Roussanou Kloster

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Das kleine Roussanou-Kloster wurde im 13. oder 14. Jahrhundert gegründet. Da es an der auffälligsten Stelle mitten in der Meteora-Region liegt, war es trotz seiner Höhenlage ständig Ziel und Opfer von Überfällen und Plünderungen. Im Jahre 1940 wurde es aufgegeben, aber bereits in der 50er Jahren wurde es wieder genutzt. Heute ist es ein Frauenkloster – es ist zu besichtigen. Viel zu sehen gibt es im Kloster nicht, aber die Aussicht ist atemberaubend.
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Der berühmte Orientreisende Robert Curzon (“Visits to Monasteries of the Levant”, London 1850) hatte leider keine Chance, ins Roussanou-Kloster hineinzukommen. Die Strickleiter war hochgezogen, und es waren nur zwei Nonnen im Kloster, die seinen hohen Besuch verweigerten (“the monks were all out and they declined the honour of our visit”).
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Da halfen weder Schmeicheleien noch Flüche:
“We used all the arguments we could think of, and told the gentlewomen that they were the most beautiful creatures in the world, but all to no purpose. (…) Finding there were no hopes of getting in, we told them they were the ugliest old wretches in the country, and we would not come near them if they asked us upon their knees …”
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Daß sich Mönche und Nonnen, bzw. “Frauen”, die Meteora-Klöster teilten, war nicht ungewöhnlich. Hinter der Zugbrücke von Hagios Stephanos findet es Curzon so: “In this monastery there were thirteen or fourteen monks and several women.” Auch hier sucht er nach alten wertvollen Handschriften. Die Möche lassen ihn in ihre geheime Bibliothek, wo er aber nur 150 Bücher ohne Wert findet. Es gab hier also völlig andere Werte als auf dem Athosberg.
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Am Athos trifft Curzon einen alten (!) Mönch, der in seinem ganzen Leben noch nie eine Frau gesehen hat, von der Panagia auf den Ikonen mal abgesehen. Er war als Kleinkind bei einem Massaker gerettet worden und auf dem Berg aufgewachsen, ohne ihn jemals wieder verlassen zu haben: “He did not remember his mother, and did not seem quite sure that he ever had one; he had never seen a woman, nor had he any idea what sort of things women were, or what they looked like.”

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Roussanou, im Hintergrund rechts Kalambaka im Flußtal.

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Roussanou (noch ohne die Neubauten auf den ehemaligen Garten-Terrassen unterhalb des Klosters), im Hintergrund links das Kloster Agios Nikolaos Anapavsas.

Am Anfang des 19. Jahrhunderts sieht es mit dem Damenbesuch auf Meteora ganz anders aus:

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Fred von Bohlen-Hegewald ist in den 1930er Jahren mit einem selbstgebauten geländegängigen Auto (auf ein Lkw-Fahrgestell montiert, mit einem Flugzeugmotor!) und einer umfangreichen Filmausrüstung Richtung Iran unterwegs. (Diese Art Expedition durch den Balkan und Anatolien war zwischen 1920 und 1960 recht populär. Es entstanden wildbewegte Reiseberichte, die um ihres Werbeeffekts auch häufig von der Autoindustrie gefördert wurden.)
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Bohlen-Hegewald will in den Meteora-Klöstern Szenen für seinen Reisefilm drehen. Er kauft in Kalambaka Vorräte ein, lebende Hühner, Kaninchen, Reis, und Zigaretten, als Gastgeschenk. Als er sich mit einem Maultier voller Gepäck Richtung Kloster aufmacht, wird er sofort aufgehalten. Die Verkäuferin nimmt ihm die Hühner ab, und tauscht sie um. Der Drogist von Kalambaka klärt ihn auf: “Sehen Sie, die Frau hat nicht gewußt, daß Sie auf die Klöster wollen. Da oben ist nicht nur Frauen der Zutritt verboten, sondern um an nichts an die Weiblichkeit erinnert zu werden, lassen sie auch kein weibliches Tier hinauf. Deshalb hat sie ihnen jetzt die drei Hähne gegen die Hühner eingetauscht.”
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Als er das erste Kloster erreicht, erlebt er, wie gerade ein armenischer Besucher hinausgeworfen wird, der einen Hund mit sich führt. Warum? Weil der Hund eine Hündin ist …!
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Und eine Touristin (!) sei kürzlich zu spät als Frau entdeckt worden … gerade als sie im Netz zu einem Kloster hochgezogen wurde. Die Mönche hätten sie eine Nacht lang auf halber Strecke hängen gelassen, bevor sie sie wieder herunter gelassen hätten …

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Er erfährt, daß ein Mönch mit sechs Wochen Gefängnis dafür bestraft wurde, weil er ein Frauenbild in seiner Zelle versteckt hatte: “Nur sechs Wochen”, erzählte mein Klosterführer, “weil die Frau auf dem Bild sehr schlank war. Wäre sie füllig gewesen, dann hätte er mindestens ein halbes Jahr bekommen.” Das ganze (wenn es denn wahr ist) klingt so, als wäre es bei den Sexual-Neurotikern auf dem Berg Athos passiert …
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Bohlen-Hegewalds selbstgebauter motorisierter Untersatz
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“Schleier, Fez und Turban”, Fred von Bohlen-Hegewald, Berlin 1939
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Und nebenbei … dieses Schild hat in einem engen Talkessel, der Freizeit-Kletterer und “Echo-und-Jodel-Freunde” gleichermaßen fasziniert, schon einen guten Grund:
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3 comments

  1. Wenn man das Titelbild des Lonely Planet Reiseführers “Griechenland” (2012) ansieht – da sind knapp unterhalb des Klosters massive Neubauten entstanden, samt eines Treppenhaus-Turms (samt Aufzug?) zum Hauptgebäude.
    Haben sich die Nonnen beim Bischof von Limburg was abgeguckt?
    Finanz-Krise hin, Finanz-Krise her, die Kirche hat ja in so was nie eine Krise …

    http://shop.lonelyplanet.de/lonely-planet/europa/griechenland-4-lonely-planet-reisefuehrer-reisefuehrer_pid_783_19160.html

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