Die Megali Idea und ein Dorf wie Livisi

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Tür der Taxiarchis Kirche in Livisi / Kayaköy
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“Es kommt ein Punkt im Leben, wo jeder Überlebende sich fühlt wie ein Gespenst, das versäumt hat, im rechten Augenblick zu sterben.” Louis de Bernières
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Platz vor der Taxiarchis-Kirche, 1986 noch völlig verwahrlost
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Nachdem ich vor kurzem gelesen habe, daß ein Drittel aller Deutschen nicht wissen, in welchem Jahr die Berliner Mauer Richtung Westen geöffnet wurde, und daß noch mehr Bundesdeutsche die Jahreszahlen des I. bzw. II. Weltkrieges nicht nennen konnten, komme ich mir etwas weniger blöd vor als damals … in dem Moment, als ich im März 1986 zum ersten Mal in den skelettartigen Resten der Stadt Livisi (Karaköy) südlich von Fethiye an der türkischen Ägäisküste stand. Vom griechisch-türkischen Krieg von 1922 wußte ich damals überhaupt nichts.
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Wir sollten uns doch mal diese “ghost town” oben auf dem Berg ansehen. Diese Stadt wurde früher nur von Griechen bewohnt, erzählte mir der türkische Campingplatz-Vermieter in Ölüdeniz. Aha. Und …? Wo sind die alle hin? Unser Vermieter hatte auch keine Ahnung. Er stamme ja auch gar nicht aus dieser Gegend hier, so entschuldigte er sich: “No idea. There was this exchange of people, once …”
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Keine Ahnung. So so. Schließlich hatte doch Kemal Atatürk dafür gesorgt, daß es in den türkischen Schulen einen gründlichen Geschichtsunterricht über die jüngste nationale Vergangenheit gab. Wenn es nicht gerade um die Kurden oder Armenier ging. Aber das mit der Vertreibung der Griechen war doch bestimmt ein Thema, oder?
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Blick auf Livisi/Kayaköy von Südwesten
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ALSO HIER EIN KURZER BLICK ZURÜCK: Das 1830 begründete Königreich Griechenland war noch sehr klein. Der Peloponnes, die Kykladen und das Festland bis zu einer Linie vom Golf von Arta (Ionisches Meer) bis zu den Sporaden (Ägäisches Meer) wurde vom Osmanischen Reich abgetrennt und war nun König Ottos Mini-Reich der Hellenen (1832, Vertrag von Konstantinopel).
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1864 kamen die Ionischen Inseln dazu, 1881 auf dem Festland die Provinz Thessalien und die gesamte Region von Arta.
1912 schlägt die bulgarisch-serbisch-griechische Allianz die Ottomanische Armee im Ersten Balkankrieg. Der Frieden in der Allianz dauert nicht lange, bereits 1913 vereinigen sich Griechen und Serben gegen die Bulgaren (Zweiter Balkankrieg). Griechenland wird wieder größer, Makedonien, das Epirus-Gebiet um Ioannina, Kreta und die ostägäischen Inseln kommen dazu.
1918 schlägt sich Griechenland etwas zögerlich auf die allierte Seite, kämpft dann gegen die mit Kaiser Wilhelm verbundenen Bulgaren an der makedonischen Front. Wieder wird Griechenland größer, im Vertrag von Sèvres von August 1920 fällt nun West-Thrakien an das Land, und für die Region Smyrna (aus dem inzwischen zerfallenen Osmanischen Reich) gibt es ein “vorläufiges” Mandat. Darüber soll später eine Volksabstimmung entscheiden.
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Die Volksabstimmung wollen die Griechen nicht abwarten. Das mit der Megali Idea (Μεγάλη Ιδέα) (alles, was mal byzantinisch war, soll nun nationalgriechisch werden) hat über die letzten Jahrzehnte so gut geklappt, jetzt wollen sie sich schnellstmöglich den Rest holen, die Gebiete am Schwarzen Meer, Kappadokien, die Stadt Konstantinopel …
