Das Kerzen-Ritual

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Ich bin ja nicht religiös, und nein, auch nicht abergläubisch (“Aberglauben bringt Unglück …!”), aber auf jeder Griechenlandreise muß ich irgendwo in einer kleinen Landkirche zwei Kerzen stiften … damit ich wieder zurückkomme ins Land. Bis jetzt hat es geklappt …

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Ich habe wohl mehr als drei Dutzend solcher Kerzenfotos. Meist bin ich selbst nicht drauf. Aber dieses Foto kann ich später bei der Verhandlung vor dem Jüngsten Gericht zu meiner Entlastung vorlegen:

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Aghios Fanourios (der Heilige der Vergeßlichkeit), Milos, 06.05.2008:

Aghia Triada, Skopelos (ja, die Mamma Mia Insel …), 24.09.2008:


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Kini/Syros, Mai 2009 (die Kippen sind nicht von mir):
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Januar 2010, Agios Sotirios, Poros (Ich habe meine Kerzen nach dem Verlassen der Kirche diesmal nicht ausgemacht, die jahreszeitliche Waldbrand-Gefahr war nicht so groß …🙂 …):
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September 2010, Aghios Isidoros, Leros. Die Kapelle liegt auf einem Inselchen in der Ghournes Bucht. Mit Isidoros ist wohl Isidoros von Chios gemeint, der Schutzpatron Venedigs und der Seeleute. Na sowas … ich bin auf Leros wegen der Geschichte eines bekannten Seefahrers und Philhellenen aus Skandinavien:
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Eins darf man natürlich nicht vergessen, ich stimme da letztendlich immer Melina Mercouri, Manos Loizos und Mariza Koch zu, was den richtigen Weg angeht:
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30.05.2011 … aber es kommt ja gerade noch ein neues Foto dazu, und ich habe es auf der soeben beendeten Reise ausgerechnet an einem Freitag, den Dreizehnten, auf Spetses aufgenommen:
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Chios, Nea Potamia, Aghios Georgios, September 2011:
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Mai 2012, Karpathos, Diafàni, Kapelle am Weg zum Papas Minas Strand:
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September 2012, Astypalaia, in der Kapelle des Aghios Ioannis Omologhitis, auf dem Weg Richtung Moni Flevariotissa:
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Astypalaia 2012
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Ioannis Omologhitis, Ιωάννης  ομολογητής , „Johannes der Russe“ (1690-1730), war 1711 im russisch-türkischen Krieg als Kriegsgefangener nach Kappadokien verkauft worden, wo er bei einem türkischen Aga als Stallknecht lebte, ohne zum Glauben seines Herren zu konvertieren (!). Was ihn zum Heiligen machte, kann ich bei www.xfd.gr nicht erkennen. Aber MartinPUC weiß es vielleicht …! Ioannis Reliquien wurden übrigens 1924 von Griechen (im türkisch-griechischen Bevölkerungs-Austausch) aus der Türkei nach Evia geschmuggelt. Ausgerechnet über das südliche Evia hatte ich noch vor vier Wochen ein paar merkwürdige Dinge herausgefunden! Nächstes Ziel vielleicht …
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15.01.2013 – Tinos, Tal von Livadha. Wenn schon auf Tinos, dann ist die Panaghia fürs Kerzenanzünden natürlich unvermeidlich. Auch ganz weit im hinten im Land, wo keine Wallfahrtsteppiche auf den Wegen liegen und wo man nur ganz schlecht auf den Knieen hinkommt … im Bild gleich viermal Maria:
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Kerzen Tinos
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10.05.2013 – ein nebliger Tag, und wieder Tinos:

Kira Xeni
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Die Kapelle von Kira Xeni (Κυρά Ξένη). Merkwürdig … ich hatte die Kapelle nach dem Kerzenanzünden längst verlassen, aber ich hatte plötzlich das Gefühl, irgendjemand schaut mir hinterher. Also bin ich nochmal irritiert umgekehrt und finde auf der Fensterbank – neben der steinernen Ikone – dieses Objekt:
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Kira Xeni 2
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Nein, kein objet trouvé, an dem Stein hatte jemand gearbeitet. Wer, und warum?
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Ein Jahr später: Das Herz aus Stein ist immer noch da, und ich sehe es wieder erst, als ich schon gehen will! Was das Kerzenanzünden im Mai 2014 angeht – schon die erste Kapelle (Aghia Sophia bei Mesochori, Karpathos) ist nicht abgeschlossen. Aber es ist nur eine einzige Kerze übrig!
Aber es braucht kein Wunder, um daraus zwei zu fertigen, nur etwas Weisheit und Körperkraft:
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Aghia Sophia
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21 comments

