Edward Dodwell: Views in Greece 1821 (1)

Dodwell Vathy Ithaka
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Vathy, Ithaka – laut Dodwell berühmt für seine Rosinenproduktion, und für einen Wein, der so gut und gefragt ist, daß man ihn selbst auf der Insel kaum kriegt. Ach ja, da war früher auch noch was mit diesem Odysseus …
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Edward Dodwell, 1767 in Dublin geboren, besuchte das Trinity College in Cambridge. In den Jahren 1801, 1805 und 1806 war er einer der Pioniere, die das damals noch unter osmanischer Herrschaft stehende Griechenland bereisten.
Dodwell blieb dem Mittelmeerraum verbunden und lebte später in Italien. 1832 starb er in der Nähe von Rom.

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Von den Griechenlandreisen entstanden zwei umfangreiche Bände
mit den Reisebeschreibungen:
„A classical and topographical tour through Greece
during the years 1801, 1805 and 1806“

Vol. 1 + Vol. 2, Rodwell & Martin / London, 1819
Zwei Jahre später folgte der Bildband „Views in Greece
mit einer Auswahl von 30 farbigen Abbildungen.
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Dodwell hatte unterwegs über 1000 Zeichnungen angefertigt, die zu einem kleinen Teil (als Stahlstiche) in seinen ca. 1200 Seiten umfassenden Reiseschilderungen erschienen sind. Die Abbildungen in den beiden Bänden sind jedoch nur kleinformatig und oft nicht von allzu großer Qualität.
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Auf zwei Seiten sind hier alle 30 Abbildungen aus „Views in Greece“ dargestellt, flächenmäßig zwar verkleinert, aber in einer Größe, die noch genug erkennen läßt von den Details.
Nicht vergessen: Sie können die Seite mehrfach vergrößern – im Menu “Ansicht” – durch die Zoom-Einstellung!

(Was das Format angeht: Dodwell entschuldigt sich schon für das Originalformat seines Buches, denn da seien schon einige Details der Originalbilder nicht mehr gut zu erkennen.)
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Teilweise übertrage ich in stark gekürzter Form einige von Dodwells Anmerkungen, die im Buch in französischer und englischer Sprache die Abbildungen erläutern.
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Dodwell Crisso
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Dinner in Crisso, Empfang am Bischofssitz von Salona.
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Crisso ist das heutige Krissa, in der Nähe von Delphi, mit Blick auf den Golf von Korinth. Links der Bischof, vor ihm ein griechischer Bauer, der erst den Boden, dann die Hände des Bischofs küssen darf, bevor er sein Anliegen vorbringt. Ja, das waren noch wunderbare Zeiten für den Klerus …
Vor und nach dem Essen wurden die Hände oberflächlich mit Wasser gereinigt (wie dargestellt). In der Mitte des Zimmers der niedrige runde Tisch mit Mittelfuß. Serviert ist Pilaw mit Fleisch. Rechts tritt die albanische Bedienung ein, mit gebratenem Geflügel.
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Dodwell Kastalia Delphi
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Die Kastalia-Quelle bei Delphi, inzwischen von einem Erdbeben zerstört. Rechts neben der Quelle die kleine Agios Ioannis Kapelle. Archäologen vermuten, daß das Quellwasser für die Pythia reserviert war. Da die Wahrsagerin und ihre Assistentinnen das mit Treppenstufen versehene Becken unterhalb der Quelle auch zum Baden benutzten, vermutet Dodwell, daß das Becken gegen die Blicke Außenstehender mit Stellwänden und Dach verdeckt war. (Naja, so hätte man das um 1800 im katholischen Irland jedenfalls gemacht …)
Zu Dodwells Zeiten lag das alte Delphi noch verborgen unterhalb des Dorfes Kastri.
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Dodwell Parnassus
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Das Parnassus-Massiv, aus Südosten, vom Dorf Davlia (Daulis) aus gesehen.
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Dodwell Orchomenos
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Ruinen der Akropolis von Orchomenos in Böotien. Im Vordergrund albanische Christen am Ufer des Kifisos, der früher in den nun trockengelegten Kopais-See mündete.
(Orchomenos zeigt heute noch die 1972 freigelegten Reste eines antiken Theaters, mehrere Kirchen aus byzantinischer Zeit und ein Kuppelgrab aus der Zeit um 1400 v.Chr. – es ähnelt dem „Schatzhaus des Atreus“ in Mykene.)
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Dodwell Kalavathron
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Kalabathron (Kalavothren), am ehemaligen Kopais-See. (Hier flossen Wasser aus dem See durch Karsthöhlen und –gänge nach Osten. Der Ort liegt ganz in der Nähe der Autobahn E75.)
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Dodwell Akropolis Parthenon
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Athen, Akropolis, Parthenon, aus Richtung der Propyläen. Damals war die Akropolis noch dörflich besiedelt, in erster Linie von Familien des osmanischen Militärs.
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Dodwell Akropolis Athen
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Das türkische Dorf auf der Akropolis. Idyllisch, nicht? Rechts der Parthenon-Tempel und in der Mitte das Erechtheion, mit den Karyatiden.
Im Parthenon erkennt man noch das Dach der eingebauten Moschee! Die Osmanen nutzen den Tempel ursprünglich als Munitionslager. 1687 wurde die Akropolis von den Venezianern belagert und der Tempel beschossen. Die gewaltige Explosion schuf den Freiraum für die Moschee. Übrigens wurde der Tempel im 6. Jahrhundert in eine Kirche zu Ehren der Panagia umgewidmet.
Falls Sie mal auf einer Reise durch die USA sind, in Nashville gibt es eine hübsche Nachbildung des Parthenon, 1920-1931 als Museum errichtet, hauptsächlich aus Beton, im Centennial Park, ebenerdig, leichter Zugang für Fußgänger. Wieso hat nur Las Vegas diese Chance verpaßt? Ein Spiel-Casino paßte doch auch gut in so einen Pseudo-Tempel …
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Dodwell Kayatiden
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Die Karyatiden (im „Pandroseion“) an der Südwestecke des Erechtheion-Gebäudes. Dodwell: Ursprünglich waren es mal sechs Säulendamen, eine ist zu unbekannter Zeit mit unbekanntem Ziel entfernt worden, und seit 1801 fehlt die zweite. (Lord Elgin schaffte sie ins Britische Museum und ersetzte sie durch eine Steinsäule.) Links im Hintergrund eine türkische Musik-Kapelle, die jeden Tag um 15 Uhr auf der Akropolis spielte.
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Dodwell Turm der Winde
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Athen, Turm der Winde, Blick ins Innere durch den Eingang. Über dem Eingang die Inschrift, daß es keinen Gott gibt außer Allah, und daß Mohammed sein Prophet sei. Wieso das? Der achteckige Turm der Winde wurde damals noch als Moschee der Tanzenden Derwische genutzt. Man beachte die auf der Türschwelle ordentlich abgestellten Pantoffeln …
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Dodwell Tanz der Derwische
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Turm der Winde, Tanz der Derwische. Jeden Freitag tanzen hier die Derwische den „Semà“, begleitet von Trommeln, bis zur Ekstase. Laut Dodwell dürfen auch andere Muslime (Männer) zeitweise am Tanz teilnehmen.
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Dodwell Athen Basar
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Athen, Basarstraße. Eins der bekanntesten Bilder von Edward Dodwell. Im Vordergrund sehen wir prominente Händler und Kaffeehauswirte, die der Zeichner portraitierte. Hinten, auf der Akropolis, steht rechts noch der „fränkische Turm“ aus dem 14. Jahrhundert über den Propyläen. (Der Turm wurde 1875/1876 abgerissen.)
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Dodwell Athen Stadttor
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Athen, Stadttor in der Nähe des Hadriansbogens. Um die unteren Stadtbezirke Athens wurde 1780 eine Stadtmauer gezogen, um den Ort vor plündernden Piraten und Banditen zu schützen. Hinter dem Stadttor sieht man einen von den Türken gebauten Brunnen.
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Dodwell Athen Ilissos
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Athen, der Tempel des olympischen Zeus (Jupitertempel) und der Ilissos im Vordergrund.
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Dodwell Athen
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Blick auf Athen von Osten. Man kann sich kaum noch vorstellen, daß sich die Stadt um 1800 nur im unmittelbaren Schatten der Akropolis ausbreitete. Aber immerhin konnte man damals noch auf dem Festungsberg wohnen (siehe oben)!
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Dodwell Sunium Poseidon
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Der Poseidon-Tempel am Kap Sounium, von Südosten.
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2 comments

