Ab 2008 früher ins Bett?

13.11.2007 - ekathimerini bringt heute das Interview mit Tania Tsanaklidou, die zur Zeit im Metro Club in Athen auftritt.

Frage: How do feel about having established a [relatively early, for Greek standards] 9.30 p. m. start at the Metro venue a few years back?

Antwort: Well, people responded. The show’s over by 12.30, including encores. I can’t go on hearing about the public being the reason for everything. People can adapt and respond with punctuality.

Ist nicht wahr! Tania Tsanaklidou beendet ihr Konzert bereits eine halbe Stunde nach Mitternacht! Da geht das Athener Nachtleben doch eigentlich gerade erst los! Griechenland wird auch immer europäischer …

Ausgerechnet gestern hatte ich noch Sofka Zinovieffs Bericht über ein Glykera-Konzert im Harama-Club (2001) gelesen und ihre Beobachtungen über die Athener Philosophie des Die-Nacht-Durchmachens … und das hatte mich an ein unvergessliches Eleftheria Arvanitaki Konzert im Athener Apollon-Club 1994 erinnert …

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Die Athener “Außentapete” von März 1994, das Eleftheria-Arvanitaki-Poster

Fangen wir also hinten an: 26.03.1994 … wir waren erst einen Tag vorher in der Stadt angekommen und hatten sofort das Poster gesehen. Es war ja überall. Es war Samstag, und Arvanitaki war schon ein absoluter Star in Griechenland … ihre neue CD damals: Ta Kormia ke ta Maheria. Trotzdem hatten wir nachmittags im Club nachgefragt: Gibt es noch Karten?

Gelächter im Büro. Tickets? Keine Chance, alle Tische längst ausverkauft. Aber wenn wir um 22 Uhr kämen, dann würde oben der Stehbalkon aufgemacht. Nein, kein Vorverkauf, wer zuerst kommt, kommt rein. Eintritt? Nein, kein Eintritt, nur Verzehr, aber jedes Getränk 2.000 Drachmen. (Entsprach etwa 15 DM. Ein Frappé kostete damals 250 oder 300 Drachmen.)

Wir waren um halb zehn da, und wurden um zehn Uhr beim Türöffnen in den oberen Raum reingespült. In 2 Minuten war alles sardinendosenvoll. Bevor das Konzert anfing (um 23:30) hatten wir sogar die Gelegenheit, an der Bar 2 Getränke zu kaufen. Als das Konzert anfing, drängte alles zum Balkon, da ging überhaupt nichts mehr. Wir standen nämlich vorne. Kein vor, kein zurück, um die Bar acht massiv verkeilte Reihen Leute, zur Toilette mußte man mindestens eine Viertelstunde Weg einplanen … und seinen leeren Plastikbecher konnte man auch nicht mehr fallen lassen. Kein Platz. Währenddessen wurde unten im Saal flaschenweise Whisky ausgeteilt. Das war obligatorisch. Und unten war sogar Platz genug, um auf die Tische zu klettern und zu tanzen. Was auch getan wurde …

Das Konzert war gerade in den ersten Zugaben, als wir unsere Ellenbogen mit Macht einsetzten, um rauszukommen. 2 Uhr 30. Auf dem Weg zum Ledra Marriott kamen wir noch an vielen Kneipen vorbei, in denen noch gruppenweise 70jährige bei Tanz und Musik fröhlich aktiv waren. Aber wir waren völlig fertig und dehydriert …

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Der alte Apollon-Club, tagsüber nicht gerade einladend, hinten die Akropolis

Sofka Zinovieff stammt aus einer russischen Familie, ist in England großgeworden, mit einem Griechen verheiratet, lebt seit 2001 in Athen. Ihr Buch “Eurydice Street” hält ihre ersten Athener Beobachtungen fest. Kapitel 7 (Creatures of the night) war meine gestrige Lektüre. Das Harama ist ein alter Rembetika-Club. Die Karaffe Whisky (für 4 Personen) kostete “two labourer’s daily wages” (2 Arbeitertageslöhne). Trotzdem stritten sich die Griechen am Tisch heftig darum, wer bezahlen durfte (ja, das kenne ich auch): “… there is a certain humiliation in being paid for, just as there is triumph in paying … those who have been paid for sometimes appear angry, and certainly show no gratitude.”

Als Sofkas Freunde um drei Uhr morgens gehen wollen, ist der Türsteher peinlichst beleidigt: “He waved off our excuses of work the next morning as if they were an insult.” Und draußen standen sie auf dem Weg nach Hause (in Vouliagmeni) sofort im Stau.

Sie hatte sich 2001 umgehend an die Lebensweise des “go to burn it until dawn” gewöhnen müssen: “There is a verb for staying up late or all night - to un-night or de-night.” Ohne das kein City-Sozialleben. Tja. Es sei denn, es ist 2007 und man ist Tania Tsanaklidou-Fan …

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Sofka Zinovieff: “Eurydice Street - A Place In Athens”
Granta Books, London 2004,
ISBN: 1862077509

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