Troulaki – Simeon – Sostis

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Wenn Sie diese Sicht auf die Bucht von Kamares, hier mit der gerade auslaufenden Adamantios Korais, genießen wollen, dann müssen Sie sich das auch “verdienen”. Es ist der Blick vom Profitis Ilias Troulakiou, und Sie müssen hier rauf, zu Fuß:
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Halt … bevor ich jetzt weiterschreibe, noch eine Anmerkung. Also ja, Sifnos ist eine INSEL, und Sifnos hat einige Strände, und ich würde Ihnen die auch gerne beschreiben, nur war es im Mai 2011 noch relativ kalt, lausig kalt für ein Strandleben … und generell, was Berichte über Strände angeht: Im Herbst 2010 war ich auf Astypalaia, und hatte am Ende unter anderem auch eine Seite geschrieben, die sich ausschließlich mit den dortigen Stränden auseinandersetzte. Die Seite habe ich vor der Veröffentlichung jemandem vorgeführt, der bzw. die auf Chora/Astypalaia wohnt. Sie fand die Seite überhaupt nicht gut. Mir gefiel sie dann auch nicht mehr … Sand, Wasser, blauer Himmel, aus der Entfernung ist das eher zum Gähnen … die Seite wurde gestrichen.
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Also gibt es von Sifnos auch keine “Strandseite”. Dafür skizziere ich hier noch drei Wege zu “Trocken-Zielen”.
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Ich bin übrigens die komplette Strecke von Troulaki nach Kamares gelaufen. Das müssen Sie natürlich nicht tun. Ich hätte es mir auch schöner vorgestellt – da ich nicht wußte, daß die (auf der Karte als “malerisch” gekennzeichnete) Straße vor nicht langer Zeit einen nagelneuen Asphaltbelag erhalten hatte. Ätzend zum Wandern. Im Laufe des langen Tages begegneten mir übrigens exakt drei Autos und ein Mofa auf dieser Subventionsverschwendungs-Piste …
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Es war mein zweiter Tag auf der Insel. Ich hatte auch ganz naiv erwartet, daß Troulaki so etwas wie ein “Dorf” darstellen würde. Troulaki ist ein lausig-stilles Häufchen Häuser ohne jede Infrastruktur. An einem der achtzehn Häuschen hing Wäsche zum Trocknen. Offensichtlich wohnt tatsächlich jemand in Troulaki. Trotzdem, erwarten Sie nichts, bringen Sie alles an Essen und Trinken für einen Wandertag von Apollonia mit.
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Sie haben allerdings von Profitis Ilias Troulakiou auch einen schönen Blick nach Nordwesten, in Richtung von Seriphos:
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Und Sie können der Straße auf kleinen Teilstücken ausweichen, hier auf einem Ziegenpfad durch karstiges Wacholdergebüsch. Der Abzweig ist am Aufstieg zur Profitis Ilias Troulakiou Kirche mit einem Steinhaufen markiert:
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Etwas weiter östlch, hinter dem Hügel von Aghios Simeon (mit der Antennen-Anlage), können Sie (wo der Wassertank steht), noch einmal scharf nach rechts abbiegen. Für 1,5 Kilometer wird es da abenteuerlich beim Laufen (und Sie vermeiden es, auf der Straße an der Müllkippe vorbeizuziehen).
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Der Weg (wenn wir ihn einen “Weg” nennen wollen) geht an den Resten von zwei uralten Wachtürmen vorbei. Die Wachtürme hatten einen guten Blick ins Tal von Kamares – das heißt, sie stehen gut getarnt an exponierter Stelle. Unter den Türmen geht es also steil bergab:
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Der Weg zwischen den Türmen ist eigentlich in keiner Weise gebahnt. Man steigt wie eine Ziege von Felsen zu Felsen, und sucht dabei die briefmarkengroßen Markierungszeichen, die zwischendurch mal von rot auf blau wechseln:
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Auf diesem Weg bringt man keine Geschwindigkeitsrekorde zustande, man achtet auf jeden Schritt, und ich war heilfroh, daß ich mich beim Auf- und Abkraxeln auf meinen Teleskop-Wanderstock verlassen konnte. Für die 1,5 Kilometer habe ich mehr als eine Stunde gebraucht!
