Hydra

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Hydra gehört zu den Saronischen Inseln und ist von Athen aus relativ leicht zu erreichen. Die Insel ist gebirgig, karg und für die Landwirtschaft nicht geeignet. Sie war schon in der Steinzeit bewohnt. Nur spärliche Überreste sind in der Nähe von Molos erhalten. Erst seit dem 15. Jahrhundert, als sie von (Steuer-)Flüchtlingen wegen der osmanischen Besatzung des nahen Festlands besiedelt wurde, wurde sie überregional bekannt. Denn der Lebensunterhalt ließ sich hier nur aus dem Meer ziehen … durch Schiffbau, Verkehr und Handel.

Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts war die Insel dadurch ausgesprochen wohlhabend geworden. Damals stammten zwei Drittel (130 Schiffe) der gesamten griechischen hochseetüchtigen Floote allein von dieser Insel! Im Befreiungskampf der Griechen vom Osmanischen Reich leisteten die Schiffe von Hydra einen ganz wesentlichen Beitrag (siehe auch unten).

Auch heute leben noch fast alle der etwa 2800 Einwohner am Hafen im Hauptort – wo sich auch im heutigen Haupterwerbszweig der Insel, im Tourismus, gutes Geld erzielen läßt.

Die 60 km² Insel hat wegen der ungünstigen Topographie (und aus einem Mangel an Bedarf) praktisch keine fahrbaren Straßen. Zu Badebuchten fahren Taxiboote. Autoverkehr ist nicht nur unmöglich, sondern auch verboten. Sämtlicher Straßenverkehr wird mit Eseln und Maultieren durchgeführt.

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Supermarktnachschub in Stapeln …

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Sand für die Baustelle, schön in Säcke umgefüllt …

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Oder Umzug mit alten Familienmöbeln … alles muß aufs Pferd!

Die Autofreiheit der Insel macht sie zu einem beliebten Ausflugsziel für die umweltgeplagten Athener. In der Hauptsaison ist der Inselort daher oft völlig überlaufen … jeden Montag bis Freitag Schiffe mit Tagestouristen und Schulklassen … und am Wochenende diejenigen, die sich auf der Insel noch eine Zweitwohnung leisten können. Reichtum, Kultur und Prominenz des Landes feiert sich hier gerne. Hydra ist darum nicht billig. (Was Hydra irgendwie mit Sylt verbindet …)

Die “Klassengesellschaft” im Hydra-Tierreich ist ähnlich strukturiert🙂 :

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Trockenfutter für die tagstreunenden Profiteure an der Front des Internationalen Tourismus …

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Trockenfutter für die hart arbeitende und bildungshungrige Klasse: Maultier verschlingt die Tageszeitung

03.08.2007 – Noch ein Nachtrag: Gestern hat die Athens News einen Hydra-Reisebericht von Rosemary Garrett MacHardy online veröffentlicht. Sie war nach 20 Jahren zum ersten Mal wieder auf der Insel und freute sich, daß die Eseltreiber immer noch aktiv waren, inzwischen aber mit iPod und brandneuen Nikes ausgestattet sind. Sie fand Hydra entspannt (trotz der Baustellen) und unauffällig angepaßt an das “normale Leben”, nur noch nicht ganz so teuer wie Capri. Auch MacHardy staunte über die restriktive Bauordnung (an die man sich sogar hält) und freute sich über die internationale Prominenz (Richard Bransons Ex-Ehefrau inklusive). Und über die Ruhe und über die Air-Condition auch. Einige Hotelpreise hatte sie erforscht: Privatzimmer 40-60 Euro, traditionelle Hotels (Orloff, Miranda) DZ 81-195 Euro, Sommervillen am Stadtrand (Xelidonia, Diavgia) von 195-297 Euro/Tag. Nun ja. Wie teuer ist Capri …?

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RÜCKBLICK: ZWEI PROMINENTE “ZUGEZOGENE” AUF HYDRA

(1) Im Jahre 1960 kaufte der 26jährige kandische Schriftsteller und Sänger Leonard Cohen für 1500 Dollar, die er von seiner Oma geerbt hatte, ein etwa 200 Jahre altes, schönes, schlichtes Haus in Hydra, um dort ein paar Jahre in mittelalterlicher Ruhe zu schreiben (und den griechischen Lebensstil zu leben) … ohne wirklich völlig aus der Welt zu sein! (Athen ist ja nicht weit …) Ohne Strom- und Wasserversorgung mußte er jedoch in seinem Haus zunächst auskommen. Doch die Zivilisation hatte ihn bald eingeholt. Die Strom- und Telefonversorgung folgte schnell. Sein Song “Bird on a wire” hat seine Inspiration daher. Am Ende der 60er Jahre folgte auch noch die griechische Militärdiktatur. Leonard Cohen zog wieder zurück über den Atlantik, verlor aber nie den Bezug zur Insel …

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Copyright: L. Cohen Archiv

Hydra vor 40 Jahren. Leonard Cohen tanzt. Da überkommt einen schon die Nostalgie …

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Andreas Miaoulis, Lithographie von Karl Krazeisen, 1831, aus “Bildnisse ausgezeichneter Griechen und Philhellenen nebst einigen Ansichten und Trachten. Nach der Natur gezeichnet und herausgegeben von Karl Krazeisen.”

(2) Andreas Vokos Miaoulis (1768 – 1835) war einer der hervorragendsten Admiräle im griechischen Befreiungskampf zwischen 1821 und 1830. Er stammt aus Negroponte, und hatte sich vom einfachen Matrosen zum vermögenden Handelsschiffkapitän hochgearbeitet. Seine Basis war Hydra. Er siegte im Kanal von Spetses, bei Modon und am Kap Papas in offenen Seeschlachten, die oft durch “Kamikaze”-Einsätze von Brandschiffen (Brandern) entschieden wurden. In der entscheidenden Schlacht 1825 in der Bucht von Navarino ( = Pylos / Westpeloponnes) war Lord Cochrane der Befehlshaber der allierten Truppen, danach übernahm Miaoulis der Oberbefehl über die griechische Flotte und engagierte sich mehr oder weniger erfolgreich in der Politik des neuen griechischen Königreiches.

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Schlacht bei Navarino
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WEITER MIT  HYDRA, EIN JANUARTAG
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WEIER MIT  HYDRA, OSTERN IM MAI
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8 comments

  1. Hallo Theo,
    beim Stöbern auf der Suche nach Vathia bin ich auf deine Seite gestossen, einfach toll, sehr informativ, hab aber noch nicht alles gelesen….später
    Liebe Grüße
    Margarete

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