Poros 1 – Sferia

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Poros, keine richtige Insel im Sinne der erklärten Nissomanen und Nissomaninnen unter uns! Der südliche Teil von Poros (Sferia) ist nur eine 80 Cent Taxiboot-Entfernung vom Peloponnes entfernt …
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Die andere Perspektive: Galatas, nur drei Minuten entfernt von meinem Poros-Balkon …
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Blick nach rechts, aha, die Autofähre … kommt aus Piräus, Aegina, Methana …
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Blick nach links, das Passagierboot, die Flying Cat 1 … kommt aus Porto Heli, Spetses, Ermioni, Hydra … egal, leer sind die Schiffe jetzt alle.
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Schon seit Jahren hatte ich mit dem Gedanken gespielt, die halkyonischen Tage … die Tage eines Zwischensommers mitten im Winter … in Griechenland zu verbringen. Nur werden wir uns unter Griechenland-Freunden nicht einig … fallen die “Eisvogeltage” nun in die zweite Dezemberhälfte oder in die zweite Januarhälfte? Wikipedia votiert für Dezember. Ich buche den Flug gegen wikipedia. Das Wetter entschied sich gegen uns alle: Es wird “Sommer” in Griechenland zwischen Silvester und dem 10. Januar 2010 …
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Es ist Jahresanfang, 26°C und Strandleben auf Kreta. Auch Freundin Ilka, die auf Thassos (!) lebt, schrieb, sie habe Touristen aus Holland am Neujahrstag im Meer baden gesehen! Nun ja, Holländer sind kälteresistent … die sitzen auch in Amsterdam im Café immer draußen, und wenn es ihnen dicke Flocken in den Koffie schneit …
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Bis ich Mitte Januar Richtung Athen fliege, ist der Zwischensommer vorbei. Ich habe noch so etwas wie Vorfrühling. Was gegen das Wetter in Nordeuropa schon ein großer Fortschritt ist …
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Meine Ortspläne hatte ich seit Ende Oktober (da hatte ich den Flug gebucht) mehrfach geändert. Vor allen Dingen darum, weil ich nicht so vorgehen wollte, wie ich sonst in Griechenland vorgehe: Also irgendwo hinfahren, das Gepäck im Kafeneion stehen lassen und ein Privatzimmer suchen. Nicht mitten im Winter …
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Im Januar sind selbst 35 von 38 Hotels auf der (Athen-nahen) Insel Aegina geschlossen, die ein Internet-Anbieter zur Verfügung hat! Nicht anders auf Hydra oder auf den Kykladen. In Piräus bleiben und jeden Morgen mit den fliegenden Delfinen Ausflüge auf die Inseln im saronischen Golf machen …? Hm, bei den Preisen von Hellenic Seaways (Beispiel: Piräus-Poros-Piräus 45 Euro) kann man die Tagesausflüge auch vergessen. Selbst wenn man’s bezahlen will … die letzte Chance zur Rückkehr ist in der Regel am Nachmittag, nicht am Abend …
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Aber ich habe Glück. Was ist mit Poros? Poros kenne ich nur vom Vorbeifahren auf dem Weg nach Hydra und Ermioni.
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Sah immer ganz nett aus, diese Häuserreihe direkt am Wasser! Die Pinien drumherum. Nur im Sommer zu viele Leute für die kleine Insel, wie man hört …? Wie mag es da im Winter sein?
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Und ja … auf Poros hat ein Hotel auf, familiengeführt, nur ein gutes Dutzend Zimmer, einige mit schönen Balkonen zum Wasser, direkt am Fähranleger! Da oben in diesem Hotel Manessi warm angezogen in der Winter-Sonne sitzen und unten dem Insel-Leben zuschauen …!?
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Kyriakos Manessis beantwortet meine Buchungsanfrage umgehend. Ja, ich kriege “meinen” Balkon, und ja, “it’s OK if you extend your staying”. Das Zimmer ist klein, aber komfortabel eingerichtet (bis zum Flachbildfernseher …), und das Heizungs-gebläse faucht flüsterleise.