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Die Griechen marschieren also in Anatolien ein. Aber die Türken unter General Mustafa Kemal (Atatürk) machen es wie zu den Zeiten, als Napoleons Armee locker quer durch die Weiten Rußlands marschierte, um dann kurz vor Moskau an mangelndem Rückhalt von hinten zusammenzubrechen! Die Türken lassen die Griechen zügig weit vorstoßen in Nordanatolien, und bremsen sie erst dort im August 1922 hart ab. Aber der griechische Nachschub ist noch längst nicht organisiert! Der Vormarsch der griechischen Front bricht zusammen, die Armee verliert innerhalb einer Woche ihre Waffen und ihre Euphorie, und flüchtet panikartig zurück zur Ägäisküste. Die Katastrophe des brennenden (bis dahin griechisch dominierten) Smyrna, in dem sich die Flüchtlinge (mit und ohne Uniform) zusammendrängten, ist das Symbol, an das man sich heute noch erinnert.
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1923 regelt der Vertrag von Lausanne die Folgen: Es soll ein Bevölkerungsaustausch stattfinden, alle 1.500.000 christlich-orthodoxen Griechen sollen die Türkei verlassen, alle 500.000 Muslime das griechische Territorium.
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(Beide Fotos GoogleEarth) An der Naheinstellung erkennt man den Unterschied zwischen dem landwirtschaftlich genutzten Tal und den Ruinen der Siedlung auf den Hängen (links von der Bildmitte: der Taxicharis-Kirchplatz).
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In Livisi lebten im Jahr 1914 noch mehr als 7000 Menschen in 3000 Häusern, zum größten Teil Griechen. (Man findet Angaben mit bis zu 25.000 Einwohnern, aber die beziehen sich vielleicht auf den ganzen Bezirk!) In Livisi gab es Schulen (auch für Mädchen), Ärzte und Geschäfte. Der Ort ist seit dem 13. Jahrhundert bekannt. Die Türken (die meist Landwirtschaft betrieben) wohnen unten im Tal, die Griechen (in Handel, Handwerk und Gewerbe aktiv) oben an den Hängen. Die Bezeichnungen Livisi und Kaya (Kayaköy, Kayakoyu) waren vor dem Bevölkerungsaustausch gleichberechtigt.
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Über die aus Livisi vertriebenen Griechen ist wenig bekannt. Die meisten haben sich still integriert. Sie sollen sich zum größten Teil in der Nähe des Golfs von Marathon niedergelassen haben, und zwar in der neugegründeten Ortschaft Nea Makri (Makri war der griechische Name von Fethiye, dem Nachbarschaftsort von Livisi).
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Das Cafe (der “Tea Garden”) in Kayaköy, 1987. Mehr als ein einziger Tisch ist nicht nötig. Aber es war vorsorglich schon mal etwas Platz für weitere Gäste betoniert …
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Fortschritt: Im Gegensatz zum Vorjahr durfte 1987 die Tochter des Wirts auch kellnern und kassieren.
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Barbaros Tanc hat (für eine Arbeit für die Universität Portsmouth, Quelle siehe Seitenende) im Jahr 1999 noch einen aus Livisi stammenden griechischen Zeitzeugen in Piräus aufgetrieben, Nikandros Kepesi (geb. 1914), KKE-Mitglied, ELAS-Kämpfer, Vizepräsident der Griechischen Union der Widerstandskämpfer (PEAEA), Schriftsteller und Parlamentsmitglied. Kepesi hatte im Alter noch einmal den Ort aufgesucht, in dem er als Kind gelebt hatte. (Tanc hatte bei seiner Feldforschung von ihm im Café in Kayaköy erfahren.) Es hat Kepesi sehr erschüttert, vor den Trümmern des Hauses seiner Familie zu stehen, und dort, wo der alte Friedhof war und seine Mutter begraben wurde. Was ihn noch mehr irritierte, war, daß dieser unbewohnte Ort zu einem Touristenziel geworden war.
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Tanc erinnert daran, daß zum Zeitpunkt des Bevölkerungsaustausches praktisch alle männlichen Griechen Livisi schon verlassen hatten, um Repressionen zu entgehen. Jetzt wurden ihre Familien, ihre Frauen und Kinder, mit Gewalt vertrieben. Sie wurden nur mit dem, was sie tragen konnten (und ohne Wertgegenstände), zum Hafen gebracht. Alle Haushaltseinrichtungen mußten zurückbleiben. (Die Familien sollten später in Griechenland für den Wert der Häuser entschädigt werden. Die Schiffe transportierten sie zunächst auf die Insel Kea, und von da aus auf das griechische Festland.) In die leeren Häuser von Livisi sollten Muslime aus Makedonien ziehen.
