Samos, Jahrzehnte später

“Die nördliche Küste von Samos ist einfach himmlisch. Die griechischen Inseln im Ägäischen Meere sind überreich an landschaftlichen Reizen, aber Schöneres als diesen Küstenstrich gibt es dort nicht.”
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So äußerte sich Paul Ludwig nach seinem Besuch auf Samos 1898 (siehe Seite: Samos der Operettenstaat). Ich kam erst am Ende des folgenden Jahrhunderts zum ersten Mal auf die Insel. Die nördliche Küste war immer noch himmlisch. Bis zum Juli 2000. Da sah es plötzlich so aus:
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Samos, Juli 2000. Großbrandbekämpfung aus der Luft
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Die Brände vom Juli 2000 haben Dutzende von Häusern, 5000 Hektar Waldland, Oliven und Obstgärten zerstört. Das sind ca. 20% des Inselgebietes. Obstbäume brauchen etwa 5 Jahre bis zur ersten Ernte, Oliven noch länger, und bis die “richtigen” Wälder wieder so aussehen wie vor dem Brand, da kann auch eine ganze Generation vergehen. Hier ein Google-Zufallsfund von heute, der die Geschichte des Jahres 2000 zusammenfaßt: Samoshilfe.de http://www.votsalakia.com/samos_braende.htm
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Ein Jahr später bin ich mit der Fähre an der Nordküste entlanggefahren. Wir kamen aus Ikaria und wollten nach Samos zum Flughafen. (Netter Flughafen, so nah an der türkischen Grenze macht der Pilot immer ein paar Achterbahn-Kurven …)
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Das Braungrau der abgebrannten Wälder, die beim Sonnenaufgang an der Küste auftauchten, machte einen schon auf dem Schiff depressiv.
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Zypressen-Hain, Nord-Samos
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Das Wandern über die so vielfältig und dicht bewachsenen Hügel war schon was ganz Besonderes. Wenn manche Einheimische den Wald auch etwas prosaischer ansahen. Von irgend was muß man ja leben, wenn man keine Zimmer zu vermieten hat:
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Holzkohlegewinnung auf Samos. Nein, die Köhler waren nicht die Ursache für die Brände. Ich glaube, in der Hochsommerhitze hört das Holzkohlebrennen ohnehin auf. Fand es lieb, daß der Köhler für mich posiert hat (0ben links, der Herr mit der Schaufel)!
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Kokkari, kleines touristisches Zentrum an der Nordküste. Stimmungsvolle Tavernen an der Bucht östlich der kleinen Halbinsel, lange Kieselstrände und genug bewegte Luft zum Windsurfen.
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Eine deutlich markierte Landstraße. Automobilistischer Fortschritt. Und wenn die Leitplanken fehlen … meinen Sie nicht, daß man mit einem angejahrten japanischen Zwergauto keine ausgetrockneten Bäche rauf oder runter fahren kann. Wobei die Fahrerin nach dreißig Metern losflucht: “Scheißstraßen hier … oh, das ist gar keine Straße!”
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War jedenfalls am Ende eine fahrerische Glanzleistung. Wir hatten eine ganze Serpentine abgekürzt. Der Auspuff blieb auch dran. OK, querfeldein Fahren sollte man besser lassen. Egal mit welchem Fahrzeug. Wir haben es ja auch nicht freiwillig getan.
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Warum halten sich diese Falter immer so nahe am Boden auf? Naja. Beim Wandern ist das eine gute Gelegenheit, die Kniegelenke und das Rückgrat mal zum Ausgleich gut einzuknicken.
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Wenn Ihnen beim Wandern nach Kultur ist: Das Dorf Mytilini mitten in den Bergen hat nicht nur nette Tavernen am Dorfplatz, sondern auch ein echt rührendes Museum zur Vorgeschichte. Ein Dinoknochen-Kabinett in Glasschränken, das Sie sicher an den Biologie-Unterricht in Ihrer Mittelstufe erinnert. Irgendwas war da mit dem berühmten “Samos-Pferd”? Egal. Da hat man doch gerne 100 Drachmen gezahlt.
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In Vathy gibt es auch ein Archäologisches Museum. Da gibt es schöne antike Adventskränze zu besichtigen:
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Naja, nicht alle Leute rennen tagsüber in der Gegend herum, fotografieren schwitzend Schmetterlinge und staunen über Artefakte aus den Jahren vor der letzten Eiszeit. Manchen ist der tägliche Weg zum Strand schon lang genug. Und sie sind froh, daß an der Treppe abwärts noch ein schattiges Café-mit-Aussicht wartet. (Im Hintergrund sieht man Kokkari.)
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Bedauerlicherweise geben die Touristen den streunenden Hunden noch ein schlechtes Vorbild! Mit ihrem Strand-Faulenzen in der Nachmittags-Trägheit. Oben der Beweis! Hm … oder war das andersherum?
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Während man still aufs Abendessen wartet, schaut man zu, wie andere arbeiten. Man würde sich ja lieber ein Stündchen auf’s Ohr legen, wenn draußen nicht immer so ein Krach wäre …
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Jedenfalls sind bei Einbruch der Dunkelheit alle wieder wach und munter. Die Kokkari-Parea trifft sich an der Kaimauer, wo ab und zu die Kinder ins Wasser fallen. (Übrigens stammt der größte Teil dieser Leute an unserem Tisch zufällig aus Wuppertal bzw. dem Bergischen Land. Kennt jemand irgendwen davon?)
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Hier könnte jetzt der Einwand kommen, aus Strand- und Tavernenfotos lerne man doch nichts über einen Ort. Na gut, stimmt weitgehend. Aber wenn der Fürst von Samos heutzutage die Inselbesucher schon nicht mehr empfängt, dann vergnügt man sich eben selbst …
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5 comments