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Das Frühstück gibt’s im Januar leider nur im Café Memories (!) nebenan. Und dieses sogenannte continental breakfast (6 Euro, serviert von Personal, das altersmäßig um diese Uhrzeit eigentlich in der Schule sein müßte) wird schnellstens gestrichen zugunsten eines café elleniko (1 Euro) im Café Calavria und einer Handvoll Bougatsa (2 Euro) vom pita-Stand nebenan. Das Café Calavria hat eine schöne Aussicht und vormittags Morgensonne, und daußen auf seiner Terrasse an der Hafenstraße sitzen die alten Herren des Dorfes unter Kanarienvögelkäfigen und warten auf das erste Athener Boot mit der Tageszeitung.
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Alle halbe Stunde: Die Autofähre Galatas-Poros
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Und ich habe – wie schon so oft (Skopelos, Symi usw.) meinen Balkon, wo ich den Leuten auf den ankommenden Schiffen (fast) die Hand zur Begrüßung reichen kann. Unten stehen die Taxifahrer von Poros und plaudern, gegenüber die funkelnden Lichter von Galatas. Ich habe alles unter mir wie Spielzeug und ich träume nicht einmal vom nächsten Sommer …
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Die Griechen sind trotz allem immer unterwegs: Alle paar Minuten ein Taxiboot
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Aber ab und zu höre ich Gäste im Hotel. Sehe tue ich keinen. Ich sehe auch nicht allzu oft jemanden auf der Straße. Oder in den Tavernen. Am ersten Tag esse ich mittags sogar draußen, exo bei “George”. Außer mir ist nur die kleine Tochter des Wirtes draußen. Sie hat ein Videospiel auf ihrem Laptop. Gut, ich habe mir bewiesen, daß es geht, das Draußendinieren im Januar. Aber ich bin ja kein Holländer. Muß ich nicht noch mal tun.
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Abends haben ein halbes Dutzend Tavernen an der Hafenfront auf. Die meisten haben auch draußen die Tische gedeckt (sieht besser aus) und ein paar Fische in der Auslage sortiert. (Die Fischer laufen abends herum und verkaufen aus der Plastikwanne.) Aber die Tavernen sind leer. Geradezu weltuntergangsleer …! Nur ganz am Ende der Hafenzeile ist auf einer Kafeneion-Terrasse “pub”-Stimmung. Das einzige von zwanzig oder dreißig Häusern, das da hinten überhaupt Licht hat. Ein Kreis von angesäuselten Briten und Britinnen im Rentner-Alter, in dicken Winterjacken, aber offensichtlich mit Dauerwohnsitz. Sie nehmen offenbar ihr Dinner immer nur flüssig …
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Nachtstimmung unter meinem Balkon, Blick nach rechts: Die Autofähre ruht …
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Blick nach unten: Ebenfalls ruhendes Hochsee-Fischerboot
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Sie meinen, jetzt hätten Sie aber genug Schiff-Fotos gesehen? Dann kommen Sie doch mal im Frühjahr auf die Insel, wenn auf Poros die jährliche Charter Yacht Show ist …🙂 …!
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Die erste Taverne, die ich mir am Montagmittag als “authentisch” für abends reserviert hatte, hatte einen sanft qualmenden Elektrogrill draußen stehen, mit einem guten Dutzend Fischen in Sardinengröße drauf. Als ich beim zweiten Mal vorbeikomme, steht auch der Wirt draußen, wendet die Fische. Dummerweise kippt er dabei gleich den Grill um. Es stört ihn absolut nicht, daß ich ihm zuschaue, wie er in aller Gemütsruhe die Fische wieder von der Straße aufsammelt und zurücklegt. Guten Appetit. Ist ja nur ein bißchen Baustellensand und Öl auf der Straße. Ich glaub, ich werde doch woanders essen …
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Ich esse also im ‘Rota’, neben dem Ehrendenkmal. Außer mir essen hier zwei ältere Herren aus der Nachbarschaft ihre Fischsuppe. Kein Wunder, die Fischsuppe ist nämlich ausgezeichnet, der Löffel steht geradezu im Fisch! Und die warmen (!) Vorspeisen sind frisch gemacht und es gibt auch zwei verschiedene halbe Portionen als eine ganze … zwei tiropites im Blätterteig und zwei kolokithokeftedes zum Beispiel … ja, der Koch macht tatsächlich auf Bestellung zwei (!) frische Zucchini-Bällchen …
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Ich komme hierher von Montag bis Donnerstag, jeden Abend! Empfehlung: Pantsaria (warme Rote Bete) mit Skordalia, der weiße taramosalata, Roka (Rucola) mit getrockneten Tomaten und Parmesan, Lachano-Dolmades (kleine gefüllte Kohlrouladen) mit Avgolemona-Sauce. Das schmeckt auch dem Werftarbeiter, wenn’s ungemütlich kalt ist: Spaghetti carbonara mit Schinkenspeck satt, und hauchfein gehobelten frischen Pilzen. Und es gibt jeden Tag ein anderes Dessert. (Hervorragend diese krümeligen Mandelgebäck-Kegel vom Konditor … ja, der Wirt ist Marzipan-Fan und war auch schon mal in Lübeck!)