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“Heute erzählt man sich in Kayaköy, daß die Moslems aus Griechenland nicht in die verlassenen Häuser von Levissi ziehen wollten, weil es dort spuke. Inzwischen wird sogar Eintritt für die Besichtigung der toten Stadt verlangt. Der Wärter sitzt vor seinem kleinen Häuschen und hat ein geruhsames Leben. Wenn er seinen Blick über die Ruinen schweifen läßt, sagt er: “Das war wirklich überhaupt nicht gut, was den Menschen 1923 passiert ist.” Und dann hält er inne. “Anderseits kämen heute keine Touristen nach Kayaköy. So hat doch alles im Leben auch eine gute Seite.” Der Mann könnte glatt aus einem Roman von Louis de Bernières stammen.” (“Leben in der toten Stadt”, Iris Alanyali, welt-online 15.01.05)
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Kayaköy, mitten im verlassenen Ort. Daß sich die vertriebenen Bauern aus Makedonien hier fürchteten, wundert einen nicht.
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Tanc findet einen weiteren Zeitzeugen, Mehmet Gokce (geb. in Livisi 1909), der sich gerne an die Zeit vor 1922 erinnert, als Christen und Muslime noch friedlich gemeinsam im Ort wohnten. Sie vertrauten sich, halfen sich bei der Ernte, feierten gemeinsam (!) ihre religiösen Feste: “The muhacirs (Vertriebene aus Griechenland) burned the beautiful houses and destroyed the place while people from the surrounding villages and government watch them. Tax collectors and officials took all of the belongings of the orthodox Christians. We used to cultivate tobacco together, and everywhere there were beautiful grapes and figs. If Christians were still here, this place would be a paradise. …. We used to harvest together and visit each other in our religious festivities. There was trust then.”
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Gokce weiß noch von einem Besuch von exilierten Griechen etwa 25 Jahre nach der Vertreibung. Sie waren erstaunt über die sinnlosen Zerstörungen im verlassenen Ort, und darüber, daß die mittellosen Türken aus der Umgebung die Stadt nicht nutzen konnten. Die Griechen wußten nichts von Vandalismus, Brandstiftungen und Diebstählen bzw. von Beschlagnahmungen der Äcker durch örtliche Behörden, in der Regel zugunsten der Großgrundbesitzer. Und die nach Kayaköy verwiesenen muslimischen Flüchtlinge aus Makedonien wurden gewöhnlich mehr oder weniger subtil in der Ansiedlung behindert.
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“Although Muslim refugees from Greece left in an orderly way, the property that they had expected to occupy (houses and land vacated by the Orthodox Greeks) had been occupied by other Turks or destroyed. Many refugees as a result found themselves without food, clothing and shelter.” (Barbaros Tanc)
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März 1986, die Felder an der Panagia Pyrgiotisas werden bestellt.
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Der Bevölkerungsaustausch hatte große Schwierigkeiten, in beiden Richtungen: Die 1,5 Millionen oft völlig mittellosen Vertriebenen bedeuteten für den Staat Griechenland mit seinen damals nur 4,5 Millionen (!) Einwohnern eine riesengroße Belastung. Es kam auch noch die Übergangszeit und die Koordinationsschwierigkeiten der beiden verfeindeten Staaten als Problem dazu: Die meisten orthodox-christlichen Griechen haben Anatolien in kürzester Zeit verlassen, meist schnell nach dem Fall von Smyrna am 09.09.1922. Spätestens beim Vertragsabschluß über den Bevölkerungsaustausch im Dezember 1922 waren sie in Griechenland schon eingetroffen.
