Taverna T’Aloni, Papouri

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Taverna T’Aloni: Thanasis Xenakis und Meike Boblitz
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Marita Dimopoulou zieht eine der Restaurantkarten aus einem der Päckchen, mit denen das Hotel Omiros in Ermoupolis immer gut bevorratet ist: “Hier sollten Sie auf jeden Fall mal hin. T’Aloni. Das ist die neue Taverne von der Meike, die früher mal mit Jorgo Bailas verheiratet war! Ich hör nur Gutes über deren Essen. Ist aber ganz weit weg aus der Welt, aber Sie sind ja gut zu Fuß!”
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Ich rufe am Samstagmorgen an. Ob sich Meike an mich erinnert? Wir haben uns zuletzt vor 15 Jahren gesehen. Meike überlegt nur zwei Sekunden: “Ach … der Theo? Ja, der Ouzo-Abend … ist ‘ne andere Welt, aber ich erinnere mich. Hab sogar noch die Fotos!” Meike wird noch bis 14 Uhr kochen, dann soll ich raufkommen. “Samstags sind mittags nie Gäste da, da können wir uns in Ruhe unterhalten. Sonntags ist Hochbetrieb. Findest du uns?”
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Ich habe zwar die Syros-Wanderkarte von Anavasi, aber warum soll ich mich vor dem Mittagessen den Berg rauf quälen? Ich wandere besser erst nach dem Essen. Fünf Euro kostet das Taxi bis Mytakas, der Spaziergang von da aus reicht mir. Die Taverne-am-Ende-der-Welt findet man problemlos … die griechische Flagge am Dach verrät sie!
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Thanasis und Meike sind noch mitten in der Arbeit, die Küche dampft aus allen Öffnungen. Meike entschuldigt sich beim Servieren für ihre gut gewürzte Schürze: “Wir kochen vor für Sonntag. Ich bring dir was von den Vorspeisen. Die sind fertig. Fava und Zucchini-Quiche und ‘n Salat und ein halber Liter von unserem selbstgemachten Rosé, ist das OK?” Es ist nicht nur OK, es ist sogar perfekt. Warum wird Fava nicht immer lauwarm serviert?
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Ich bin der einzige Gast. Als ich fertig bin, bringt Meike das Essen “für’s Personal”. Sie hat für Thanasis, ihre Tochter und für sich indisch vegetarisch gekocht, von dem, was übrigblieb. Meike pflegt seit jeher eine Art “Fusionsküche”, hier auf der Speisekarte ist auch nicht alles 100% konservativ griechisch. (Meike lebt seit 1979 nicht mehr in Deutschland, da war sie noch keine 21 … sie ist in Deutschland heute nur noch Tourist, der sich auf Grünkohl klassisch und Kartoffelsuppe freut.)
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Thanasis stammt aus Naxos, und ist ein ruhiger, sachlicher Mensch (spricht englisch und deutsch). Er braucht auch diese dionysische Gelassenheit, denn nach den Vorschriften muß er die Taverne ein Jahr lang jeden Tag (!) öffnen, auch wenn kein einziger Gast auftaucht. Und während der Woche kann das hier gut vorkommen. Und im Winter muß er darum den gußeisernen Ofen in Gang halten. Spätestens am dritten Tag ohne Gast kommt normalerweise die Depression, aber er hat hier einen Garten, und irgendwas zu tun ist immer. Und das erste Jahr ist noch nicht rum (tatsächlich fährt am Montag ein Polizei-Jeep vor und kontrolliert)!
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Da sitzen wir dann den ganzen Samstagnachmittag zusammen, von keinem einzigen Gast “gestört”, reden von alten Zeiten, und was das für eine Mühe war, das Haus hier neben dem 600 Jahre alten Dreschplatz aufzubauen. (T’Aloni = Dreschplatz) Und was das Wandern angeht, verabreden wir uns auf Montag, neun Uhr. Thanasis und Meike wandern gerne und so oft sie können. Montag sind die Kinder in der Schule, und Thanasis macht erst um 13 Uhr auf. Während der Woche gibt es im Mai ohnehin nur was vom Grill und frischen Salat.
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Meikes Fusionsküche am Samstag, damit ich es bis zu Hause nicht vergesse …
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Montag, 9 Uhr. Wir treffen uns in Ermoupolis, wo der Fußweg nach Ano Syros die Straße nach Norden trifft. Vom T’Aloni in Papouri (im Foto = 1) führt der Wanderweg 5 zu den Buchten von Aetos und Varvaroussa (im Foto = 2). Der Weg ist nur sporadisch gekennzeichnet und oft überwachsen, aber das macht nichts. Thanasis kennt die Gegend wie seine Westentasche, er sammelt hier Kräuter und Kapern für den Salat.
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Am Südhang namenloser Berge entlang, an erst vor kürzerer Zeit verlassenen Bauernhöfen vorbei, hoch über der Aetosbucht entlanggeschwebt, dann quer über den Gadarosberg zur einsamen Bucht von Varvaroussa. Hier erschrecken wir nur einen einsamen rosa gegarten Sonnenfreak, dem Meike versichert, er solle aufhören, nach seiner Badehose zu suchen, wir hätten das in unserer Jugendzeit alles schon mal gesehen …
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Unterwegs hat sich Thanasis kurz verabschiedet. Der Berg, an dem er nun herunterklettert, ist berühmt für seine Kapern. (Leider zu berühmt, denn er findet heute kaum was. Da war die Konkurrenz schon unterwegs …)
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Hier können wir leider nicht zum Schwimmen bleiben. Da möchte man die Öffnungszeit der Taverne um 13 Uhr schon verfluchen. Der Einheimischen wie Touristen völlig unbekannte Strand (hinter der Varvaroussa-Insel versteckt, sogar vom Meer nicht zu sehen) hat nur im Hochsommer Besuch. Es gibt dann ein Boot, das von Kini hierher fährt. (Ich treffe am Dienstag auf der Straße nach San Michalis auch ein junges Paar Österreicher, die von Galissas über Kini und Delfini nach Varvaroussa gelaufen sind und die von Papouri noch zu Fuß über Plati Vouni nach Ermoupolis wollen. Eine beachtliche Strecke …)
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Für den Rückweg vom Strand verlassen wir den Wanderweg und nutzen das trockene Bett des Baches. Hier unten am Bach hat Thanasis ein paar Olivenbäume gepflanzt, sein illegaler Garten … und hier am Nordhang des Kaminaki-Hügels wuchert sogar der einzige “Urwald” der Insel.

