Makedonien – Prespa See

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Aghios Achilios Insel, die neue Schwimmbrücke

Ursprünglich gab es im Hochtal von Prespa nur einen einzigen See, erst durch Ablagerungen der Bäche auf der Aghios Germanos Seite wurde der See geteilt, in den nördlichen See (Megali Prespa), den sich Albanien, FYROM und Griechenland teilen, und den fast ganz in Griechenland liegenden kleinen See (Mikri Prespa). Die auf 850 Meter Höhe liegenden Prespa-Seen haben keinen überirdischen Abfluß.

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Schilf am Mikri Prespa See

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Griechischer Teil des Prespa-Schutzgebietes,
Ausschnitt aus einem PDF-Download der SPP (Copyright)

Zu Anfang des 20. Jahrhunderts lebten hier noch 10.000 Personen in 18 Dörfern. Die Zahl war 1939 schon auf 7.000 gesunken, und der zweite Weltkrieg und der griechische Bürgerkrieg gaben der Gegend quasi den Rest. In 8 Dörfern lebte fast niemand mehr und weitere 5 Dörfer wurden völlig aufgegeben. Trotz einer Zuwanderung durch Vlachen aus dem Epirus und Thessalien war diese Entwicklung nicht umzudrehen. Viele der jüngeren Leute emigrierten nach Thessaloniki oder nach Deutschland, Kanada und Australien.

Der Melissa-Band “Griechische Traditionelle Architektur: Prespes” von 1990 freut sich noch (mit leicht schlechtem Gewissen) über die Unterentwicklung der Gegend, die die Architektur und Lebensart so unverfälscht erhielt … normalerweise hätte auch hier die “Entwicklung” mit Betonmischern stattfinden müssen, die woanders im Griechenland der Nachkriegszeit zu erleben oder erleiden war. Aber das von langen Wintern geprägte Tal von Prespa war glücklicherweise viel zu arm und abgelegen für irgendeine Entwicklung …

2001 wurden noch 1.800 Einwohner im Tal gezählt, meist ältere Leute, die von Fischerei und Landwirtschaft lebten. (Der Anbau diverser Bohnenarten ist eine Spezialität der Gegend.) Erst jetzt ändert sich einiges durch die Entwicklung des Tourismus im neu erfaßten Naturschutzgebiet. Die Orte Aghios Germanos, Psarades und Aghios Achilios profitieren davon am meisten.

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Die Kirche von Aghios Germanos aus dem 11. Jahrhundert klebt an einem großen Neubau von 1882

Im Michael Müller Band Nordgriechenland von 2001 wird das Naturschutzgebiet empfohlen, aber davor gewarnt, dort unvorbereitet und unangemeldet aufzutauchen: Fast keine Hotelbetten, wenige Tavernen, kaum öffentliche Verkehrsmittel.

Da hat sich inzwischen einiges geändert! Im Informationszentrum in Aghios Germanos kriegt man gleich eine lange Liste mit frisch renovierten Unterkunftsmöglichkeiten in Bauernhäusern vorgelegt, und da fährt zufällig gerade der Linienbus von Florina vorbei (der fährt jedoch eigentlich nur für die Schulkinder …), da gibt es eine Initiative für Agrotourismus mit Informationsstand, da die Post, da das Dorftaxi, da eine Taverne … halt, in Psarades gibt es gleich mehrere, und da kommt auch schon ein Reisebus mit Rentnern auf Tagesausflug, zum Fischessen …

Ich hatte mich … nach den Warnungen über die Gegend ohne öffentliche Infrastruktur … schon im 50 km entfernten Kastoria mit einem Taxi versehen … der Taxifahrer Nikolaos, Anfang 30, war in Kastoria geboren und war trotzdem noch nie am Prespa-See … hm ja, im Taxi kam ich mir in der menschenleeren Gegend vor wie Harvey Keitel in diesem Film von Angelopoulos, nur war bei mir das Wetter wesentlich besser …🙂 …

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Das Infozentrum in Aghios Germanos ist nun ganztägig geöffnet, von 9-17 Uhr (Tel. 23850 51452) und Katerina, die dort die Stellung hielt, sagte, es wären im Moment bereits 4 Leute im Zentrum beschäftigt, dazu kämen noch die “ecoguides” für die Führungen undsoweiter …

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Im Zentrum werden Informationen über das LIFE-Nature/WWF-geförderte Naturschutzgebiet und die lokalen touristischen Aktivitäten gebündelt angeboten. Denn man hat vonvorneherein versucht, den Einwohnern das Naturschutzgebiet nicht als “besetztes Gebiet” abzuringen, sondern sie behutsam dazu geführt, davon auch zu profitieren: Ob nun durch private Zimmervermietung oder durch einen kleinen mobilen Stand am See, wo man die selbst erzeugten Bohnen usw. durch Direktverkauf in Euros umwandeln kann.

