Alonissos und der Rest der Welt – 2

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Patitiri, “geschützte Natur” am Fähren-Hafen.
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IMG_0391_A333Alonissos gehört definitiv zu den griechischen Inseln, wo man besser ein Boot als ein Auto zur Verfügung hat, um sich fortzubewegen.
Um zum Naturschutzgebiet, also den abgelegenen Inseln im Nordosten zu kommen, sollte man ohnehin einer geführten Gruppe angehören.
Im Oktober waren die geführten Touren allerdings schon abgesagt (Saisonende).
Das Meer und die Inseln um Alonissos gehören zu den letzten Schutzgebieten der bis auf ein paar hundert Tiere ausgestorbenen Mönchsrobben.
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Aber wer braucht schon eine geführte Tour ins Naturschutzgebiet, wenn die geschützten Robben auch im Fährhafen ein Nickerchen halten und vielleicht darauf hoffen, etwas Beifang von den Fischerbooten abzukriegen. Diese Robbe hatte allerdings nicht damit gerechnet, daß immer noch neugierige Touristen die Gegend unsicher machten:
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Und da man ja als Erwachsener immer noch einen Rest Kleinkindgemüt in sich hat, muß man auch alles anfassen, was man plötzlich vor sich sieht:
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Eine Zeitlang hat die Robbe die Nähe des flossenlosen Störenfriedes ignoriert – man dachte schon, das Tier liegt im Koma – aber dann war es genug. Nein, kein Koma. Gereiztes Aufblöken, und sich angewidert ins Wasser robben.
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Mir fällt zum Thema „Robbe“ wieder so einiges ein … etwa die Seelöwen, die bei Ebbe in langen Reihen vor den kalifornischen Pazifik-Dünen ruhen. Man darf sich ihnen auf keinen Fall nähern (auf Alonissos muß man sogar 400 Meter Abstand zu den Kindergärten der Mönchsrobben halten). Oder dieser Film auf arte, der die bizarre Koexistenz von Schakalen und Seelöwen in Namibia dokumentierte. Aber Rückblicke hatten wir im TEIL 1 ja schon genug.  🙂
Seehundflasche_400Aber … waren Sie schon in den 1960ern auf der Welt, als es in Norddeutschland diesen speziellen Kräuterlikör gab?
Er hieß „Seehund“ und wurde in einer hoch-originellen Flasche verkauft. Heute ein gefragtes Sammelobjekt. (Ja, es gibt Flaschensammler, die tun es nicht wegen des Flaschenpfands …)
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Wir hatten uns – für einen Tag – ein Auto gemietet. Und gestaunt. Der gemietete Fiat hatte bereits 85.000 Kilometer auf dem Tacho, und auf der Insel gibt es eigentlich nur eine einzige “richtige” Straße, die vom Hafenort Patitiri zum Inselnorden führt (etwa 21 Kilometer). Und was für eine Straße! Sie besteht eigentlich nur aus Schlaglöchern. Katharina mußte um das Chaos der zahllosen Löcher wild herumkurven, als wären wir im Auto-Scooter-Gegenverkehr auf der Cannstatter Frühlingskirmes. Dabei gibt es auf der Inselstraße praktisch keinen Gegenverkehr.
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Am Nordende der Insel, in der Geraka Bucht, findet man das Forschungszentrum des Meeres-Naturschutzgebiets, das völlig verlassen aussieht. Ein paar Fischer arbeiten an ihren Booten und ignorieren uns.
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IMG_0443_A333Und wo man schon mal beim Straßenbauen ist:
Ein handtuchbreiter Streifen Kieselstrand und eine gentrifizierte Windmühle daneben reichen, um ein Tal mit einer asphaltierten Zugangsstraße zu zerstören. Und es gibt eine ganze Reihe solcher Stichstraßen.
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Wenn man Gebäudegrundfläche und die Bodenversiegelung der Zugangsstraße vergleicht, kommt man auf ein Flächen-Verhältnis von bestimmt 1:200 oder eher 1:500 …
Die Straße ist ja bestimmt nur gebaut für die Feuerwehr, oder? Wie fürsorglich.
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Und wenn noch 12 Mio. Euro Staats- und Fördermittel übrig sind, dann baut man auch einen schönen Staudamm. Immer gut für die Trockenzeit. Ja gut, der Wasserstand ist in der Trockenzeit nicht so schrecklich hoch …
Hat man vergessen, den karstigen Stauseeboden mit diesen unverottbaren Plastikplanen auszulegen, wie an anderen Stellen der Welt?
Nee nee, diese Art Plastik ist kein Umweltproblem …
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Immerhin, die Zufahrt zum Stausee-Damm ist die bestgepflegte Landstraße der Insel.
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Aber sonst tut die Insel auch so einiges, um die Welt zu retten:
(Quelle: booking.com, Information unserer Pension)
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Jaaa, der Plastiktüten-Fetisch … Plastiktüten gibt es schon noch. Kosten 4 Cent, incl. 24% MWSt, in fast jedem Supermarkt in Patitiri; und unsere Toilettenpapier-Eimer kriegten auch jeden Tag ein frisches Beutelchen verpaßt.
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Proteus_KatharinaR_A333Nachtrag:
Ich muß sie ja doch mal vorstellen. Nebenstehend also meine beiden persönlichen Assistentinnen.
(Die Dame links = sie verfaßt meine Texte, die Dame rechts = sie macht meine Fotos.)
Ha, und Sie haben immer gedacht, ICH wäre es, der ständig was am griechischen Tavernen-Essen auszusetzen hätte …!  🙂
Die beiden sind sonst äußerst kamerascheu, konnten sich diesmal, beim Fähren-Zwischenhalt in Skiathos, leider nicht mehr rechtzeitig in Sicherheit bringen.
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Foto: Katharina R.
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2 comments