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Zwischendurch bleibt man natürlich des öfteren stehen und staunt über die tolle Aussicht, oder über Kleinigkeiten vor der Nase. Und wenn es nur der frühlingsgrüne Wacholder ist …
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… oder die vor einem auf dem Weg in der Sonne liegende Leopardennatter. Die von der Kälte noch so steif ist, daß sie sich nur ganz langsam wegbewegt. Selbst Steinwürfe können sie nicht beschleunigen. Hier von dem Vieh gebissen werden ist so gut wie von der Kante fallen. Man darf sich nämlich nach dem Biß nicht bewegen, bevor der Arzt kommt, habe ich hinterher gehört …
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Also, wenn Sie mal Ihre Trittfestigkeit testen wollen, tun Sie es zwischen den beiden Türmen. Sie müssen es ja nicht alleine tun. Aber fangen Sie unbedingt im Westen an. Vom Osten aus ist der Zugang völlig konfus.
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Der Taxifahrer, der mich nach Troulaki brachte, hatte mir die Minen von Aghios Sostis empfohlen. Das soll hier das dritte Ziel zu Fuß sein. Anders kommt man da nämlich auch nicht hin, wenn man kein Boot hat.
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Der Zugang ist kurz vor der Betonfabrik an der Straße nach Norden. Ich bin von Apollonia gelaufen, durch Ano Petali und Artemonas, Aghia Anna und Tris Pighes. Auf der ganzen Strecke müssen Sie nur 400 Meter über die Landstraße … ab Aghia Anna bis zur Küste bei Aghios Sostis haben Sie einen reinen Fußweg durch die Natur vor sich! Und die Chance, sich zu verlaufen, ist gering. Ab und zu gibt es eine kurze Überlegung … welches der beiden Gatter könnte wohl das richtige sein:
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Von den Bergwerken von Aghios Sostis ist oberirdisch nicht viel geblieben. Sie erstrecken sich über eine kleine Halbinsel und in die anliegende Schlucht hinein. Und – wir sind ja auf Sifnos – natürlich steht da, im Foto ganz links oben, auch eine tadellos geweißte Kirche, Aghios Sostis eben:
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Der Weg, der das Gebiet erschlossen hat, ist noch tadellos erhalten:
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Die Stollen sind teilweise eingestürzt. Vor dem Betreten wird ausdrücklich gewarnt. Was die dort lebenden Ziegen nicht kümmert:
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Wahrscheinlich wurde gleich vor Ort das Metall aus dem Erz gewonnen. Angeblich wurde dort Silber oder Blei oder Eisenerz gefördert, Einzelheiten habe ich nicht herausgekriegt (Nachtrag siehe unten). In der Antike war Sifnos sogar für seine Goldbergwerke bekannt. Jedenfalls liegen immer noch Halden von Schlacken und Steinen dort, wo vor fast hundert Jahren die Arbeit beendet wurde. Die Minen waren am Ende unrentabel:
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Hm, irgendwie haben die westlichen Kykladen und das Ruhrgebiet doch einiges gemeinsam. Vielleicht sollten Essen und Sifnos eine Städtepartnerschaft eingehen! Ich könnte ehrenamtlich als Projekt-Beauftragter tätig werden, und ich könnte auf Spesen da runter fliegen, wir machen eine Ausstellung über die Zeche Zollverein im Museum in Apollonia und hinterher eine große Feier und ich bleibe drei Wochen und pflege die nötigen Kontakte …
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Nachtrag:
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In der “Landeskunde von Griechenland 1911” von Adolf Struck gibt es nur ein paar Zeilen über den Bergbau auf Sifnos: “Auf Siphnos hat das Unternehmen Capsalos eine erfolgreiche Tätigkeit entfaltet; es werden jährlich 16-20.000 t Eisenerze gewonnen.” “Die ergiebigsten (Mangan)Lager besitzt Siphnos, wo die Capsalos-Gesellschaft einen starken Abbau betreibt.” Die gesamte griechische Eisenerz-Produktion im Jahr 1911 summierte sich übrigens auf 450.000 Tonnen. Die bei der Verhüttung entstandenen Schlacken wurden gerne von leeren Schiffen als Ballast geladen.
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