  1. Hallo Theo,
    ist ja super, dass Du ausgrechnet jetzt etwas über Samos schreibst. Wir wollen evtl. d. J. nach Samos, sind gerade am Überlegen.
    Viele Grüße
    Ulli

  2. Hallo Theo, das was Du über Samos ausgegraben hast ist einfach genial.
    Da machen Deine alten Reiseführer echt das Rennen.
    Wir haben viele Jahre dort verbracht, gute Freunde kennengelernt.
    Unsere Tochter hat dort griechisch sprechen gelernt und zwar
    fast fließend (Gehirnwaesche positiv), das nur um zu erklären wie
    sehr wir dort “verstrickt” waren.
    Wir haben ne Menge über die Insel erfahren, aber das was auf deiner Seite “Operettenstaat” zu lesen ist toll.
    Das wissen die Griechen selbst nicht mehr, da bin ich mir sicher.
    Was es auch gibt auf der Insel: Eine einzige Ampel, an der hat sich ein einer der Mitorganisatoren des Ireon Rockfestival tot gefahren.
    Ich kenne diese Ampel, ich bin kein Grieche deswegen lebe ich noch.
    http://www.rock-festival-ireon-samos.gr/
    Eine etwas andere Musik als Parios, es lohnt sich……
    …..und jeder Tritt ein Plastikbecher, alle Mülleimer sind leer, die Welt ist ja soooo groß!!!
    Ach-ich liebe sie-die letzten Anarchisten dieser Welt.

  3. In diesem Frühjahr/Frühsommer soll es meist gähnende Leere gewesen sein bei Festivals/Terminen in Athen.
    Alles hofft jetzt – am nächsten Wochenende – auf rockwave (Killers, Moby, Duffy, Placebo usw.).
    Theo

  4. Das Foto von der alten Strasse an dieser Felswand entlang, zwischen Kallithea und Drakei, finde ich klasse! Was diese Strasse anbelangt, da hat sich mittlerweile sehr viel verändert.🙂

    Seit 2007 habe ich zusammen mit dem Fotografen Michael Anhaeuser, der permanent auf Samos lebt, einen gemeinsamen Fotoblog: “Samos-Images”
    http://www.samos-images.blogspot.com

    Natürlich wird es lange dauern, bis nach dem großen Waldbrand von 2000 wieder richtige Wälder auf den damals abgebrannten Hängen stehen werden. Aber es ist mittlerweile wieder richtig grün geworden, wenn auch die neugewachsenen Bäumchen erst etwa 1 – 1,5 Meter hoch sind!
    Und die Insel Samos ist immer noch wald- und wasserreicher als die meisten anderen Inseln der Ägäis!

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