Was früher schon schmeckte

.
Innereien
.
Kokoretsi
.
Pilion, Ostern: Kokoretsi, Innereien vom Schaf auf dem Drehgrill
.
Bei Diodor I 14 lesen wir, zuerst habe Osiris das Menschengeschlecht entwöhnt, sich gegenseitig aufzufressen. Nachdem nämlich Isis die Frucht des Weizens und der Gerste, die im Lande hier und da unter den anderen Kräutern und Gräsern zerstreut wuchsen, den Menschen aber unbekannt geblieben waren, als menschliche Nahrung kennengelernt und Osiris dann auch die Verarbeitung dieser Früchte ersonnen, so seien alle gern zu diesen Nahrungsmitteln übergegangen; sowohl wegen der Annehmlichkeit der neuentdeckten Früchte, als auch, weil es nützlich zu sein schien, wenn man aufhörte, gegeneinander so grausam zu sein. Auch in den Isis-Hymnen von Andros, Kyme und Ios findet sich diese Tradition.“
aus: Johannes Haussleiter, Der Vegetarismus in der Antike, Berlin 1935, S. 71
.
Erst kommt das Fressen, dann die Moral. Das sowieso.  Und in der Frühzeit der Menschengeschichte ging es oft unappetitlich zu. Nicht nur beim Essen …
.
Goell Rinband
.
Aber zu Diodors Zeit (1. Jahrhundert v.Chr.) war der Umgang schon ziviler, man kann es ja heute noch nachlesen. In den Schriften der Antike war zum Beispiel der Gymnasial-Professor Hermann Göll ganz zu Hause, und den hatten besonders die Alltagsdinge jener fernen Zeit interessiert! Da kommt auch das Essen und Trinken nicht zu kurz. Fast alle folgenden Zitate (blau) stammen aus seinem Buch „Kulturbilder aus Hellas und Rom“ (2 Bände, 2. und 3. Auflage von 1869 und 1880).
.
Über die dumpfe Nahrungsaufnahme der Barbaren war man in Griechenland damals längst hinaus. Göll: „Das bloße Essen und Trinken gilt schon den Hellenen (…) nicht als eigentlicher Genuß und Schmuck des Mahles, sondern eben die geselligen Freuden, besonders Tanz, Musik und Erzählung.“
.
Volksfest Theben
.
19. Jahrhundert, “Volksfest in Theben“ (Schweiger-Lerchenfeld)
.
„Es gehörte der fröhliche Genuß des Mahles einmal zur heiteren und derben Sinnlichkeit jener Weltanschauung, was am deutlichsten Odysseus an der Festtafel des Alkinoos in Scheria (Korfu) sagt, indem er in die Worte ausbricht: „Ich behaupte, daß es kein angenehmeres Ziel gibt, als wenn Frohsinn ein gesamtes Volk erfüllt und die Gäste im Palaste einem Sänger lauschen, der Reihe nach sitzend, während die Tische voll Brod und Fleisch sind und der Mundschenk aus dem Mischkessel Wein schöpfend und herumtragend, die Becher vollschenkt: das dünkt mir im Herzen etwas Herrliches zu sein!”
.
Aber prinzipiell ging es nicht immer so fürstlich zu: „Im Allgemeinen aber begnügte man sich während der guten Periode in Hellas mit einfacher Kost.“
.
Die Bürgern des Staates „sollten sich von Brod und Brei aus Gerste und Weizen nähren, und (man) empfiehlt ihnen als Zukost: Salz, Oliven, Käse, Zwiebeln und Gemüse „wie sie auf dem Lande gekocht werden”.“
.
