Musik CDs 2011

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Hainides: Agroktinotrofika & Mitropolitika (MBI, 2 CDs, April 2011)
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Im Gegensatz zu Eleni Tsaligopoulou (siehe unten) haben Hainides bei ihrem neuen Album richtig zugeschlagen: 120 Minuten dauert das neue Werk der Gruppe aus Kreta. Es ist in zwei Teile aufgeteilt, “Agroktinotrofika” (das Heimische, Ländliche) ist eher traditionell strukturiert, “Mitropolitika” (das Metropole, Globale) eher jazzig-balkanisch-orientalisch. Aber es klingt nicht weltmusikverdünnt, sondern eher nach Turbo-Kreta …
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Hainides existiert schon seit 1990. Die meisten der Gründungsmitglieder (Dimitris Apostolakis, Dimitris Zacharioudakis, Giorgos Laodikis, Miltos Pashalidis, Kallia Spyridaki) waren Studenten der Universität von Kreta in Heraklion und Rethymnon. Die Besetzung hat sich mehrfach geändert – 1997 hatte sich die Band sogar für ein Jahr aufgelöst – und im Laufe von 20 Jahren wurden 9 Alben produziert: Meist eigene Kompositionen in der kretischen Tradition.
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Auf dem jetzigen Doppel-Album hören wir das ganze Klang-Spektrum …  Dimitris Apostolakis (Lyra, Saz, Gesang), Dimitris Zacharioudakis (akustische Gitarre, Gesang), T. Kanellos (Schlagzeug, E-Gitarre), Maria Koti (Gesang), Dimitris Bredas (Dudelsack, Klarinette, Flöten), Michalis Nikopoulos (Kretische Laute, Bouzouki, Mandoline, Baglama), Antonis Skamnakis (Bass), Alexis Nonis (Klavier, Percussion):
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Hainides (Quelle: www.hainides.gr)

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Eleni Tsaligopoulou: Ta Ri Ra (Sony, April 2011)

