Neue Fußwegfreiheit?
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No city for old men …
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Athen ist groß. Aber Athen hat nicht genug Platz. Nicht für alles, was sich bewegt. Nicht genug Platz für Fußgänger. Für Radfahrer. Für Kinderwagen. Für Rollstühle.
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Ja, Rollstühle! Ich muß gestehen, daß ich mir bisher darüber gar keine Gedanken gemacht habe. Aber 10 Prozent aller Menschen in der EU sind “behindert” (volkstümlich, aber politisch inkorrekt gesagt). Hätten Sie das gewußt? Besonders oft sind sie in ihrer Geh- oder Sehfähigkeit eingeschränkt. Und damit auf Barrierefreiheit für ihre Hilfsmittel angewiesen.
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Von den 14.000 Taxis im Athener Großraum sind gerade 3 (drei) dazu eingerichtet, einen Rollstuhl zu transportieren. Kathy Tzilivakis (Athens News) hat Lakis Katsanis, einen der spezialisierten Fahrer, interviewt. Er sieht die größten Probleme für seine Fahrgäste nicht bei der Autofahrt, sondern am Fahrtziel auf den Bürgersteigen und in den Gebäuden: Zu viele Hindernisse … falsch geparkte Autos, Kiosk-Auslagen, Treppenstufen, zu steile Rampen, ausufernde Straßencafés und die berüchtigten winzigen Fahrstühle in den Athener Häusern, die man selber ja auch kennt (… schon mal mit Gepäck und Begleitung ein Athener Hotelzimmer im 5. Stock angesteuert?). Katsanis fährt seine Fahrgäste praktisch nur zu Ärzten und staatlichen Dienststellen, jedoch niemals zum Freizeitvergnügen.
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Aber auch wer sonst ohne Auto unterwegs ist, hat seine Probleme beim Vorwärtskommen. Laut PEZI, einer Fußgänger-Interessenvertretung in Athen, hat die Stadt eine der höchsten Unfallraten in der EU. Betroffen sind ganz besonders Fußgänger und Zweiradfahrer.
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Wir wollen der Stadtverwaltung Athen nicht vorwerfen, dagegen nichts zu tun. Besonders zu den Olympischen Spielen (auf Druck von außen) war man aktiv. Vorwiegend dort, wo die Welt auch hinschaute. Wo die Altertümer und die Touristen sind. 250 Millionen Euro wurden um 2004 investiert, um die Lage für Nicht-Autofahrer zu verbessern.
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In Umkreis der Akropolis ist für Fußgänger tatsächlich vieles besser geworden. Da wurden die Fußwege von Verkaufsständen, Schlaglöchern und Falschparkern befreit. Es gibt eine striktere Verkehrsaufsicht, und die Autofahrer sind an den Zebrastreifen etwas vorsichtiger geworden. Etwas. Rund um die Akropolis existiert nun eine Fußgängerzone. Die rustikal gepflasterte Dionissiou Areopagitou ist so ruhig geworden, daß man da nachmittags tatsächlich die Vögel singen hört und es nach Sommerblumen riecht. Ich hab mich kürzlich darüber richtig erschreckt, nachdem ich von der Singrou da hinein abgebogen bin …
. Und es wird viel investiert ins Netz der Metro, in die wieder neu errichtete Straßenbahn und in die Züge der Ringbahn. (Auf der Strecke Korinth-Piräus sind die Züge bequem und preiswert, allerdings ein bißchen zu kurz.)
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Idylle vor etwa 50 Jahren: Straßenbahn am Hadrianstor
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Aber Athen wächst so schnell, daß der Fortschritt im Zentrum den Bewohnern in den Vororten oft noch nicht so viel nutzt. Athen ist immer noch eine Auto-Stadt. 8 Millionen Autofahrten werden täglich im Großraum Athen unternommen (im Schnitt 1,4 Personen pro Fahrt im Pkw). 2,2 Millionen Athener nutzen täglich ein öffentliches Verkehrsmittel. (Die Anzahl privater Kfz steigt in Griechenland jedes Jahr um 6,5 %. Aber die durchschnittliche Geschwindigkeit des motorisierten Straßenverkehrs im Großraum Athen sinkt angeblich jedes Jahr um 5,8 %. Viele der Hauptstraßen sind an der Kapazitätsgrenze angekommen.)
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Man glaubt es kaum … es wird auch in Radwege investiert. Doch laut PODILATES, der Athener Radfahrer-Vereinigung, ist das eher Kosmetik. Die Radwege sind meist als Freizeitstrecken angelegt, in Randlagen, und werden in der Regel von existierenden Fußwegen abgetrennt! Das hätten die Athener Radfahrer – die im Alltag, besonders auf dem Weg zur Arbeit, ihr Rad nutzen würden – gerne anders. Außerdem würden sie gerne ihr Rad gelegentlich in öffentlichen Verkehrsmitteln mitnehmen. Wenigstens sonntags. Das ist in Athen jedoch generell verboten.
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Hm. Mit dem Rad ins Büro? In Athen? In der Hauptverkehrszeit? Das zeigt verborgene suizidale Neigungen …
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“Waas? Sie halten den Verkehr an, damit ein blöder Radfahrer über die Kreuzung kommt?”
“Vorsicht, Kyrie! Sollte ich mich umdrehen, sehe ich … und zwar gebührenpflichtig … daß Sie keinen Helm tragen …”
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No city for old men …
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Athen ist groß. Aber Athen hat nicht genug Platz. Nicht für alles, was sich bewegt. Nicht genug Platz für Fußgänger. Für Radfahrer. Für Kinderwagen. Für Rollstühle.