Es gab regionale Unterschiede in den griechischen Tischsitten: „Und mit Recht konnte auch der Spartaner Demarat zum König Xerxes sagen: „In Griechenland ist die Armut zu Hause.” (…) Die äolischen Thessalier, in materiellem Wohlstande lebend, zeigten große Neigung zu den grobsinnlichen Genüssen und waren als Schwelger und Verschwender berüchtigt. Ihr Hunger war sprichwörtlich, und „thessalisch vorschneiden” hieß, große Stücke machen.“
.
Sparta, Alltag: “Die berühmte spartanische Blutsuppe (…) wurde aus dem in seinem Blute gekochten Schweinefleisch bereitet und nur mit Essig und Salz gewürzt, glich also einigermaßen unserem Schwarzsauer. Käse, Oliven und Feigen bildeten den Nachtisch.“
.
Sparta, Feiertag: „Bei Festen und Opfermahlzeiten verstieg man sich etwas höher, schlachtete Ziegen und bewirtete die Gäste unter Zelten mit Mehlbrei, Weizenbrötchen, frischem Käse, Wurst, Fleisch und verschiedenen Hülsenfrüchten.“
.
Das kriegerisch-genügsame Sparta forderte den Spott heraus: „Bezeichnend ist auch die von Athenäus angeführte Äußerung eines Sybariten, der in Sparta an der öffentlichen Speisung teilnahm: „Nun wundere ich mich nicht mehr, daß die Lakedamonier unter allen die Tapfersten sind. Denn mancher Vernünftige würde wohl tausendmal lieber sterben, als mit so armseliger Kost sich sättigen.” Klingt ja wie ein Witz über Nord-Korea …
.
GEWÜRZE
.
Aber wenn man schon „armselig“ ißt, dann sollte man wenigstens gut würzen: „Die Gewürze, welche die griechische Kochkunst in Anwendung brachte, waren außer Salz (…) und Essig (…) besonders Thymian, Sesam, Kümmel, Wohlgemuth, Kresse, Lauch, Koriander, Kapern, Fenchel, Anis, Senf, Raute, Salbei und das rätselhafte Silphion, das aus dem afrikanischen Kyrene eingeführt wurde, eine doldenartige Pflanze, deren Saft als Arznei Wunder tat, deren Stengel als Küchenkraut an keiner (…) Fischsauce fehlen durfte.“ (Silphion gab der Suppe wohl ein knoblauchartiges Aroma.)
.
Silphium wikipedia“Die Identität des antiken Silphium (Silphion) ist bis heute nicht zweifelsfrei geklärt. Dies wird vielleicht nie möglich sein, da die Beschreibungen der antiken Autoren für eine sichere botanische Zuordnung zu vage sind. (…) Nach Plinius besaß die Pflanze zahlreiche, starke Wurzeln und einen kräftigen Stängel, der demjenigen des Riesenfenchels (Ferula communis) ähnelte.“ (Text und Foto wikipedia)
.
Göll: „Der Pfeffer war wohl bekannt, man scheint aber nicht damit gepfeffert, sondern ihn wie allerlei Salate, würzige Kräutergerichte und Schaltiere nach der eigentlichen Mahlzeit als Reizmittel zum Trinken gebraucht zu haben.“ (Zum Verzehr beim Trinken waren wohl die Schoten gemeint, nicht die Körner?)
.
„Zwiebeln und Knoblauch wurden in großen Quantitäten (verbraucht). Aus dem Knoblauch bereitete man auch einen Salat oder verwendete ihn als Würze der Fische.“ (Klingt so, als hätte man Skordalia schon gekannt.)
.
Galeos Skordalia
.
Astypalaia: Galeos (Grundhai), gebacken, mit Skordalia … wunderbar!
.
Parea
.
Also nicht daß ich immer meine Essensportionen fotografiere! 🙂 Gewöhnlich fotografiere ich gerne meine “parea” beim Essen. Aber manche Personen aus einer Tischgesellschaft wollen ja auf keinen Fall im Internet abgebildet sein. Das Original-Foto  ist daher hier selbstzensiert …

