3 Die Reiseagenten im 19. Jh

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Es gab mehrere Gesellschaften, die am Ende des 19. Jahrhunderts den touristischen (Schiffs-)Verkehr im griechischen Raum und dem östlichen Mittelmeer organisierten. Ich stelle hier nur kurz die wichtigsten vor.
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Dazu gibt’s ein paar Illustrationen aus dem Hausprospekt von 1900 der Deutschen Levante-Linie, die als Muster für die “Kleinbetriebe” gelten soll. Die Deutsche Levante Linie hatte nur zwei Expressdampfer mit Passagierbeförderung: Die Stambul und die Pera. Mit der Stambul wurden richtige Pauschalreisen durchgeführt, z.B. die ‘Erste Stangensche Mittelmeerfahrt unter deutscher Flagge’ im Jahre 1899.
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Expressdampfer Stambul, Deutsche Levante Linie, um 1900
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Nebenbei: Das hier ist nur ein Fakten-Zwischenspiel. Ab der nächsten Seite gibt es wieder “echte” Reiseberichte! Also … in Stichworten – wer war was im Touristikgeschäft im 19. Jahrhundert:
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CARL STANGEN REISEBÜRO, BERLIN
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Die namhafteste deutsche Konkurrenz für den Weltmarktführer Thomas Cook & Son (siehe unten). 1863 in Breslau gegründet, 1868 nach Berlin verlegt. Stangen veranstaltete “Gesellschaftsreisen für bessere Kreise”. 1869 gab es die erste Gruppenreise nach Ägypten, 1878 die erste Weltreise. Auch bei Stangen gab es ab 1875 Hotelcoupons und ab 1888 Fahrten- und Gutscheinhefte. 1899 wurden bereits 688 verschiedene Gesellschaftsreisen unternommen. Stangen arrangierte Reisen mit verschiedenen Reedereien und Bahngesellschaften. 1905 wurde die Firma Stangen von der HAPAG aufgekauft.
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THOMAS COOK & SON
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Thomas Cook (1808-1892) gilt als der Erfinder der modernen Pauschalreise. 1855 veranstaltete er die erste Europa-Rundreise für britische Touristen (London-Brüssel-Köln-Heidelberg-Baden Baden-Straßburg-Paris-London). 1866 wurde die erste Amerikareise durchgeführt. Thomas Cook & Son erfindet den Hotelgutschein und den Reisekreditbrief (Reisescheck). Nach Eröffnung des Suez-Kanals erschließt sich Asien als Reiseziel. 1872 wird das erste von vielen Auslandsbüros eröffnet, und zwar in Kairo. Ab 1869 gibt es Nil-Kreuzfahrten auf firmeneigenen Schiffen. 1872 wird die erste organisierte Weltreise veranstaltet, sie dauert 222 Tage. Um die Jahrhundertwende ist Thomas Cook & Son das weltweit führende Touristik-Unternehmen. 1919 werden die ersten Flugtickets angeboten.
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NORDDEUTSCHER LLOYD
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1857 in Bremen von Hermann Henrich Meier und Eduard Crüsemann gegründet. Wurde bis zur Jahrhundertwende die führende deutsche Reederei, die auch für viele Kooperationspartner im Touristikgeschäft arbeitete. Ihr Hauptschwerpunkt waren die Transatlantik-Reisen. Bereits ab 1858 gab es einen  regelmäßigen Linienbetrieb zwischen Bremerhaven und New York. Schiffs- und Bahnreisen wurden miteinander verbunden, in den USA war der NDL zum Beispiel seit 1867 Teilhaber an der Baltimore-Linie. Nach der Gründung des Deutschen Reiches wuchs der NDL  ab 1871 explosionsartig, profitierte ebenfalls von der Suez-Kanal-Inbetriebnahme und übernahm den weltweiten Postbetrieb ab Deutschland. Die Namen der NDL-Schiffe zur Jahrhundertwende lassen ahnen, woher der finanzielle Wind weht: Kaiser Wilhelm der Große, Kronprinz Wilhelm, Kaiser Wilhelm II., Kronprinzessin Cecilie usw. Die NDL bestand mit reichspolitischer Förderung den internationalen Konkurrenzkampf (die britische Cunard, die französische CGT, White Star Line, Leyland Line, Red Star Line, Holland-Amerika-Lijn usw. waren ebenso aktiv) und war immer wieder der Gewinner des Blauen Bandes für die schnellste Atlantik-Überquerung. Um 1900 gehörten der NDL fast 150 Hochseeschiffe. Für Mittelmeer-Reisen war der Österreichische Lloyd jedoch klar führend in der Konkurrenz.
