Hydra, und das Geld

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Hydra Anker
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Haustür auf Hydra, durch die maritime Vergangenheit definiert
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Geld …? Nein nein, hier folgt keine Euro-Finanz-Analyse! Auch nichts über Steuerbetrug. Hier finden sich lediglich ein paar Gedanken eines durchreisenden Inselbesuchers. Zum Denken bin ich jedoch ein paar Tage geblieben …
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Hydra gehörte schon vor 200 Jahren, zur Zeit des griechischen Unabhängigkeitskampfes, zu den kapitalkräftigsten Gegenden des Landes. Die Handelsmarine brachte das Geld auf die Insel. Viel Geld sogar. Schiffsbau und Schiffsverkehr überließ das Osmanische Reich ja immer bereitwillig den Griechen. Hydra besitzt immer noch einiges an altem Geld, zeigt es aber nicht gleich.
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Was die heutige Neureichen-Attitüde angeht … es fehlen ja die Gelegenheiten zum Vorzeigen, die … meinetwegen … Sylt hat: Man kann auf Hydra nirgendwo einen Ferrari parken, oder eine teure Neben-Beziehung präsentieren, ohne daß der Ehepartner es erfährt (Hydra ist ja doch nur ein Dorf, ein autofreies dazu …). Eine nach russischen Maßstäben untermittelgroße Yacht muß schon außerhalb des inneren Hafens parken. Hier im Hafen von Hydra ist weniger Platz als in Portofino, Italia …
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Hydra Hafen
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Ostersamstag. Das größte Boot im Hafen ist der Frachter, der täglich (nach Umladen auf den lokalen Esel-Service) die Läden im Ort  versorgt.
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An den repräsentativen Stellen in Hafennähe findet man ein paar Lokalitäten mit einem gewissen Preisaufschlag, der aber eher bescheiden ist. Auch in der Stille der steilen Gassen in der alten Stadt gibt es das. Und hier mal eine Cocktail-Bar und da mal ein Fitness-Studio. Das deckt nur den Basisbedarf des Besuchers aus Kifissia oder Kolonaki. Understatement zählt – jedenfalls außerhalb der Hochsaison. Mir sind die Plätze verborgen geblieben, wo man in Ohnmacht fallen könnte, wenn die Bedienung die Rechnung bringt. Und im … von der Lage her … top-plazierten Kontylenia in Kamini kann man den Kellner von den Gästen kaum unterscheiden – es sei denn, man beobachtete bei Diskussionen das Gestenspiel der Hände. Bei den Gästen blinkt dann schon mal der Brillianten-Schwarm auf dem Zifferblatt der Armbanduhr …
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Aber Brilliantenglanz kann man auch in Monastiraki auf dem Straßenmarkt kaufen (10 Euro, made in China).
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Kamini Hafen Hydra
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Auch hier kein Platz für Luxusyachten: Kamini, Blick zum Hafen aus dem Kontylenia
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Das Kontylenia serviert übrigens kein Frühstück (nein, auch kein Omelett). Die Gäste sind zur Frühstückszeit in der Regel noch gar nicht wach. Ich hatte dort zum Frühstück eine mikrowellenheiße Portion Spanako-Tarte mit hausgemachter Käsesahnesauce zum aufgeschäumten Kaffee (Summe 11 Euro). Und war um halb zehn unter der großen Markise der einzige Gast. Gar nicht so übel, diese Kombination, aber einen ortsüblichen Frühstücks-Helleniko, den gibt es auch (2 Euro, mit Mini-Keks …). (Die Brilliantuhrträger nehmen morgens griechischen Kaffee und abends Whisky-Cola, und essen nichts.) Gegenüber agierte in der frühen Stunde nur die städtische Müllabfuhr. Wie waren die mit ihrem Lkw da bloß runtergekommen? Egal. Der Spaziergang auf dem Treppenweg von der Höhe zum Hafen von Kamini war jedenfalls auch mit leerem Magen immer sehr schön.
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Hydra Kontylenia
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Das ist der Treppenweg:
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Hydra Kamini Treppenweg
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Unterwegs sind in einem generalüberholten Haus sogar „Luxus-Apartments“ zu erwerben. Naja. Ob da, in der griechischen Kreditkrise, jemand den Kaufpreis auf den Tisch legt? Stellen, wo „richtiges Geld“ investiert wurde, kann man auf der Insel aber finden, wenn man sich ein wenig bemüht. Da ist zum Beispiel dieses Privathaus an der Bucht von Molos:
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Hydra Molos
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Was ich zuerst, aus der Ferne, für eine edle Hotelanlage im späten Winterschlaf gehalten hätte (Swimmingpool, Tennisplätze, Privatstrand etc.), ist scheinbar zur Hälfte unzugänglicher Privatbesitz. Der klosterähnliche Altbau hat am Eingang nur ein unübersehbares Warnschild: „private“. Und einen gelangweilten Großhund, der zum Glück nur vom Dach aus seine Wachsamkeit heunterkläfft.
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Hydra Molos
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Hierher kommt man nur mit dem Boot, oder über mühselige, von dichten Spinnennetzen überspannte Fußwege. Wir nahmen diese Monopatia-Variante, auf dem Hinweg …
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Hydra Molos
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„Da sind Sie ja endlich! Darf ich Ihnen das Tor aufhalten, Kyrie? Und was macht der kaputte Fuß?“
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Hydra Molos Katharina
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Lufttemperatur 25°C. Wassertemperatur durchaus etwas niedriger. Aber zum Baden fehlte doch die Entschlossenheit …
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Die Bucht von Molos ist – auch durch die vorgelagerten Inselchen, und trotz der Seeigel –  viel schöner als die von Palamidhas auf der anderen Seite des Petrokoryfi-Hügels. Palamidhas, das durch seine kleine Bootswerft eher der „Industriehafen“ von Hydra ist. In Palamidhas hört auch der vom Hafenort ausgehende Küstenspazierweg auf.