.
„Daß endlich die Gerichte mit Salz gewürzt wurden, ist aus mehreren Stellen Homers ersichtlich, besonders aus denen, wo von Menschen, tief im Binnenlande, die Rede ist, „welche das Meer nicht kennen und keine mit Salzkörnern gemischte Speise essen.”
.
Fischer Largos
.
Oktopus-Fischer in Porto Lagos, Thrakien
(Foto: National Geographic 1930)

.
FISCH
.
Wenn man sich die heutigen Fischpreise ansieht, gerade in Griechenland, da hat sich doch einiges verändert. Göll:  „Im Gegenteil betrachtete man überhaupt die Fischkost als gemein, als die Nahrung der Ärmsten im Volke (…).”
.
Skyros Hummer
.
Skyros. Wenn der Hummer gleich unter der Terrasse der Taverne im Wasser haust, kann man schon mal zu den „Ärmsten im Volke“ gehören wollen …🙂 …
.
Göll: „Die gewöhnliche Zukost bildeten gesalzene Fische, vornämlich aus der Klasse der Thunfische, die in ungeheuern Massen aus Byzanz und überhaupt dem schwarzen Meere importiert wurden. Sie waren in Athen sehr billig. ,,Wohlfeiler als Salzfisch” war eine sprichwörtliche Redensart (…). Am gewöhnlichsten wickelte man die Pöklinge, mit Öl bestrichen, in Blätter und briet sie in heißer Asche. Von den frisch gefangenen Fischen bildete eine Art Sardellen oder Sprotten eine Hauptnahrung der Bevölkerung Athens.“
.
„Die athenische Sardelle war übrigens so zart, daß sie fertig gebraten war, sobald nur das Öl in der Pfanne aufzischte, und man sagte deshalb, sie dürfe bloß „das Feuer sehen”. Eine Aufzählung der vielen See- und Flußfische, die in der griechischen Küche zur Verwendung kamen, würde hier zu weit führen.“
.
„(Aal wurde) entweder in Mangoldblättern gebraten, oder mit Salz und Wohlgemuth in Wasser gekocht oder mariniert. Die den Römern unter dem Namen Garum bekannte, unserem Kaviar ähnliche Fischlake, war bereits in Griechenland sehr beliebt, ebenso wie man Austern und Schildkröten nicht verschmähte.“ Was denn, Herr Göll, Garum ist dem Kaviar ähnlich …? Fragen wir wikipedia:
.
Garum war eine Flüssigkeit, die dadurch entstand, dass man Fische wie Thunfisch, Sardellen, Aal, Makrele und andere einschließlich ihrer Eingeweide mit Salzlake vermischte und teilweise monatelang der Sonne aussetzte. Dabei wurde das Fischeiweiß durch in den Eingeweiden enthaltene Enzyme abgebaut. Bei konstant gehaltener Temperatur von ca. 40 °C ist die Fermentation nach ca. einer Woche abgeschlossen. Dieses Gemisch wurde dann ausgepresst und mehrfach gefiltert, bis man eine klare, bernsteinfarbene Flüssigkeit erhielt.
(…) Für die Römer war es ein gängiges Gewürz in der allgemeinen und gehobenen Küche. Im römischen Kochbuch „De re coquinaria“ aus dem 1. Jahrhundert wird Garum für die meisten Rezepte benötigt. Gemischt mit Wein (oenogarum), Essig (oxygarum), Pfeffer, Speiseöl (oleogarum) oder Wasser (hydrogarum), wurde Garum zum Verfeinern vieler Speisen verwendet.“ (wikipedia)
.
De re coquinaria („Über die Kochkunst“) ist das älteste erhaltene Kochbuch der römischen Antike. Der Text in der vorliegenden Fassung stammt aus dem 3. oder 4. Jahrhundert. (…) Erhalten ist das Kochbuch nur in zwei karolingischen Handschriften des 9. Jahrhunderts.“ (wikipedia)
.
Avlona Taverne
.
Avlona, Karpathos: Kapernsalat und Artischocken in Rührei
.
GEMÜSE + KÄSE + MILCHPRODUKTE
.
Göll: „Spargel, Artischocken, Lattich (= Kochsalat, Romana-Salat), Rettig, Kohl, Schwämme (= Pilze) und andere Gemüse wurden häufig verspeist.“
.
„Linsen- und Erbsenmus und besonders Bohnen werden als gewöhnliche Hausmannskost am öftersten von den Komikern genannt. (…) Bei dem Komiker Alexis werden als Bestandteile der Bettlermahlzeiten genannt: ein wenig Gerstenbrei, Bohnen, Lupinen, Grünzeug, Rüben, Schoten, Wicken, Bucheckern, Zwiebeln, Baumgrillen, Erbsen, wilde Birnen und Feigen.
.
Tripolis Markt
.
Markt in Tripolis, 1930 (Schönes Foto. Naja, in der griechischen Antike kannte man Auberginen wohl noch nicht …)
(Foto: National Geographic 1930)