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Mittelmeerausflüge und Preisliste der Deutschen Levante Linie (Handbuch 1900). Zum Vergleich: In Berlin kostete um 1900 ein ordentliches Hotel pro Nacht/DZ etwa 3 Mark, was Edles etwa 10-15 Mark; ein Kellner in einem durchschnittlichen Restaurant kriegte 10 bis 20 Pfennig Trinkgeld …
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ÖSTERREICHISCHER LLOYD (LLOYD AUSTRIACO)
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1833 in Triest gegründet, in Konkurrenz zur ungarischen Schiffahrts-gesellschaft ADRIA in Fiume. Hauptsächliches Ziel des Lloyd AU war eigentlich Versicherung und Informationsbeschaffung für Spediteure und Frachttransport. Doch schon im Gründungsvertrag wird der Passagierverkehr mit Dampfbooten ab Triest Richtung Orient vereinbart. Ab 1837 gab es einen regelmäßigen Liniendienst nach Konstantinopel. Bald war der gesamte östliche Mittelmeer-Raum und das Schwarze Meer erschlossen, hier wurde eine Verbindung zu den Schiffen der Donau-Dampfschiffahrts-Gesellschaft (DDSG) geschaffen, die eine Menge Verkehr ab Wien in Richtung Orient schufen. Ab 1842 wurde vom Lloyd Austriaco offiziell der österreichische Postdienst übernommen. Der Lloyd AU arbeitete bei der österreichischen “Erschließung” des Balkan-Raumes für die k.u.k. Armee. Der Lloyd AU war Gesellschafter an der Suezkanal-Betriebsgesellschaft. Bei der Eröffnung fuhren die Lloyd AU Schiffe Pluto, Vulkan und Amerika im allerersten Konvoi. Um 1890 besaß der Lloyd AU bereits um die 85 Hochseeschiffe. Der Lloyd kooperierte mit Reisegesellschaften, war bekannt für guten Service und gute Küche, schaffte sich jedoch erst 1907 den ersten eigenen “Vergnügungsdampfer” an, die Thalia.
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Lloyd Austriaco – Verbindungen im griechischen Raum
(aus: Itinéraire de L’Orient 1861, Seite XXXIX)
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DONAUDAMPFSCHIFFAHRTSGESELLSCHAFT (DDSG)
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1829 gegründet, zunächst nur für den Verkehr zwischen Wien und Budapest. Ab 1834 wurde die gesamte Donau bis zur Mündung erschlossen, ebenfalls die weitere Strecke bis zum Bosporus. Für Orient- und Griechenlandreisende im 19. Jahrhundert war das eine wichtige Strecke. Die Hochseestrecken wurden 1845 vom Lloyd Austriaco übernommen. 1880 war die DDSG die größte Binnen-Reederei der Welt: mit 200 Dampfschiffen wurden etwa 1,3 Millionen Tonnen Fracht und 2 Millionen Passagiere pro Jahr befördert.
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Damensalon der Pera, Deutsche Levante Linie, um 1900
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Und woher kommt der Name LLOYD ?
Der Firmengründer Edward Lloyd war Ende des 17. Jahrhunderts Besitzer eines Kaffeehauses in London, wo der Verkehr in Schiffahrtsangelegenheiten und deren Versicherung ihren Schwerpunkt hatte. Die “Gesellschaft zur Klassifizierung der Schiffe für Seeversicherung und Seetransport” war seit Beginn des 19. Jahrhunderts das führende Klassifikations- und Versicherungsunternehmen (neben dem französischen Bureau Veritas, 1828 gegründet, das jährlich das Generalregister sämtlicher Schiffe der Welt herausgab). Der Londoner Lloyd war branchenführend durch sein Nachrichtenbüro und seine Zeitung.

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2 comments

  1. Herzlichen Dank für die gut gestaltete und informative Website. Für eine Veröffentlichung zu Reisen im 19. Jh nach Jerusalem und Palästina bin ich auf der Suche nach Informationen zum Verhältnis zwischen Carl Stangen und Hugo Stangen, die jeder ein Reisebüro betrieben, scheibar aber durchaus zusammenerbeiteten. Ich konnte bisher keine Hinweise auf eine eventuelle Verwandschaft finden, und wäre für jeden Hinweis dankbar.
    Mit freundlichen Grüßen, Mareike Großer

  2. Hallo,
    es gab auf alle Fälle verwandschaftliche Verhältnisse zwischen beiden.
    Wofür benötigen Sie Ihre Angaben?
    Vielleicht finde ich noch Material.

    MfG
    Barbara Mewis

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