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Ich schaffe bis zu 6 verschiene (Halb-)Gerichte. (Schließlich habe ich ein anstrengendes Tagesprogramm an der frischen Luft!) Und am Ende gibt es Tsipouro im Wasserglas. Und politische Diskussionen dazu. Was die drohende Insolvenz des Landes angeht, wie Griechenland tatsächlich nie die Euro-Bedingungen erfüllt hat, ohne daß es einer gemerkt hat, die hirnrissigen EU-Subventionen, die Steuern oder die Katastrophe von Smyrna 1922 oder das Zypernproblem … der Wirt ist hervorragend informiert und kann seine Sache geschickt vortragen: “Wenn Griechenland mal die Hälfte der Staatsangestellten entlassen würde, oder sie wenigstens in der Steuerfahndung beschäftigen würde!” Und er rauscht zwischendurch mal los und kauft für seine Gäste (also mich) eine andere Sorte Tsipouro, einen besseren, milderen …
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Ob das Haus alt ist oder auf alt getrimmt? Es ist alt. Die Taverne war ursprünglich eine Tischlerei, um 1870, da gab es die Küstenstraße noch nicht, dann eine Milchbar (galaktopoleio) bis 1995, dann eine Pizzeria, seit 2005 ist es die Taverna Rota …
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Wenn Sie im Sommer hier sind, wird es ein bißchen anders sein. Dann wird der Koch nicht mehr so griesgrämig gucken vor Langeweile (na gut, gute Köche gucken immer so, Langeweile oder nicht …). In der Hochsaison sind 12 Leute hier (Küche und Bedienung), aber so lange das Essen  wegen des Hochbetriebs nicht wesentlich schlechter ist, na dann …
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Ist mal wieder ein wenig an Mehrwertsteuer für den griechischen Staatshaushalt zusammengekommen …
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Ich bleibe auf der Insel von Montagmorgen bis Freitagnachmittag … halt halt, das WOLLTE ich … aber in der Nacht zum Freitag legten Nordsturm und Regen los. Und als ich mich als letzter Donnerstag-Gast im Rota verabschiedete, warnt mich der Wirt, ich solle besser am frühen Morgen erst bei Hellenic Seaways wegen der Boote nachfragen … die letzte Chance sei ja immer noch die 5-Stunden-Busfahrt über Navplio und Korinth …
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Er hatte recht … die Delfine blieben am Freitag tatsächlich in Piräus … um 10 Uhr 15 kaufte ich ein Ticket für das einzige Schiff des Tages, die Autofähre Nefeli, um 10 Uhr 45. Sie war da schon am Horizont zu sehen! Aber ich wohnte ja direkt am Anleger! Fluchtartig war ich weg. Kein Mittagessen bei Rota. Wie ärgerlich. Aber so ein Inselleben hat nun mal was Unberechenbares …
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Freitag, 10 Uhr 45. Nun, da ich nicht mehr da bin, wirft niemand mehr der Nefeli einen Blick hinterher …
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Halt … es ist noch nicht vorbei mit Poros! Zum ernsthaften Wandern ist die Insel leider zu klein, aber Vorschläge für Spaziergänge kommen noch in Teil 2.
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WEITER ZU  POROS 2 – KALAVRIA
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2 comments

  1. Die großen Fähren halten offensichtlich nur im Winter an der Paralia. Im Mai dagegen am großem Hafen weiter nördlich. Da hättest du die Fähre nicht mehr erwischt.

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