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Der Transport der Muslime aus Griechenland hinaus begann aber erst am 01.05.1923 – und dauerte acht Monate! In der Zwischenzeit hatte ein entvölkertes Dorf wie Livisi andere Interessen geweckt … einheimische Bauern übernahmen das freie Ackerland, Häuser wurden geplündert, korrupte lokale Behörden verschoben die Eigentumsverhältnisse. Als die Flüchtlinge aus Makedonien dann im Ort ankamen, standen sie vor großen Problemen. Sie waren meist Bauern aus dem makedonischen Flachland, die dort Weizen (!) angebaut hatten. In Livisi baute man jedoch Oliven, Feigen, Wein und Tabak an! Und es gab schließlich wenig freies Land, das die Griechen zurückgelassen hatten! Die Griechen von Livisi waren ja meist keine Bauern, sondern Händler, Lehrer, Handwerker! Die Differenzen zwischen den alteingesessenen türkischen Einwohnern des Ortes und den aus Griechenland Vertriebenen waren also erheblich. Viele der enttäuschten Vertriebenen verließen Karaköy nach kurzer Zeit. Und ließen Geschichten zurück über den “Spuk” in den verlassenen Häusern …
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1986/1987 wohnten nach meiner Einschätzung tatsächlich höchstens ein gutes Dutzend Bauernfamilien in den Tal-Lagen des “Spukortes”. Es war schwer zu schätzen … genutzte und ungenutzte Häuser unterschieden sich oft nur geringfügig. Die Bauern waren bitterarm. (Heute sollen dort 600 Personen sein.) Und die einzige Infrastruktur war der Stadtbrunnen und eine äußerst schlicht eingerichtete Teestube. Ansonsten herrschte ländliche  Stille. Kein einziges Auto. In der Kirche Panagia Pygiotisas tauchten 1987 jedoch plötzlich einige Bauarbeiter auf, denen ich damals eher zugetraut hätte, illegal die letzte Reste der Inneneinrichtung zu demontieren, statt sie zu restaurieren. Wahrscheinlich haben sie Touristen wie uns ja auch für potentielle Plünderer gehalten …
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Frühjahr 1987: Die alte Kirche zwischen den Äckern
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Die Dimensionen der Kirche erinnern an eine größere orthodoxe Gemeinde …
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… aber plötzlich ist die Totenstille in der Ruine vorbei: Bauarbeiter!
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Heute steht Kayaköy (Livisi) unter Denkmalschutz. Die UNESCO hat Karaköy zum “World Friendship And Peace Village” erklärt. Es gibt übernationale Einrichtungen, die dort aktiv sind, und ebenfalls ein Museum. Und es hat sich sogar eine Art Karaköy-Ausflugstourismus entwickelt, der in der Stadt sogar ein paar “traditionelle” Restaurants und ein paar Läden unterhält.
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Nur ein tradionelles Lokal in Karaköy 1986
, aber auf Touristen war man schon eingestellt: Nach links bitte!
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Louis De Bernières (der Author von “Corellis Mandoline”) hat sich von Karaköy für seinen Roman “Birds Without Wings” (Traum aus Stein Und Federn, 2005) inspirieren lassen. Der Ort ist das Vorbild für das Dorf Eskibahce in seinem Buch:
“(…) the town of Eskibahce, whose Greek name in the Byzantine age was ‘Paleoperiboli’, slumbers on in death, without an epitaph, and with no one to remeber it. When the town was alive, the walls of the houses were rendered with mortar and painted jaintily in dark shades of pink. Its steeets were so narrow as to be more like alleyways, but there was no oppressive sense of disclosure, since the buildings were stacked up one slope of the valley, so that every dwelling received light and air. In truth, the town seemed to have been marvellously designed by some ancient genius whose name has been lost, and there was probably no other place like it in all of Lydia, Caria or Lycia.” aus: Louis de Bernières, Birds Without Wings, (7) The Dog.
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Die wichtigste Quelle für diesen Text: Barbaros Tanc “Where local trumps national: Christian orthodox and Muslim refugees since Lausanne”, in Balkanologie, Vol. V, Nr. 1-2, Dezember 2001:
http://balkanologie.revues.org/index732.html
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9 comments

