Makedonien – Kastoria 3

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Hm, ist dieses Haus nun fertig … oder ist die Holzverkleidung nur provisorisch, zur Verkleidung der Fachwerkstruktur?

Auch die Häuser der Türken wurden in der Regel von griechischen Bau-Gilden errichtet. Kastoria hat auch ein Folklore-Museum, das detailreich die traditionelle Wohnweise zeigt, das Nerantzis Aivasis Haus:

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Wohnzimmer, die traditionell verschnörkelten Verkleidungen der Fenster sind auf den 20 Jahre alten Fotos noch nicht vorhanden.

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Schlafzimmer. Und der Kamin? Ja, die übliche Brandgefahr …

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Arbeitszimmer

(Zur typischen lokalen Stein-Fachwerk-Architektur wird irgendwann hier ein spezielles Kapitel folgen. Aber es interessiert ja nur eine Minderheit.) Statt im Planungsamt des Stadt Kastoria nach ortskundigen Architekten zu fahnden, gab es auch für mich noch andere nette Alternativen. Zum Beispiel um die Halbinsel herum spazieren oder zum Athanassiou-Berg hinauf (kleine Taverne). Dort auf der Höhe und an den hübsch vermüllten Parkplätzen unterwegs liegen die Orte, an denen der Nachwuchs von Kastoria nicht gezeugt wird:

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Ähem … und dabei so’ne Aussicht:

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Man kann auch am See sitzen und zuschauen, wie der Tag vergeht … eine endlose Reihe von Cafés im Provinz-Designer-Schick am Südostufer, dahinter ein paar mittelprächtige Tavernen für die Erwachsenen.

Zu empfehlen: Am leeren und stimmungsvollen Nordufer das Casablanca, am besten “exo” mit Blick vom Tisch am Ufer auf die Zypressen am Profitis Elias Hügel und eine Art griechisch-italienisch-nordafrikanisch-indische Fusionsküche dazu. Und das Krondiri am Südostufer, gepflegt-traditionelle Küche mit lokalem Einschlag (die Pites-Varianten probieren!). In beiden Lokalen gute Weine und ganz nettes Personal, und … wie gesagt …im Oktober riecht der See nach nichts …

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… auch ohne jedes Essen auf dem Tisch (Krondiri).

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Nachtrag: Von Kastoria ist es nur ein Katzensprung nach Albanien bzw. nach Jugoslawisch-Makedonien. Als ich in den Bus zur Rückfahrt nach Thessaloniki stieg, fünfzehn Minuten vor Abfahrt, wurden gerade nebenan ein halbes Dutzend Jugendliche in einen Polizei-Jeep geladen. Richtung Grenze oder wohin? Nachdem bereits 4 auf einem Haufen Jutesäcke im Heck (!) verladen waren, hatte ich keine Lust mehr hinzugucken. Sollten die beiden restlichen albanischen “Sardinen” da etwa auch noch rein …? Der uniformierte Skinhead mit der Mister-Universum-Muskulatur sieht so aus, als hätte er genau das vor …

Unser Busfahrer startet den Motor. Im allerletzten Moment erreichen den Bus noch weitere fünf Jungs, denen selbst ich ihre agrarisch-albanische Herkunft sofort ansehen konnte. Roter Kopf, ängstlicher Blick, uncoole Kleidung, kein Gepäck. Sie verbreiten sich blitzartig und schweigend über die noch freien Plätze im Bus. Einer besetzt den leeren Fensterplatz 21 schräg vor mir, auf den ich eigentlich ein Auge geworfen hatte … (ich kriege traditionell immer doofe Gangplätze) … hm, sie hatten wohl versucht, ratzfatz und so unauffällig wie möglich an dem Jeep vorbeizukommen.