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Das Naturschutzgebiet hat als gemeinsames Balkan-Objekt höchstes Regierungsprestige. Es umfaßt in erster Linie das Wasser, die Schilfgebiete und die Pflege der Feuchtwiesen und Fischbestände, sowie die ökologisch geprägte Landwirtschaft und das alpine Gebiet ab 1800 Metern Höhe. Inzwischen ist der natürliche Kanal zwischen den beiden Seen mit einer Schleuse reguliert und es gibt ein Programm, um Feuchtwiesen und Schilfregionen durch Beschnitt und Beweidung zu pflegen und zu vergrößern.

Was die Besucher am meisten interessiert, sind natürlich die Wasserbüffel im Schilf und die zahlreich im Frühjahr hier eintreffenden Vögel (Beobachtung mit Ökoführern der SPP): Weiße Pelikane, die seltenen Dalmatienpelikane … gleich 1000 Paare brüten hier, Kormorane, davon gleich 600 Paare der seltenen Pygmäenkormorane, Reiher, seltene Wildgansarten … im Frühjahr 2007 trafen nach 30 Jahren wieder die ersten Ibisse ein … davon hätte ich auch gerne was gesehen, aber der Oktober war dafür leider eine völlig falsche Zeit …

Es gibt hier auch Bären, Wölfe und Fischotter, und die sieht ja gewöhnlich auch keiner. Aber es bleibt ja noch der Blick auf die ländliche Kultur der Gegend:

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Die Ruinen der Kirchen auf der Aghios Achilios-Insel

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Ein altes ortstypisches Bauernhaus

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Eine Pension, die aus einem Dorfhaus entstanden ist
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Kontakt und Informationsmaterial bei:

SOCIETY FOR THE PROTECTION OF PRESPA
ETAIRIA PROSTASIAS PRESPON
GR 53077 AGHIOS GERMANOS

Tel. (+30) 23850 51452 und 23850 51211
mail: spp.infocentre@otenet.gr und spp@line.gr
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Web:  http://www.spp.gr
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9 comments

  1. Hello,

    I want to know if there is a campsite and restaurants in the area of the lake Prespa? Can you help me?

    Thank you for your answer!

    Best regards

    Claudia Hauser

  2. Hallo Claudia,
    ich schaue heute abend nach … ich habe eine Camping- und Hotel-Liste aus dem Info-Center in Agios Germanos (Tel. 0030 – 23850 51452). Im Info-Center helfen sie dir bei allen Fragen! Agios Germanos und Psarades haben Tavernen.
    Hey, ich hoffe, meine Antwort auf DEUTSCH ist auch OK …🙂 …!?
    Theo

  3. Hallo Claudia, tut mir leid … ich bin gerade durch das ganze Papiermaterial vom letzten Oktober durchgegangen. In diesem Informationszentrum gab es nämlich ein DIN A4 Blatt mit Adressen von Zimmern und Campingplatz am Prespa-See … aber ich finde es nicht mehr.
    Aber ruf da einfach mal an … im Info-Center sprechen alle englisch! Theo

  4. Die Umweltminister von Griechenland (Tina Birbili) und Mazedonien/”FYROM” und Albanien (Nexhati Jakupi und Fatmir Mediu) haben gestern ein Abkommen zum Schutz der Feuchtgebiete der Prespa.Seen unterzeichnet. Über den Schutz der Seen hinaus soll das Abkommen dazu dienen, Flora und Fauna im National-Park zu erhalten, Erosionsschäden zu verhindern und die umweltverträgliche Landwirtschaft in der Region zu fördern.
    Über das trilaterale Abkommen wurde seit dem Regierungsantritt der PASOK (November 2009) verhandelt und es wurde geradezu sensationell schnell zum Abschluß gebracht, wenn man bedenkt, welche Schwierigkeiten Griechenland sonst mit seinem nördlichen Nachbarn “FYROM” hat …

  5. Ich danke dir für diesen ausführlichen Reisebericht. Da ich aus dem Dorf Vrondero in Prespa stamme (das Dorf nach Pili, welches auch das letzte ist) und jedes Jahr Urlaub dort mache, hoffe ich das das Gebiet Öko-touristisch erschlossen wird. 2 Wochen aufenthalt in dieser Natur und der Körper fühlt sich wie neugeboren.
    Mfg
    Aki

  6. Auf dem Weg nach vrondero, vll 1km davor, gibt es ein Waldgebiet in dem unglaubliche viele und große Pilze wachsen, bin letztes Jahr zufällig drauf gestoßen🙂

  7. NACHTRAG zu meinem Beitrag oben vom 03.02.2010:

    Nach einer SPP-Pressemitteilung vom 23.08.2012 hat Griechenland das Abkommen – als einziger der Partner – immer noch nicht ratifiziert! Dabei ist von Griechenland die Initiative zum Abkommen ausgegangen!

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