  1. Es ist verrückt. Mir geht es auch so.
    Ich bin absolut nicht gläubig. Ein Atheist wie er im Buche steht.
    Aber ich gehe in jede Kirche, in jede Kapelle in Griechenland und zünde Kerzen an, in der Hoffnung es hilft irgendwem oder irgendeiner Sache.
    Warum, wieso weshalb ???? Ich weiß es nicht !!

  2. Was wären wir, wenn wir nicht alle unsere “Macken” hätten …🙂 …? Ich darf gar nicht daran denken, wie lange ich schon überlege, mich zum ATHOS-Besuch anzumelden … (eigentlich nur wegen der Architektur) … aber wenn sie irgendwo in meinen Papieren “Religionszugehörigkeit: KEINE” entdecken, lassen sie mich wahrscheinlich sowieso nicht rein. Naja. Aber das mit dem Hellas-Kerzenanzünden muß sein, sonst fahre ich nämlich nicht wieder unbesorgt nach Hause …….

  3. Ich mach’ das auch meistens… Am liebsten in abgelegenen Kapellen auf Wanderungen. Und dabei bin ich auch nicht religiös.
    Aber nur, wenn die Kerzen die Aussicht haben, länger als 3 Minuten zu brennen (also z.B. nicht in der Panagia Evangelistria auf Tinos).
    Ich hab mir mal sagen lassen, dass die Kerzen auf der rechten Seiten für die Toten brennen, und die auf der linken Seite für die Lebenden (Oder war es andersrum?). Der Gedanke gefällt mir…

    Mit dem Athos, das ist ja leider nix für Frauen😦

  4. Bin nur zufällig auf diese tolle Seite gestoßen! Bin beeindruckt mal etwas über Griechenland zu lesen, was man sonst nicht liest. Fahre seit über 15 Jahren nach Griechenland und das mit den Kerzen mache ich auch jedes Mal. In BRD gehe ich so gut wie nie in Kirchen in Griechenland schon. Ich habe auch so meine Probleme mit dem Glauben, darum bewundere ich die Griechen, wie selbstverständlich das noch bei Ihnen ist. Weiß auch nicht woran das liegt, finde es lustig, dass ich nicht die einzige bin, die diese toll duftenden Kerzen anzündet in der Hoffnung, dass alles gut wird…
    LG
    Ulli aus München

  5. Auch meine Lebensgefährtin und ich haben mit der Kirche und Religion nix am Hut, aber in jedem Urlaub wird eine Kerze angezündet.
    Wir können den Grund nicht so recht nachvollziehen. Vielleicht ist es die mystische Ausstrahlung einer alten byzantinischen Kapelle oder Kirche ?
    Mein Kompliment zu den begeisternden Seiten.
    Frank

  6. Die Kerzen erinnern mich immer an meinen Freund Fernando/Ferdinand.
    Er lebte auf einer kleinen Anhöhe bei Katapola. Da er recht arm war und keine Elektrizität in seinem kleinen wunderschönen Haus besaß, nahm er sich oft die kleinen Kerzen aus der nahe gelegenen Kapelle. Kam man nachts nach Haus mit ihm, so bekam man beim Kapellenkerzenschein den Wein kredenzt, der ihm zum Verhängnis wurde.

  7. Ich nehme an, der Heilige, dem die Kapelle mit den geklauten Kerzen gewidmet war, wird es ihm doch verziehen haben.🙂 Oder hatte sein “Verhängnis” was damit zu tun? Wenn wir mobilen Kerzenanzünder das nächste Mal auf Amorgos unterwegs sind, legen wir in den Kapellen von Katapola alle ‘nen Euro oder so extra in die Kerzen-Kasse! Theo

  8. It is really interesting that Greece do also inspire a spiritual research!
    As for me, the flame of the candles represents the human hope to surpass its fragile destiny, determined by death. In other words, the desperate hope (this paradox makes the hole thing at the same time tragic and fascinating) to establish a more permanent, that is, an eternal relationship, with things, but mainly with persons beloved!
    Let me suggest you a magnificent book, written by a compatriot of yours, called Jurgen Moltmann!
    His book is “Theologie der Hoffnung. Untersuchungen zur Begrundung und zu den Konsequenzen einer christlichen Eschatologie”, Keiser Verlag, Munich, 1969.