20 Minuten Landstraße später. Polizeisperre. Der Bus wird rausgewunken. Nur der Bus. Zwei Uniformierte betreten grußlos den Innenraum, zwei besetzen die Türen. Niemand im Bus sagt etwas, niemand verdreht auch nur den Kopf. Die beiden Uniformierten suchen sich exakt diese fünf Last-Minute-Passagiere aus, sonst niemanden. Jedesmal die gleiche Frage: Pass, Bagage? Ob sie die Frage verstehen, tut nicht viel zur Sache. Keine Antwort ist auch eine Antwort. Ein Wink: Raus. Sie gehen raus, wortlos. Da stehen die fünf nun draußen in einem Haltestellenhäuschen zusammengedrängt, einer gestikuliert schüchtern, ob er eine rauchen darf.

Weiterfahren, signalisiert der Uniformierte. Der Bus fährt an. Innen immer noch absolutes Schweigen, als sei überhaupt nichts passiert. Der sehr exakte Tip kam wohl von der Haltestelle Kastoria … der Thessaloniki-Traum der fünf Jungs ist ausgeträumt. Der vor mir hatte sein Ticket ins Gepäcknetz geklemmt und es dann gar mehr mitgenommen. Ich setze mich nun auf seinen Fensterplatz 21, falte das Ticket auseinander. Es gilt für Platz 41, ganz hinten … 15,10 Euro Fahrpreis.

Innenminister Prokopis Pavlopoulos zählte für den September 2007 exakt 13.151 festgenommene illegale Einwanderer nach Griechenland. (Bei 10 Millionen Einwohnern.) Nun gut, viele sind ja nur “Durchwanderer” Richtung Nordeuropa. Aber mal auf Deutschland (80 Mio. Einwohner) hochgerechnet … da wären das circa 100.000, die beim illegalen Grenzübertritt im Monat verhaftet würden … bzw. 1,2 Millionen im Jahr. Hm. Würde da einer was sagen in einem deutschen Bus?

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Und wenn Sie ein Bett mit Aussicht in Kastoria suchen:
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Filoxenia Kastoria
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Die Pension Filoxenia (Mitte rechts) am nördlichen Rand der Altstadt von Kastoria
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(Übrigens, das ist hier keine bezahlte Werbung.) Die Pension Filoxenia in Kastoria bietet soliden Hotelkomfort, kostet aber nicht so viel … und ist nur eine kurze Taxifahrt vom Busbahnhof entfernt … und von dort aus haben Sie alles unter sich! Fernblick und himmlische Ruhe!
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Ich habe Anfang Oktober 2007 dort vier Nächte verbracht, habe auf dem Balkon in der Sonne gesessen und auf diese Aussicht geschaut … unten Kastoria, die Spielzeugstadt am See:
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Kastoria vom Filoxenia
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Und so sah es nachts aus:
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Filoxenia Kastoria nachts
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Das Filoxenia wurde von Christos Kirkineskas und seiner Schwester Labrini geführt. Beide sprechen deutsch. Sie können so mit ihnen Verbindung aufnehmen:
Tel/Fax: (0030) 24670 22162
Website: www.filoxeniakastoria.gr
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Zum Spaziergang durch das grüne Profitis-Ilias-Gebiet brauchen sie nur vor die Tür zu treten, und die paar Schritte abwärts zu den Restaurants am Ufer schaffen Sie auch noch! Mit dem Auto brauchen Sie 2 Stunden von Thessaloniki bis Kastoria, und alle 2 Stunden gibt es eine KTEL Busverbindung.
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Filoxenia Kastoria Frühstück
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Filoxenia: Frühstück mit Seeblick
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2 comments

  1. Übrigens, auch heute noch lohnt sich der Beitrag “Makedonisches Flickenfell” von Wolfgang Josing-Gundert zu lesen, der 1989 im von ihm herausgegebenen Band “Griechenland” (Ellert & Richter Verlag, HH) erschien. ISBN 3-89234-084-6
    Ein Vierteljahrhundert später haben sich die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse in Kastoria natürlich etwas verschoben, aber Josing-Gunderts Besuch in Kastoria ist von ihm äußerst amüsant beschrieben und klug analysiert!
    (Die anderen Beiträge im Buch – von griechischen und deutschen Autoren – haben den gleichen hohen Standard. Man kriegt das Buch noch im Antiquariat für ein paar Euro.)

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