Elenis erstes Album seit vier Jahren, und nach 34 Minuten ist der Spaß schon vorbei … es umfaßt nur acht Titel. Die sind dafür von einer ungewöhnlichen Dichte, was die Produktion angeht. (Vielleicht waren nach dem Aufwand die Produktionskosten überschritten … 🙂 …) Die eher zur Ballade neigenden Titel erschließen sich dem Hörer auch nicht beim ersten Mal, abgesehen von “Chromata” und dem Bossa-Nova-artigen “Trianda-Tris Strofes”. (Ich mußte es drei Mal hören.) Und Eleni zelebriert nicht so sehr die sehr hohe Tonlage ihrer Stimme, zu der sie fähig ist, wie früher. Sie klingt aggressiver. Das Album gibt es seit fünf Tagen. Am 13. April wird es im Gazi (GazArte) offiziell live vorgestellt, mit Nikos Portokaloglou, Nikos Zoudiaris, Phoebis Delivorias und Pavlos Pavlidis. Und ich? Ich bin natürlich erst vier Wochen später in Athen …
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Orfeas Peridis: Oniropolon Moxthi (Seven, Februar 2011)
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Das ist das munterste Album, das Peridis seit Jahren herausgebracht hat. Zwölf Titel, die die zwölf Monate des Jahres vorstellen, vom Ianouarios bis zum Dekemvrios. Ich verneige mich zwölfmal davor und halte mich sonst raus. Im Moment bin ich nämlich in einer ganz anderen musikalischen Welt … Ja, Blues-Rock aus dem tiefen Süd-Westen, echt was auf die Ohren … zum Beispiel die Dana Fuchs Band … hier eine ältere Aufnahme von 2009. (Von der neuen Dana Fuchs CD “Love To Beg”, die mir Amazon am Erscheinungstag, 11.02.2011, zuverlässig wie immer, geliefert hatte, gibt’s noch keine Videos.) Also … auf das Wesentliche reduziert, zeitlos, hinreißend einfach und dann diiiese Stimme:
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… oder Gregg Allman (ja, der lebt auch noch) oder Beth Hart  … ja, Stavros aus “Kleine Wunder in Athen” kann das sicher gut nachfühlen. Aber die Stühle bleiben ganz …
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Giannis Mitsis: I Moni Alithea Ine O Dromos (Mikros Iroas, Dez. 2010)
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Wenn man so früh im Jahr neuerschienene CDs vorstellt, sind sie natürlich noch am Ende des letzten Jahres erschienen. Und Arbeiten von relativ unbekannten Leuten wie Giannis Mitsis gehen im Weihnachtsgeschäft leider immer unter. Lassen Sie sich nicht täuschen … Mitsis sieht auf dem Cover zwar aus wie Keith Richards, und die Musik hat auch manchmal einen gewissen Drive, aber der dritte Titel der CD (“Den Xero”) ist schon ein Duett mit Elephteria Arvanitaki, und auch den vierten Titel (“Ta Mistika Tou Kosmou”) haben Sie vielleicht schon mal gehört, auf Arvanitakis CD “Ka Te Matia Kai Y Kardia”. Durchaus Hellas-Rock, aber eben sophisticated … denken Sie eher an Nikos Portokaloglou oder Orfeas Peridis.
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Babis Tsertos: Stou Paradisou To Vitho (Dez. 2010)
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Das ist jetzt die neunte CD des 54jährigen Babis Tsertos (wenn man seine unzähligen Gastauftritte vernachlässigt), und eine Rückkehr zur schlichten Form des Rembetiko. Auch hier eine Frauen-Simme (Irini Toubaki), ab und zu mal die Violine und das Akkordeon, fertig (Musik: Nikitas Vostanis, Texte Markos Sarimanolis).
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Ich muß gestehen, daß ich Tsertos oft nur als “zweite Stimme” und Bouzoukispieler wahrgenommen habe. Er hat wirklich mit aller Welt im Rembetiko- und Folklore-Bereich zusammengearbeitet. Zum Beispiel 2003 mit dem Estudiantina Nea Ionia Orchester aus Volos auf dem großartigen Album “Smyrne” (produziert von Giorgos Dalaras).
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Babis Tsertos hat einen sehr effektiven Internet-Auftritt – www.babistsertos.gr – der im Diskographie-Kapitel alle Titel aus seinen CDs in voller Länge (!) präsentiert. Wenn Sie viel Zeit haben, hören Sie mal rein:
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“Η ζωή μου δένεται πλέον έντονα με τη μουσική, κάθε βράδυ σχεδόν γλεντάμε στις ταβέρνες της εποχής παίζοντας και τραγουδώντας με την παρέα μας …” Mein Leben ist ganz stark mit der Musik verbunden, ich kann eigentlich jeden Abend in der Taverne sein und mit meinen Freunden spielen und singen … das ist Tsertos Lebensgrundlage. Moment, Babis, wir kommen mit!
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Laurentis Mahairitsas: I Enohi Ton Amon (2 CDs, Minos, Dez. 2010)
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Hier noch etwas Rätselhaftes, besonders für einen Mahairitsas-Fan wie mich … auf die Existenz dieser ‘Die-Schuld-der-Lämmer’ Doppel-CD bin ich von einer Freundin aufmerksam gemacht worden, aber sie scheint in voller Länge nur bei einer einzigen Download-Adresse (im rechtsfreien Osten) zu existieren. Im griechischen Einzelhandel fehlt die zweite Scheibe mit den 15 Greatest Hits.
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‘I Enohi Ton Amnon’ ist sowas wie ein Musical. Die Musik ist fast vollständig von Mahairitsas geschrieben, je ein Titel ist von Manos Hadjidakis (O Irlandos Kai O Ioudaios) und Softmachine übernommen, die Texte haben gleich acht Leute zusammengetragen (die man hier nicht alle nennen muß), und es gibt auch (gelegentlich) ein halbes Dutzend weiterer Stimmen zu hören (die man hier nicht unbedingt nennen muß).
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Mahairitsas verfällt ziemlich oft in Sprechgesang. Hm, ich war nie ein übergroßer Freund von “Konzeptalben” …
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PS. Suchen Sie nicht nach den Seiten “Musik CDs 2012” oder “Musik CDs 2013”. Es gab nicht eine einzige CD, die mir positiv aufgefallen wäre (ja gut, da waren zwei nette CDs von Locomondo …). Es investiert niemand mehr ins CD-Geschäft in Griechenland.
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2 comments

  1. “PS. Beim Cover-Foto scheint es sich um eine deutsche Google-Street-View-Aufnahme zu handeln …”

    Oder vielleicht Christopher Street Day für anonyme…

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