  1. Noch ein (ernstgemeinter) Nachtrag:
    Wenn ich “meinen” Supermarkt betrete, komme ich zuerst an kubikmeterweise gestapelten Plastikflaschen vorbei, Billiglimonade und Wasser in eingeschweißten Sechserpacks. Ich habe schon gesehen, daß sich hier eine Frau 10 x 6 = 60 Flaschen Wasser (90 Liter) in einen Einkaufswagen packte.
    Nebenbei: Laut unabhängigen Tests hat das Essener Trinkwasser aus der Leitung die Qualität so manchen französischen Quellwassers, und kostet nur einen Bruchteil …

    Der riesenhafte Müllwirbel im Pazifik (zu dem Europa wenig beiträgt) besteht zu 40% aus verlorenen oder kaputten Fischernetzen und zu 30% aus Plastikflaschen …
    Nun machen auch diese Flaschen nur einen Bruchteil der Plastik-Verpackungsmenge aus, die in meinem Supermarkt die Regale füllt. Das sind Tonnen an Beuteln, Bechern und Flaschen und Umverpackungen – für Wurst, Käse, Kosmetik, Reinigungsmittel, Milchprodukte, Salate usw. usw.

    Auf der Plastikverpackung basiert das System der Selbstbedienung durch die Kunden. Dieses System der Selbstbedienung zu ändern, wäre eine gigantische Aufgabe, technisch wie finanziell.
    Darum erfindet die Marketingabteilung meiner Supermarktkette jedes Jahr irgendwelche “Umweltschutz”-Aktionen, um vom wirklichen Problem abzulenken. Letztes Jahr gab es den Vorschlag, (A) die Knotenbeutel abzuschaffen (in die der Kunde Obst und Gemüse füllt), sowie (B) Plastikwattestäbchen und Strohhalme abzuschaffen. Die Politik hat das gerne aufgegriffen. Mit (B) ist ohnehin kein Umsatz zu machen (300 Plastik-Wattestäbchen kosten 49 Cent), aber mit (A) kann man schön zusätzlichen Umsatz schaffen!
    Wie das?
    Die (circa drei Gramm schweren) “Knotenbeutel” sind bis jetzt kostenlos. Sie machen einen winzigen Bruchteil der Plastik-Verpackungsmenge aus. Man kann sie auch nicht durch Papiertüten ersetzen – da an der Kasse der Inhalt nicht mehr komplett erkannt werden könnte.