.
Göll: „Wie die Fische dienten wohl auch verschiedene Gemüse (der Dichter nennt Kichererbsen, Saubohnen, Zwiebeln und Mohn) und Obstarten (Feigen, Oliven, Granaten, Birnen und Äpfel) dem Volke zur Nahrung. Die Zwiebel setzt auch der greise Nestor neben frischem Honig in seinem Zelte seinen Gästen vor „als eine passende Zukost zum Wein”. (…) Zum Fleische essen die Vornehmen nur Brod, bereitet aus dem auf Handmühlen von Weibern gemahlenen Weizen (…). Das grobe Gerstenmehl wurde wohl auch in breiartigem Zustande genossen.“ (…)
„Endlich liebte man eine dicke Kaltschale, zusammengebraut aus starkem pramnischen Wein, Honig und Ziegenkäse (…).“
.
Diafani Ziegenkäse
.
Diafani, Karpathos. Geschenkt gekriegt: ein halber handgefertigter Ziegenkäse. Die selbstgemachten Tiropites (rechts) sind mit gesüßtem Ziegenfrischkäse gefüllt.
.
Die Käseherstellung ist in Europa schon seit 8000 Jahren bekannt. Zuletzt hat man in Ludwinowo in Polen Spuren auf so alten Gefäßen gefunden. Göll: Käse, der in der griechischen und römischen Küche eine so unvermeidliche Zutat ist, wie heute in der nordgermanischen die Milch!“
.
ies OlivenbrotGR2002_04_MiliesOlivenbrot
.
Pilion, Milies: Olivenbrot
.
Und das Wichtigste in der mediterranen Küche? Das Olivenöl! Göll hält gar nichts davon: „Von Benutzung des Olivenöles in der Kochkunst, das in der historischen Zeit die Stelle der Butter und des Schmalzes vertrat und heute noch dem Nordländer die Tafelfreuden des Südens vergällt, findet sich bei Homer noch keine Spur. Das Fleisch wurde im eigenen Safte gebraten. Unsere Butter stammt wohl ihrem Namen nach aus Griechenland, wurde aber nie den Speisen zugesetzt, sondern ausschließlich als Medikament für Menschen und Vieh verwendet (…).“
.
Avlona Brot
.
Avlona, Karpathos. Hier wird noch oft selbst gebacken. Das (Misch)brot sieht dann geradezu „ungriechisch“ aus …
.
BROT
.
Getreide wurde früher oft auch nicht gebacken, sondern gekocht. Göll: „Zuerst war der auf vielfache Weise bereitete Gerstenbrei, ähnlich der Polenta und den Maccaroni in Italien ein hellenisches Nationalgericht.“
.
„Das Weizenbrot war, wie bei uns, je nach der Beimischung oder Absonderung der Kleie, weiß oder schwarz. (…) Man buk die Brote teils im Ofen, teils röstete man sie am Spieße über dem Feuer. Gerstenbrot galt als bäurische und sklavische Kost. Die Säuerung scheint nicht bei allen Sorten stattgefunden zu haben.“
.
Osterlamm
.
Osterlamm beim Insel-Metzger
.
FLEISCH UND WURST
.
Göll: “Die Hauptnahrung der homerischen Helden bestand in gebratenem Fleische von Rindern, Ziegen, Schafen, wilden Ziegen und Hirschen. Die Zurichtungsart war sehr einfach. Die Tiere wurden gehäutet (die Schweine gesengt), in Stücke zerschnitten, an Bratspießen über dem Feuer gewendet und endlich vor dem Anrichten mit Mehl bestreut. Als das Leckerste wurden Ehrengästen Rückenstücke vom Rinde vorgelegt.“
.
„Platon schreibt in seinem Buche über den Staat: „Du weißt, daß Homer seine Helden im Felde weder mit Fischen bewirtet, während sie doch am Hellespont lagerten, noch mit gekochtem Fleisch, sondern nur mit Braten, was für Soldaten auch wohl am bequemsten ist; denn es ist doch allenthalben leichter, das Feuer selbst zu gebrauchen, als sich mit Kochgeschirr zu schleppen.”
