht eingezeichnet!)
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An einem Sonnentag im Januar über den unberührten schmalen Strand von Askeli zu laufen, macht Laune! Das Licht in krausen Wellen, eine frische Brise. In Askeli ist absolut niemand unterwegs. Hier gibt es jedoch definitiv mehr Quadratmeter Bett-Fläche in Hotels und Apartments als Quadratmeter Liege-Fläche am Strand … das wird im Hochsommer ein enormes Problem sein, die Leute auf dem kargen Raum zu verteilen …
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Zwei Kilometer weiter am Monastiriou Strand ist das Problem entspannter. Der Grund rund ums Kloster gehört der Kirche, und deren Vertreter haben es in der Regel nicht allzu gerne, daß man ihnen mit Strandtuch und Cocktailbar zu nahe kommt. Ein paar private Häuser und winzige Tavernen, die im Winter aussehen, als würden sie beim nächsten Sturm auseinanderfallen, mehr hat sich hier in Wassernähe nicht getan. An der Zufahrt zum Kloster klemmt sich ein “Resort-Hotel” an die Felswand.
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Das Kloster ist für seine Ikonostase berühmt, die es an einem Dienstag im Januar jedoch nicht herzeigt. Die Kirche ist abgeschlossen. Zum Trost gibt es nur besinnliche Broschüren und Loukoumia, die aussehen wie selbstgemacht:
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Auf eine Kostprobe hab ich verzichtet. Naja, Klöster und ihre frommen Bewohner sind sowieso nicht so sehr mein Ding. Ich habe mich lieber bald zum Picknick an den Rand der einsamen Bucht verkrümelt. Da unten habe dann beschlossen, daß ich den Waldweg unterhalb vom Profitis-Ilias-Höhenzug als Rückweg benutzen wollte. So schließt sich ein schöner Kreis!
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Zuerst die Straße hinauf. Null Verkehr. Immer noch Sonne und Wind. Der Zugang von der Straße ist leicht zu finden. Der Forstweg ist bequem zu gehen, geringe Höhenunterschiede, keine Verzweigungen, man käme gegebenenfalls auch als Schlafwandler gut zurecht! Leider biegt man am Ende des Wegs wieder auf die Serpentinen der Asphaltstraße. Aber auch hier absolut kein Verkehr. Aber es grünt überall, und es blüht schon der Ginster (ist ja Südseite), und es sind auch schon die ersten Insekten unterwegs  …
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Sie sehen, auf dem Weg können sich problemlos zwei Tieflader begegnen (und links, da blüht der Ginster). Und immer wieder hat man durch die Pinien hindurch den Blick auf das Wasser zwischen Poros und den Höhen des Peloponnes. Nein, kein sensationelles Panorama. Das ist hier wie ein Oster-Spaziergang am Stausee im Sauerland …🙂 …
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Für den zweiten Rundgang biege ich hinter der Sferia-Kalavria-Brücke nach links ab (Richtung Neorio, auch ca. 10-12 km).
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Das Mißverhältnis zwischen Übernachtungskapazität und Strandgröße ist in Neorio auch nicht anders als in Askeli. Mikro Neorio kriegt zwar den Sonderpreis für das ödeste Kaff auf der Insel, aber bis zum Kap Voudouri hat man angesichts der ordinären Kulisse wenigstens einen schnellen Schritt drauf. Megalo Neorio (das kleiner ist als Mikro Neorio) ist wesentlich zivilisierter, es ist aber auch ein rein synthetischer Sommer-Ort (wie schon gesagt, die Ureinwohner von Poros wohnen fast alle in Hafennähe in Sferia).
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Ein Stück vor der Ruine der alten russischen Werft hört die Bebauung völlig auf … wenn wir an der Nordküste die Kläranlage nicht mitzählen … und die Kirche auf der Insel Daskalio da unten auch nicht:
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Hinter der Kläranlage geht es in spitzem Bogen wieder ab auf den breiten Forstweg. Dieser Weg ist genauso bequem wie der andere im Osten. Er soll bei Joggern beliebt sei, das kann man verstehen. Der Wald ist hier weniger dicht, die Aussichten Richtung Wasser sind großzügiger. Ich mache eine kurze Pause mitten in einer großen Ziegenherde, die gemächlich und weit zerstreut durch die Büsche streift. (Erlösung, ist doch nicht das Sauerland …🙂 …) Sie zucken zwar erst zusammen, als sie mich entdecken, akzeptieren dann den auf der Höhe stehenden Wanderer mit seinem Stock als “Aushilfshirten”, und grasen zutraulich an meinen Füßen vorbei, westwärts …
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Wenn man oberhalb von Neorio nach unten schaut, sieht man, warum dieser Waldweg so breit und komfortabel angelegt ist. Wegen der Feuerwehr. Man sieht noch die Spuren der Waldbrände, die sich von den Touristen-Siedlungen her nach oben gefressen hatten und jetzt wieder befestigt und übergrünt sind. Es waren die üblichen “zufällig entstandenen” Brände, um später die Siedlung zu Ungunsten des Waldes zu vergrößern, höre ich später …
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Die Imker freuen sich natürlich auch über die praktischen Forstwege! Und das ist auch der Preis, den der Wanderer als Pinienhonig-Liebhaber für sein besonderes Vergnügen zahlt:
Im Sommer immer gaaanz vorsichtig an diesen Kästen vorbei …🙂 …
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Daß diese Blüten schon im Januar rauskommen! Die hätte ich erst im April erwartet …!
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Übrigens: Die beiden Spaziergänge lassen sich auch zu einer Tagestour zusammenfassen! Am besten im Frühsommer, wenn an der Bucht am Kloster die Tavernen auf sind! In dem Fall würde ich vorschlagen, mit dem Taxi zur russischen Werft (oder bis Ortsende Megalo Neorio) zu fahren, und von da aus zu laufen (erst zur Höhe, dann ostwärts, beide Forstwege hintereinander)! Dann hat man die Asphalt-Serpentinen-Straße in der Mitte, und am Ende das Vergnügen in der Taverne am Strand (Badesachen nicht vergessen) …
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Sferia, im winterlichen Nachmittagsdunst
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Nebenbei: Außerhalb der Sommersaison ist es auch nett, einmal “nur so” um Sferia herum zu spazieren (zwar nur Asphaltstraße, aber nette Aussichten).
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Nachtrag: Auf dem Rückweg von Poros nach Piräus stoppte die Fähre in Methana. Dort wollte ich eigentlich im letzten Frühsommer auf den Vulkanhöhen wandern, aber es paßte am Ende nicht in meinen Zeitplan. Vom Hafenort aus schwingen sich die Wege mit ganz schönen Steigungen an den Hängen des Vulkans hoch. Das sieht anders aus als Poros! Da kommt man vom bloßen Zuschauen von der Fähre aus schon ins Schwitzen …🙂 …
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One comment

  1. Die Pinien sind auch auf Poros vor allem Aleppo-Kiefern🙂
    Und meine Begleiterin fand deinen “Winterwanderweg” Nr. 1 einen Sch…weg (um einen uns bekannten Mitwanderer zu zitieren) – verständlich bei 30° im Schatten (wenn es welchen gehabt hätte). Wir haben auf die zweite Runde im Westen dann doch lieber verzichtet und sind dafür die Küstestraße entlang, mit Möglichkeiten zur Abkühlung im Meer. Wenn man ein freies Plätzchen am Strand gefunden hat – Ostermontag im Mai bei sehr sommerlichen Temperaturen.

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