    Also verkauft man den Kunden nun Plastiknetze (2 Stück kosten 1,49 Euro)! Davon braucht jeder Haushalt wenigstens ein halbes Dutzend: Kartoffeln, Äpfel, Zucchini, Tomaten, Erdbeeren, Trauben, Kiwis, muß ja alles separat eingetütet werden.

    Dann ist der Kunde bisher hingegangen und hat die Knotenbeutel als Mülltüten wiederverwendet (d.h. umwelttechnisch ist das Verbrennen der Beutel Recycling, nämlich “Thermorecycling” …). Damit sollte auch Schluß sein. “Mein” Supermarkt verkauft jetzt nämlich Bio-Müllbeutel, 15 Stück 1,99 Euro.
    Ja, richtig gelesen: BIO-Müllbeutel, die zersetzen sich im Kompost schon 100 Jahre früher als Normal-Plastikfolie …

    Der Firma REWE hab ich im November letzten Jahres ironisch “zu ihrer tollen Geschäftsidee” gratuliert.
    Aus der Antwort von REWE – Frau F. vom Qualitätsmanagement schreibt am 09.11.2017:
    “Das Ziel der Initiative ist, den Verbrauch der so genannten Knotenbeutel an der Obst- und Gemüsetheke zu “reduzieren”. Oder anders ausgedrückt: REWE testet, in wie weit Kunden bereit sind, auf die so genannten Knotenbeutel an der Obst- und Gemüsetheke zu verzichten. Sowohl in den Testmärkten als auch in allen anderen REWE-Supermärkten wird es weiterhin Knotenbeutel geben – grundsätzlich kostenlos. Denn sie machen bezüglich Produktschutz und Hygiene Sinn.”

    Kommen wir auf Alonissos zurück. Hier – und in ganz Griechenland – gibt es nicht das Müllsystem wie in einer nordeuropäischen Großstadt. In der Regel sind griechische Dörfer und Kleinstädte so angelegt, daß große Teile der Wohnbebauung nur auf Treppenwegen erreichbar sind. Und nicht durch einen Müllwagen. Also sind an leicht zugänglichen Stellen Container abgestellt. Jeder bringt seinen Müll in einer Plastiktüte zu Fuß dorthin, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Wegen “der Hygiene macht das Sinn”, logo.
    Die Container werden dort in einen Müllwagen umgeladen und – in der Regel – zu einer Müllkippe (und nicht zu einer “Thermorecycling”-Anlage) gebracht. Typisch ist das auf der autofreien Insel Hydra zu sehen. Oft wird der Müll noch unkontrolliert im Freien verbrannt. Oder entzündet sich selbst.

    Vorschlag für Alonissos und den Rest der Welt: Schafft erstmal die Plastikwasserflaschen ab. Dann reden wir über den Rest.

    Und noch was: Können Sie sich noch an die Euro-Bierflasche erinnern? Flaschen und Kästen waren bei allen Brauereien identisch, Pfand-Leergut konnte bei allen Brauereien wiederbenutzt werden. Heute hat jede Biersorte eine eigene, besondere Flasche und zugehörige Kästen, Leergut muß nun zwangsläufig aus Bochum nach Flensburg oder München zurückgebracht werden statt nach Dortmund oder Duisburg …

    Umwelttechnisch machen wir immer zwei Schritte nach vorn, und einen zurück. Oder einen Schritt nach vorn und zwei zurück …

    (Dieser Text vom 03.12.2018 ersetzt den Beitrag vom 28.11.2018.)

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