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Hydra Palamidhas
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Aber auch der Nicht-Ort Palamidhas tut etwas für die Touristen! Eine solarbeleuchtete Ruhebank gibt es dort. Na bitte! Pausengetränke muß man ggf. selbst mitbringen …
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Wir hatten pures Glück, daß in Molos ein Wassertaxi auftauchte. Man kam, um eins der verankerten Boote in der Bucht aufzutanken, und war gerne bereit, uns sofort zurück nach Plakes Vryssou zu versetzen, zum Anleger der Four Seasons Taverne. Da mußte das Boot sowieso vorbei auf dem Rückweg zum Hafenort (Taxi-Strecke Molos – Plakes Vryssou übers Wasser exakt drei Kilometer, macht 25 Euro).
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Hydra Wassertaxi
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Katharina ruft übers Wasser, und zack, das Taxi ist da. Steckt doch was von einer Gorgone in ihr …🙂 …
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Ja, „altes Geld“ zeigt sich meist nur nebenbei. Wenn es sich auch hin und wieder politische Macht demonstriert. Schließlich wurde einem medienbekannten Milliardär aus England ja jüngst auch schlicht untersagt, in Kamini ein edles Hotel zu bauen. Hydra hat genug Hotels, Sir, Denkmalschutz, Landschaftsschutz. Basta.
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Und was so ein 200 Jahre altes Kapitänshaus im Ort kosten mag, tja, ich weiß es nicht:
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Hydra historisches Haus
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So was verkauft ja keiner … die eine oder andere Familie (die in der Enkel-Generation vielleicht längst in Genf, London oder New York residiert …) verwandelt höchstens mal einen Teil ihres Vermögens in eine staatlich geförderte Stiftung, und öffnet ihren renovierten Familiensitz dann als Museum und Galerie:
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Hydra Orloff Kondouriotis
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Unten das Hotel Orloff (mit der gegenüberliegenden historischen Apotheke ein wichtiger Orientierungspunkt im Straßengewirr), oben (gelb) das öffentlich zugängliche Kondouriotis-Haus. Lohnt sich, dort reinzuschauen. (Früher hat sowas ja immer die Kirche aus dem Nachlaß der frommen Familien eingesackt. Die Kirche, die heute in Griechenland der größte Immobilienbesitzer ist.)
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Ich weiß auch nicht, was dieses alte Bauernhaus kostet, samt 4 Stremmata Gartenland (4000 Quadratmeter) im Angebot. Ja, Bauernhäuser gibt es auch auf der trockenen Insel. Dieses liegt im westlichen, grüneren Teil der Insel, in der Nähe einer Quelle. Findet aber wohl seit längerer Zeit keinen Käufer. Das Schild des Maklers ist schon arg verblichen. Dieses Tal wurde aber auch gerade erst an die Strom- und Wasserversorgung angeschlossen. Und bis zur nächsten Bucht führt sogar eine kleine Schotterpiste! Sehr bequem für Ihren Esel, der zur Erntezeit Ihre Oliven abtransportiert! Sie können ja mal anrufen:
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Hydra Bauernhaus
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Am Ende noch eine kleine Szene zum Thema „verstecktes Geld“: Um 22 Uhr sitze ich in der Sinialo-Café-Bar am Hafen. Ein Zehnjähriger und seine Freundin treffen ein, nehmen Platz, er bestellt ganz minimachomäßig cool bei Maria, der Kellnerin. Maria bringt zwei erdbeerfarbene Getränke, große Gläser (Milk-Shakes?). (Die etwa gleichaltrige „Freundin“ ist definitiv nicht seine Schwester, und es sieht nicht so aus, als seien die beiden mit Maria oder dem anderen Personal hier verwandt …) (Und ich kenne mich mit Kinder-Markenkleidung und Designer-Schuhen nicht so aus, und weiß also nicht, wie „teuer“ ihr Outfit ist. Aber es sieht nicht nach Kik oder C&A aus …) Die beiden rühren ihre Getränke nicht an, er springt plötzlich auf, rennt weg. Sie brüllt „Alexandräää!“ hinter ihm her, läuft ihm nach. Maria sieht das, rührt sich nicht, räumt auch nicht ab. Nach gut zehn Minuten kommen die beiden wieder, lachend. Die Freundin nimmt im Schneidersitz im Sessel Platz, leert ein Drittel des Glases, er kaut nur auf dem Strohhalm herum. Ihre Unterhaltung ist zähflüssig, nach ein paar weiteren Minuten gehen sie, grußlos, ohne zu bezahlen. Maria kommt, räumt ab, mit unbewegtem Gesicht. Das waren 7 oder 8 Euro. (Der Mindeststundenlohn in Griechenland war im letzten Jahr 3,39 Euro.) Kommt jetzt wohl auf den Deckel der Eltern, die das irgendwann mal bezahlen. Glückliche Kindheit, oder …?
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31.08.2013 NACHTRAG: Hydra und das Geld … mir fällt gerade dieser 1000-Drachmen-Schein von 1970 in die Hand. Na, erkennen Sie den Hafenort? Ja, es ist Hydra:
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Hydra 1000 Drs 1970
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