.
„Zu Fleischspeisen wurden Rinder, Schaf, Ziegen und Schweine verwendet. Auch fetter Eselsbraten, besonders das Bauchstück, galt für einen Leckerbissen. Das Ziegenfleisch hielt man für das nahrhafteste. Das Schweinefleisch verstand man bereits einzusalzen und zu räuchern. Auch die Wurstmacherkunst der heroischen Zeit war nicht verloren gegangen; nur daß man jetzt die Därme stopfte und dem Blute und Specke zuweilen schon nach gut norddeutscher Manier Grütze zusetzte. (…) Die Wurstverkäufer am Markte waren die angesehensten; die niedrigeren hielten an den Toren feil und füllten nach Aristophanes ihre Würste wohl auch mit Hunde- und Eselsfleisch!“
.
Iraklion Ferkel
.
Iraklion, Kreta, Markt
.
Göll: „Eumäos, der Schweinhirt, entschuldigt sich gegen seinen Gast Odysseus wegen dieser Speise in folgenden Worten: „Iß nun, o Fremdling, was da für die Knechte vorhanden ist, Ferkelfleisch; die Mastschweine aber essen die Freier.” Später kam das verachtete Ferkel wieder zu großen Ehren, und schon bei Aeschylos heißt es: „Ich lege dieses wohl gesäugte Ferkel in die rauschende Pfanne. Denn welches Gericht könnte es geben für einen Mann, besser als dieses?”
.
Aber man ging ja auch gern zur Jagd: „Hinsichtlich des Wildprets trifft der römische Dichter Martial vollständig den griechischen Geschmack, wenn er schreibt: „Wenn etwas nach meinem Urteile sicher ist, so ist der erste Leckerbissen unter den Vögeln die Drossel, unter den Vierfüßlern der Hase.”
.
Thessaloniki Hasen
.
Markt in Thessaloniki
.
„Der berühmte Gastronom Archestratos, ein Sizilianer (um 350 v. Chr.), der alle damals bekannten Länder durchreiste, (…) sagt, man solle ihn (den Hasenbraten) heiß vom Spieße weg essen, einfach mit Salz bestreut, und solle sich nicht scheuen, wenn das Fleisch noch etwas roh und blutig sei; „die anderen Bereitungsweisen“ fährt er fort, „sind mir zu künstlich: das Übergießen mit Fett, die Verwendung von zu viel Käse und Öl, als briete man einen Meerhecht.”
.
„Außer (den Drosseln) briet man gern Rebhühner, Wildtauben, Enten, Gänse, Amseln, Staare, Wachteln, Häher, Dohlen und Finken. Das Hühnerfleisch wurde ebenfalls hoch geschätzt. Nach Plinius, dem Älteren, waren die Bewohner der heiligen Insel Delos die Erfinder der Hühnermast und des Kapaunens.“
.
DESSERT
.
„Während man den frischen inländischen Käse als Zutat zum Kochen und Backen nahm, liebte man beim Dessert den sizilischen und den Ziegenkäse aus Achaia. Kastanien, Mandeln, Rosinen, Damaszenerdatteln, Oliven und die ausgezeichneten attischen Feigen gesellten sich zum gewöhnlichen Obste. Die Kuchen bestanden aus Mehl, Käse oder Sesam, Öl und Honig.“
.
GASTRONOMIE
.
Professionelle Bewirtung gab es in der griechischen Antike auch. Göll: „Bei größeren Diners und festlichen Gelegenheiten, wo die Kunst und Kraft der Hausfrau nicht ausreichte, pflegten die Griechen sich Köche zu mieten, die neben dem Geschirrmarkte in Athen auf Bestellung wartend sich aufzuhalten pflegten. Auch fremde Köche ließen sich in Athen nieder und die gesuchtesten unter diesen blieben die sizilischen. (…) Schon zu Platons Zeit existierte ein sizilisches Kochbuch. Solche Köche pflegten übrigens beim Beginn des Gastmahles dem Hausherrn ihre Speisekarte vorzulegen.“