  1. Toll, dass mal jemand darüber schreibt. Viele Türkei-Reisende sind sich nämlich darüber nicht bewusst. Ich wusste zwar schon einiges über die “kleinasiatische Katastrophe”, nun wurden aber noch einige Lücken gefüllt.
    Vielen Dank Theo!
    LG
    Ulli

  2. Sehr bewegend geschildert. Ich will nicht das Haar in der Suppe suchen, aber einige kleinere Unkorrektheiten habe ich gefunden:

    “Die Volksabstimmung wollen die Griechen nicht abwarten.” ist nicht korrekt. Die Moslems unter ihrem neuen Führer Atatürk haben den Vertrag von Sevres nicht akzeptiert und der Vorstoß bis Ankara war der Versuch die Rebellen unter Atatürk zu bändigen.

    Etwas unglücklich formuliert ist: “Die Türken lassen die Griechen zügig weit vorstoßen in Nordanatolien, und bremsen sie erst dort im August 1922 hart ab.” Vielmehr war es so, dass die Türken vor Ankara nach vielen Niederlagen vor dem Ende standen und es hauptsählich der Unfähigkeit der griechischen Militärführung zu verdanken ist, dass sie sich aus der Auswegslosen Situation retten und letzten Endes den Krieg gewinnen konnten.

    Den nach den Wahlen 1920 bei denen die Anhänger Konstantins gewannen, würde die gesammte kriegserfahrene Militärführung durch neue, königstreue Offiziere ersetzt. Das Ergebnis ist bekannt.

  3. Zitat aus Ludwig Ross: „Kleinasien und Deutschland“, Halle 1850. Ross kannte ja nicht nur alle Inseln der Ägäis, er war auch auf dem Festland im Westen und Osten unterwegs. In Levissi (Livisi) war er auf seiner Kleinasienreise im Juni 1844:

    „Da wir am folgenden Tage Schwierigkeiten fanden, hier Pferde zu erhalten, so ritt ich Nachmittags nach dem Dorfe Levissi (d. h. auf Türkisch Fels), das südlich von Telmessos im Gebirge des Antikragos liegt, oberhalb des alten Küstenortes Karmylessos). Der Weg führt hinter der Akropolis durch eine schöne bewaldete Schlucht aufwärts, dann über kahle steinige Höhen. In zwei Stunden erreichte ich den Ort, am östlichen Ende einer ausgedehnten fruchtbaren und vortrefflich angebauten Kesselebene, mit vierhundert Griechischen und hundertundzwanzig Türkischen Häusern.

    Dies ist auf der ganzen weiten Strecke von Attaleia bis Muhla die größte Ortschaft und der einzige wohlbestellte Fleck Landes; er zeigt, was aus den Ebenen von Myra und Kassabah, von Xanthos, Tlos und Makri, und aus so vielen kleinen Gebirgsthälern werden könnte. Hier sind lachende Fruchtgärten, stattliche Häuser, reinliche, wohlgenährte Menschen — das Ganze wie eine Oase in der Wüste!

    Beim Aga, einem artigen in der Hauptstadt erzogenen Türken, der durch eine Heirath hier ansässig geworden ist, traf ich auch den Griechischen Primaten des Ortes. Sie waren eben mit Erhebung der Steuern beschäftigt, und beide klagten über die drückende Höhe der Abgaben, deren Betrag in der Türkei an den einzelnen Orten sehr verschieden ist, je nachdem Willkür oder Zufall, Gunst oder Ungunst der Regierenden sie festgesetzt haben. Der Aga sagte mir, daß sein District, der außer diesem Dorfe noch etwa zweihundert Familien, im Ganzen gegen viertausend Seelen umfaßt, jährlich, den Zehnten ungerechnet, in baarem Gelde 250.000 Piaster (16,000 Preußische Thaler) zahlen müsse, was für einen so abgelegenen Winkel Asiens gewiß eine drückende Besteuerung ist. Diese Ueberschätzung rührt her aus der Zeit, wo der bekannte Tahir-Pascha Gouverneur von Aidin und sein Sohn unter ihm Kaimakam von Muhla war. Alle Gesuche um eine billigere Besteuerung blieben bis jetzt ohne Erfolg.