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Ja, Rollstühle! Ich muß gestehen, daß ich mir bisher darüber gar keine Gedanken gemacht habe. Aber 10 Prozent aller Menschen in der EU sind “behindert” (volkstümlich, aber politisch inkorrekt gesagt). Hätten Sie das gewußt? Besonders oft sind sie in ihrer Geh- oder Sehfähigkeit eingeschränkt. Und damit auf Barrierefreiheit für ihre Hilfsmittel angewiesen.
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Von den 14.000 Taxis im Athener Großraum sind gerade 3 (drei) dazu eingerichtet, einen Rollstuhl zu transportieren. Kathy Tzilivakis (Athens News) hat Lakis Katsanis, einen der spezialisierten Fahrer, interviewt. Er sieht die größten Probleme für seine Fahrgäste nicht bei der Autofahrt, sondern am Fahrtziel auf den Bürgersteigen und in den Gebäuden: Zu viele Hindernisse … falsch geparkte Autos, Kiosk-Auslagen, Treppenstufen, zu steile Rampen, ausufernde Straßencafés und die berüchtigten winzigen Fahrstühle in den Athener Häusern, die man selber ja auch kennt (… schon mal mit Gepäck und Begleitung ein Athener Hotelzimmer im 5. Stock angesteuert?). Katsanis fährt seine Fahrgäste praktisch nur zu Ärzten und staatlichen Dienststellen, jedoch niemals zum Freizeitvergnügen.
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Aber auch wer sonst ohne Auto unterwegs ist, hat seine Probleme beim Vorwärtskommen. Laut PEZI, einer Fußgänger-Interessenvertretung in Athen, hat die Stadt eine der höchsten Unfallraten in der EU. Betroffen sind ganz besonders Fußgänger und Zweiradfahrer.
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Wir wollen der Stadtverwaltung Athen nicht vorwerfen, dagegen nichts zu tun. Besonders zu den Olympischen Spielen (auf Druck von außen) war man aktiv. Vorwiegend dort, wo die Welt auch hinschaute. Wo die Altertümer und die Touristen sind. 250 Millionen Euro wurden um 2004 investiert, um die Lage für Nicht-Autofahrer zu verbessern.
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In Umkreis der Akropolis ist für Fußgänger tatsächlich vieles besser geworden. Da wurden die Fußwege von Verkaufsständen, Schlaglöchern und Falschparkern befreit. Es gibt eine striktere Verkehrsaufsicht, und die Autofahrer sind an den Zebrastreifen etwas vorsichtiger geworden. Etwas. Rund um die Akropolis existiert nun eine Fußgängerzone. Die rustikal gepflasterte Dionissiou Areopagitou ist so ruhig geworden, daß man da nachmittags tatsächlich die Vögel singen hört und es nach Sommerblumen riecht. Ich hab mich kürzlich darüber richtig erschreckt, nachdem ich von der Singrou da hinein abgebogen bin …
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Idylle vor etwa 50 Jahren: Straßenbahn am Hadrianstor
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Aber Athen wächst so schnell, daß der Fortschritt im Zentrum den Bewohnern in den Vororten oft noch nicht so viel nutzt. Athen ist immer noch eine Auto-Stadt. 8 Millionen Autofahrten werden täglich im Großraum Athen unternommen (im Schnitt 1,4 Personen pro Fahrt im Pkw). 2,2 Millionen Athener nutzen täglich ein öffentliches Verkehrsmittel. (Die Anzahl privater Kfz steigt in Griechenland jedes Jahr um 6,5 %. Aber die durchschnittliche Geschwindigkeit des motorisierten Straßenverkehrs im Großraum Athen sinkt angeblich jedes Jahr um 5,8 %. Viele der Hauptstraßen sind an der Kapazitätsgrenze angekommen.)
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Man glaubt es kaum … es wird auch in Radwege investiert. Doch laut PODILATES, der Athener Radfahrer-Vereinigung, ist das eher Kosmetik. Die Radwege sind meist als Freizeitstrecken angelegt, in Randlagen, und werden in der Regel von existierenden Fußwegen abgetrennt! Das hätten die Athener Radfahrer – die im Alltag, besonders auf dem Weg zur Arbeit, ihr Rad nutzen würden – gerne anders. Außerdem würden sie gerne ihr Rad gelegentlich in öffentlichen Verkehrsmitteln mitnehmen. Wenigstens sonntags. Das ist in Athen jedoch generell verboten.
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Hm. Mit dem Rad ins Büro? In Athen? In der Hauptverkehrszeit? Das zeigt verborgene suizidale Neigungen …
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“Waas? Sie halten den Verkehr an, damit ein blöder Radfahrer über die Kreuzung kommt?”
“Vorsicht, Kyrie! Sollte ich mich umdrehen, sehe ich … und zwar gebührenpflichtig … daß Sie keinen Helm tragen …”
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November 6, 2009 at 4:52 pm |
Bis ein allgemeines Umdenken einsetzt werden wohl Jahrzehnte vergehen.
Ein wenig hat sich getan, aber auch nur ein wenig.
http://www.fotocommunity.de/pc/pc/pcat/345289/display/5409264
Mich nerven schon die Falschparker und Gehwegzusteller.
Was machen die “Behinderten” ? haben sie resigniert ?
Frank
November 6, 2009 at 6:56 pm |
Na, immerhin parkt auf deinem Foto keiner in der zweiten Reihe.

Wenn das kein Fortschritt ist …
Theo