Die Taverna T’Aloni macht heute nicht ganz pünktlich auf. Aber in der Küche finden wir noch eine Portion von Meikes spezieller Version von Spetsofai (eine Art Eintopf aus Schweinefleisch, syrischer Hartwurst und Paprika in Tomatensauce). Es gibt viele Sachen, die vom Aufwärmen nur besser werden … und ich vergesse meine Verabredung in Ermoupolis am Nachmittag und sitze mit Thanasis beim Rosé zusammen, wir sehen der in den Dunst versinkenden Sonne zu und philosophieren …
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TAloniKarteNEU_450
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6 comments

  1. Hallo Theo,
    da gehe ich bei meinem nächsten Syrosbesuch auch hin. Nach diesem Bericht kann ich garnicht anders🙂
    Margarita

  2. hallo theo,
    schliesse mich da margarita nur an, beim nächsten urlaub auf syros ist aloni im programm…

    gruss pedros

  3. plane ende sept mir die insel mahl anzusehn
    nordteil /haupstadt und qwartier in kini

    bin nun daran mich in das matrial hinein zu arbeiten und mir deine links zu der insel anzusehn
    bin an allen tips intresiert
    wandern off the beathen tracks
    aber manchmal denke ich ein führer wäre toll
    Omiros in Ermoupolis ist lieder über mein preis limit von 35.- pro nacht
    gruss aus finnland
    henry

  4. ÄNDERUNG T’ALONI ÖFFNUNGSZEITEN: Thanasis macht jetzt in der Regel an Wochentagen nur auf, wenn sich jemand verbindlich anmeldet zum Essen. “Normal” ist am Wochenende geöffnet, wo Meike (!) kocht.

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