Verharren im Diesseits – Staglieno 1

Cimitero Staglieno Luftbild
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Der einzigartige Friedhof von Genua: Cimitero di Staglieno
(1) Ältester Teil, seit 1851 belegt; Grabfelder und Säulengänge.
(2) Erweiterung mit halbkreisförmigem Kolonnadenbogen, um 1890 errichtet.
(3) Zentraler Teil; Galerien mit der Pantheon-Kirche (1861-1878).
(4) nur teilweise im Bild: Der bewaldete Hügel; freistehende Gräber und Mausoleen.
(5) nur teilweise im Bild: Der protestantische, orthodoxe und jüdische Friedhof; die Grabfelder für die Toten der Weltkriege und der faschistischen Afrikakriege.
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Unten der Bisagno-Fluß, der meist nur im Winter Wasser führt. Fünf Kilometer vor seiner Mündung ins Meer lag das Dorf Σταλìα (Stalia, heute Staglieno), aus dessen Hafen-Siedlung sich später Genua entwickelte. Der Fluß ist nur 30 Kilometer lang, fällt dabei aber von der Höhe der Quelle um 850 Meter ab und führt so häufig zu plötzlichen Überschwemmungen.
Foto: Google Earth
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Eros Thanatos
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„Genua. Man geht hier auf Marmor, alles ist Marmor: Treppen, Balkone, Palais … Genua ist eine ganz aus Marmor errichtete Stadt, mit Gärten voller Rosen. Eine Schönheit, die die Seele zerreißt.“ (Gustave Flaubert, 1845)
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So schön sich auf Tinos (und anderswo, Pentelicus, Carrara) zeigen läßt, wie der Rohstoff gewonnen wird, so läßt sich am besten ganz woanders zeigen, wie das „Endprodukt“ verarbeitet und präsentiert wird. Nehmen wir mal Genua (obwohl Tinos sich eher mit Venedig verbinden ließe).
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Ja, Flaubert hat recht, die Stadt ist voller Marmor, besonders die alten Paläste aus dem 16. und 17. Jahrhundert in der Via Garibaldi (Strada Nuova) und Via Balbi zeigen das.
(Für die Renaissancepaläste wurde übrigens das damalige Rotlichtviertel komplett abgerissen. Ja, Genua ist eine Hafenstadt …)
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Nur … die Straßen sind eng (alles ist eng in Genua), an den Fassaden ist nicht viel gestaltet worden. Da man ja nirgendwo genug Abstand davon gewinnen konnte, um sie zu bewundern. Lediglich die Portale sind besonders aufwendig gestaltet. Und natürlich das, was dahinter liegt, die Treppenhäuser, die repräsentativen Hallen, die parkähnlichen Gärten mit ihren Brunnen. Nur … die wenigsten dieser Gebäude sind für den Reisenden zugänglich.
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Staglieno Gesamtansicht
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Der Friedhof von Staglieno am Ende des 19. Jahrhunderts.
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Aber in die Paläste wollen wir ja auch gar nicht. Wir wollen … auf den Friedhof! Hier reichten sich Eros, Thanatos und die Bauspekulation die Hände: In den Kolonnaden des seit 1838 geplanten und 1851 eröffneten Friedhofs im Osten der Stadt kostete es ein kleines Vermögen, eins der aufgereihten Grabgewölbe zu erwerben.
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Staglieno Säulengang
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Kolonnadengang
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Selbst eine Bestattung in einem kleinen Fach der Kolumbarien (sehen aus wie die „Schließfächer“ im Bahnhof …) waren am Ende des 19. Jahrhunderts schon mindestens 500 Lire (umgerechnet auf heute circa 3000 €) fällig. Von den Forderungen des Bildhauers für die äußere Gestaltung des Grabes mal ganz zu schweigen …
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Marmorträne
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Bürgerlicher Realismus im Friedhof von Staglieno: Witwenträne, die nach dem Eintreffen der Bestattungsrechnungen fällt …
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Dabei waren für den Bau des ersten Teils des Friedhofs nur 44.000 Lire verplant gewesen!
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Todesengel Staglieno
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Todesengel mit Sense, Sanduhr und Grundbuch der Genueser Friedhofsverwaltung …
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„The Campo Santo (Public Cemetery) at Staglieno, in the valley of the Bisagno, is open daily from 10 A.M. until sunset. It was designed in 1838 by (Giovanni Battista) Resasco, and has cost about 44.000 lire. It consists of a grand quadrangle surrounded by a cloister (Kreuzgang), in which are arranged the vaults (Grabgewölbe) and monuments of the wealthier classes. In some cases a vault costs 1500 lire. Only the poor are placed in the ground; the rest occupy receptacles (gemauerte Grabstätten/Kolumbarien) for which the lowest sum charged is 500 franc.”
Handbook for Travellers in Northern Italy, John Murray/London, 1903
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Lira und Franc waren seit der Gründung des Königreichs Italien 1861 – bzw. seit der ‚Union monétaire latine‘ von 1865 – gleichwertig. Griechenland trat der Münzunion mit der Drachme später auch bei.
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Säulengang altes Foto
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Einer der geräumigen Säulengänge am Ende des 19. Jahrhunderts … als noch nicht so viel Staub und Ruß wie heute die Statuen einfärbte.
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Staglieno Treppenhaus
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Die Genueser sind die Enge gewöhnt, auch auf dem Friedhof. Hier wird auch auf dem Treppenabsatz bestattet.
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Staglieno untere Etage
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Und man muß natürlich auch in die Tiefe bauen. Gut, unten ist es immer finster und eher unheimlich, aber …
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Staglieno Sperrung
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… wegen möglicher Unfälle wird von der Verwaltung vorgesorgt. Wer will schon auf dem Friedhof durch eine defekte Grabplatte stürzen und sich das Genick brechen?
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Schutzengel Erzengel
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Und denken Sie daran: Schutzengel sind nicht immer weiblich!
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Staglieno Totenschädel
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… was jedoch nicht geklärt ist: Wer hat den Totenschädel aus dem Sarg genommen, auf dem der Engel sitzt?
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