Pausanias, der Ur-Baedeker

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Die erste lateinische Ausgabe des Pausanias-Handbuchs von 1557: “Pausanie De Florentiss. Veteris Graeciae Regionibus comentarii a Romulo Amasaeo”, verlegt in Basel von Michael Insigrinium, und ein früher Baedeker Reiseführer aus der Zeit von Heinrich Schliemann und Wilhelm Dörpfeld

Ein kultureller Reiseführer für Griechenland (ungefähr) aus der Zeit der Briefe des Paulus an die Thessalonicher und Korinther! Und der Pausanias wird … wie auch der Paulus, na sowas … :-) … immer noch verlegt!
Der griechisch-römische Schriftsteller und Geograph Pausanias (oder Pausanius Periegeta) lebte zwischen 115 und 175 n.Chr.

Pausanias war ständig unterwegs, er bereiste Griechenland, Kleinasien, Syrien, Libyen, Ägypten und Italien. Erhalten ist seine Beschreibung Griechenlands Hellados Periégesis in zehn Büchern. Seine Darstellung stützt sich dabei sowohl auf seine eigenen Beobachtungen vor Ort als auch auf die Studien von zahlreichen “antiken” Autoren. (Pausanias lebte ja nicht mehr in klassisch-griechischer Zeit.) Er trug mit seinen Schriften wesentlich zu unserem Bild des antiken Griechenlands bei.

Er beschreibt nicht nur die Landschaft und Wege sehr genau, sondern auch jegliche Art von Bauwerken, angefangen mit dem aktuellen Zustand von Tempelanlagen bis hin zu Befestigungen und Friedhöfen, die er für seine Leser möglichst plastisch darstellt. Somit ist sein Werk heute noch von großem Wert: Da in den folgenden Jahrhunderten vieles von dem, was er detailliert beschrieben hat, zerstört, verschüttet oder vergessen war, war sein Werk ein wichtiges Hilfsmittel für die Archäologen. Mit Hilfe seiner Darstellungen wurden oft antike Überreste erst wieder entdeckt!

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Dörpfeld und die Schliemanns in Mykene, vor dem Löwentor

Auch Lebensgewohnheiten der damaligen Griechen und ihre Mythen und Göttergeschichten sind festgehalten. Bevor im 19. Jahrhundert intensiv mit den Ausgrabungen begonnen wurde, wurde noch häufig an der Authentizität der Berichte des Pausanias gezweifelt. Inzwischen läßt sich belegen, daß er tatsächlich den selbst gesehenen Zustand des 2. Jahrhunderts beschrieb, und seinen Text nicht aus alten Quellen “zusammengeschrieben” hatte.

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Aus den Index-Seiten der Amasaeo-Ausgabe von 1577 … allein der Indexteil dieser Ausgabe ist dicker als heute so manches Griechenland Reisetaschenbuch für Eilige …

Wenn Sie als Neusprachler (wie ich) lieber Deutsch als Griechisch oder Latein lesen wollen:

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Manesse-Ausgabe von 1999

Pausanias sei sehr schwer zu übersetzen. Ich kann das nicht beurteilen. Ich habe zum Spaß … womit man mir nicht alles Spaß bereiten kann … :-) … ein paar Teile aus der Manesse-Ausgabe (hrsg. und übersetzt von Jacques Laager, 1999) und eine Ausgabe von 1827 (hrsg. und übersetzt von Carl Gottfried Siebelis) parallel gelesen. Siebelis, Gymnasiums-Rektor und Mitglied des Thüringisch-Sächsischen Vereins für Erforschung des vaterländischen Altertums … ähem! …, beschwört die Sprachprobleme in der Einleitung. Man muß sagen, der Text beider Bände erschien mir (von den sprachlichen Zeitgeschmack-Einfärbungen mal abgesehen) ziemlich identisch.

Etwa so klingt das bei Pausanias (1999): “Geht man von Korinth nicht ins Binnenland, sondern den Weg nach Sikyon, so steht, nicht weit von der Stadt entfernt, zur Linken des Weges ein verbrannter Tempel. Freilich gab es viele andere Kriege im korinthischen Land, das Feuer ergriff auch die Häuser und Heilgtümer außerhalb der Stadt, aber diesen Tempel, der Apollon gehörte, soll Pyrrhos, Achilleus’ Sohn, niedergebrannt haben.”

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Siebelius-Ausgabe von 1827
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