.
Und Mezedes teilen, das ist auch keine Erfindung von heute! Göll zitiert Lynkeus: „Man trägt da eine große Schüssel auf, in welcher fünf kleine Schüsselchen sich befinden; davon enthält das eine Knoblauch, das andere zwei Seeigel, das dritte eine süße Mehlspeise, das vierte zehn Austern, das letzte ein wenig Kaviar. Während ich nun esse, läßt der Andere etwas Anderes verschwinden, während Jener aber ißt, vertilge ich dieses. (…) Die Sächelchen gewähren wohl einen bunten Anblick, taugen aber nicht für den Magen; man füllt wohl den Mund, wird aber nicht satt.“
.
„Was endlich die Aufeinanderfolge der Gerichte anlangt, so hat eine große Mannigfaltigkeit stattgefunden. Dikaopolis in den „Acharnern” beginnt sein Mahl mit Hasenpfeffer, worauf Salzfisch, Drosseln und Tauben, Hasenbraten, Magenwurst und endlich mit Honig beträufelter Kuchen folgen.“
.
Eden Athen relocated
.
Das „Eden“, Anfang der 90er Jahre noch das einzige vegetarische Restaurant in Athen! Seit 1982 nutzte Timos Papadopoulos, der Inhaber, die erste Etage eines (inzwischen gentrifizierten) klassizistischen Hauses in der Plaka (Odos Flessa 3). 1992 mußte man umziehen. Da das Eden schon von 20 Jahren einen Nichtraucher-Bereich hatte, wurde es zur bevorzugten „location“ für durchreisende (wassertrinkende) US-amerikanische College-Studentinnen. Der Raucher-Bereich war am Ende meistens leer, denn die Athener kamen immer seltener auf eine Portion Moussaka aus Sojaschrot …
.
http://www.Greece-Athens.com/restaurants/plaka/eden
.
VEGETARISMUS
.
Die Beschränkung auf Pflanzenkost war nicht gängig in der griechischen Antike, aber auch nicht unüblich: „Als historisches Phänomen ist der Vegetarismus in Europa erstmals im 6. Jahrhundert v. Chr. bezeugt. Vegetarier waren die Orphiker, eine religiöse Bewegung, die sich damals in Griechenland verbreitete, sowie Pythagoras und zumindest der engere Kreis der Pythagoreer. In beiden Traditionen wurde auf Eier und auf die damals allgemein üblichen rituellen Tieropfer verzichtet.“ (wikipedia: Vegetarismus)
.
„Zu den Normen gehörte (…) bei den Orphikern ein ethisch motivierter Vegetarismus, der mit der Seelenwanderungslehre und der dadurch bedingten höheren Einschätzung des Werts tierischen Lebens zusammenhing. Aus dem toten Tierkörper gewonnene Nahrung war ebenso verpönt wie die in der griechischen Volksreligion üblichen Tieropfer. Blutige Opfer und Fleischverzehr führten zum Verlust der rituellen Reinheit.“ (wikipedia: Orphiker)
.
Reinheit hin, Reinheit her … Gölls Fazit ist, daß ohnehin das Trinken wichtiger war als das Essen: „Es scheint überhaupt, als ob der Athener den Genuß des Bechers, den er in dem auf das Mahl folgenden Symposion fand, den Freuden der Gutschmeckerei vorgezogen habe.“
.
Tinos Lunch
.
Tinos. Unser „griechischer“ Mittags-Imbiss. Fertig, satt … viel geredet, die Becher geleert, und was übrig gelassen für die Katzen.
.
Und ich hoffe, Sie haben jetzt vom Lesen Hunger gekriegt …
.
Hermann Göll: Kulturbilder aus Hellas und Rom
Verlag Hartknoch, Leipzig 1880
.
Johannes Haussleiter: Der Vegetarismus in der Antike
Alfred Töpelmann-Verlag, Berlin 1935
.
>  WEITER MIT:  WAS FRÜHER SCHON SCHMECKTE – WEIN UND BIER
>  WEITER MIT EINER  KOCHBUCH-EMPFEHLUNG