  1. Sorry, ich habe oben geschrieben, in „A classical and topographical tour through Greece during the years 1801, 1805 and 1806“ seien STAHLSTICHE enthalten. Falsch. Es sind in den beiden Bänden 65 Kupferstiche und 48 Holzstiche.

  2. Noch eine Nachtrag: Ich hatte oben geschrieben, Dodwell hätte unterwegs 1000 Zeichnungen angefertigt. Richtig ist – der Altphilologe Dodwell hatte nur 400 Zeichnungen angefertigt! Dodwell hatte einen Zeichner aus Rom mitgebracht (Simone Pomardi), von dem etwa 600 Arbeiten stammten.

    Dodwell schreibt in “A classical and topographical Tour through Greece” (VIII-IX): “In the execution of the drawings, the Author was happy to avail himself of the genius and the industry of Signor Pomardi, a Roman artist, who accompanied his Tour, and who completed no less than six hundred views of the country, its scenery, and antiquities. Besides these, four hundred other drawings were made by the Author himself.”

    Pomardi war wohl auch der Portraitmaler, für den sogar die griechischen Wegelagerer und albanischen Piraten-Chefs Modell saßen. Diese Bilder gelangten nicht in Dodwells Reisebuch. Außerdem sollten ursprünglich 60 Farbstiche in den großformatigen Bildband, nicht nur 30. Da hat der Verlag dann wohl etwas gespart …

    Dodwell was a talented amateur who signed many of the watercolours and drawings, even though some of them he worked on with Pomardi; others were Pomardi’s own work. Many of them were engraved in Dodwell’s own published accounts of his travels in 1819 A Classical and Topographical Tour Through Greece, During the Years 1801, 1805, and 1806. A few drawings exist in other collections, but the majority, over 800 in total, remained in the possession of Dodwell’s Irish descendants (…)” schreibt das British Museum 2013.

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