    Daher wünschen viele der Bewohner heimlich den Ort zu verlassen und sich in andere Gegenden des Reiches überzusiedeln, wo die Steuern minder drückend sind, aber die Wachsamkeit ihrer eigenen Dorfgenossen, der Griechen wie der Türken, verhindert dies; denn wenn es einigen Familien gelänge, zu entfliehen, so würde ihre Steuerquote auf die Zurückbleibenden vertheilt werden müssen. Mit einem solchen Verwaltungssystem wird die Pforte, wenn sie noch zwanzig Jahre besteht, es dahin bringen, daß auch dieses einzige noch blühende Dorf in Lycien zu einer Wüstenei wird, wie die übrigen es längst geworden sind.

    Ich schied erst spät von dem freundlichen und verständigen Aga, dessen feine Manieren ihm in der besten Gesellschaft einen Platz hätten anweisen können.“

  4. … “The dominant concept in school is that Greeks invented everything at the time when the rest of humanity was perched on trees, eating acorns,» he said.
    Golden Dawn has taken a strong hand in enforcing the teaching of «accurate» history in schools. The group denies that students were killed by security forces inside the Athens Polytechnic in 1973, a seminal event considered to have hastened the downfall of the army dictatorship then ruling the country. And its leader Nikos Michaloliakos has publicly complained that Greek media are ruled by a «Red junta». …

    Aus: Greeks schools “fertile ground for neo-Nazis” (Catherine Boitard). Hier der komplette Text:
    http://www.ekathimerini.com/4dcgi/_w_articles_wsite6_1_06/12/2012_473327

  5. Livisi was burned by the Turks who slaughtered some 1800 Greeks there, women and children whose bones an old Turk was still collecting in 1996 on a wheel borrow and piled them in the ruined church. When asked why no one lives here now (1996) he replied: “because voices and cries of women and children are heard in the night”.
    Livisi is a reminder of the evil Turkish atrocities against the Greeks.
    The Turks never stop their evil plans and deeds against the Greeks. They are brilliant with their propaganda and their smiles to visitors

  6. Wenn es Livisi mal in die Medien schafft, hat das kaum was Gutes zu bedeuten. Es hat jetzt eine Ausschreibung in der Türkei gegeben, mit der das Dorf “wiederbelebt” werden soll.
    Ein Hotel mit 300 Betten und den entsprechenden sonstigen Einrichtungen soll entstehen, eine Reihe von Swimmingpools sollen gebaut werden, ein Drittel des unbewohnten Dorfes soll dabei genutzt werden. Verpachtet für 49 Jahre ab sofort.
    Da regt sich so mancher Protest, aber in der Türkei hat Protest wenig zu bedeuten (besonders wenn die Bau-Industrie betroffen ist). “Livissi/Kayakoy ist ein Architektur-Museum!” sagt Hilal Alynak, der die Architekten-Kammer von Fethiye leitet.
    Immer noch leben nur sieben türkische Familien im Dorf. Die Taxiarchis-Kirche (Fotos ganz oben) ist inzwischen gesperrt, lediglich das Brunnenhaus (von 1912) wurde renoviert.
    Der Artikel stammt von GIORGOS LIALIOS – und enthält ein Interview mit Despina Mavrikou, die aus Nea Makri (östlich von Athen) stammt, wohin die meistens Flüchtlinge aus Livissi zogen. (Makri ist der alte griechische Name von Fethiye.)

    http://www.ekathimerini.com/4dcgi/_w_articles_wsite6_1_03/10/2014_543170
    Das Video im Text:

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