<  ZURÜCK ZUR  STARTSEITE

3 comments

  1. Hallo Theo,

    nachdem ich schon lange schon deine Seiten “still” mitverfolge, muss ich diesem Beitrag meinem Respekt zollen. Ein schöner verfasster Artikel und die Bücher von Hermann Göll habe ich – ein Glück – günstig ersteigern können. Wie auch so einige andere Bücher, die von dir empfohlen worden sind.

    Eine ganz besondere Griechenland-Seite, die mehr als informativ ist.

    LG
    Ariane

  2. Das ist der Nebeneffekt, wenn man über Bücher redet/schreibt, von denen kaum einer was weiß, Ariane, da weckt man oft einen “Bedarf”. Und es gibt Leute in den Fach-Antiquariaten, die haben eine gute Nase und spüren die plötzliche Nachfrage, und schon steigen die Preise. Klingt so, als ob ich übertreibe, aber ist so. (Und online ist die Marktlage ja inzwischen schön übersichtlich geworden – die Anbieter checken einfach die Häufigkeit der Suchworte.)

    Man muß sich nur die Baedeker-Reiseführer ansehen. Vor 50 Jahren kriegte man alte Reiseführer – auch aus dem 19. Jahrhundert – praktisch geschenkt, weil “die Informationen da drin ja nicht mehr stimmten”. Ein holländischer Antiquar hat mir mal gesagt: “Früher habe ich irgendwo eine private Bibliothek gekauft, wegen der Literatur, und kriegte die Reiseführer gratis dazu. Heute kaufe ich die Reiseführer, und kriege den Rest gratis.” Heute kaufen manche Leute seltene Baedekerbände als Geldanlage.

    Was Griechenland angeht, hat da früher höchstens mal ein Archäologe in die alten Reisebücher reingeschaut, für Fachinformationen auf seinem Gebiet. Aber die Lebensumstände seiner früheren Kollegen auf diesen Reisen hätten ihn kaum interessiert.

    Frühe Reisebücher und Reiseführer (vor 1850) sind inzwischen ungewöhnlich teuer. Ein Buch von jemandem wie (ausgerechnet) Hermann Göll wäre noch vor nicht langer Zeit als Einzelstück gar nicht “versteigerungswürdig” gewesen. Höchstens in einem Konvolut (vielleicht zusammen mit 100 anderen Bänden mit verwandtem Thema) wäre so ein Buch auf einer Versteigerung angeboten worden.

    Ich weiß noch nicht, ob ich noch andere Themen aus Gölls Buch hier vorstellen könnte. Über Weinbau und Trinksitten in der Antike zum Beispiel. Mal sehen …
    Theo

  3. Ein Nachtrag zum Kapitel “BROT“:

    Der Geologe Karl Gustav Fiedler, der zwischen 1834 und 1837 im Regierungsauftrag Griechenland bereiste, um zu erforschen, welche Mineralien man im Land ausbeuten konnte, streift ein Problem, an das man heute gar nicht mehr denkt:
    Mehl wurde ja landesweit in kleinen und kleinsten (Wind-)Mühlen gewonnen. Und die Mühlsteine mußten glatt und von geringem Gewicht sein (damit man sie leicht in die oft abgelegenen Mühlen transportieren konnte, und damit das Mühlwerk optimal vom Wind angetrieben werden konnte). Also stellte man sie gerne aus vulkanischem Gestein her. “Ein solcher Mühlstein dauert gegen 5 Jahr” schreibt Fiedler bei seinem Besuch auf Milos. Von dort stammte ein Großteil der in Griechenland verwendeten Mühlsteine.

    Fiedler: “Diese Mühlsteine werden besonders wegen ihres geringen Gewichts geschätzt; denn man würde erst nach verbesserter Maschinerie der hiesigen Windmühlen schwerere Steine mit Schnelligkeit bewegen können. Diese Mühlsteine (…) haben das Unangenehme und für die Gesundheit Nachtheilige, dass sie das Mehl reichlich mit feinem Sand verunreinigen. Man kann in Griechenland kein Brod von dort gemahlenem Mehle essen, was nicht beim Klarkauen zwischen den Zähnen knirscht, oft so stark, dass man nicht zu kauen wagt.
    Ich ass daher in Griechenland niemals Brod, was außerdem auch schlecht bereitet, weder gehörig gesäuert, noch ausgebacken wird, sondern stets Reispilav oder fremden Schiffszwieback.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s