Nord-Syros und der Honig

Inzwischen bin ich die Strecke zwischen Ermoupolis und San Michalis (wo die einzige Straße Richtung Norden endet) sicher acht oder neun mal mit Rucksack und Wanderschuhen gelaufen, aber beim ersten Mal wurden wir vom damaligen Bürgermeister von Ano Syros, Georges Papitsis, noch hingefahren. Das war gut, denn damals hatte San Michalis noch keine Taverne, um sich für den Rückweg zu stärken. Und ohne Herrn Papitsis hätten wir die berühmte kleine Imkerei auch übersehen …

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Nord-Syros

Der Norden von Syros ist bergig, einsam, karg und steinig, nur in ein paar geschützten Lagen finden sich noch Terrassen für Landwirtschaft und ein wenig Weinbau. Im Frühjahr blühen jedoch Thymian, Oregano und Dutzende anderer Wildpflanzen, und dann sind die Bienen unterwegs, und die Imker auch …

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Unsere Imker bei der Ernte

Die Imker grüßten, sie hatten das Auto schon erkannt … und für den Bürgermeister war der Besuch an diesem weltvergessenen nördlichsten Winkelchen seines Wahlkreises natürlich eine kleine politische Werbe-Veranstaltung. Und kurz danach wurden wir bereits in dem Haus begrüßt, wo unermüdlich Nektar und Ambrosia produziert, portioniert und gelagert wurde.

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Der Imker links, der Bürgermeister rechts (erkennbar am Pullover in Parteifarbe PASOK-grün), mit frühjahrsfrisch gefüllten Honigwaben

Und bewirtet wurden wir natürlich auch, mit selbstgemachtem Aprikosenlikör und mit sesamgefüllten getrockneten Feigen. Beides in der winterlichen Bienenruhezeit vom Imker selbst produziert.

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Hier ein Kilo der lokalen Produktion. Für ein Kilo müssen die Bienen ungefähr 40.000 Kilometer Entfernung zurücklegen. Sie müssen insgesamt also quasi einmal um den Äquator fliegen, um die Rohstoffe einzusammeln:

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Und was man hier direkt beim Imker kriegt, ist auch besser als das, was die Genossenschaft unten in Ermoupolis verkauft. Sagte der Bürgermeister. (Ermoupolis ist nicht sein Wahlkreis …) Es stimmt sogar.

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Nachtrag – Kleine Volksbildung zum Thema Honig: Haben Sie sich auch schon mal gefragt, wo die Menge griechischen Pinienhonigs herkommt … denn, wer hat schon mal eine Pinie blühen gesehen? Ist ja auch falsch. Der Pinienhonig wird nicht aus Blüten gewonnen. Es ist Honig aus Honigtau. Die Bienen gewinnen ihn aus den zuckrigen Ausscheidungen von an den Pinien saugenden Blattläusen und Schildläusen.

Dazu muß jetzt noch einen zweiter Nachtrag kommen zu den vor kurzem (besonders in Attika) ausgesetzten Läusen, um die Honigproduktion (mit EU-Förderung) über das natürliche Maß hinaus zu steigern. Was zu einer mehr oder weniger großen Umweltkatastrophe führte. Denn die EU-Läuse vermehrten sich prompt wie die Weltmeister, und die Pinien begannen zu verkümmern …

Und Chemie in hohen Dosen spritzen hieß, die Bienen gingen gleich mit kaputt, Chemie in mittleren Dosen hieß, der produzierte Honig wäre chemisch versaut, und in kleinen Dosen lachten die Läuse nur …

Was nun? Es blieb zunächst beim reinphysikalischen Einsatz: Die Läuse mit Wasserdruck von den Bäumen wegspülen. (Dabei wird allerdings die Pinienrinde geschädigt, und Pilze und Bakterien können sich ansiedeln, nun ja, so’n bißchen Kollateralschaden …)

Wenn Sie im griechischen Pinienwald nun jemanden sehen, der mit der Hochdruckspritze klares Wasser auf die Bäume schießt … nein, das ist nicht immer die Feuerwehr bei der Brandbekämpfung, das ist dann die behördliche Umweltpolizei im biologisch-physikalischen Anti-Läuse-Einsatz …

Inzwischen soll es jedoch ein Anti-Läuse-Mittel geben, das auch in homöopathischen Dosen eingesetzt werden kann, und sich nicht von den Bienen aufnehmen läßt …
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