Retsina (oinos petrelaion)

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Eine Malamatina-Pfandflasche, mit Kronkorken verschlossen. (Ein preiswerter Spaß: Landweine in Halbliterflaschen kosten ca. 1,50 Euro im Supermarkt. Trotzdem wird Bier immer populärer in Griechenland.)

Die Geschichte des Retsina ist so alt wie die Freude und die Klagen darüber … und die Frage, WARUM das Harz der Aleppokiefer in den Wein aus Savatiano-, Rhoditis- oder Assyrtiko-Trauben gerät, haben sich seit der Antike schon viele Leute gestellt.


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Baedeker GRIECHENLAND, 1904: “Der Grieche hat ein heiteres, frohes Gemüt. Er liebt die Geselligkeit und den Tanz, ist aber ein Feind der Ausgelassenheit. Auf dem Lande herrscht eine unglaubliche Bedürfnislosigkeit. Eine Hand voll Oliven, ein Stück schlechten Brotes, ein Glas rezinierten Weines dienen dem griechischen Bauer als Mittagsmahl.”

Murray’s Handbook GREECE, 1907: “The country wine in the interior of Greece is resinous, and scarcely drinkable at first by the foreigner. It is the custum to add to it resin, now as of old, whence, according to Plutarch, the Thyrsos of Bacchus was ornamented with a pine-cone. This mixture is said by Pliny to favour the preservation of the liquor, and also to impart to it medicinal qualities. As a matter of fact, however, there is no “mixing” at all. The resin is put into the must, in order that its oil, by mounting to the surface, may keep out the air, and thus preserve a light wine from turning sour – much as olive oil is employed for the preservation of Chianti, and other Italien wines. Naturally the wine becomes impregnated with the resin, but the Greeks have grown so accustomed to the flavour that they will drink nothing else, and resinous wine is said to be extremely wholesome. Strangers, especially Germans (!), sometimes acquire this curious taste, but to the majority of English travellers it is intolerable.”

“The wine however, all over Attica and the Peleponnesus, is strongly resinous, and most travellers will find it undrinkable. Wine is almost a necessity while roughing it in the wild parts of Greece, and the traveller is strongly recommended to carry a supply from Athens, even at the expense of an extra mule. Corinth, Kalamata, Olympia, Patras, Pyrgos, Tripolitza, Nauplia, Laurion, Chalcis, Lamia, Larissa and Volo are the only provincial towns where unresinated wine can be obtained.”

Ja, da wird dem Griechenland-Reisenden noch empfohlen, ein mit “echtem” ungeharztem Wein beladenes Maultier bei der Reise mitzuführen, um unterwegs nicht zu verdursten …

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Vor 1960 kannte praktisch noch niemand außerhalb der Grenzen Griechenlands den resinierten Wein. Und in allen alten Griechenland- Reisetagebüchern findet man eine meist abfällige Meinung darüber. Der irische Altertumsforscher Edward Dodwell hat vor 200 Jahren angeblich noch festgestellt, daß ihm der Wein “beinahe die Haut von den Lippen fraß”.

In Deutschland und in vielen weiteren Teilen der Welt beherrscht heute Kourtaki den Markt, jeder “Kenner” in Griechenland empfiehlt Malamatina (stimmt, ist gut) aber es gibt sehr viele lokale Sorten. Murray’s Handbook beschreibt (siehe oben) noch, daß so viel Harz in Weinfaß oder Amphore versenkt wurde, daß das aus dem Harz austretende Öl eine luftdichte Schicht auf der Oberfläche des Faßinhalts bildete – was die Haltbarkeit des Weines verbesserte. Daß der Geschmack des Weines dabei “verdorben” wurde, wurde in Kauf genommen … ja, man gewöhnte sich sogar daran.

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Das Harz wird gewonnen, indem man die Rinde der Kiefern einschneidet. Das austretende Harz fließt in am Baum festgenagelte Blechbehälter und trocknet an der Luft recht schnell. Heute darf bis zu 1 Kilogramm Harz pro Hektoliter dem Wein beim Gärungsprozeß beigefügt werden, aber viele Winzer benutzten höchstens 100 Gramm. Das reicht wohl auch …

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Harzgewinnung auf der Insel Skyros
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3 comments

  1. Gut recherchierter Beitrag, auch die Bilder dazu finde ich gut ausgewählt. Was den Griechen an dem anscheinend so verschmähten Retsina mundet konnte jedoch auch nicht gelüftet werden. Offenbar wirklich nur die Gewöhnung?

    Na, ich werde mir diesen Wein dieses Jahr im Urlaub “reinziehen”. Und dann red’ ich mit ;-)

  2. Also, wenn es im nächsten Urlaub der erste Versuch ist, das ist nicht mehr so “schlimm” wie früher. Die Wein-Produzenten neigen generell dazu, den Harz-Anteil immer mehr zu reduzieren. Man paßt sich eben den Gewohnheiten der Konsumenten an. Außerdem werden heute ALLEN Lebensmitteln die bitteren Stoffe entzogen …

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