Markos Vamvakaris

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Markos Vamvakaris
(1905-1972), einer der bekanntesten Bouzoukispieler Griechenlands, stammt aus Ano Syros, dem alten 2500-Seelen-Dorf hoch über der Stadt Ermoupolis. Hier wird die Erinnerung an ihn wachgehalten durch ein kleines Museum und ein bescheidenes Bronzedenkmal.
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.Moment … das ist nicht ganz richtig … in erster Linie wird die Erinnerung an ihn wachgehalten durch die Syrioten, für die Vamvakaris’ Kompositionen – besonders sein “Frangkosiriani” – Hymnen sind, bei denen wirklich jeder vom ersten bis zum letzten Ton einstimmen kann.

Eine der bekanntesten Tavernen-Adressen in Ano Syros (tolle Aussicht!) ist das “Lilis“. In der Regel sind bei “Lilis” nur die großen Gasträume und die Terrasse geöffnet. Unter diesen Räumen (Zugang von der Treppe des steilen Fußwegs abwärts) lag die ursprüngliche Kneipe (Räume, die heute nur noch als Küchen- und Lagerräume genutzt werden). Mitte der 90er Jahre öffnete Lili da unten noch ab und zu, wenn das Winterwetter schlecht war und die Laune gut, und wenn den Honoratioren danach war, etwas zu feiern.
(Komischerweise war an solchen Tagen auch die Küche wesentlich besser und vielseitiger als gewöhnlich …🙂 …)

Hier, unter den kykladentypisch aufgetürmten Weinfaß-Stellagen, (aus denen mit Gummischlauch und Wasserhahn der Wein gezapft wurde) hatte angeblich auch Vamvakaris selbst gespielt. Das große Portrait erinnerte an ihn.

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Vamvakaris oben, Lili rechts …

Und es gab diese großartige Jukebox (ganz rechts im Bild), randvoll mit Vamvakaris- und anderen alten Rebetiko-Singles:

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Aber in ganz Griechenland ist Markos Vamvakaris immer noch ein Begriff! Vor kurzem hat George Dalaras noch im Apollon-Theater von Ermoupolis seine “Afieroma ston Marko Vamvakaris” Tribute-Doppel-CD beim Live-Konzert aufgenommen.

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Ich zitierte mal unkommentiert diesen Text dazu (gefunden bei “amazon“, wo man die CD kaufen und vorher auch reinhören kann!):

Markos, ein 16jähriger Hilfsarbeiter von der Zykladeninsel Syros sitzt an einem verregneten Herbstabend des Jahres 1921 in Piräus in einer Hafenkneipe und die mit Haschisch gefüllte Wasserpfeife macht die Runde. Er spielt auf seiner Bouzouki, sein Freund Stratos singt dazu, und um sie herum amüsiert sich der Bodensatz des Athener Nachtlebens: Das Publikum ist eine obskure Mischung aus Dealern, kleinen Gaunern und Arbeitslosen. Yorgos (George), ein 53jähriger Grieche aus Piräus und Sohn eines Rembetikomusikers, sitzt am 27. September 2002 auf der Bühne im Apollo-Theater in Ermopoulis, der Hauptstadt der Zykladeninsel Syros. Umgeben von den Söhnen des Rembetiko-Großmeisters Markos Vamvakaris intoniert George Dalaras die ersten Zeilen des Liedes „Frangosyriani“(Mädchen von Syros). Der ganze Saal singt sofort mit, und das Publikum genießt den Abend in dem frisch renovierten Theater von Syros.

Dazwischen liegen 81 Jahre griechische Geschichte, die an diesem Konzertabend in Ermopoulis im Raum zu spüren sind. Es ist die Geschichte des Rembetiko, der in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in den ärmlichen Vororten von Athen und Thessaloniki entstand, wo sich griechischstämmige Flüchtlinge aus der Türkei nach der Niederlage Griechenlands in Kleinasien zu Tausenden einfanden. Hier vermischte sich die Musik des Orients mit den Gesangstraditionen Europas in der haschischgeschwängerten Luft kleiner Cafés zum „griechischen Blues“, hier wurde aus der türkischen Saz die griechische Bouzouki. Markos Vamvakaris schrieb in diesen Kneipen seine ersten Lieder vom Drogenrausch, von gebrochenen Herzen und Gaunern im Knast. Er überlebte einige seiner Mitmusiker und seinen Bruder, die ihr Leben zugedröhnt und mittellos im Straßengraben beendeten. Auch das Verbot der „Haschischlieder“ Ende der dreißiger Jahre durch den Diktator Metaxa konnte ihm nichts anhaben, und heute ist Vamvakaris DER große alte Meister des Rembetiko.

Das Konzert in Ermopoulis, auf der Geburtsinsel von Vamvakaris, ist George Dalaras‘ Verbeugung vor dem Werk des Komponisten und Sängers Markos Vamvakaris. An drei Abenden, wahrscheinlich auch nicht zufällig an Dalaras‘ 53. Geburtstag, entstand das vorliegende Doppelalbum „Tribute to Vamvakaris“ mit 28 Stücken voller Emotion und Leben und George Dalaras als Hauptsänger. Es sind Lieder, die das Publikum auswendig mitsingen kann, und in denen es sich wiederfindet.

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Altes Foto des Apollon-Theaters, des Opernhauses (!) von Ermoupolis
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