  9. Yorgos, I have to say this: I not do not believe in God. No way. There is another reason for me to go to a Greek church: A lot of the Greek identity is related to religion, yes. I have Greek friends that vote KKE and still go to church (not only at Easter time) …

    If I go to a small Greek chapel somewhere in the countryside, I light a candle to communicate with the PEOPLE of Greece, not to communicate with God.

    If I light a candle, it means: YOU, the people of Greece, who built this church, and ME, we have something in common, we both love your country. And I hope to come back to you soon … and if you want to say, God made this country, it is OK with me.
    (But he didn’t, as far as I’m concerned. But let’s be friends anyway …)

    I hope you understand!
    Theo

  10. Ok! I understand your point of view. It is a long discussion anyway.
    But, your last photo speaks itself! Very artistic and emotional. Bravo.
    I hope that you did not consider me as a fondamentalist neo-christian.
    You know like the Bush’s way! (the ex american leader )

    Well, back to reality. I will very much appreciate if someone out there help me to get some useful information about Cologne, which i am planning to visit next month. A good, typical german, restaurant, a really good bar, things like that.

  11. Katharina,
    thank you for the information.
    I will ask Richi about Cologne. No, i did not know his website.
    Well, i suppose you are the Theo’s friend and Amorgos fan!
    You have also your own site, isn’t it ?

    Γειά σου καί ευχαριστώ καί πάλι.
    Γιώργος

  12. Nochmal ich… Theo wenn du wirklich vor hast, Athos zu besuchen, musst du dem Iannis (Klaus aus Löhne) einen Besuch abstatten. Der wohnt in Ouranoupolis, seit 2008 jedenfalls, er war auch schon mal im TV mit seinem Anwesen, er hats sich schön gemacht da vor dem heiligen Berg. Gefällt dir bestimmt! Oder kennst du ihn schon??
    Er war schon öfter auf Athos (er ist mittlerweile ja auch gr-orthodox, daher auch seine Namenswandlung von Klaus in Iannis)….

    schau dir seine Seiten doch mal an:
    http://www.griechenlands-himmelstadt.de/

    LG, Nicola

  13. Ich glaube, dass das Anzünden von Kerzen Ausdruck eines tiefen Bedürfnisses des Menschen ist. Wirklich beschreiben oder erklären kann man es wahrscheinlich nicht. Aber egal warum und wo man es tut, es gibt Kraft, unabhängig davon ob man etwas mit dem Glauben zu tun hat oder nicht.

    Margarita

  14. Seit wir damals 1985 auf Korfu dem heiligen Spyros eine Kerze angezündet haben, kommen wir immer wieder nach Griechenland und haben auch alle unsere Reisen ohne ernsthafte Zwischenfälle überstanden.
    Es hat schon was für sich, das Kerzenanzünden. Es ist Innehalten und Rückbesinnung.

  15. zum Thema Kerzen usw,
    Niels Bohr, der geniale dänische Forscher und weltberühmte Atomwissenschaftler – menschenscheu und allem Öffentlichkeitsrummel gegenüber mehr als abhold –
    hatte endlich die Zustimmung zu einem Interview mit einer kleinen Journalisten- gruppe gegeben. Nach dem Klingeln öffnete er die Tür und begrüßte freundlich die vor dem Eingang stehenden Reporter. Einem von ihnen war ein Hufeisen aufgefallen, das an den Türrahmen genagelt war. Er konnte sich die Frage nicht verkneifen: Glauben Sie denn an so etwas? Darauf Nils Bohr – laut lachend: Natürlich nicht! Aber die Leute hier sagen,- es hilft trotzdem.
    Ich bin so froh, dass ich auf theopedia gestoßen bin. Sollte eigentlich “theo-podia” heißen. Besonders in kalten Zeiten kann sich eine fernwehkranke Seele hervorragend beim Durchstöbern der Seiten erwärmen.

  16. Der Satz fällt mir nur gerade mal wieder ein: “Was könnte der Mensch alles schaffen, dachte ich, wenn er so viele Jahre zu leben hätte, wie es Sterne gibt! Aber die Jahre verlöschen eins nach dem anderen wie die Kerzen der Bauern in der Bergkapelle.”
    Thomas Nicolaou, 1968

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